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Interviews & Artikel

RED CITY RADIO

Die Qualität des Lebens

RED CITY RADIO aus Oklahoma City haben das Potenzial zur heimlichen Lieblingsband. Rauhe Herzschmerzstimme trifft auf melodischen Punkrock, was seit dem letzten selbstbetitelten Album von 2015 und der neuen EP „SkyTigers“ auf Gunner Records auch gerne mal als erdiger Rock bezeichnet wird. Das funktioniert aber gut, denn der feine Grat zwischen Schmalz und Schwulst ist genau der zwischen authentisch und berechnend. RED CITY RADIO kauft man den Schmalz jederzeit als authentisch ab. Im Rahmen des Fallig Open Air Festivals nimmt sich Gitarrist und Sänger Garrett Dale Zeit, um mit uns über seine Musik zu sprechen und darüber, wie diese einen verändern kann.

Garrett, du sagtest mal, in Oklahoma City gäbe es viel „day drinking“. Warum ist das so?


In Oklahoma City gibt es kein ausgeprägtes Nachtleben. Um interessante Leute zu treffen, muss man deshalb schon tagsüber unterwegs sein. Du bekommst eine völlig andere Perspektive auf deinen Alltag. Die Menschen sind nicht völlig kaputt, es ist nur alles etwas zeitverschoben. Ein geselliges Tagesleben.

Euer Name, eure Covermotive: warum sind euch Referenzen auf Oklahoma wichtig?

Egal wie weit du dich von deiner Heimatstadt entfernst, du vergisst nie, woher du kommst. Fast niemand von außerhalb interessiert sich für Oklahoma. Deshalb spielen wir immer mal wieder darauf an. Es ist für Bands außerhalb der Metropolen der West- und Ostküste auch immer ein wenig schwieriger, bekannt zu werden. Es soll auch anderen Musikern von dort Mut machen, ihren Weg weiter zu gehen.

Die neue EP „SkyTigers“ scheint euren, seit dem letzten Album eingeschlagenen Weg hin zum fetten Rocksong weiter zu verfolgen.

Verändert hat sich unser Stil schon immer, oder anders gesagt: verbessert. So wie wir uns als Band auch verbessert haben. „SkyTigers“ ist nur ein weiteres Glied einer Kette, die noch nicht zu Ende geschmiedet ist. Auch diese Phase ist nur ein Übergang zu etwas Neuem. Es sind diesmal nur fünf Songs auf dem Album. Die Hörgewohnheiten sind heutzutage so anders geworden. Die wenigsten Leute hören eine Platte noch an einem Stück von Anfang bis Ende, wodurch eine Menge großartiger Musik weniger oder keine Beachtung mehr findet. Du hörst ein Album ein- bis zweimal und legst es dann beiseite. Wir haben deshalb beschlossen, diesmal eine überschaubare Anzahl an Songs herauszubringen, um die Gelegenheit zu bewahren, dass sie auch im Gesamtkontext zur Geltung kommen. Ich möchte, dass sich die Leute jeden Song von uns anhören. Wir versuchen, keine schlechten Songs zu schreiben, deshalb sind sie es wert.

Stirbt das Album als Medium deiner Meinung nach aus?

Auf keinen Fall! Nichts stirbt aus. Sie dir an, wie viele Leute heute wieder Vinyl kaufen oder sogar Tapes hören. Für andere wiederum ist das Handy oder der Computer die einzige Quelle, um Musik zu konsumieren. Das alles ist parallel nebeneinander möglich, separat ergeben sie alle Sinn. Sterben? Nein! Alles existiert auf eine andere Art weiter.

Mike Kennerty von ALL-AMERICAN REJECTS hat die EP produziert. Hat das eure Herangehensweise verändert?

Jedes Album hatte bisher andere Produktionsbedingungen, das ist bei uns normal. Wir lieben Mike. Ich habe auch schon meine Solosachen auf Red Scare mit ihm zusammen produziert. Er hat förmlich vorhergesehen, wie wir vorgehen wollen und welches Ergebnis uns vorschwebt. Er ist ein Magier! Deshalb war es mit Abstand die unproblematischste Session, die wir je hatten. Ich kann jedem wirklich nur empfehlen, wenn ihr in Oklahoma etwas aufnehmen wollt, geht zu Mike!

Du sagtest mal, ein „SkyTiger“ – eine weitere höhere Bewusstseinsebene, die einem die Kontrolle über sein eigenes Schicksal und sein eigenes Universum ermöglichen soll – sei der bestmögliche Zustand seiner selbst. Wann merkt man, dass man diese Bewusstseinsebene erreicht hat?

Habe ich das so gesagt? Da muss ich high gewesen sein, haha. Die beste Version deiner selbst bist du, wenn du andere und dich glücklich machen kannst. Und es gibt immer genug Raum für Veränderung und Entwicklung, ob privat oder mit der Band. Aber Rock’n’Roll macht eigentlich immer glücklich. Ich möchte mit der Band noch so viel machen. Von mir aus könnte es RED CITY RADIO ewig geben.

Im Outro von „SkyTigers“ ist ein Teil der berühmten Rede Charlie Chaplins aus dem Film ,,Der große Diktator“ zu hören. Wie entstand diese Idee?

Die Idee kam mir buchstäblich in letzter Sekunde. Der Song „SkyTigers“ handelt einerseits von Liebe und gegenseitiger Hilfe und den Möglichkeiten, diese auch wirklich umzusetzen. Andererseits davon, wie wir uns selber dabei im Weg stehen können. Der Zwiespalt von Positivität und Negativität. Der steckt in uns allen. Es geht nur darum, für sich herauszubekommen, wie der positive Teil den negativen dominieren kann. Im Abspann des Songs sollte inhaltlich etwas kommen, um das zu untermalen. Ich mochte den Film schon immer, insbesondere die Rede Chaplins als Frisör in der Rolle des vermeintlichen Diktators. Sie ist wundervoll. Jeder sollte sie hören. Heutzutage können wir Liebe und Solidarität mehr gebrauchen denn je.

Janusköpfiger Tiger auf dem Cover, Liebe und Hass als Textinhalt. Ist die Dualität des Lebens das Leitmotiv der Platte?

Ist sie? Ist sie! Das hatte ich noch gar nicht so wahrgenommen. Das passt perfekt zusammen. Ich erzähle jetzt aber überall, dass das Absicht von uns war. Vielen Dank für den Hinweis, haha!

Das Janusmotiv steht seit der Antike für den Widerspruch zwischen Schöpfung und Zerstörung. Was hast du selbst im Laufe der Arbeit an der EP verloren und gewonnen?

Das ist eine sehr persönliche Frage, aber schön, dass du sie stellst. Ich habe einen Teil von mir zurückgelassen, den ich schon lange loswerden wollte. Der beinhaltet Selbstzweifel, fehlendes Selbstvertrauen, Wut, Angst, Stress und Liebe. Ich habe in dieser Zeit viel verloren. Gewonnen habe ich eine neue Perspektive im Leben, Erfahrung, die Erkenntnis, wie wichtig es ist, die Welt mit ein bisschen Liebe zu versorgen, den Respekt meiner Freunde und Verständnis von meiner Familie. Dafür habe ich lange gekämpft und bin jetzt sehr glücklich darüber. Ich lerne jeden Tag neue Freunde kennen – durch und mit Rock’n’Roll. Ich bekomme mehr Liebe und kann mehr Liebe geben.

Janus bedeutet auch Licht und Schatten. Was hat am besten, was am schlechtesten funktioniert im Verlauf der Aufnahmen?

Am leichtesten war die Produktion als solche, weil Mike sich auf unsere Vision als Musiker komplett einlassen konnte. Wenn du Freude am Entstehungsprozess hast, dann hast du auch Freude am Ergebnis. Wenn du mit Hass ein Sandwich machst, dann schmeckt es nach Hass. Wenn du es aber mit Liebe machst, schmeckt es logischerweise auch danach. Gehst du mit Stress an eine Sache heran, wird sie dir auch nur Stress bereiten. Wir wollten mit Liebe, Geduld, Konzentration und Verständnis füreinander die Aufnahmen angehen und jede Sekunde davon genießen. Wir sind so erfüllt von dem, was wir machen, und wir wollten genau das Gefühl einfrieren und anderen zugänglich machen.

Hattest du Dolly Parton eigentlich mittlerweile persönlich getroffen? Du hast mal erzählt, das sei ein Traum von dir.

Nein, leider nicht. Dolly Parton ist eines meiner großen Idole. Sie ist eine fantastische Künstlerin und in ihren künstlerischen Entscheidungen ein absolutes Vorbild. Elvis wollte „I will always love you“ von ihr covern, aber der Song war ihr zu persönlich. Da hat sie eine Stange Geld ausgeschlagen, was enorm viel Rückgrat erfordert. Erst viel später ist sie erfolgstechnisch dafür belohnt worden, aber die Ausdauer und der Glaube an sich selbst haben sich gelohnt.

Daniel Schubert

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #140 (Oktober/November 2018)

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