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Interviews & Artikel

Nachruf: Tomislav Schmitz a.k.a. Riesen

Rest in Punk

Es muss so dreißig Jahre her sein, dass ein Freund einen Schrank von einem Punkrocker mitbrachte, den er mir mit „Das ist der Riesen“ vorstellte. Wieso Riesen und nicht Riese? Hat sich nie geklärt, war einfach so. „Das passt ja“, dachte ich bei mir, war der Kerl doch gute 1,90 groß, auch sonst von stattlicher, sprich umfangreicher Statur.

Riesen sah so aus, wie ein Punk in den Achtzigern auszusehen hatte. Gespikete Stachelfrisur, Nieten, Stiefel, das ganze Programm. Wir mochten uns auf Anhieb. Außerdem waren wir beide große Freunde des karierten Hemdes, eine jener vielen Kleinigkeiten, die uns verbanden. Bei dem einen oder anderen Joint, wir waren schließlich noch jung und leichtsinnig, gab es natürlich nur ein Thema: Musik. Welche Platten sind ein Muss, welche Bands haben wir live gesehen? Wir waren beide sehr auf der US-Punk-Schiene.

Wie damals üblich, nahmen wir uns fortan gegenseitig Tapes auf, jeweils von unseren Neuentdeckungen, welche wir meistens beim Malibu Versand oder bei Groovers Paradise bestellt hatten. Riesen wohnte in Opladen, ich in Bergisch-Gladbach, da lagen ein paar Kilometer dazwischen, also gingen unsere Tapes im Umschlag per Post auf die Reise. Jedem Brief wurde entgegengefiebert, Tapes sofort eingelegt, dann Abends am Telefon bequatscht und diskutiert. So haben wir uns gegenseitig über die Jahre inspiriert und beeinflusst.

Ich war sehr großer MINUTEMEN-Fan. Riesen hingegen konnte wenig mit der Band anfangen, war aber im Besitz ihrer großartigen „Tour-Spiel“-EP. Die Sache war schnell geregelt. Ein Zehner (noch D-Mark) wechselte von Hand zu Hand, schon war die Komplettierung der MINUTEMEN-Sammlung ein gutes Stück nähergerückt. Diese EP war bis zuletzt alle Jahre Thema zwischen uns beiden, hat Riesen den Verkauf doch schnell bereut, als er später die Band schließlich zu schätzen wusste. Gerne habe ich ihn immer damit geneckt, wie gut die Scheibe doch sei, jedes Mal hat er sich etwas geärgert. Ein Running Gag eben.

Im Gegenzug habe ich für ihn hin und wieder Taxi gespielt, er nannte es Lift, wenn es mal nach außerhalb zu einem Konzert gehen sollte, auf das wir beide Bock hatten. Riesen hatte auch gute Connections zum AJZ Wermelskirchen, wo er das ein oder andere Konzert mit organisierte. Ebenfalls ein gern genutzter Ausflugsort. Als Hobbykoch lud er gerne mal zum Essen in seiner Bude ein, was immer lecker war. Das Wichtigste an ihm war aber, dass er immer gute Laune hatte, ein Sympath, wie er im Buche steht. Er kannte unzählige Menschen aus unserer Szene und war bei allen Konzerten in der Regel ganz vorne dabei, mitten im Pogo-Mob. Letzteres war nicht immer so sehr von Vorteil. Wenn Riesen einen beim Pogo traf, dann war davon auszugehen, dass man schneller auf dem Boden lag, als einem lieb war.

Wie das Leben so spielt, verloren wir uns irgendwann etwas aus den Augen. Aus Tapes wurden CDs, Vinyl wurde seltener, Konzerte teurer. Die Tatsache, dass ich Vater wurde, kam ebenfalls hinzu. So ging einige Zeit ins Land, in der wir eigentlich keinen Kontakt mehr zueinander hatten. Im Februar 2012, als das Ox seine 100. Ausgabe in Solingen unter anderem mit WIRE feierte, trafen wir uns nach Jahren wieder. Selten habe ich mich so gefreut, jemanden wiederzusehen. Außer dass wir älter geworden waren, war es fast wie früher. Fast, weil Riesen mittlerweile an einer chronischen Lungenkrankheit namens COPD litt, was es ihm kaum noch möglich machte, auf Konzerte zu gehen, weil überall geraucht wurde. Ein Jahr später erfolgte glücklicherweise auf Konzerten ein absolutes Rauchverbot.

Dank Facebook und dem somit regelmäßigem Kontakt, sahen wir uns wieder öfter. Bei den DWARVES und bei den US BOMBS zum Beispiel. Letztere spielten im Vorprogramm von AGNOSTIC FRONT. Gästelistenplatz gegen Review-Versprechen. Blöd nur, dass ich schon nach den US BOMBS gehen wollte, also hat mir Riesen am nächsten Tag noch eine Zusammenfassung des AF-Gigs gemailt, damit ich meinen Konzertbericht ordentlich abgeben konnte. Es war immer ein großer Spaß mit ihm, auch wenn Riesen mittlerweile gelegentlich ein Beatmungsgerät auf dem Rücken trug, welches ihm über Schläuche in der Nase die Sauerstoffversorgung erleichterte. Jahrelang kannte ich ihn nur unter dem Namen Riesen, dass er eigentlich Tomislav Schmitz hieß, habe ich irgendwann mal mitbekommen, aber für mich und viele andere blieb er immer der Riesen.

Am 30.06. fand ihn sein Bruder bewusstlos in seiner Wohnung. Was folgte, war ein Paradebeispiel deutscher Kotz-Bürokratie. Riesen lag fortan auf der Intensivstation im Koma, wurde von Maschinen am Leben gehalten. Ein Erwachen war ausgeschlossen, außerdem wurden irreparable Hirnschäden festgestellt. Vermutlich hatte das Gehirn eine Weile keine Sauerstoffzufuhr erhalten.Trotz Patientenverfügung ließ man ihn an den Geräten. Seine Familie wurde quasi entmündigt und für Tomislav ein Vormund von Amts wegen beigestellt, sein ausdrücklicher Wille nicht anerkannt. Über drei Monate lag er im Koma.

Als ich ihn mit zwei Freunden im Krankenhaus besuchte, hatte er seine Augen geöffnet, war aber offensichtlich nicht in dieser Welt. Ich versprach ihm, dass ich seine MINUTEMEN-EP ewig in Ehren halten werde, vielleicht war ja ein nicht körperlicher Teil von ihm anwesend. Es ist unbegreiflich, weshalb einem Menschen die Würde des friedlichen Sterbens nicht zuerkannt werden kann?! Zwischen Montag, dem 17. und Dienstag, dem 18. September 2018 hatte Riesen es endlich geschafft und er konnte seinen Körper verlassen. Er wird uns sehr fehlen, er war einer von denen, die Punk immer gelebt haben, für den Musik alles bedeutet hat.

Rest in Punk, lieber Riesen, du wirst nicht vergessen.

Claus Wittwer

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #141 (Dezember/Januar 2018)

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