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Interviews & Artikel

REIZ

Student Punk sucks!

REIZ sind für meine Begriffe so ziemlich das Beste, was man hierzulande grob in der Ecke Garage einordnen könnte, wären sie denn überhaupt mit einem einfachen Label einzuordnen. Aus der der Asche von LIBERTY MADNESS und ZUSTÄNDE hervorgegangen, ist die Mannheimer Band von Berny (voc/gt), Tim (dr), Tamas (gt) und Patrick(bs) vor allem eines: reichlich wild!

Wie lebt es sich so als REIZ?

Berny:
Es ist, wie im Urlaub zu sein und Postkarten schreiben zu müssen.

Tim: Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen. Wie bei Jonathan Frakes.

Patrick: Oder um es mit einem Kommentar zu einem unserer YouTube-Videos zu sagen: Student Punk sucks!

Ihr habt zwei Demos und eine LP veröffentlicht und die nächste ist bereits in Planung. Außerdem seid ihr auch live ziemlich aktiv. Man könnte sagen: Alles recht ambitioniert und erfolgreich. Stimmt der Eindruck?

Tim:
Erfolg ist in unserem Fall wohl eher, etwas zu releasen, mit dem wir als Connaisseure unseres Faches sehr gut leben können. In erster Linie ist das aber mit dem Aufbringen einer kräftezehrenden Aufmerksamkeitsspanne für noch nicht verrichtete Arbeit verbunden. Irgendwann fragst du dich, wieso machst du den Scheiß überhaupt? Für ein kleines bisschen Anerkennung bist du dann aber doch wieder dazu bereit, deinen Arsch vor den Computer zu pflanzen und Texte zu schreiben. REIZ sind gefangen in einem Pool von Eitelkeit und Selbstüberschätzung. Und doch backen wir Hits! Alles andere ist uninteressant.

Stichwort Hits: Wie funktioniert bei euch das Songwriting?

Berny:
Tim und ich sind meistens zu zweit im Proberaum mit Gitarre und Schlagzeug. Die anderen Instrumente stellen wir uns vor unserem geistigen Ohr vor. Am Ende haben wir unsere Vorstellungen vergessen. Nicht alle Lieder kommen bei allen gleich gut an, deshalb releasen wir sie nicht und überlassen sie der Band, die unsere Kinder einmal haben werden. Sie werden auf jeden Fall einen lässigen Vintage-Punk spielen in zwanzig Jahren. Jedenfalls singe ich anfangs irgendwas zusammen, das kommt nicht aufs Textblatt. Dann schreiben wir’s um, nehmen es auf, schicken’s den andern per Mail. Dann gibt es manchmal Diskussionen. Je nachdem werden Leute überzeugt oder überredet, was am Ende aufs Gleiche hinausläuft.

Bleiben wir noch kurz beim Thema Musik und Sound. Mir kommt es teilweise so vor, als würde man das alles gut kennen – im Sinne der klassischen Punk/Garage-Zutaten –, aber umgekehrt schafft ihr es immer, eine ganz eigene Note zu zaubern.

Patrick:
Das Songwriting spielt sich im Wesentlichen zwischen Berny und Tim ab, wie schon gesagt. Deshalb übernehme ich hier kurz mal die Rolle des Kritikers, der die Gelegenheit hatte, sich extrem ausgiebig mit ihrer Musik zu beschäftigen: Ich glaube, dass ein Grund für die „eigene Note“, die viele bei REIZ wahrnehmen, im Umgang mit Genre-Konventionen liegt. Viele Bands scheinen von vornherein mit dem Ziel an den Start zu gehen, sich in ein Genre einzufügen. Sehr oft Hardcore- oder Garage-Punk. Das geht auch oft einher mit englischen Texten, denn die lassen sich nun mal verhältnismäßig leicht schreiben, ohne völlig lächerlich zu klingen. Das ist ein probates Mittel, schnell viel Spaß mit seiner Band zu haben, und wir haben es früher alle so gemacht. Es gibt gute, schlechte und meistens durchschnittliche Genre-Bands. Gemeinsam haben sie, dass der Genre-Sound den Ton angibt. Bei REIZ gibt es keine klaren Genre-Vorstellungen. Alles spielt sich irgendwie innerhalb des Punk-Kosmos ab, aber es wird keinem von vornherein festgelegten Sound nachgeeifert. Ich glaube, deshalb dauert das auch so lange: Jeder Song wird von Null auf gebaut und muss für unsere Ohren perfekt werden, sonst wird er eingestampft.

Ich habe den Eindruck, dass es bei euren Texten viel um gefühlsmäßige Stimmungen geht, solche Dinge wie Sehnsucht, Zweifel, Euphorie, Frustration ...

Patrick:
Das erste REIZ-Lied, das weitgehend ohne mich entstanden ist, und das ich toll fand, war „Zimmer“. Es geht darin wohl darum, dass jemand tatenlos in seinem verdreckten Zimmer versackt und sich zu nichts durchringen kann. Ein mir damals sehr vertrautes Szenario. Oder „d.b.i.“ mit seiner Saufthematik. Oder „Cool!“, in dem es darum geht, dass wir cool sind. Alles nicht besonders interessant. Aber geht es wirklich darum, was gesagt wird, oder nicht eher darum, wie es gesagt wird? Auch abstraktere Texte wie bei „Smoothjoe“ und „Autopilot“ lassen sich vielleicht auf recht ordinäre Stimmungen und Situationen herunterbrechen, aber die kennt ja sowieso jeder, der grob Milieu und Alter mit uns teilt. Warum also erklären?

Berny: Bei Texten geht es um subjektives Empfinden, Gefühle, Stimmungen oder Reflexionen und so weiter. Dein Eindruck, dass es bei uns „auch viel um gefühlsmäßige Stimmungen geht“ stimmt also zu 100%. Unsere Texte wirken auf manche zwar kryptisch, sind aber nicht beliebig. Wir schreiben die Texte zu unserer Unterhaltung, allein deshalb sind sie ja nicht beliebig. Wir sind ja nicht einfach blöd und lachen über alles. Das hängt schon zusammen. Wie geht man jetzt damit um, dass manche einen damit konfrontieren, sie seien kryptisch? Witze werden ja meistens nicht besser, wenn man sie erklärt. Es ist auch spannender zu hören, was die Leute glauben, worum es geht. Du meintest, bei „Smoothjoe“ beispielsweise geht es um vergebliche Liebe. Aber ich finde, es geht darum, sich selbst trotz einiger Missgeschicke nicht so bierernst zu nehmen, nicht verbissen zu sein. Von der Natur getrieben, von den Umständen tyrannisiert. Aber wenn es dir jetzt wie vergebliche Liebe vorkommt, ist das auch cool. Vielleicht sind die beiden Deutungen ja so was wie zwei Seiten einer Medaille.

Und wie sieht es in Sachen musikalische Einflüsse aus, habt ihr so etwas wie ewige Referenzen, die euch faszinieren?

Tim:
Ganz klar SPITS! Man hört es vielleicht nicht unbedingt heraus, trotzdem würde ich sie als einer der größten Einflüsse bezeichnen. Immer wieder treffe ich auf Leute, die noch nie SPITS gehört haben ... Ganz schlechter Stil! So macht man sich keine Freunde.

Berny: Klar, SPITS sind geil. Oder HENRY FIAT’S OPEN SORE, TRIO, COUNTRY TEASERS, CARBONAS, NEW BOMB TURKS ... Da gibt es viel so Garage- und Punk-Kram, den wir gerne hören und der uns beeinflusst hat.

Christian Bruder

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #141 (Dezember/Januar 2018)

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