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Interviews & Artikel

ÅRABROT

Die Wahnsinnigen aus den Wäldern

Die norwegische Band ÅRABROT war einst die Speerspitze des humorigen Sludge. Warum dieses Kapitel schon seit dem vorherigen Album „The Gospel“ abgeschlossen ist, erklärt Frontmann Kjetil Nernes in diesem Interview, anlässlich der Veröffentlichung des neuen Werks „Who Do You Love“ auf Pelagic.

Du hast zum neuen Album „Who Do You Love“ einen 13-teiligen ÅRABROT-Videoblog veröffentlicht, gedreht und geschnitten von Martin Mentzoni. Wie kam es dazu?


Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen stammt Martin Mentzoni aus Haugesund, so wie ich und der Rest der Band. Er ist ein alter Freund und ich kenne ihn schon eine ganze Weile. Ich selbst bin ziemlich schlecht im Umgang mit Online-Technik. Ich hatte eigentlich noch nie etwas von Videoblogs beziehungsweise Vlogs gehört, bis er mich darauf gestoßen hat. Und das klang nach einem vielversprechenden gemeinsamen Projekt. Zum anderen habe ich schon eine ganze Weile darüber nachgedacht, wie man ÅRABROT den Leuten ein wenig verständlicher machen könnte. Seit langem geistert viel Seltsames über ÅRABROT umher, da ist die Rede von der „verrückten Band aus dem Norden“ oder „diesen Wahnsinnigen aus den Wäldern“. Ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit ist, da mal ein bisschen was aufzuklären. Die Idee war, mich hinsichtlich Inspirationen und wie wir die Dinge angehen, komplett nackig zu machen.

War es nicht hart, so viel von sich selbst preiszugeben?

Ich war schon hier und da ein wenig gehemmt. Zum Glück ist Martin Mentzoni ziemlich gut darin, etwas spaßig zu gestalten. Aber ich hatte trotzdem irgendwie das Gefühl, mich selbst zur Schau zu stellen. Fast wie in einer Reality-Show.

Deine ehemaligen Labelkollegen OKKULTOKRATI haben mir mal von deiner riesigen Instrumentensammlung vorgeschwärmt.

Meine Frau Karin und ich leben in einer umgebauten Kirche, und wir haben da einfach eine Menge Platz für Equipment jeglicher Art. Wir horten beispielsweise ein paar alte Orgeln, drei Pianos und sogar eine echte Kirchenorgel, ziemlich selten so was, haha. Außerdem diverse Percussion-Instrumente. Es hat sich hier schon so einiges angesammelt.

Und das teilst du offensichtlich gerne mit anderen Musikern. Für dieses Album habt ihr mit diversen Gästen zusammengearbeitet.

Das war bei unserem vorherigen Album „The Gospel“ auch schon so. Es sind Leute vorbeigekommen und haben viel von dem Equipment hier vor Ort benutzt. Diesen Trick habe ich auf dem neuen Album wieder angewendet. Mit dabei war Ane Marthe Holen, eine norwegische Perkussionistin, sie macht zeitgenössische klassische Musik und ist wirklich großartig. Sie kam in die Kirche und hat die große Bassdrum, Pauken, Röhrenglocken und alle möglichen anderen Metallinstrumente gespielt – letzteres geht teilweise schon in Richtung EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN –, und außerdemein paar Backing Vocals. Und Kristoffer Lo hat Tuba, Flugabone, also diese große Basstrompete, und diverse Sachen auf der Gitarre gespielt, er ist echt ein phänomenaler Musiker. Und Dana Schechter, die Bassistin von SWANS-Frontmann Michael Giras alter Band ANGELS OF LIGHT. Sie hat derzeit selbst eine Band namens INSECT ARK. Sie hat die Lap-Steel-Gitarre beigesteuert, eine wirklich coole Sache. Das alles hat den Sound des Albums auf jeden Fall erst zu dem gemacht, wie es jetzt ist. Ich bin sehr glücklich, dass ich das alles haben darf. Ich habe nicht nur eine großartige Band, sondern darf auch darüber hinaus noch mit ausgezeichneten Musikern zusammenarbeiten. Das ist schon ein Segen.

Wird ÅRABROT langsam zu einem Kollektiv?

Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Es fühlt sich schon wie eine Art Familie an, ja. Du kannst das als Kollektiv bezeichnen oder als Sekte, haha, oder was auch immer. Live spielen wir jetzt zum Glück schon seit vier, fünf Jahren in der Besetzung, die auch dieses Album überwiegend eingespielt hat. Ich hoffe, das wird eine Weile so bleiben. Aber es ist auch weiterhin offen für viele andere, sehr unterschiedliche Musiker, das hilft dabei, es so progressiv wie möglich zu halten. Man hat dann das Gefühl, es geht voran. Es bringt viel frischen Wind herein. Du kannst Kollektiv dazu sagen, wenn ich einem Fremden die Band erklären müsste, würde ich es aber nicht so nennen.

Auf „The Gospel“ und dem neuen Album habe ich ein wenig das schelmische Augenzwinkern vermisst, das eure Platten davor ausgezeichnet hat. Was ist passiert?

Es hat sich vieles verändert. Es gibt gewissermaßen ÅRABROT Teil I und ÅRABROT Teil II. Teil I waren die ÅRABROT der Punk-Ära. Das war alles ein wenig ironischer und frecher, vielleicht auch nicht so einfach nachvollziehbar. Ab dem Punkt, an dem ich zufällig auch schwerkrank wurde, haben sich viele Dinge geändert. Als ich „The Gospel“ geschrieben habe, war ich gerade wieder genesen und habe mich sehr darum bemüht, dieses Album anders klingen zu lassen. Es sollte sich eher nach den Bands anhören, die ich besonders mag. Insbesondere britische New-Wave-Bands, die in den frühen Achtzigern aus der Punk-Szene hervorgegangen sind. KILLING JOKE, STRANGLERS, WIRE oder PUBLIC IMAGE LIMITED. Auch amerikanische Sache wie PERE UBU. Diese Bands liebe ich wirklich heiß und innig. Ich wollte meine eigenen Songs ein bisschen britisch klingen lassen. Dadurch rückte beispielsweise der Gesang ein wenig in den Vordergrund. Es war definitiv eine organische Entwicklung, die ironische Note ging dabei allerdings verloren. Mit meiner Krankheit und diesem Album.

War das auch einer der Gründe für den jetzigen Labelwechsel, diesen Abschnitt abzuschließen?

Ja, schon. 2004 oder 2005 ist es mit der Band ja so richtig losgegangen, also vor mehr als zehn Jahren. Meine persönliche Theorie ist, dass du nach etwa zehn Jahren ein paar Dinge ändern musst, um die Sache interessant zu halten. Für manche Bands kann das eine sehr kleine Veränderung sein, für andere Bands muss das schon etwas Größeres sein, der Wechsel eines Bandmitglieds zum Beispiel. Für mich war nach zehn Jahren mit dem ursprünglichen ÅRABROT-Line-up ein Punkt erreicht, an dem wir uns entscheiden mussten, ob wir so weitermachen wollen. Einige hatten eigentlich keine Lust mehr, es war also Zeit für Veränderung. Das war nicht die einfachste Entscheidung, aber es hat einige klare Verbesserungen gebracht. Was nach „The Gospel“ abgegangen ist, war echt fantastisch, das war wirklich ein Schritt nach vorn. Wir haben uns von einer obskuren Underground-Rock-Sludge-Metal- oder was auch immer Band zu einer Gruppe entwickelt, der in der Breite eine Menge Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. „The Gospel“ wurde medial wirklich von allen Seiten wahrgenommen, vom Underground-Zine bis hin zum Boulevardblatt. Es gab so verrückte Dinge wie eine Besprechung in der Financial Times oder so. Das ist einfach durch die Decke gegangen. Für mich ganz persönlich waren diese Veränderungen sehr wichtig.

Wenn „The Gospel“ für dich ein deutlicher Schritt nach vorne war, ist dann „Who Do You Love“ nun ein weiterer Schritt oder eher ein Agieren auf dem gleichen Niveau?

Das ist eine gute Frage. „The Gospel“ zu machen, war in vielerlei Hinsicht ziemlich gefühlsgesteuert. Ich wusste nicht wirklich, in welche Richtung ich will, ich machte die Platte einfach und hoffte das Beste. Das ist wie von einer Klippe zu springen. Und es hat wirklich gut funktioniert. Es war ein Schritt vorwärts und dann kommt der nächste Schritt. Ich konnte jetzt ein Album machen, bei dem ich die Dinge stärker steuere, eine Platte, mit der ich sehr zufrieden bin. Und genau das ist „Who Do You Love“.

Gab es während der Aufnahmen auch mal einen Punkt, an dem du das Gefühl hattest, nicht weiterzukommen?

„The Gospel“ war wie eine große Explosion, und wenn du eine Pistole abfeuerst, empfindest du danach erst mal diese Art von Stille, die in deinen Ohren nachklingt. Damit bin ich nur schwer klargekommen. Also habe ich beschlossen, irgendwas aus dieser Stille zu machen, die Leere mit irgendetwas zu füllen. Also bin ich im Mai 2015 auf Tour gegangen mit dem englischen Autor John Doran, dreißig Konzerte in dreißig Tagen. Auf diesem Trip hat mir John eine Menge großartiger Musik vorgespielt. Dabei habe ich festgestellt, dass ich diese große Stille füllen wollte mit einer Reise zurück zu den Wurzeln meiner Liebe für die Musik. Zurück zum Rock’n’Roll, mit dem ich angefangen hatte. „Who Do You Love“ wird getragen von meiner Liebe zum Rock’n’Roll.

Anke Kalau

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #140 (Oktober/November 2018)

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