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Interviews & Artikel

PANIKRAUM

Mönchengladbacher Schule

PANIKRAUM gibt es seit März 2017, ein paar Monate später entstand schon die erste LP. Sänger Alexander Strafe ist durch DIE STRAFE ein Begriff, an den Drums sitzt Nico, der auch bei EA80 trommelt. Und dann sind da noch Jasper von den WASTONES am Bass und Markus an der Gitarre, früher bei WE KILLED BAMBI. Da kann man sich ungefähr vorstellen, was für ein Sound dabei herauskommt – nennen wir es verkürzt „Depri-Punk“. Nico war beim verabredeten Interviewtermin leider krank und so traf ich mich mit Alexander allein per Skype.

Alexander, ich habe heute noch mal die bisherigen zwei Interviews im Ox mit DIE STRAFE gelesen – der Schreiber fühlte sich beim letzten, vor knapp zehn Jahren, von euch nicht ernst genommen. Mal sehen, wie das hier wird.


Haha, bei DIE STRAFE ist eben immer verdammt viel Spaß dabei, wir machen ständig Witze. Und vor zehn Jahren waren wir noch richtig albern.

Punk in Berlin war mal sehr homogen, in Düsseldorf auch, von Hamburg ganz zu schweigen. Mittlerweile klingen sehr viele Bands aus allen Regionen ähnlich wie die „Hamburger Punk-Schule“ und der Sänger Jens Rachut. Bei euch bleibt alles gleich. Gibt es aus deiner Sicht eine „Mönchengladbacher Schule“?

Ich habe mal mit Nico darüber gesprochen und wir betrachten es einfach als eine große Familie. Es ist aber ein Konstrukt, das nicht nur Gladbach betrifft, es geht mittlerweile ja schon weit darüber hinaus, allein wenn ich bedenke, wie stark wir mit KLOTZS oder PEPPONE befreundet sind. Daraus entstehen sehr viele Verknüpfungen, wie das Lied „Das Urteil“ mit mir als Gastsänger. Martin von EA80 macht ja zum Beispiel auch mit Sascha von KLOTZS etwas zusammen. Es kommen auch neue Sachen nach, was mich sehr freut.

Ich habe letztens eine Führung im einstigen Ministerium für Staatssicherheit in Berlin mitgemacht. Wenn dem Leiter jemand auf die Frage „Wie geht’s?“ mit „Muss schon“ antwortete, sagte er, würde er jedes Mal wütend, wenn er bedenkt, dass die DDR ein absoluter Unrechts- und Spitzelstaat war. Dort „musste es schon gehen“. Wir hätten hier in unserem Luxus aber nicht das Recht zu jammern. Wie siehst du diese Theorie auf eure Texte bezogen, die ja auch oft negativ sind?

Jeden Text, den ich geschrieben habe, habe ich so erlebt. Es sind meine eigenen Gefühle. Es ist der Ausdruck des Künstlers und da geht es nicht darum zu sagen, wer welches Recht hat, sich wie auszudrücken. Ich sehe meine Texte als das Verarbeiten von Emotionen. Zudem ist in jedem negativen Text ein Schimmer Hoffnung enthalten. Ich weiß, dass es nichts nützt, sich an die Vergangenheit zu klammern. Man muss nach vorne schauen. Und so sehe ich das auch mit der DDR. Ich habe mich darüber mit Jens, dem Sänger von PEPPONE, die ja aus Magdeburg kommen, schon oft unterhalten. Letztens haben sie darum gebeten, dass wir ihnen ein Raider mitbringen, ich habe dazu noch eine Banane gekauft und einer hat um eine Milchschnitte gebeten. Wir haben ihnen die Westpakete auf der Bühne überreicht, es war ein Heidenspaß, wir wurden dann noch gekapert.

Ich wollte ursprünglich fragen, ob bei deinen negativen Texten auch immer ein Augenzwinkern dabei ist. Also offenbar nicht, weil sie ja ein ehrlicher Ausdruck deiner Emotionen sind.

Genau. Oft von negativen Emotionen, oder besser gesagt starken. Ich nenne das oft „meine Couch“, wo ich meine Sachen verarbeiten kann, mit DIE STRAFE mache ich das ja auch schon sehr lange. So nach dem Motto „Sing dreimal drüber und es ist wieder gut“, und damit spare ich mir den Weg zum Psychologen. Auch ist es oft ein Wink mit dem Zaunpfahl, weil ich einer anderen Person konkret damit etwas sagen will. Nehmen wir mal „Flucht und Verzicht“, da geht es um eine Flamme von mir und es hat mich schon sehr getroffen, als es auseinanderging. Als ich den Text niedergeschrieben hatte, stand ich hier und fing dann einfach an zu weinen, was ich ja gar nicht wollte. Ich habe das dann versucht zu singen, was mit der Stimme ganz schön schwierig war, nach vier, fünf Mal wurde es dann schon besser. Ich bin auch nicht der introvertierte Typ, sondern teile so etwas gerne. Vielleicht findet sich ja jemand in den Texten wieder. Und wie gesagt versuche ich immer auch die Hoffnung einzubauen, wo ich sie sehe.

Willst du konkrete Reaktionen erhalten von den Menschen, denen du mit dem Zaunpfahl winkst?

Es waren damals zwei Texte bezüglich einer Person, „Folge mir“ und „Zwei Wege“. Wenn ich mit Menschen zusammenkomme, die sich selbst im Weg stehen, und ich die Antwort eigentlich kenne – eben weil ich mir auch schon im Weg gestanden habe –, versuche ich ihnen das eben mit dem Wink mit dem Zaunpfahl klarzumachen. Vielleicht verstehen sie es, vielleicht erst irgendwann. Man sieht ja selbst vieles bei sich nicht, das andere aber erkennen können. Das ganze Konzept PANIKRAUM ist aufgrund der Beendigung einer 18-jährigen Beziehung überhaupt erst entstanden. Da habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und das Lied „Reflexion“ trifft es sehr gut. Das ist die Geschichte von mir und meiner damaligen Lebensgefährtin, mit der ich mich auch heute noch super verstehe. Irgendwie war es nicht mehr meins, nicht mehr mein Leben, und ich wollte Veränderung, habe es aber nicht wahrhaben wollen. Irgendwann bin ich wach geworden, was sehr schmerzlich war. Ich habe in meinem Leben noch nie so geheult. Auch mit ihr zusammen, als ich dann Schluss gemacht habe. Die Texte sind also meine Erfahrungen, auch wenn ich in diesen Fällen „du“ singe, meine ich mich selbst.

Marcus Wiebusch von ... BUT ALIVE hat mal gesagt, dass ihm die Texte wichtiger seien als die Musik. Wie ist das bei dir?

Bei mir ist beides gleichwertig. Ich habe zunächst eine Melodie und das Gefühl im Kopf. Die Emotion, die mich da anspricht, wird dann auch der Text. Wenn du klassische Musik hörst, bewegt sie dich emotional, obwohl kein einziges Wort darin vorkommt. So funktioniert auch mein Konzept. Lass es Freude, Glück, Trauer oder Hilflosigkeit sein. Mir fällt dann sofort ein Arbeitstitel ein, den ich aufschreiben muss, sonst vergesse ich ihn wieder. Wenn ich es dann später umsetze, habe ich mir für den Fall, dass es nicht mehr mein Gefühl ist, vorgenommen, den Song nicht fertig zu schreiben. Dann soll es einfach so sein.

Im Vergleich zu EA80, den Größten in diesem Genre, ist mir folgender Gedanke gekommen: Sie haben auf den letzten drei Platten – allein für mich persönlich gesehen – jeweils zwei „Über-Hits“ und der Rest ist „nur“ gut, natürlich auf hohem Niveau. Bei euch fand ich es ziemlich ausgeglichen und durchgängig auf einem konstant hohem Niveau, es gibt für mich auf der Platte keinen Ausfall, kein langweiliges Lied.

Danke. EA80 experimentieren sehr viel, und das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, wie lange die das schon machen. Ich sehe das aber tatsächlich ähnlich. Auf ihrer LP sind für mich drei Lieder Bombe, drei nicht so gut und die dazwischen sind okay. Bei PANIKRAUM ist es so, dass wir nicht so lange Instrumentalparts haben, die Lieder sind generell kürzer, was mehr mein Ding ist. Irgendwie hast du was im Gefühl und in deinen Emotionen, dass EA80 was abdecken, nach dem du dich sehnst. Und dann erfüllt es sich eben nicht in jedem Lied. Das muss ja auch nicht so sein, aber ich weiß, was du meinst.

Nach eurer Gründung habt ihr quasi sofort eine LP aufgenommen. Wenn ihr so schnell seid, wie ist der Stand bei euch momentan?

Momentan ist es so, dass wir am liebsten jedes Wochenende spielen würden. Kompliziert ist es immer dann, wenn wir uns abstimmen müssen, dass sich wegen Nico nichts mit EA80 überschneidet. Jesper spielt mit WASTONES ja auch noch live. Aber wir finden unsere Nischen. Besonders toll ist, dass wir bei Punk im Pott auftreten können. Ansonsten habe ich bereits für dreißig Lieder ein Grundgerüst. Das wäre was für eine Doppel-LP. Major Label ist dem nicht ganz abgeneigt, für uns muss aber sicher sein, dass uns die Songs, wie du es gesagt hast, durchgängig alle gut gefallen. Was unsere Produktivität angeht, steckt viel Professionalität dahinter, finde ich. Oft sitzen die neuen Lieder schon nach zwei Proben. Das zeigt einfach das riesengroße Verständnis, das wir untereinander haben.

Moritz Eisner

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #142 (Februar/März 2019)

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THE IDIOTS liegen irgendwo zwischen Kunst und Idiotie. Sie spielen Deutschpunk mehr als authentisch. Mit legendären Ansagen und einer starken Einbeziehung des Publikums, ob gewollt oder nicht, wird einem etwas geboten. So müssen Punkshows a ... mehr