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Interviews & Artikel

100BLUMEN

Wütend, melancholisch, kämpferisch, politisch

Die Elektro-Punk-Band aus Düsseldorf hat vor kurzem ihr neues Album „Keine Namen – Keine Strukturen“ veröffentlicht, wobei sie ihren Sound konsequent weiterentwickelt und um einige musikalische Nuancen bereichert haben. Ihre diesjährige Tour eröffneten sie im überfüllten Sonic Ballroom in Köln mit einer mitreißenden und schweißtreibenden Show. Grund genug, den Jungs einige Fragen zu stellen.

Euer neues Album ist ja seit einiger Zeit draußen und die limitierte Vinyl-Auflage sogar schon ausverkauft. Wie sind die Reaktionen?

Marcel:
Die Reaktionen sind bisher fast ausschließlich sehr erfreulich. Es gibt natürlich immer einen Ausreißer, unsere Musik ist nicht dafür ausgelegt, jeden erreichen zu wollen.

Malte: In meinem Umfeld waren sie durchweg positiv. Also von denen, die es wirklich gehört haben.

Chris: Ich habe auch noch nichts Schlechtes gehört ... Mein Dad findet es zwar absurd, ich denke aber nicht, dass er auch nur ein komplettes Lied gehört hat.

Marcel: Hahahaha, meine Mutter ist voll des Lobes, ich glaube aber auch nicht, dass sie je ein Stück ganz gehört hat.

Ihr habt mit „A living“ den CRASS-Song „Do they owe us a living?“ gecovert beziehungsweise neu interpretiert. Welche Bedeutung haben CRASS für euch? Können wir mit weiteren Covern rechnen?

Marcel:
CRASS sind, nicht nur für uns wahrscheinlich, eine Ausnahmeerscheinung, die als erste Anarcho-Band wirklich den Schulterschluss zwischen Politaktivismus und Musikschaffenden vollzogen hat. Weitere Cover sind erst mal nicht zu erwarten.

Malte: Na ja, wir treten ja nicht bei Stadtfesten auf, daher werden wir nicht so viele Songs covern.

Marcel: Vielleicht mal was von David Guetta, ich bin Fan.

Chris: Ich dachte vielleicht an PIXIES oder ein altes Stück von den Hosen ...

Marcel: Das wäre eine Überlegung wert, oder vielleicht was von KOYAANISQATSI?!

Wie ist die Zusammenarbeit mit Pyro One zustande gekommen, der euch gesanglich bei „Drunkard“ unterstützt?

Marcel:
Pyro One ist einer von vielen HipHoppern, die gerne mit uns arbeiten wollten – wir haben natürlich dann den Besten ausgewählt. Er hat uns zwei Jahre lang traurige Briefe auf Papier aus getrocknetem Elefantendung geschrieben und damit hat er uns letzten Endes einfach überzeugt.

Malte: Zwei Jahre? Ich glaube das war länger.

Marcel: Zwei Jahre lang hat er die tränengetränkten Briefe geschrieben, insgesamt war es länger, ja. Später kamen die Mails.

Auf der CD befinden sich drei Tracks mehr als auf der LP. Gab es die Überlegung, den Song „Intro“ auch als Opener der Platte zu verwenden?

Marcel:
Ja, die gab es. Da aber „Madness“ schon einen Anfang hat, das als Intro durchgeht, und der Song einfach unschlagbar gut ist, haben wir uns dann so entschieden.

Wie ist der Song „Die Forelle“, der zweite Bonustrack, entstanden?

Marcel:
Bei mir zu Hause. Ich denke, man muss keinen Abschluss in Psychologie haben, um zu verstehen, dass ich die Forelle bin.

Chris: Erst der Biber, jetzt die Forelle ... so kann’s gehen.

Mit „Sirenen und Benzin“ ist euch ein würdiger Nachfolger von „Hinterland“ gelungen. Der ist mit seinen Ohrwurmqualitäten doch eigentlich zu schade für einen Bonustrack.

Marcel:
Das sehe ich zwar anders, aber schön zu hören, dass er dir gefällt. Es ist ein Luxusproblem, wenn du so viele gute Songs schreibst ... you know.

Malte: Es war nicht so leicht zu sagen, welche Songs auf die Platte sollen. Daher gibt es auch immer harte Entscheidungen.

Marcel: Hart, aber ungerecht!

Chris: Ich hätte es gegen ein Lied auf der Platte getauscht, verrate aber nicht, welches.

Textlich bewegt ihr euch zwischen wütend-melancholisch wie bei „Keine Träume“ und kämpferisch-politisch wie bei „Drunkard“. Wohin geht die Reise?

Marcel:
Gute Frage, nächste Frage! Wir sind noch nicht so weit, sagen zu können, was wir in Zukunft machen möchten. Da die weltweite Lage und das, was bei uns privat so passiert, nicht so rosig aussieht, wird es wohl erst mal bei wütend-melancholisch-kämpferisch-politisch bleiben.

Zur Covergestaltung. Außen die kühle Neon-Optik, die mich an Post-Punk-Alben aus den Achtzigern erinnert, innen die Bilder von den G20-Protesten beziehungsweise der Staatsgewalt. Sind das zwei Pole, zwischen denen ihr euch bewegt?

Marcel:
Ja, so ähnlich ist das schon. Das Cover sollte in eine ganz andere Richtung gehen als das Inlet. Wir spielen ja immer wieder mit Erwartungshaltungen, die wir nicht erfüllen wollen oder können. Und wir lieben es einfach, die Menschen zu überraschen. Obwohl ich behauptet habe, dass das Artwork an EA80 erinnert, ist es von der ersten EDITORS-Scheibe „The Back Room“ inspiriert.

Eure Songs werden zumindest schon in Düsseldorf auf Demos vom Lautsprecherwagen gespielt. Geht damit ein „Traum“ in Erfüllung?

Marcel:
Nein. Zumindest nicht für mich. Ich finde es gut, keine Frage. Aber ein Traum wird damit nicht wahr. Es ist mir sogar etwas peinlich, wenn ich unsere eigenen Songs auf Demos höre, aber das geht wahrscheinlich allen so, die Musik machen.

Bleibt bei den Bandaktivitäten noch Zeit für politische Betätigung?

Malte:
Viel zu wenig.

Marcel: Ich war zwischenzeitlich wieder – und trotz des hohen Alters – in einer Antifa-Gruppe und habe noch andere Sachen gemacht, aber das wurde mir alles zu viel.

Wie läuft eure Tour bisher? Sie beschränkt sich ja meist auf die Wochenenden. Wenn ich mir ansehe, wie ihr euch live verausgabt, wäre eine zusammenhängende Tour konditionstechnisch dann überhaupt möglich?

Marcel:
Von den ersten vier Konzerten waren vier ausverkauft, na klar, kleine Läden, aber immerhin. Wir geben ziemlich Vollgas auf der Bühne. Ja, wir müssten konditionell noch an uns arbeiten. Mit über vierzig ist man ja auch nicht mehr ganz taufrisch.

Malte: Eine zusammenhängende Tour? Das wäre ja wie jeden Tag zum Sport gehen. Wer macht denn so was?

Marcel: Sportler vielleicht?!

Chris: Ich denke schon, dass das möglich wäre, wahrscheinlich müssten wir einfach nur weniger saufen vor, bei und nach den Gigs ... Okay, es ist nicht möglich! Nee, mal im Ernst, die Stunde auf der Bühne versuchen wir ja schon, Gas zu geben, aber viel anstrengender sind die Fahrerei und Warterei, bis es mal so weit ist. Wir könnten das bestimmt ein paar Tage durchziehen, ohne dass jeweils 500 Kilometer dazwischenliegen ... Oder dementsprechend Schnäpse. Aber auch dafür fehlt uns leider die Zeit.

Im Beiheft zur Platte, das ihr wie ein klassisches Punk-Fanzine gestaltet habt, finden sich einige Bilder von euch aus vergangenen Tagen – unter anderem von Marcel mit einem Mohawk, auf den selbst Wattie von EXPLOITED neidisch gewesen wäre. Wie war der Weg vom Iro-Punk zu 100BLUMEN?

Marcel:
Gaaaaanz laaaangsaaaaam. Das Foto ist gut dreißig Jahre alt und man entwickelt sich einfach. Mitte der Neunziger war ich dann eher in der Crust-Szene unterwegs, und da waren Wursthaare angesagt. Das war aber auch nicht so richtig mein Ding. Ende der Neunziger war Punk für mich sowieso erst mal gestorben und ich habe musikalisch andere Dinge gehört und gemacht für ein paar Jahre. Die ganze Punkmusik-Szene hat sich für mich ausgelutscht und kaputt angefühlt und es hat mich dann mehr zu anderer, extremerer Musik hingezogen. Industrial, Rhythmic Noise, Japan-Noise und so was. Das wiederum hat mich zu 100BLUMEN gebracht.

Nach der Platte ist vor der Platte. Existieren schon Pläne oder neue Songs?

Chris:
Red keinen Scheiß! Wir haben ja gerade erst die Platte rausgebracht, jetzt kommen noch die Konzerte dieses Jahr, dann folgt vielleicht eine kleine Auszeit. So zwei Monate schlafen oder so.

Marcel: Ich suche mir erst mal einen Job. Ansonsten bin ich einfach zu beschäftigt. Netflix und so.

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #141 (Dezember/Januar 2018)

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