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Interviews & Artikel

40 Jahre später: NINA HAGEN BAND - s/t (LP, CBS, 1978)

Man darf über das Schaffen von Nina Hagen in den letzten Jahren den Mantel des Schweigens ausbreiten, aber ihre Debüt-LP von 1978 war eines der markantesten deutschsprachigen Alben Ende der Siebziger Jahre. Mit den ehemaligen LOKOMOTIVE KREUZBERG- und späteren SPLIFF-Musikern Herwig Mitteregger, Reinhold Heil, Manfred Praeker und Bernhard Potschka formierte Nina Hagen nach ihrer Übersiedlung aus Ost-Berlin (und einem kurzen Intermezzo in London) im Herbst 1977 eine Band, die auf musikalisch hohem Level agierte, hinzu kamen die den Zeitgeist der Subkultur perfekt einfangenden Texte von Nina Hagen. Punk, Reggae und New Wave waren Inspiration, Ventil und Selbstinszenierungsplattform für Nina Hagen.

Der Opener „TV-Glotzer“ – musikalisch komplett dem THE TUBES-Klassiker „White punks on dope“ entlehnt, nur eben mit einem anderen Text – und „Auf’m Bahnhof Zoo“ sind interpretationsfreie Statements. Nina Hagen, die im August 1979 in der österreichischen Late-Night-Talkshow „Club 2“ detailliert ihre Lieblingspositionen bei der Selbstbefriedigung zeigte (der Moderator verlor anschließend seinen Job), hielt sich in ihren Texten nie zurück. In „Auf’m Bahnhof Zoo“ beschreibt sie eine lesbische Begegnung in einer Damentoilette und im Stück „Pank“ singt sie die Zeile: „Ich bin nicht deine Fickmaschine, spritz-spritz, das ist’n Witz.“ Im Text von „Unbeschreiblich weiblich“ tritt Nina Hagen für Abtreibung ein und rotzt ihre Einstellung zu diesem Thema unzweifelhaft heraus. Nina Hagen verkörperte plakativ die provokant-kompromisslos selbstbestimmte Frau.

Das Album fand sich nach der Veröffentlichung auf Platz 11 der deutschen Charts. Im Februar 1978 spielte die NINA HAGEN BAND im komplett ausverkauften West-Berliner Quartier Latin ihr erstes Konzert: vor ihr circa 800 Fans und gut 2.000 weiteren Fans vor der Halle, die vergeblich versucht hatten reinzukommen. Das Ganze ohne Promo-Agentur und mit Bandmitgliedern, die die Plakate noch selbst in der Stadt aufhängten. Viele ihrer – wie sie sagte – „göttlich inspirierten Anregungen“ erfuhr Nina Hagen mit ihrer Schwester im Geiste, Ari Up von THE SLITS, wenige Monate zuvor in London. Niemand aber konnte dieses Album besser umschreiben als Nina Hagen selbst: „Die Platte verursachte eine Brise voller Lebenslust und Lebensliebe im krampfig verdatterten Deutschland. Die Platte war voll mit extrem-dreisten, aber trotzdem ganz schön tiefgehenden Philosophierereien, Lebenserkenntnissen und Lebensbekenntnissen und ’ner guten Portion von punkigem Rotz und Motz.“ Das großartige Coverfoto wurde von Jim Rakete aufgenommen, dem Fotografen und Manager der NINA HAGEN BAND.

Markus Kolodziej

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #140 (Oktober/November 2018)