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Interviews & Artikel

NOTHING

Lächeln, nicht kämpfen

Schicksalsschläge hat Frontmann und NOTHING-Mastermind Domenic Palermo reichlich hinter sich. Jüngst die Diagnose chronische traumatische Enzephalopathie, eine fortschreitende Degeneration der Hirnzellen. Entsprechend düster ist das dritte NOTHING-Album „Dance On The Blacktop“ auf Relapse ausgefallen. Musik als hörbar gewordener immerwährender innerer Kampf? Auch.

Domenic, wieder ist ein NOTHING-Album fertig. Wie oft wirst du dir das selbst in nächster Zeit anhören?


Nach mehr als zehn Jahren sollte man eigentlich denken, dass ich besser damit umgehen kann, meine eigene Stimme zu hören. Gerade während des Mixings und so weiter. Aber dem ist nicht so. Ich hasse es nach wie vor, meine Stimme zu hören. In Interviews, als Gesangsstimme, ganz egal. Das ist wohl auch gar nicht unbedingt so ungewöhnlich. Aber bei diesem Album funktionierte das tatsächlich recht problemlos. Wahrscheinlich ist das üblicherweise nach Studio, Mixing und allem drumherum einfach too much. Ich stehe normalerweise mehr oder weniger ständig hinter dem Produzenten und diktiere ihm, was zu tun ist, gehe ihm die ganze Zeit auf die Nerven, will das runtergeregelt haben, das hoch, da wieder mehr Hall rein und so weiter. Dieses Mal war das nicht so, weil John Agnello fast immer genau wusste, wo was zu tun war, deswegen mussten wir uns die Songs nicht endlos oft anhören. Nachdem wir einen Song im Studio durch hatten, haben wir ihn erstmal ein paar Tage lang nicht mehr gehört. Dadurch ist man der Sache nicht so überdrüssig geworden wie sonst. Bislang höre ich sie mir, bis auf die beiden Tracks, zu denen wir Videos gedreht haben, nach wie vor gerne an. Die beiden gehen mir allerdings gerade voll auf die Nerven. Ich wünschte, die müsste ich mir nie wieder anhören.

Live musst du sie dann aber doch spielen ...

Ja, aber das ist eine vollkommen andere Geschichte. Letztes Wochenende haben wir unsere erste Show nach fast einem Jahr Pause gespielt. Ein Skateboarding-Event in New York mit den BEACH FOSSILS. Dort haben wir auch „Zero day“ und „Blue line baby“ gespielt. In echter NOTHING-Manier nach einem einzigen sehr langen Probentag mit unserem brandneuen Bassisten. Da ist der Druck natürlich sofort voll da, das ist dann ein echt harter Tag. Aber wir haben es hinbekommen und es hat auch echt Spaß gemacht, die neuen Songs zu spielen. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Tour.

Wie fühlt sich „Dance On The Black Top“ als Ganzes rückblickend für dich an?

Es ist sehr stimmig geworden. Aber mal abwarten, wo es sich langfristig einreihen wird. Ich versuche, in jedes Album einen gewissen Fluss zu bringen, eine Art übergeordnete Story, damit man es auch wirklich als ein zusammenhängendes Stück wahrnimmt. Das versuche ich bei allen Alben gleichermaßen umzusetzen. Bei diesem Album war das übergeordnete Thema, ins Reine zu kommen mit dem Chaos, das mich, die Band, meine Freunde und Familie, eigentlich das ganze Leben und die Menschheit an und für sich permanent umgibt. Jeden Tag wach zu werden und wahrzunehmen, wozu die Welt und die Menschheit fähig sind. Das ist eine beunruhigende Sache. Und ich versuche, irgendwie halbwegs bequem in dieser Feuergrube zu sitzen.

Du hast das mal umschrieben mit: „Rather than fight anything, let’s just smile! Let’s dance on it!“ Geht es darum?

Das kommt immer ganz auf meine aktuelle Stimmung an. Als ich jünger war, war ich eine Zeit lang völlig vernarrt in den PULP-Song „Common people“. Und da gab es diese Zeile „And dance and drink and screw cause there’s nothing else to do“, vielleicht kam ich deswegen darauf? Aber eigentlich hat mich „Purple rain“ von Prince auf das Thema des Albums gestoßen, es transportiert die gleiche Philosophie. Obwohl das nicht unbedingt meine Einstellung ist, ich war eigentlich noch nie jemand, der im Regen getanzt hat. Ich war immer eher der unglücklich in der Ecke stehende Trinker, aber ich habe großen Respekt vor dieser Philosophie und Perspektive.

In letzter Zeit hast du ja viel durchmachen müssen. Was bedeutet dir Musik in diesem Zusammenhang?

Sie ist mit Abstand die wichtigste Sache in meinem Leben. Neben der Wahl der Menschen um mich herum, die ich liebe. Sie hat – auch, wenn sich das sehr klischeehaft anhört – schon einen sehr therapeutischen Effekt. Aber so ist es einfach. In meinem Kopf drehen sich viele Dinge permanent im Kreis. In den letzten zehn Jahren habe ich versucht, das in etwas Kreatives umzumünzen. Wenn ich nichts tue, verkehrt sich das in das genaue Gegenteil. Mein Geist versucht mich zu brechen und ich verfalle zusehends. Ich versuche lieber, diesen Zustand zu nutzen, um mich darauf zu konzentrieren, mich selbst auszudrücken, als mich in dieses Loch fallen zu lassen. Das war überlebenswichtig für mich. Und das bedeutet mir viel. Definitiv.

War sie die Alternative zur Gewalt, mit der du ja eine Zeit lang versucht hast, dir einen Weg aus dem Loch zu schaufeln?

Das kann man so sehen. Gewalt hat viel Schaden in meinem Leben angerichtet. Ich komme aus einem gewalttätigen Elternhaus, als Jugendlicher habe ich mich auf den Straßen herumgetrieben und mich geprügelt. Ich habe später wegen gefährlicher Körperverletzung eine Zeit lang im Gefängnis gesessen und sah mich dort mit der Fortsetzung der Gewaltspirale konfrontiert. Zwar kann man Gewalt bis zu einem gewissen Grad aus dem Weg gehen, leider ist Gewalt aber ein Teil der menschlichen Natur. Und obwohl ich mich selbst schon seit langem unter Kontrolle habe, musste ich auch nach meiner Entlassung aus der Haft Gewalt am eigenen Leib erfahren. Aus purem Zufall. Sie findet dich trotzdem irgendwie. Auch wenn du nicht aktiv auf ihrer Seite agierst. Ich könnte jetzt sagen, das ist mir nur wegen der chaotischen Natur der Welt passiert. Aber irgendwie hat es mich ja auch zu dem gemacht, der ich heute bin. Heutzutage ist es viel einfacher für mich, in den Spiegel zu schauen, als es das vor zehn Jahren war. Ich versuche das Beste aus mir herauszuholen, so könnte man das wohl ausdrücken, haha.

Du bist also nicht mehr ganz so risikofreudig wie früher?

Ein Stück weit, haha. Ich habe noch immer hier und da Ärger. Gewalt zählt schon seit langem nicht mehr dazu, ich halte mich selbst für eine friedliche Person. Aber das heißt nicht, dass ich nicht selbstzerstörerisch unterwegs bin. Ich bin selbstzerstörerisch, aber solange sich das nach innen und nicht nach außen richtet, ist das eine ganz andere Geschichte.

Wenn man das jetzt mal auf deine Musik überträgt, finde ich neben gewaltfreiem Sound viel Zynismus in deinen Texten. Ist das nicht eine Art verbale Gewalt?

Teilweise stimme ich dir da zu. Ich sehe Zynismus aber auch als wichtigen Aspekt meiner Persönlichkeit. Auf vielen Ebenen. Und Zynismus trägt wahrscheinlich genauso viel oder wenig zur Entstehung von Problemen bei, wie Optimismus und Pessimismus auch. So sehe ich das jedenfalls.

Emotionsgeladen ist eure Musik definitiv. Stichwort Intensität.

Das verkörpert auf jeden Fall viel von dem, was wir tun. Da geht es wieder um die kreative Seite meiner mentalen Verfassung. Wenn ich versuche, mich auf etwas zu konzentrieren und es durchzuziehen. Das ist immer eine sehr anstrengende Angelegenheit. Aber das ist nicht alles, auch das Planen von Dingen strengt mich sehr an, ich bin wohl irgendwie eine intensive Person. Wenn ich mit Leuten spreche, wirke ich oft sehr ruhig, aber das entspricht überhaupt nicht dem, was in meinem Kopf vorgeht. In meinem Kopf sieht es häufig aus wie bei einem Verkehrsstau auf einem Superhighway. Ständig viel Betrieb. Witzigerweise spiegelt unsere Musik das nicht immer wider. Da gibt es viele schöne Teile und manchmal auch fast Standbilder, die sich anfühlen wie im Auge eines Hurrikans. Es gibt eine Art Mittelpunkt mit einem ruhigen Bereich. Da werde ich selbst hoffentlich auch irgendwann landen. Noch wate ich durch das Chaos. Die Dinge werden sich sicherlich irgendwann ändern. Aber jetzt ist das gerade keine Option.

Aber ist Chaos nicht gleichzeitig auch ein Stück weit Freiheit?

Klar. Es existiert eine angenehme Seite des Chaos: Es gibt dir die Möglichkeit, dich freier auszudrücken. Die Leute scheinen dafür auch empfänglicher zu sein. Für kreative Sachen ist das top. Was das Aufrechterhalten von Beziehungen angeht, ist das allerdings weniger günstig, haha.

Anke Kalau

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #140 (Oktober/November 2018)

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