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Interviews & Artikel

WISDOM IN CHAINS

Aufrichtigkeit, Stärke und Respekt

WISDOM IN CHAINS sind aus der US-Hardcore- und Punk-Szene nicht mehr wegzudenken und brüllen seit nunmehr 17 Jahren ihre Wut auf die Welt heraus. Ihr neues Album „Nothing In Nature Respects Weakness“ auf Demons Run Amok ist da keine Ausnahme. Gitarrist Richie Krutch erklärt im Interview den Kosmos seiner Band zwischen Wut, Aggression und Authentizität.

Richie, wie ist das Leben in den USA derzeit für eine Hardcore-Band?


Musikalisch ist alles gut. Es ist gerade viel los in der Szene – weil es eben viel zu sagen gibt. Entsprechend gibt es viel neue Musik von Bands wie MADBALL, SICK OF IT ALL, CODE ORANGE, TERROR, MODERN LIFE IS WAR, STREET DOGS ...

Und von euch ... Der erste Track eures neuen Albums heißt „Life lessons“. Welche Lektionen hat euch das Leben seit dem Beginn von WISDOM IN CHAINS gelehrt?

Wir haben über die Jahre gelernt, dass die besten Songs aus der Arbeit als Team entstehen. Es ist sehr schön zu sehen, wie alle Elemente, die Ideen aller Bandmitglieder zusammenkommen und zur Entstehung eines Songs beitragen. Weil bei uns eben alle mit Interesse und Feuereifer dabei sind. Keiner bleibt außen vor. Und am Ende dann – nachdem jeder von uns seine Vorstellungen eingebracht hat – die neuen Songs zu hören, das ist schon sehr cool. Eine weitere Lektion, die ich seit der Gründung von WISDOM IN CHAINS gelernt habe, ist zudem, dass deine Reputation bei den Leuten sehr wichtig ist. Und diese Reputation gründet auf deiner Aufrichtigkeit. Darauf, dass du ein guter Mensch bist. Die intensiven Freundschaften und Beziehungen, die wir mit anderen Bands und Mitgliedern der Szene aufgebaut haben, basieren alle auf genau dieser Sache. Nämlich dass man jedem respektvoll begegnet. Anders gesagt: Man muss die Leute immer so behandeln, wir man selber behandelt werden möchte.

Um noch mal auf die „gute Zeit“ für Hardcore-Bands in den USA zurückzukommen: Die Songs auf eurem bislang letzten Album hießen unter anderem „How far will you go?“, „Songs to my killer“ und „Violent Americans“. Sie wurden vor drei Jahren geschrieben. Aber sie könnten ebenso den sozialen und politischen Status quo von heute beschreiben, nicht wahr?

Ja, das könnten sie. Das Land ist gespaltener als je zuvor. Vor drei Jahren hatten wir bereits das Gefühl, dass sich die Politik in die totale Scheiße verabschiedet hat. Politiker waren Marionetten der Großkonzerne, des Kapitalismus, die mit einem Lächeln im Gesicht gemeinsame Sache mit den Bankiers machten, während sie nach außen vorgaben, sich um uns zu kümmern. Wenn du dich heute umschaust, dann ist die Situation genauso – nur noch schlimmer und ohne das Lächeln. Eigentlich müsste man die USA in drei oder vier verschiedene Landesteile aufsplitten ... Es ist schlichtweg schockierend zu sehen, wie unterschiedlich Menschen ein und dieselbe Situation bewerten können. Und es ist ebenso traurig zu sehen, wie viele Amerikaner einem Politiker ihre uneingeschränkte Loyalität blind anbieten und seinem, nun ja, Fanclub beitreten.

„Fanclub“ ist eine schöne, eine euphemistische Umschreibung.

Ja, aber es ist doch so. Ein Politiker sollte nicht verehrt werden. Er sollte zur Verantwortung gezogen werden, wenn er etwas tut, das ich für falsch halte. Egal, ob ich ihn nun mag oder nicht. Wenn er Mist baut, dann muss ich das auch kritisieren und laut aussprechen – und ich erwarte, dass das auch andere tun. Derzeit aber ist es eher so, dass sich die Leute, wenn sie einen bestimmten Politiker unterstützen, auf seine Seite schlagen. Und zwar unabhängig davon, was er sagt oder tut. Die Leute übernehmen dadurch die Rolle von Fans und nicht die von Bürgern, die rechtmäßig verlangen, dass die Personen, die wir durch unsere Steuern bezahlen, zur Rechenschaft gezogen werden und sich erklären müssen, sobald sie lügen oder ihre Versprechen brechen.

Wann hast du dich zuletzt, vielleicht auch angesichts dieser Entwicklung, beinahe tot gefühlt?

Haha, das ist eine Anspielung auf unseren neuen Song „Already dead“! Unser Sänger Mad Joe Black hat ihn aus der Perspektive Gottes geschrieben – gesetzt den Fall, es würde ihn geben. Der Text beschreibt, wie Gott die menschliche Rasse beobachtet und wie er sie sieht. Was er über uns denkt. Würde er, als Schöpfer der Menschen, seine eigene Schöpfung tatsächlich als so egoistisch und unersättlich erkennen, wie sie ist? Oder würde er das übersehen? Ich finde, der Song bringt dadurch einen richtig guten Spin in dieses Thema.

Wo wir gerade bei Anspielungen sind: Ich denke, der Albumtitel „Nothing In Nature Respects Weakness“ ist eine auf die Machtgier der Menschen, oder?

Es ist viel mehr als das. Es ist eine Aussage, die meiner Meinung nach ohne Wenn und Aber zutrifft. Ich habe diesen Satz vor Jahren gehört und ihn nicht mehr aus dem Kopf gekriegt. Ich habe ihn hin und her gewendet und zu deuten versucht. Und ich habe letztlich festgestellt: Er ist nicht zu widerlegen. Die Natur – sei es nun die menschliche Natur, die Natur einer bestimmten Tierart oder die Natur des Planeten an sich – verschlingt Schwäche immer und überall. Wenn ein Wurf Welpen geboren wird, sterben oft die Schwächsten. Sie können sich nicht selber ernähren und werden von den stärkeren Welpen einfach beiseite geschoben. Wenn das Fundament eines Gebäudes schwach ist, dann bröckelt es, nur um am Ende zusammenzustürzen und von der Natur überwuchert zu werden. Eine schwache Stimme hört man nicht. Eine starke Stimme dagegen schon.

Strebst du selber Stärke an?

Natürlich! Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich sage nicht, dass man andere Menschen schikanieren oder einschüchtern sollte, um Stärke zu zeigen. Ein solches Verhalten wäre selbst ein Zeichen von Schwäche. Aber eine Demonstration von Stärke und Vertrauen ist immer hilfreich, um in dieser Welt zu überleben. Und mit wahrer, guter Stärke gehen viele positive Dinge einher.

Was, denkst du, ist die wichtigste Lektion, die du in bislang 17 Jahren WISDOM IN CHAINS über dich selber gelernt hast?

Ich habe gelernt, dass ich einen Vollzeitjob machen und dadurch selbstständig leben und trotzdem Spaß an der Band haben kann.

Und was hast du über das Musikbusiness gelernt?

Wenn es ums Musikbusiness geht, dann gilt: Es kommt, wie es kommt. Und die Bands, die die klügsten Strategien fahren und sich nicht vor Risiken scheuen, sind die Bands, die am Ende auch Erfolg haben.

Und über die Punkrock- und Hardcore-Szene ...?

Um in dieser Szene lange Zeit bestehen zu können, muss man Wort halten und authentisch sein. Wer das nicht ist und sich nur aufspielt, der wird irgendwann enttarnt und erlebt eine derart unangenehme Zeit, dass er irgendwann von sich aus verschwindet.

Und zu guter Letzt: Was haben dich 17 Jahre Bandexistenz über die Gesellschaft und diese Welt an sich gelehrt?

Sehr viel. Und vor allem, dass wir eigentlich alle gleich sind. Da wir als Musiker das Privileg haben, viel reisen können, sehen wir, wie ähnlich sich die Menschen wirklich sind, unabhängig von Rasse, Nationalität oder Kultur. Sie wollen meistens auch die gleichen Dinge: Freiheit, Frieden, Gesundheit.

Um noch mal auf die Zeit der Bandexistenz zu kommen: WISDOM IN CHAINS gibt es seit 17 Jahren. Ihr seid ein durchaus großer Act in der Szene. Und doch ist das hier das erste Interview mit dem Ox-Fanzine als Sprachrohr genau dieser Szene. Worin liegen die Unterschiede zwischen der amerikanischen und der europäischen oder deutschen Szene aus deiner Sicht?

Ich denke, in Europa ist alles sehr viel organisierter. Und die Szene rund um unsere Musik ist entsprechend größer. In Amerika herrscht da eher eine „Jeder für sich“-Mentalität. Dort wird einer Band wie der unseren bei weitem nicht so viel Hilfe zu Teil, wie bei euch.

Eure Musik ist vor allem geprägt von Kraft, Aggression und Wut. Könnt ihr Songs überhaupt in entspannter Stimmungslage und wenn alles gut läuft – oder sind schlechte Zeiten und düstere Gedanken für euch unabdingbar, um den WISDOM IN CHAINS-Geist heraufzubeschwören?

Ich bin mir da nicht ganz sicher, weil ich ja nicht für die anderen sprechen kann. Aber letztlich ist es wohl doch eher so, dass es vor allem die ernsteren Themen sind, die wir für unsere Lieder verwenden. Und wenn es an solche Themen geht, dann ist es tatsächlich eher so, dass wir uns entsprechend düstere Gedanken machen und in einer entsprechenden Stimmung sind.

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #139 (August/September 2018)

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