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Interviews & Artikel

BRIEFS

Kein Bock auf Nazi-Disco

Die BRIEFS sind zurück! Ende 2018 kam zuerst eine neue Single, die erste seit Ewigkeiten, und im Frühjahr kommt mit „Platinum Rats“ das erste Album seit „Steal Yer Heart“ von 2005 der 2000 in Seattle gegründeten Band. Aufgelöst war die Band all die Jahre wohl nie, aber sehr inaktiv, erst 2012 spielten sie wieder ein Konzert und dann waren in letzter Zeit verstärkte Aktivitäten zu verzeichnen, inklusive eines Auftritts 2018 auf dem Rebellion Festival im englischen Blackpool. 2019 sind die BRIEFS immer noch Chris Brief (Drums), Steve E Nix (Gitarre), Daniel J. Travanti (Gitarre) und Stevie Kicks (Bass), der auf der Tour im Dezember allerdings von Pascal Briggs (u.a. DISTRICT) aus Bochum vertreten wurde. Ich traf die Band nach dem Konzert im Kölner Helios 37.

Ich habe früher ehrlich gesagt nie über euren Namen nachgedacht. Bis ich dann neulich mal gegoogelt habe und nur noch Unterhosen vor mir sah. Was habt ihr euch dabei gedacht damals?

Steve:
Echt? Unterhosen ...? Also wir haben das damals nur im Sinne von „kurz“ gemeint. Die Kurzen also.

Daniel: Wir haben kurze Songs, daher kommt das. Und zum Glück hat das Thema Unterwäsche bislang noch nieeee jemand erwähnt. Tja, und jetzt ist es sowieso zu spät.

Ich war überrascht, wie voll das Konzert gerade war. Mehr als 200 Leute – und das bei einer Band, die sich in den letzten Jahren sehr rar gemacht hatte, die keine Platten veröffentlichte.

Steve:
Tatsächlich waren bislang alle Shows so gut besucht. Bei anderen wurde vielleicht mehr getanzt als heute, aber das war schon okay.

Daniel: Es war toll. Ein paar hundert Leute, die alle Spaß hatten.

Als ihr 2000 euer „Hit After Hit“-Album auf Dirtnap Records veröffentlicht habt, verstand man unter Pop-Punk zum einen noch Musik, wie ihr sie macht, und nicht kitschigen Emo-Kinder-Pop. Und zum anderen gab es eine Szene mit vielen gleichgesinnten Bands, von denen bis heute kaum eine überlebt hat.

Steve:
Also THE SPITS spielen noch und die STITCHES wohl auch.

Daniel: Wir kamen aus dieser Seattle-Szene, die es in den späten Neunzigern und Anfang der 2000er gab: Wir, die SPITS, THE EPOXIES und noch ein paar andere, die mir jetzt nicht einfallen. Diese ganze Dirtnap-Szene eben. Es war etwas Besonderes.

Steve: Es gab aber nicht „den“ Sound, die Bands klangen ja alle anders. Bei Pop-Punk denkt man ja an fünfzig Bands, die alle wie die QUEERS klingen. Wir hingegen wollten immer unseren eigenen Sound haben.

Daniel: Das hat unsere Art des Songwritings auch nicht hergegeben, denn wir schreiben alle Songs, deshalb klingen die so verschieden.

Echt? Ich finde, die BRIEFS zeichnet gerade aus, dass sie einen erkennbaren BRIEFS-Sound haben.

Daniel:
Steve kommt ja nicht mit einer Jazz-Nummer an oder so, und sein Stil ist schon anders als meiner.

Was hat euch eigentlich dazu motiviert, wieder loszulegen mit den BRIEFS? Es war ja ewig ruhig um euch.

Steve:
Man hatte uns ein paar Shows angeboten und das klang nach einer Menge Spaß.

Daniel: Das Geld war es. Nein, im Ernst, das Geld ist uns scheißegal. Wegen des Geldes haben wir die Band nie gemacht. Wahrscheinlich war uns langweilig. Ich hatte 2005 oder 2006 aufgehört, und davor waren wir neun Monate im Jahr unterwegs gewesen, wir hatten in jeder Besenkammer gespielt, das war einfach irgendwann zu viel, es machte dann keinen Spaß mehr. Also hörten wir auf. Und haben jetzt wieder angefangen mit der Intention, einfach Spaß zu haben. Wir legen es nicht darauf an, eine Hitsingle zu veröffentlichen und mit RAMMSTEIN zu touren, haha.

Was habt ihr in der Zwischenzeit so gemacht?

Chris:
Ich lebe schon eine ganze Weile in Deutschland, mittlerweile in München, und es gefällt mir da. Auch wenn ich verstehen kann, warum es manchen Leuten dort nicht gefällt.

Steve: Und die Cops sind scheiße in Bayern. Als wir von Prag zurückkamen, haben die uns erst mal auf der Autobahn kontrolliert und eine Stunde in der Eiseskälte stehen lassen – wir mussten unser ganzes Gepäck ausladen.

Daniel: Und warum? Nur weil wir komisch aussehen. Und gefunden haben sie gar nichts. Chris haben sie sich besonders gut angeschaut, die hielten ihn für einen Mexikaner.

Chris: Oh ja ... Ich wurde in New Mexico geboren, und das steht in meinem Pass. Die Cops fragten mich echt zweimal, ob ich Mexikaner bin. Die bayerische Polizei ist eben speziell.

Steve: Aber zurück zu deiner Frage: Daniel machte sein Label, Modern Action Records.

Daniel: Ja, und die Band MODERN ACTION, und die SHARP OBJECTS.

Steve: Und ich hatte die CUTE LEPERS. Chris hatte SUSPECT PARTS. Und wir haben alle irgendwas gearbeitet, um über die Runden zu kommen.

Chris: Und ich habe in München eine Siebdruckerei namens Flatland Labs.

Dennis: Und Kicks, der nicht mit auf Tour ist, hat auch in ein paar Bands gespielt, unter anderem bei CUTE LEPERS und THE CRAP. Dem wird auch nie langweilig. Er ist ein guter Koch, lebt in Seattle, der macht exzellente Tacos. Es war ihm nicht möglich auf Tour zu gehen, aber wir haben zum Glück Pascal Briggs gefunden.

Pascal, wie haben die dich überzeugt, den Zirkus mitzumachen?

Pascal:
Es brauchte nicht viel Überzeugungskraft, ich mache so was ja nicht ständig, also als Tourmusiker einspringen. In diesem Fall war es anders, ich liebe die BRIEFS. Ich kenne die ja schon von Anfang an. Mit denen jetzt zu spielen, ist großer Spaß. Und sie haben großartige Songs.

Chris: Pascal passt gut zu uns und er war damals einer der Ersten, den ich in Deutschland kennen gelernt hatte, das waren neben den SHOCKS eben Pascals Band DISTRICT. Auf der ersten Tour haben wir im Van ständig DISTRICT gehört.

Daniel: Unser Fahrer Jan hat die damals immer eingelegt, der ist schuld.

Steve: Kicks ist mit der ganzen Sache übrigens einverstanden, er kennt Pascal ja auch.

Welche Rolle spielt Deutschland eigentlich im BRIEFS-Kontext? Chris wohnt jetzt hier und schon früher habt ihr hier viel gespielt.

Daniel:
Eine recht große, seltsamerweise.

Steve: Hier gibt es viele Leute, die Punkrock mögen. Und viele Städte mit einer guten Szene, also kommen wir gerne immer wieder her.

Daniel: In Köln haben wir, glaube ich, eine unserer ersten deutschen Shows gespielt und wir waren total überrascht, wie gut wir hier angekommen sind.

Chris: England war im Vergleich dazu eine richtige Enttäuschung damals: Hey, wo sind all die Punks in Bondage-Hosen, dachten wir uns. Stattdessen hörten die da alle HipHop. In Deutschland hatten wir hingegen das Gefühl, dass das unsere Leute sind.

Daniel: In England haben wir dann später zum Glück auch ein paar Punkrocker gefunden.

Chris: Und letztes Jahr haben wir dann auf dem Rebellion Festival gespielt, sogar im großen Saal, das war cool. Gleich nach den VAPORS, das war krass.

Und, passt ihr zu den ganzen alten Bands?

Daniel:
Wir sind wohl so was wie eine junge alte Band, haha. Uns unterscheidet, dass wir nie wirklich aufgehört hatten.

Chris: Keiner von uns hat heute weniger Energie als damals, wir sind aber besser darin, diese zu kontrollieren. Es fühlt sich heute nicht anders an als damals.

Euer neues Album kommt auf Damaged Goods Records aus London, wo damals auch die CUTE LEPERS veröffentlichten.

Daniel:
In den USA erscheint das Album auf Burger Records.

Steve: Die kamen zu unseren Shows und wollten die unbedingt machen. Das sind eher so Hippies.

Daniel: Und da ergab es Sinn, auch ein Label in Europa zu haben, eben Damaged Goods. Eine leichte Entscheidung. Wir kennen Ian schon ewig, und wenn wir 2006 noch ein Album gemacht hätten, wäre es damals schon auf Damaged Goods erschienen. Wir haben einfach da weitergemacht, wo wir aufgehört hatten.

Ich mag bei euch ja schon immer die Songtitel, also bitte ich euch jetzt darum, mir ein paar vom neuen Album zu erläutern. Fangen wir an mit „The thought police are on the bus“ ...

Daniel:
Woher kennst du den Song?!?!

Na, weil ich das Album schon habe ...

Daniel:
Oh! Wer hat dir das gegeben?! Ian? Hm, ich sehe, du hast gute Verbindungen ...

Steve: Aber zu dem Song. Der hat was mit dieser Empörungskultur in den USA zu tun. Ich bin schon seit meiner Teenagerzeit so drauf, dass ich rechts gehe, wenn alle anderen links gehen, und andersrum. Heute ist jeder bei jedem Thema so militant unterwegs, egal auf welcher Seite man politisch steht.

Daniel: Das hat teilweise dann schon fast was von Zensur, gerade auch von Seiten der Linken. Wir würden uns ja selbst als Linke bezeichnen, aber manchmal muss man eben in den Spiegel schauen.

„Kids laugh at you“?

Steve:
Ich habe mal beobachtet, wie Kinder, zehn Jahre alt oder so, während des letzten US-Wahlkampfs über Politiker im Fernsehen gelacht haben. Das bezieht sich nicht speziell auf Trump, das war, glaube ich, Hillary und noch jemand. Die waren so künstlich und es war nur angemessen, dass sie von Kindern ausgelacht wurden. Die Botschaft war für mich, dass diese Leute von Kindern nicht ernstgenommen werden – im Gegensatz zu Erwachsenen.

Daniel: Aber die Kids in den USA gehen nicht wählen. Die werden 18 und gehen nicht zur Wahl. Auch das hat dazu geführt, dass jetzt Donald Trump im Amt ist.

„GMO mosquito“?

Steve:
In Florida haben sie genmanipulierte Stechmücken ausgesetzt, um damit andere Stechmücken zu bekämpfen. Und die Leute machen sich jetzt Gedanken, was das alles für Auswirkungen haben könnte. Ich habe mir ausgemalt, wie das Ganze in ein totales Horrorszenario ausartet.

Daniel: Wie viele Songs über Insekten haben wir eigentlich? Steve schreibt ständig Lieder über Insekten. „Squash me like a bug“ fällt mir ein, „Killed by ants“, sind da noch mehr?

Steve: Da müsste ich nachschauen. In „Squash me like a bug“ geht es übrigens darum, dass es Menschen gibt, die es anmacht, wenn Frauen in Highheels Käfer zertreten.

„Nazi disco“?

Chris:
Ich teile mir die Räumlichkeiten meiner Siebdruckerei mit Michel, der Taken By Surprise Records macht. Darunter ist ein Keller, den der Vermieter separat vermietet, und wir hatten keine Ahnung, wer das eigentlich gemietet hat. Eines Abends musste ich noch spät drucken und von unten wummerten Techno-Beats. Als wir gingen, sah man Lichtblitze aus den Fenstern. Dieses Disco-Ding ging dann zwei Wochen lang, jeden Abend. Und dann kam ich eines Tages zur Arbeit und überall war Polizei, die schleppten die ganzen Boxen, Bierkästen und alles raus. Und es stellte sich dann raus, dass ein paar wichtige Nazi-Typen da unten eine Art Bar betrieben hatten, ohne Lizenz. Total verrückt, wir hatten keine Ahnung! Das Ganze auch noch in einem sehr bunten Stadtviertel. Das Bild, das sich mir eingeprägt hat, ist das, wie ein Bulle mit einer riesigen Discokugel aus dem Keller rauskam. Ich scherzte dann: „Nazis stehen wohl auf Disco“ – und daraus wurde der Song.

Und was hat es mit dem Albumtitel und -Artwork von „Platinum Rats“ zu tun?

Steve:
Das ist eine Anspielung auf „Double Platinum“ von KISS. Entsprechend ist das Cover dann in schickem Platin gehalten und in der Mitte sitzt eine Ratte.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #142 (Februar/März 2019)

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