Interviews & Artikel : Daniel Roesberg (LYGO) :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

Daniel Roesberg (LYGO)

My Little Drummer Boy, Folge 47

Dass es hierzulande auch großartige Drummer gibt, ist kein Geheimnis, aber sie zu entdecken macht immer wieder viel Spaß. LYGO haben soeben mit „Schwerkraft“ ihr zweieinhalbstes Album veröffentlicht und schon beim ersten Durchlauf der Platte fällt dem aufmerksamen Hörer der unglaublich treibende Drumsound auf. Wer ist also dieser Drummer, der mit seinem dynamischen Spiel zu einem prägenden Merkmal im Sound der Band geworden ist? Daniel Roesberg war so freundlich, vor den LYGO-Gig in Hannovermit uns über seinen musikalischen Werdegang als Drummerboy zu sprechen.

Daniel, gibt es aus deiner frühesten Kindheit schon Geschichten, dass du die Töpfe und Pfannen deiner Eltern verprügelt hast?


Oh ja, das ist tatsächlich vorgekommen. Ich habe zwar erst spät mit dem Trommeln angefangen, aber ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich gern auf Kochtöpfen herumgetrommelt habe. Das hat mir damals schon viel Spaß gemacht.

Wurde dir dein musikalisches Talent in die Wiege gelegt?

Mein Vater spielte Klavier und insofern bin ich auf alle Fälle mit Musik aufgewachsen, aber hochmusikalisch würde ich das jetzt nicht nennen. Ich selbst habe klassisch mit der Blockflöte angefangen und wollte dann später zum Keyboard wechseln. Aber dann habe ich mich mehr für Sport interessiert und viel Fußball gespielt, so dass ich jahrelang gar kein Instrument gespielt habe. Erst als ich beim Sport Probleme mit den Knien bekam, habe ich wieder angefangen, Musik zu machen, und begonnen Gitarre zu spielen.

Was für Musik hast du damals gehört beziehungsweise welche Bands haben dich begeistert?

Ich habe mit „Bravo Hits“ angefangen und mich dann für alles Mögliche interessiert, bis unser Bassist Jan mir DIE ÄRZTE nähergebracht hat. Sein Bruder hörte viel Punkrock und das hat uns sicherlich sehr beeinflusst. MUFF POTTER habe ich damals viel gehört und auch die ganzen Punkrock-Klassiker wie zum Beispiel GREEN DAY liefen bei mir ständig.

Wie kam es, dass du von der Gitarre zum Schlagzeug gewechselt hast?

Ich hatte eine ganze Zeit lang Gitarrenunterricht und habe mich zunächst zusammen mit Jan an einer Coverband versucht. Wir hatten aber immer Probleme, zuverlässige Schlagzeuger zu finden, die unseren Vorstellungen entsprechen, und so habe ich mich immer wieder mal an das Schlagzeug gesetzt und selbst getrommelt. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass es dabei geblieben ist, und fortan war ich eben der Schlagzeuger. Wir haben dann zusammen ein ganz billiges Schlagzeug gekauft, und als Simon als Gitarrist zu uns gestoßen ist, gab es auch später keinen Grund mehr, an der Besetzung noch etwas zu ändern.

Hast du jemals Unterricht gehabt oder hast du dir alles autodidaktisch beigebracht?

Nein, Unterricht habe ich nie gehabt. Ich habe mir alle Rhythmen irgendwo abgeschaut und dann selbst beigebracht. Geübt habe ich damals auch nur bei den Bandproben und nie für mich allein. Wir haben damals ja auch viel geprobt, so dass man schon genug Zeit im Übungsraum verbrachte. Später habe ich dann auch mal allein was gemacht, weil ich mich auch technisch weiterentwickeln wollte und damit nicht immer der Band bei den Proben auf die Nerven gehen wollte.

Wie war für dich bei euren ersten Konzerten der Schritt aus dem Übungsraum raus auf die Bühne?

Mit unserer Coverband haben wir gar keine Konzerte gespielt, und als die ersten Auftritte mit LYGO anstanden, konnte ich eigentlich noch gar nicht richtig Schlagzeug spielen. Das war alles noch sehr holperig und für mich sehr unbefriedigend. Die Enttäuschung war damals, dass ich im Proberaum immer dachte, alles ist gut und ich bekomme das gut hin, und auf der Bühne lief es dann irgendwie gar nicht mehr rund. Darum haben mir die ersten Konzerte auch nicht wirklich viel Spaß gemacht. Aber immerhin war mein Ehrgeiz geweckt, es beim nächsten Mal auf alle Fälle besser zu machen.

Wie lange hat es von den ersten Shows bis zum ersten Album von LYGO gedauert?

Wir haben 2009 angefangen, live zu spielen, und unser erstes Album „Sturzflug“ ist dann 2014 erschienen. Wir mussten uns als Band ja erst einmal finden, denn die ersten Lieder waren noch auf Englisch, bis wir dann gemerkt haben, dass wir uns auf Englisch einfach nicht gut genug ausdrücken können und besser deutsche Texte schreiben sollten.

Wie war für dich als Drummer dann der Schritt von der Bühne in die nüchterne Atmosphäre des Aufnahmestudios?

Das war teilweise auch wieder sehr enttäuschend, denn plötzlich bekam ich ja ganz direkt mit, dass das alles doch nicht so gut ist, wie ich vorher immer dachte. Es brauchte also immer sehr viele Aufnahmen, bis es irgendwann gut genug war, und das war zu Beginn schon sehr anstrengend. Ich bin da aber auch sehr kritisch mit mir, denn schließlich hören sich ja irgendwann mal Leute die fertige Platte an und da ist es eben besser, man spielt einen Song lieber einmal mehr ein, bis man mit dem Ergebnis wirklich zufrieden ist. Mit meinem Sound bin ich auf alle Fälle sehr zufrieden, denn Nico Vetter, mit dem wir bisher immer aufgenommen haben, hat schon ein großartiges Händchen für den richtig druckvollen Drumsound. Heute finde ich aber auf alle Fälle auch die Arbeit im Studio sehr spannend, denn mich interessieren die ganze Technik und der Aufnahmeprozess doch sehr.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich mag es gern sehr vielseitig mit viel Energie. Schnelle Fills und Dynamikwechsel finde ich gut und es darf nie langweilig werden. Ich versuche, möglichst viel Druck zu entwickeln und nicht immer denselben Rhythmus zu spielen. Nicht zuletzt sollte mein Spiel natürlich noch gut zur Musik der anderen passen und dann bin ich zufrieden.

Bist du bei bei euch in der Band am Songwriting beteiligt?

Da ich ja auch Gitarre spielen kann, kommt es schon vor, dass ich Ideen für Songs mitbringe und an unseren Gitarristen weitergebe. Das sind dann immer so kleine Ideen für eine Strophe oder einen Refrain, aber die Songs schreiben wir im Übungsraum alle zusammen. Bei uns kam noch nie einer mit einem fertigen Song zur Probe oder hatte für mich die Drumrhythmen schon fertig dabei. Wir machen immer alles zusammen, wobei Jan und Simon meistens schon die Texte geschrieben hatten, zu denen wir dann die Musik gemacht haben. Erst beim neuen Album gab es auch schon fast fertige Songs, zu denen die Texte erst später dazu kamen.

Bekommst du irgendwelche Unterstützung oder musst du dein Equipment immer noch selbst kaufen?

Nein, ich habe keine Endorsementverträge und muss immer noch alles selber kaufen. Da muss man natürlich arbeiten gehen, denn wenn man feste draufschlägt, geht auch immer viel kaputt. Bei mir sind es allerdings weniger die Drumsticks, sondern vielmehr die Becken, die ich regelmäßig zerstöre, und das geht natürlich schon ins Geld. In meiner Laufbahn habe ich da schon einiges kaputtgemacht.

Hast du abseits von LYGO noch andere musikalische Interessen, die du gern noch irgendwann realisieren würdest?

Es wäre schon interessant, irgendwann einmal in einer Band Gitarre zu spielen. Zur Zeit bin ich aber mit LYGO so beschäftigt, dass ich nicht groß dahinter her bin, andere Projekte zu starten.

Christoph Lampert

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #141 (Dezember/Januar 2018)

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