Interviews & Artikel : SCHEISSE MINNELLI :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

SCHEISSE MINNELLI

Niemals die Affen füttern!

Die Frankfurter SCHEISSE MINNELLI live zu sehen ist wie die Einführung in eine Gang. Der Sänger hüpft und duckt sich, springt und weicht aus, umgeben von drei anderen, die ihre Instrumente malträtieren, während der Drummer unerbittlich auf sein Drumset einschlägt. Natürlich sind ihre Live-Shows dynamisch und unvergesslich, gelinde gesagt. Aktuell stehen eine Japantour an und der Release ihres fünften Albums „Waking Up On Mistake Street“. Sänger Sam McGuire aka Samuel El Action ist ein erstklassiger Geschichtenerzähler. Da wir nicht nur ein paar Dinge gemeinsam haben, finde ich seine Anekdoten aber nicht bloß unterhaltsam, sondern sie geben mir auch eine Perspektive und erinnern mich an das, was wichtig ist, wenn man auf einen anderen Kontinent zieht und sich mit einer neuen Kultur herumschlagen muss.

Sam, vor ein paar Jahren tauchte der Iran auf einer Liste von Nationen auf, in denen die Vereinigten Staaten eine Bedrohung sehen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt bestand die Gefahr, dass Personen mit einer Green Card, die ursprünglich aus einem dieser Länder in die USA eingewandert waren, nicht wieder einreisen dürfen, falls sie die USA aus irgendwelchen Gründen verlassen mussten. Dein Onkel ist ein ziemlich bekannter Florist auf der Telegraph Ave in Berkeley und stammt aus dem Iran. Hatte er am Ende irgendwelche Probleme?


Als der Präsident das erste Dekret unterzeichnete, das die Einreise von Bürgern aus sieben muslimischen Nationen verbot, traf mich das sehr. Es war immer schwierig für meine iranische Familie, uns in Kalifornien zu besuchen. Meine Mutter hat neun Kinder, vier davon leben in den USA und fünf im Iran. Einer meiner Brüder ist seit über fünfzig Jahren in den USA. Er hat seine amerikanische Staatsbürgerschaft aus verschiedenen Gründen nie erhalten und lebte daher die ganze Zeit mit einer Green Card dort. Während der Obama-Präsidentschaft reiste er mehrmals nach Hause in den Iran. Aber jetzt ist er über achtzig und hat nicht wirklich die Energie zu reisen. Wir sind uns also nicht ganz sicher, was passiert wäre, wenn er während dieser Form des Reiseverbots die USA verlassen hätte. Aber vor kurzem war eine iranische Cousine von mir, die in den USA lebt, schwanger und ihre Eltern, meine Tante und mein Onkel, beantragten ein Familienvisum, damit sie bei der Geburt ihres Enkelkindes dabei sein konnten. Ihre Mutter bekam das Visum, aber mein Onkel wurde aus unbekannten Gründen abgelehnt. Ich frage mich, warum ein 77-jähriger Mann, der seine Familie sehen will und sein Leben im Iran eingerichtet hat, abgelehnt wird! Er hat kein Interesse daran, dort zu leben, er will nur seine Familie sehen. Eine kranke Welt, in der wir leben!

Du hast schon oft gesagt, dass deine Texte auf deinen eigenen Erfahrungen oder denen deiner Freunde basieren. Gibt es jemanden, an den deine Texte gerichtet sind?

Oft sind es Geschichten, die ich oder die Freunde von mir erlebt haben, aber es sind auch Metaphern für Dinge, die wir alle mal durchmachen. Aber ab und zu ist es auch bloß eine lustige Story, die man meiner Meinung nach in einem musikalischen Format erzählen sollte. Manchmal zielen die Texte auf einen wirklich kleinen Personenkreis ab, aber am Ende funktionieren sie doch für mehr Leute, als man glaubt. Also schätze ich, dass die Texte jeden ansprechen, der sich damit identifizieren kann oder sich davon unterhalten fühlt.

Euer Song „Green River wishes“ verweist wohl auf Ereignisse, die in den Achtzigern und Neunzigern im Staat Washington stattfanden. Kannst du das näher ausführen?

Ein Freund von mir und seine Freundin handelten in den Neunzigern im großen Stil mit Marihuana. Sie waren ein krasses Pärchen. Irgendwann wurde sie verhaftet. Man drohte ihr eine lange Gefängnisstrafe an, weshalb sie gegen ihn aussagte, damit sie selbst freikam. Er wurde verhaftet und musste für zwei Jahre ins Gefängnis. Er hat mir später erzählt, dass er ihr jede Nacht, die er im Knast war, den Tod wünschte. Nach etwa einem Jahr bekam er die Nachricht, dass sie vom Green River Killer ermordet wurde. Als ich das hörte, bat ich ihn, mir niemals den Tod zu wünschen!

„Waking Up On Mistake Street“ ist eure fünfte LP. Wo ist sie entstanden?

Wir haben sie in Dänemark, genauer gesagt in Kopenhagen mit Adam Schwartz aufgenommen. Wir lernten Adam kennen, als wir mit PENNYWISE, LAGWAGON und Jello Biafra und TGSOM unterwegs waren. Er hat den Sound für verschiedene Bands gemacht, mit denen wir auf Tour waren. Er hat einfach ein Ohr dafür und hat uns einige der Platten vorgespielt, die er aufgenommen hatte, darunter „New Blood“ von NIGHT FEVER, die wir alle sehr mögen. Wir waren eine Woche dort, haben aber fast alles in zwei Tagen aufgenommen, natürlich wie immer live.

Eure Konzerte in Japan im September führen euch nicht das erste Mal nach Asien. Ihr wart mit SCHEISSE MINNELLI auch mal in Indonesien, richtig?

Ja, wir waren in Indonesien, 2014 war das, glaube ich. Aber ich denke nicht, dass man die beiden Länder miteinander vergleichen kann. Indonesien war auf so vielen Ebenen erstaunlich. Die Shows waren fantastisch, die Landschaft war umwerfend, scheiße, wir spielten in einer Autowaschanlage, die eine Bar hatte und Hummer verkaufte! Die Leute wollten Fotos von uns machen, nur weil sie selten westliche Menschen in Fleisch und Blut zu Gesicht bekommen. Sie waren auch so gastfreundlich und dankbar. An unseren freien Tagen wurden wir zu unbewohnten Inseln gebracht, um mit Affen rumzuhängen, mit exotischen Fischen zu schwimmen und einfach nur zu entspannen. Ich werde diese Tour nie vergessen. Dudel auch nicht, denn am letzten Tag in Ubud, Bali, wurde er von einem Affen gebissen und bekam einen Virus, der bei ihm Symptome von Multipler Sklerose auslöste. Glücklicherweise fanden sie heraus, was es war, und nach sechs Monaten war er geheilt. Nie die Affen füttern!

Dein Buch „The Fight Against Reality“, das 2011 erschienen ist, hat mir wirklich gefallen, vor allem weil es Aspekte einer Szene widerspiegelt, die ich selbst aus meiner Jugend kannte. Hast du Pläne für eine Fortsetzung?

Das Buch war ein interessantes Unterfangen. Ich war damals erst Anfang dreißig, als Freunde mich fragten, ob ich glaube, genug gelebt zu haben, um ein Buch zu schreiben. Ich dachte mir, ich komme aus einem so multikulturellen Umfeld, war in den frühen Achtzigern direkt nach der Geiselkrise und auch während des Irak-Iran-Krieges im Iran, saß ein Jahr im Gefängnis und habe eine Million anderer Dinge erlebt, das könnte neugierig genug auf ein Buch machen. Mir sind über die Jahre hinweg auch ein paar Sachen passiert, die nicht so cool waren, aber auch das macht mich zu dem, der ich heute bin. Ich würde das Buch gerne in einer Neuauflage drucken lassen, ergänzt um Sachen, die seitdem geschehen sind. Am Ende des Buchs war Alex ja immer noch unser Gitarrist und Mikey hatte nicht den lebensverändernden Verlust durchgemacht, der ihn nach Europa brachte, um bei SCHEISSE MINNELLI einzusteigen und die Siebdruckerei Bad Press mit mir zu gründen. Da sind noch unzählige andere Reisen und Erlebnisse und Verluste. Ich muss nur die Zeit dafür finden. Vielleicht nächstes Jahr, wir werden sehen.

Ich habe dich vor kurzem in Berlin gesehen, als du mit DR KNOW aufgetreten bist. Wie kam das zustande und gibt es noch andere Projekte?

Ich habe in der Szene in den USA als Bassist angefangen. Als es mit SCHEISSE MINNELLI losging, war es etwas, das in der Musikwelt fehlte. Ich habe immer mal hier und da mit Leuten gespielt. Irgendwann bin ich über ein Video gestolpert, in dem paar der ursprünglichen Mitglieder von LA’S WASTED YOUTH die Songs von „Reagan’s In“ spielten. Ich habe einige Nachforschungen angestellt und ihren alten Schlagzeuger Allen Stiritz gefunden, der heute in Deutschland lebt. Wir fingen an, zusammen zu spielen, und manchmal waren WASTED YOUTH-Songs dabei. Außerdem haben unser Gitarrist Mikey, Emiliano, der Schlagzeuger von STRENGTH APPROACH and DIE, und ich am Bass angefangen, für ein Nebenprojekt zu jammen. Dann kontaktierte mich eines Tages Brandon Cruz von DR KNOW, die ich von ein paar Auftritten mit meiner alten Band in den USA kannte. Er fragte, ob ich ein Line-up für eine Europatour zusammenstellen könnte. Wir dachten, warum nicht. Es war ein Wahnsinnsspaß! Und dann gab es diesen Sommer eine Menge toller Konzerte mit MDC. Bei einigen Shows haben SCHEISSE MINNELLI ein paar RKL-Songs gespielt, zusammen mit Barry D’live von RKL als zweiter Gitarrist. Wir stehen einfach drauf, mit den verschiedensten Leuten zu spielen, und zu hören, wie ihre Interpretation eines Songs klingt.

Jason Honea

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #140 (Oktober/November 2018)

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