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Interviews & Artikel

BILLYBIO

Leben und leben lassen

Es gibt Menschen, die kennen keine Langeweile. Selbst wenn ein Tag 48 Stunden lang wäre. Der in Boston geborene Gitarrist Billy Graziadei ist so jemand. Erst BIOHAZARD, dann POWERFLO und jetzt BILLYBIO. Dieses Soloprojekt stellte der 49-Jährige vor kurzem dem europäischen Publikum während der „Rise from the underground“-Tour von LIFE OF AGONY vor, die er als Support-Act begleitete. Was es mit den Solopfaden, seiner politischen Einstellung sowie seiner knapp bemessenen Freizeit auf sich hat, erklärt der vielseitig aktive Musiker im Gespräch.

Billy, viele Leute haben dich im Sommer noch mit POWERFLO hier in Europa auf Tour gesehen. Jetzt bist du mit BILLYBIO zurück, deinem neuen Soloprojekt. Wie kam es dazu?


Also das ist ziemlich leicht zu beantworten, denn BILLYBIO bin zu 100% ich! Das hört sich jetzt sehr egozentrisch an, ist aber nicht so gemeint. Ich habe mein ganzes Leben in Bands gespielt und Songs stets mit mehreren Leuten geschrieben. Da war ich immer nur ein Teil einer Mannschaft und meine Ideen sind mal mehr, mal weniger berücksichtigt worden. Ich wollte einfach mal etwas machen, das nur auf meinem Mist gewachsen ist und wo ich mich mal richtig austoben konnte.

Austoben ist ein gutes Stichwort, denn das Album „Feed The Fire“ ist eine abwechslungsreiche Achterbahnfahrt. Die erste Single „Freedoms never free“ erinnert ein wenig an SICK OF IT ALL, vor allem dein Gesang klingt beinahe wie der junge Lou Koller. Ist das auch eine Hommage an den NYHC, den du ja viele Jahre auch mitgeprägt hast?

Das haben mir schon viele gesagt, dass sie die Platte an die guten alten Hardcore-Tage in New York erinnert. Allerdings habe ich darüber gar nicht nachgedacht, als die Songs entstanden. SICK OF IT ALL sind auf jeden Fall sehr gute Freunde von mir, aber als Einfluss dienten sie mir bei der Platte nicht. Ich habe bei den Aufnahmen eher viel alten Punk und Hardcore aus England wie G.B.H oder THE EXPLOITED gehört. Der oben erwähnte Song funktioniert einfach nur mit den schnellen Vocals.

Stimmt es, dass du fast die ganze Platte selbst eingespielt hast?

Ja, das ist richtig. Bis auf einige Gastmusiker, die ein paar Riffs oder Songstrukturen beisteuerten, habe ich alle Songs von „Feed The Fire“ komponiert und selbst eingespielt. Gitarre, Bass, Schlagzeug, Piano und Trompete. Da ich ja ein eigenes Studio habe, konnte ich viele Songideen sofort aufnehmen und später gut daran weiterarbeiten. Viele der Songs sind auch über Jahre hinweg entstanden oder enthalten Parts, die ich irgendwann mal geschrieben habe.

Viele deiner Texte auf dem Album sind politisch angehaucht. So heißt es etwa: „Watch our lives controlled by politics, money, power and greed“. Gibt es auf der Platte einen roten Faden, welche Themen waren dir beim Schreiben der Lyrics wichtig?

Also ich würde mich nicht als wirklich politischen Menschen bezeichnen, aber wir leben in Zeiten, in denen man gar nicht mehr unpolitisch sein kann. Schau dir doch diese Kacke mit Brett Kavanaugh an. Der Typ soll Frauen sexuell belästigt haben und hat jetzt in Amerika ein hohes Richteramt bekommen. Das ist schon schlimm genug, aber was die Medien daraus machen, ist einfach nur unfassbar. Da wird eine Frau als Opfer instrumentalisiert und alle Medien berichten nur noch über die Sache an sich. Für die Menschen dahinter interessiert sich niemand. Sobald es eine neue Story gibt, werden sie fallengelassen und bleiben mit ihren Schmerzen und Problemen allein zurück. Das macht mich ganz krank, vor allem, weil ich ja selbst Kinder habe.

Was genau meinst du damit?

Na ja, schau dir doch die Gesellschaft mal an. Immer neu, immer hip und immer schneller. Überall wird dir vorgegaukelt, wie du sein sollst oder was du haben musst. Irgendwie sollen alle gleich sein. Ich würde mich erschießen, wenn ich in einer Welt leben müsste, wo es keine Individualität mehr gibt. In den Medien wird außerdem viel mit Angst gearbeitet und mit dem Finger auf bestimmte Leute oder Gruppen gezeigt, vor denen man sich in Acht nehmen muss. Eigene Meinungsbildung ist nicht mehr nötig, das nehmen sie einem ab. Sollen wir so unsere Kinder erziehen? No way, man! Ich bin in New York großgeworden, wo genau diese Vielfalt das Leben immens bereichert hat. Leben und leben lassen, nur so geht es. Das habe ich über die Jahre gelernt. Auf dem Album spreche ich auch an, dass sich die Gesellschaft nur dann ändern kann, wenn man sich selbst ändert. Hör dir mal „Generation Z“ an, dann weißt du, was ich meine.

Hast du dahingehend eigene Erfahrungen? Was machst du heute anders als früher?

Auf jeden Fall versuche ich in den letzten Jahren, ein besserer Mensch zu sein. Ich sehe zu, dass sich bei allen zwischenmenschlichen Kontakten, die ich habe, ein positives Erlebnis für beide Seiten ergibt. Früher, als ich noch jünger war, wollte ich gar nicht so viel über mich als Person preisgeben, da ging es mir eher nur um die Musik. Die Presse und ich hatten nicht immer das beste Verhältnis. Da konnte ich manchmal schon echt grob und, aus heutiger Sicht gesehen, unfair werden.

Fairness spielt ja auch beim Jiu Jitsu, einem deiner Hobbys, eine große Rolle. Trägt der Sport auch dazu bei, ein besserer Mensch zu sein?

Absolut! Jiu Jitsu hatte für mich anfangs eher den Sinn, eine bessere Art der Selbstverteidigung zu lernen. Über die Jahre hat sich daraus aber ein grundlegendes Element meines Lebens entwickelt. Das Training hat mich immens stressunempfindlicher und viel relaxter gemacht. Ich würde noch viel mehr trainieren, wenn ich nicht ständig diesen Musikscheiß an der Backe hätte, haha! Auf Tour kann man auch nur einzelne Elemente trainieren, es gibt ja nicht in jedem Backstagebereich ein Dojo!

Bevor du als Support für LIFE OF AGONY losgelegt hast, bist du für einige Zeit in Hamburg gewesen, um mit deiner Konzertcrew zu proben. Die Elbmetropole ist ja so was wie eine Lieblingsstadt von dir, oder nicht? Ihr habt damals mit BIOHAZARD hier ein Live-Album aufgenommen, auf dem du einige Ansagen in deutscher Sprache machst ...

Hahahaha, das ist wirklich lange her! „Hamburg ist immer gut für uns! Vielen Dank für deine Unterstützung“, so ungefähr lautete damals der Text, den ich richtig auswendig gelernt habe. Da ich ja live nicht alle Instrumente gleichzeitig spielen kann, haben wir uns in Hamburg zusammengesetzt und die Stücke geprobt. Das hat sehr gut geklappt, denn auch mein europäisches Label AFM mit Bauke de Groot und den anderen ist in dieser Stadt ansässig. Es war eine sehr gute Vorbereitung in dieser Weltklassestadt! Ich bin immer gerne hier.

Lass uns über die Setlist deiner Shows sprechen: Mir ist aufgefallen, dass du neben den Songs des Soloalbums auch einige Tracks von BIOHAZARD gespielt hast. Ein Großteil davon stammt von „Mata Leao“, warum gerade dieses Album?

Die Antwort dazu habe ich bereits zu Anfang des Interviews gegeben: Keiner kann mir mehr reinreden – auch nicht bei der Songauswahl. „Mata Leao“ ist für mich ein ganz besonderes BIOHAZARD-Album, weil es das erste ohne Leadgitarrist Bobby Hambel war. Wir haben das Album als Trio gemacht und deswegen hatte jeder viel mehr Verantwortung. Somit klingen die meisten Tracks auch völlig anders im Vergleich zu vorher. Meine Bandkollegen hatten dabei bisweilen ein ungutes Gefühl und so verschwanden die Songs immer mehr aus den Live-Sets. „Authority“ oder „A lot to learn“ sind aber großartige Kracher, die sehr gut zu meinen aktuellen Solostücken passen. Und das hat man auf den Konzerten auch gemerkt, denn die Leute sind voll darauf abgefahren.

Zu guter Letzt: Wie man lesen konnte, bist du ein viel beschäftigter Mann, da fragt man sich natürlich, was du als Nächstes vorhast.

Gute Frage, aber eines meiner mittelfristigen Ziele ist das Schreiben einer Autobiografie über mein bisheriges musikalisches Leben. Vor kurzem hat ja ein alter Kumpel von mir, Roger Miret von AGNOSTIC FRONT, seine Memoiren veröffentlicht und mich damit schwer beeindruckt, vor allem mit seinem Wandel vom drogennehmenden Schlägertypen zum relaxten Familienvater. Darin erkenne ich mich selbst ein wenig. Außerdem habe ich über viele Jahre hinweg immer wieder Dinge aufgeschrieben, die mir passiert sind, so eine Art Tagebuch geführt. Da stehen viele lustige, heftige, traurige, rührende, widerliche und kranke Dinge drin, die man zum Teil gar nicht glauben kann. Das könnte viele Leute interessieren.

Benjamin Korf

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #141 (Dezember/Januar 2018)

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