Interviews & Artikel : 35 Jahre später: THE GUN CLUB - The Las Vegas Story (LP, Animal, 1984) :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

35 Jahre später: THE GUN CLUB - The Las Vegas Story (LP, Animal, 1984)

Das dritte Studioalbum der Band um Jeffrey Lee Pierce, bei dem auch Gründungsmitglied (wenn auch nicht auf den ersten beiden Alben vertreten) und Gitarrist Kid Congo Powers nach seinem Ausstieg bei THE CRAMPS wieder mitwirkte. Die Songs generieren eine nervös-fiebrige Spannung auf der Basis von Americana, Delta Blues und Country-Punk. Pierce offenbart sich (ganz im Geiste von Charles Bukowski und William S. Burroughs) als schonungsloser Chronist eines Amerikas, das nicht mehr sein Land war (Ronald Reagan wurde 1984 zum zweiten Mal US-Präsident), so beim Song „Bad America“, und vermittelt seine persönlichen Zerwürfnisse mit einem von Einsamkeit geprägten Zynismus.

Mit dabei war Bassistin Patricia Morrison, die Rob Ritter ersetzte und zuvor bei der L.A.-Punk-Formation THE BAGS und später bei den SISTERS OF MERCY spielte, und die heute mit Dave Vanian von THE DAMNED verheiratet ist. Kid Congo Powers brachte sein Distortion-Pedale mit in die Band, wodurch der Gitarrensound über Verzerrer-Effekte einen härteren und satteren Klang bekam. Auch Jeffrey Lee Pierce griff hier wieder zur Gitarre, nach einer Zeit, in der er sich im Wesentlichen auf die Funktion als Sänger und Songwriter konzentrierte. Die Band, die ursprünglich Tom Verlaine (TELEVISION) oder John Cale als Produzenten wollte (aber nicht bekam), nutzte im Studio teilweise das Equipment von Ry Cooder, was ein wenig den „Desperado-Sound“ erklärt. Erstmals lassen sich auch klare Einflüsse von Jazz heraushören, so bei „The master plan“, die Coverversion eines Stücks des Jazz-Sängers Leon Thomas und des Avantgarde-Saxophonisten Pharoah Sanders, und „My man’s gone now“, ein George Gershwin-Cover aus dessen bekannter Oper „Porgy and Bess“.

Die Songs auf „The Las Vegas Story“ sind ein Spiegelbild der inneren Zerrissenheit von Jeffrey Lee Pierce, der mit Alkohol und Heroin einen mitunter haltlosen Hang zur Selbstzerstörung hatte, was sich oft auch destruktiv auf die Band auswirkte. Das Album ist eine Art Replik von Jeffrey Lee Pierce auf den schwarzen Blues-Gitarristen Robert Johnson, dessen „Preaching the blues“ THE GUN CLUB bereits kongenial coverten, und auf dessen Pakt mit dem Teufel, der wohl in dieser Zeit am ehesten in Las Vegas seine Heimat gefunden hatte.

Was bleibt, sind Träume, an die sich Pierce klammert, so bei „My dreams“: „You can’t take my dreams, you can’t take my dreams, You can’t take and steal from this body“. Gewidmet ist das Album Debbie Harry von BLONDIE: „For her love, help and encouragement“. Bands wie WOVEN HAND, MADRUGADA oder 16 HORSEPOWER sollten später aus diesem Album ihre Inspiration ziehen.

Markus Kolodziej

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #142 (Februar/März 2019)

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