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Interviews & Artikel

PASCOW

Badezimmerpunk

2002 gab es das erste PASCOW-Interview im Ox, geführt von einem gewissen Jörkk Mechenbier, damals Ex-Ox-Praktikant, Fanboy der ersten Stunde und höchstens in seinen wildesten Träumen selbst Sänger einer erfolgreichen Band. Die „Richard Nixon Discopistole“-Platte hatten PASCOW aus dem Dorf Gimbweiler im rheinland-pfälzischen Zonenrandgebiet zum Saarland (das beginnt quasi am Waldrand) damals gerade erst auf dem bandeigenen Label Kidnap Music veröffentlicht, erzielten damit das, was man gemeinhin als „Achtungserfolg“ bezeichnet – und waren weit davon entfernt, eine fast schon kultisch verehrte Band und Live-Granate zu sein. Anfang 2019 sieht das ganz anders aus, gerade erst erschien das Album „Jade“, ihr sechstes, und im saarländischen Neunkirchen spielten sie im Januar 2019 vor 1.600 Leuten die dazugehörige Release-Show. Gut, dass das so ist, denn nicht nur mir dürfte die Band um die beiden Brüder Alex und Oliver „Ollo“ Thomé im Kontext ihrer 2017 erschienenen Band-Doku „Lost Heimweh“ einen gehörigen Schreck eingejagt haben, wo sie erzählten, dass es nach „Diene der Party“ (2014) beinahe vorbei gewesen wäre mit PASCOW. Ich sprach kurz vor Weihnachten 2018 via Bildtelefon mit Ollo und Alex – über das Punk-Geschäft.

Sprecht ihr euch im Vorfeld eines solchen Interviews ab, worüber ihr Bock habt zu reden habt oder wo man sich dann eher zurückhält?

Ollo:
Nö. Ich habe nur überlegt, ob ich Alex heute morgen noch anrufen soll, damit er überhaupt daran denkt. Dann dachte ich mir aber, ich lasse es einfach laufen.

Alex: Nee, so was haben wir noch nie gemacht. Es gibt auch keine Tabuthemen. Es gibt nur manche Themen, da sind wir froh, wenn Flo nichts sagt, hahaha.

Wir sehen uns jetzt schön in unserem Büro-Umfeld. Ollo, hinter dir in deinem Büro beim Konzertveranstalter Popp Concerts prangt ein Volksbank-Logo am Haus gegenüber. Alex, du sitzt vor einem imposanten Ölgemälde mit Goldrahmen. Ihr seid schon ganz schöne Business-Punks geworden, oder?

Alex:
Das Bild haben wir hier im Keller gefunden, und wenn man sich das genauer anschaut, ist das voller kleiner Schimmelflecken. Und das mit dem Business-Punk, da habe ich mir heute morgen noch gedacht, dass du dazu ganz bestimmt was sagst. Auf Ollo trifft das ja zu, und auf mich mittlerweile auch. Und ja, das mit dem „Business-Punk“, das stimmt schon. Wir haben aus dem Hobby den Beruf gemacht, irgendwann gesagt, scheiß drauf, wir probieren das jetzt! Und toi toi toi, bisher hat das ja geklappt, auch wenn es ein paar Jahre brauchte, bis es alles lief.

Ollo: Ich führe gerade Vorstellungsgespräche, und gestern während eines Gesprächs dachte ich mir dann, dass immer wieder noch ganz schön der Punker in mir zum Vorschein kommt. Bei uns im Büro gibt es keine Konventionen. Jeder muss halt seine Arbeit machen, aber alles andere ist ziemlich egal. Und da merkt man schon, dass so ein Bewerber dann auch mal etwas befremdet schaut. Ich habe ja BWL studiert, und wenn man mir das mit 17 gesagt hätte, hätte ich demjenigen auf die Backen gehauen. Heute kann ich das nutzen, um in meinem Leben und Beruf so eine Art Wohlfühloase zu schaffen, die man prägen und mitbestimmen kann. Und dafür sind bestimmte betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse notwendig. Aber sein Arbeitsumfeld kann man so gestalten, wie man Bock drauf hat – etwa schon so, dass man nicht mit Schlips zur Arbeit gehen muss. Dass man viel lacht im Büro, auch wenn es ein stressiger Job ist. Ich finde es wichtig, da noch so eine gewisse Punk-Attitüde reinzubringen. Mir geht es im Leben nicht darum, abends am Tresen damit prahlen zu können, die am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter zu haben. Es geht doch nicht darum, Leute auszubeuten. Und so eine Einstellung macht den Unterschied aus, denke ich.

Alex, du beutest dich vor allem selbst aus.

Alex:
Ja, dafür habe ich ein Händchen. Bei mir ist das etwas anders als bei Ollo. Ich wollte das ursprünglich nie hauptberuflich machen, Kidnap Music und die Band sollten immer nur nebenher laufen, so als Ausgleich für den Job. Deshalb habe ich mich dem ganzen Geschäftlichen anfangs auch total verweigert, wollte gar nicht verstehen, wie das mit der Mehrwertsteuer funktioniert. Das hatte für mich nichts mit der Band und all dem zu tun. Mit der Band haben wir uns diese Attitüde noch ein bisschen erhalten, mit dem Label habe ich mich damit abgefunden. Das Label musste ich irgendwann machen, das war nie der Plan, davon zu leben. Das ergab sich erst so vor vier, fünf Jahren.

Mit all dem kann man sich ja eigentlich auch mal beim örtlichen Stammtisch der Wirtschaftsjunioren blicken lassen. Obwohl, das geht ja nur bis dreißig ...

Ollo:
Hier in Trier gibt es einen Kreis junger Unternehmer, dafür bekam ich neulich eine Einladung. Und da musste ich dann feststellen, dass man ab vierzig nur noch Ehrenmitglied sein kann, haha. Dürften wir bei der Jungen Union noch mitmachen? Ich glaube, das geht auch nur bis vierzig ...

Dass wir dieses Gespräch führen, ist auch insofern erfreulich, da ich vor zwei Jahren im Zusammenhang mit eurer „Lost Heimweh“-Band-Doku erfuhr, dass ihr ernsthaft über das Ende der Band nachgedacht hattet. Schaut man sich jetzt an, was im Vorfeld des neuen Albums so abgeht, ist das schon sehr bemerkenswert: enorm viele Vorbestellungen und ausverkaufte Konzerte. Ihr hättet es damals beinahe drangegeben und jetzt passiert all dieses Positive.

Ollo:
Wir sind auch sehr angetan von all dem, was gerade passiert. „Jade“ wäre ohne dieses „Lost Heimweh“-Projekt nie entstanden, das stieß Prozesse in der Band an. Das war für uns wie ein Klosteraufenthalt. Wir sind uns im Laufe der Zeit bewusst geworden was wir erschaffen haben, was es einem selbst bedeutet. Das war viel ausschlaggebender als irgendein wirtschaftlicher Erfolg. Wir hatten 2017 unser zwanzigjähriges Bandjubiläum, das wir mit dem Studioaufenthalt und keinen Konzerten gefeiert haben. Da wurde uns, da wurde mir bewusst, dass diese Band schon mein halbes Leben prägt und was ich aufgeben würde, wenn sie nicht mehr existierte. Diese Erkenntnis war essentiell. Es wurde auch viel innerhalb der Band infrage gestellt. Wir gehen jetzt anders, viel systematischer an Dinge heran als vorher. Wir haben gemerkt, dass wir die Band viel stärker in eine Struktur bringen müssen, weil wir sie sonst nicht mehr in unserem Leben unterbringen können. Wir haben einen festen Tag, an dem wir proben. Das klappt jetzt in 85% der Fälle. Vorher haben wir uns immer nur lose verabredet, für das Wochenende. Jetzt verabreden wir uns für 18 Uhr in Gimbweiler und nehmen uns drei, vier Stunden Zeit für die Probe, um Lieder zu schreiben, um Dinge zu besprechen. So wurde es viel strukturierter und für jeden von uns ist die Wertschätzung für das, was wir da haben, gestiegen: Gemeinsam Musik machen und noch die Möglichkeit haben, durch die Lande zu reisen, Bier zu trinken und dem Alltag zu entfliehen. Der feste Rhythmus eines feststehenden Probetermins führt zudem bei mir dazu, dass man sich richtig darauf freut und Bock hat. Alle von uns arbeiten Vollzeit, keiner schont sich, da braucht die Band diese Strukturen – und ohne diese standen wir damals eben kurz vor dem Kollaps: Beruf, Familie, Band, das haben wir nicht mehr auf die Kette gekriegt.

Das klingt wie die Beschreibung einer Beziehungsrettung durch Paartherapie.

Ollo:
Genau so ist das aber! In einer Band zu spielen, vor allem in einer, in der der eigene Bruder dabei ist, das ist wie verheiratet sein. Und bis auf den Bassisten ist die Bandkonstellation auch schon ewig beständig. Das funktioniert mit uns und dass wir uns in der Band streiten, dass einer nicht mitspielt und der Idiot ist, das gibt es nicht. Oder, Alex?

Alex: Nee. Was mir dazu noch im Kopf herumschwirrt: Seit damals, als im Vorfeld von „Lost Heimweh“ die Auflösung im Raum stand, und bis jetzt kam ja zwei Jahre nichts Neues. Aber obwohl wir als PASCOW in dieser Zeit nicht viel aktiv waren, ist die Band trotzdem gewachsen. Und zwar mehr, als wir erwartet hatten zu dem Zeitpunkt, als wir mit „Jade“ an die Öffentlichkeit gegangen sind. Keiner, weder Rookie als Label noch unsere Booking-Agentur KKT, hatte erwartet, dass das Interesse an der neuen Platte so groß sein würde. Für uns war die Option, das entweder so auf dem Niveau von „Diene der Party“ oder eben kleiner und DIY-mäßig weiterzumachen. Nachdem wir dann aber so viel Zeit ins Songwriting und die Aufnahmen investiert hatten, war klar, dass wir es noch mal wissen wollen, und nachdem wir das Album dann angekündigt hatten, war das Feedback auch riesig, die Releaseparty bald ausverkauft. Da merkten wir, dass mit der Band in der Zwischenzeit auch ohne unser Zutun etwas passiert war. Das fanden wir echt interessant. Es freut uns, aber wir hatten damit nicht gerechnet.

Fremd- und Selbstwahrnehmung können manchmal gewaltig aneinander vorbeilaufen.

Alex:
Ja, und gerade auch vor dem Hintergrund, dass es im Label- und Bandgeschäft immer heißt, nur ständige Präsenz und immer was Neues zu haben führe zum Erfolg. Jetzt weiß ich, dass das Interesse auch wachsen kann, wenn man sich rar macht. Aber weder das eine noch das andere ist ein Garant für Erfolg.

Man kann sich als Band auch verrückt machen im Vorfeld eines Albums, indem man versucht, jedes Detail zu kontrollieren: Ist die Titelstory in diesem oder jenem Magazin besser? Wem gibt man ein Interview? Wie wird und wie will man gesehen werden? Was man da bei manchen Bands mitbekommt, das macht fast schon Angst. Und so was bekommen Außenstehende, die Fans, die Presse meist gar nicht mit.

Alex:
Es macht ja keiner Musik, um gedisst, um gedemütigt zu werden. Doch je mehr du von dir preisgibst, umso mehr kann dich eine negative Reaktion verletzen. Man muss lernen, damit umzugehen. Aber auch wenn man sagt, man stehe da drüber, das sehe ich auch bei uns, dann ist man bei negativen Reaktionen doch vor den Kopf gestoßen, geht es einem nahe. Und wenn dann, was ja bei anderen Bands schon vorgekommen ist, ein szeneübergreifender Shitstorm über einen hereinbricht, dann ist das nicht einfach, das prägt dich und macht dich ängstlich. In der Hinsicht hatten wir bislang Glück, auch wenn es schon mal Kritik gab, die wir nicht nachvollziehen konnten und über die wir uns geärgert haben.

Ollo: Wir unterhalten uns schon mal darüber, was wir gut und cool finden, aber dass wir gezielt planen, mit wem wir reden wollen und mit wem nicht und auch noch worüber, das gibt es nicht. Wir sind manchmal eher verwundert, wer alles mit uns reden will, etwa das Guitar-Magazin. Da gibt es Musiker, die sind perfekt an ihren Instrumenten, für die interessiert sich keiner, aber dann stolpern vier Dilettanten in ein Studio und finden sich plötzlich in so einem Musikermagazin. Das ist schon was anderes, als wenn Hefte wie Ox oder Plastic Bomb, mit denen wir aufgewachsen sind, über uns schreiben.

Alex: Wir drängen uns keinem auf, beobachten die Szene aber nun schon seit zwanzig Jahren, sind Teil davon. Und in all den Jahren haben wir auch viel Blödsinn gelesen, und vergessen das auch nicht. Wir haben viele Hypes kommen und gehen sehen. Wenn dann aber ein Heft auf uns zukommt, das vor zwei Jahren noch keinen Bock auf Deutschpunk hatte, dann sprechen wir zwar mit denen, aber das ist etwas anderes, als mit jemandem wie dir zu reden. So einem Magazin oder Blog geben wir dann auch nicht so viel wie einem Heft, das wirklich Teil der Szene ist und etwas nicht nur macht, weil es gerade in ist. Oder weil PASCOW plötzlich mehr als 500 Leute ziehen. Wir verurteilen niemanden, aber sehen uns als Teil der Szene und werden der immer Vorrang geben bei solchen Entscheidungen.

Wie konzeptionell seid ihr „Jade“ angegangen? Das Album ist ja schon irgendwie anders, und als mir Jürgen von eurem Label Rookie Records davon erzählte, ich aber noch nichts gehört hatte, stellte ich mich schon auf größere Veränderungen ein, die letztlich nicht eingetreten sind. Auch das Cover, das ja bereits im Oktober-Ox in einer Anzeige auftauchte, war unkonkret. Letztlich war das Motto aber doch eher „same same but different“, finde ich – alles gleich, aber anders.

Ollo:
Wir gehen an unsere Songs ja nicht so wahnsinnig konzeptionell heran. 90% des Materials hat Alex geliefert. Ich würde behaupten, die Lieder spiegeln das wider, was in einem drinsteckt, äußern sich aber vielleicht auf eine andere Art und Weise. Für uns war der Entstehungsprozess ein anderer, wir haben bei der Probe anders gearbeitet, haben viel mehr direkt aufgenommen im Proberaum, haben uns das zigmal angehört. Ich möchte behaupten, wir hatten noch nie so viele Songentwürfe wie für dieses Album – und viele davon haben wir wieder verworfen. Um die Jahreswende 2017/2018 haben wir uns dann entschieden, uns auf zehn, elf Songs zu konzentrieren und die weiter auszuarbeiten. Da sind auch zwei, drei Songs dabei, wo wir erst mal üben mussten, um die so spielen zu können. An „Treck der Toten“ etwa haben wir extrem lang gearbeitet. Ich hatte enorme Probleme, das vernünftig zu spielen, beziehungsweise so, wie Alex das gerne hätte. An „Heute Jäger, morgen Taucher“ haben wir auch lange gearbeitet, an „Schmutzigrot“, an „Silberblick & Scherenhände“. Und bei „Wunderkind“, das der „experimentellste“ Song auf der Platte ist, weiß ich noch genau, wie Alex mir bei WhatsApp schrieb, während ich in der Badewanne lag und er im Badezimmer Gitarre spielte. Er schickte mir seine Songidee mit Text und fragte, ob wir das so machen können.

Von Badezimmer zu Badezimmer?

Ollo:
Ja! Ich lag dann erst mal fünf Minuten da und müsste überlegen, ob wir das machen können. Und dann habe ich entschieden, dass wir ja nicht mehr sehr punk wären, entschieden wir uns, so was nicht zu machen. Ist doch scheißegal, was die Leute sagen. Manchmal verlässt einen der Mut ja zwischendurch auch mal. Ich schrieb Alex dann, ich finde das super, lass uns das machen. Lass uns mutig sein, nehmen wir noch Klavier dazu, überspitzen wir das noch. Wir haben bei dieser Platte beschlossen, dass es keine Tabus gibt basierend auf der Denkweise „Aber das passt doch nicht zu uns“ oder „Das macht man als Punkband nicht“. Damit würden wir ja verraten, was wir all die Jahre davor gemacht haben. Wir konnten uns ja immer wieder anhören: „Aber das macht man so nicht!“ Das war der erste Satz von Kurt Ebelhäuser, den wir uns damals von ihm anhören mussten. Er hat den aber ein paar Minuten später selbst relativiert, indem er sagte: „Ach, macht einfach, bei euch ist das scheißegal.“ Wir haben die Band für diese Platte jetzt nicht auf den Kopf gestellt, aber für uns waren das teilweise schon große Veränderungen. Und den Mut und das Selbstbewusstsein, das zu tun, hätten wir vor vier, fünf Jahren nicht gehabt.

Auch das ist wieder so eine Sache von Fremd- und Selbstwahrnehmung. Ollo, du fragtest mich vor ein paar Wochen, wie ich das Album finde, ich nannte zwei, drei Songs, die mir aufgefallen waren, und sagte, es sei eben ein weiteres schönes PASCOW-Album. Man könnte vielleicht anfangen, alles im Detail zu analysieren, könnte dann im Detail nachvollziehen, was für euch so neu und wichtig an der Platte ist, aber für viele, die euch mögen, spielt das vielleicht keine Rolle, da zählt nur „Neues PASCOW-Album? Geil.“ So wie wenn wir beim Ox wochenlang über eine neue Schrift nachdenken und das dem Leser nicht auffällt oder der es nur beiläufig zur Kenntnis nimmt.

Ollo:
So wird das wohl sein. Für dich ist das revolutionär, der Leser nimmt es nur wahr. Und so ist das auch bei uns.

Alex: Die zwei, drei „Ausreißer“ bei uns sind was anderes, bei den Details hast du sicher recht. „Wunderkind“ also fällt auf, und der höhere Anteil von Frauengesang. Alles andere kann man als Weiterentwicklung bezeichnen.

Genau, der Frauengesang: Bei „Silberblick...“ singt eine Frau Wolf mit, bei „Unter Geiern“, „Wunderkind“, „Heute Jäger...“ und „Kriegerin“ eine Nadine Nevermore, bei „Schmutzigrot“ Wick van Houdt alias Wick Bambix. Warum gleich sechs Songs mit ergänzenden „female vocals“, und wer sind die Frauen – Wick von BAMBIX kennt man, aber die anderen?

Alex:
Christina aka Frau Wolf ist die Sängerin der gleichnamigen Band aus Trier. Ollo kennt sie schon etwas länger und ursprünglich hatten wir sie für das Duett bei „Schmutzigrot“ eingeplant, als sie im Studio dann allerdings den Refrain zu „Silberblick & Scherenhände“ sang, wussten wir gleich, dass der Song genau so auf die Platte kommen würde. Letztlich wurde es es dann sogar unser erste Single. Christina wird auch bei einigen Show live mit dabei sein. Nadine Nevermore ist die ehemalige Bassistin der Band CHRISTMAS und sie hat bereits auf unseren letzten Alben immer mal wieder mitgesungen. Sie kommt ganz klar aus dem Punkrock, hat aber eine sehr flexible Stimme und kann sowohl geschriene Parts wie bei „Heute Jäger, morgen Taucher“ als auch sehr melodische Parts wie bei „Unter Geiern“ singen. Von den drei Frauen, die an „Jade“ beteiligt sind, ist sie am dichtesten an der Band dran. Und richtig, Wick werden die meisten von BAMBIX kennen. Wir mögen ihre Stimme und das Duett bei „Schmutzigrot“ hat mit ihr sofort geklappt, zum einen wegen der wirklich passenden Stimme und des charmanten holländischen Dialekts, zum anderen haben wir ihr den Inhalt des Textes sofort abgenommen, was bei diesem Song fast wichtiger als die reine Stimmfarbe war. Warum sechs Songs mit Frauenbeteiligung? Wir hatten seit „Nächster Halt gefliester Boden“ immer mal wieder Gastsängerinnen für den Chorus oder im Background dabei, allerdings immer nur als Ergänzung zum übrigen Gesang. Dieses Mal haben wir bei einigen Songs, „Unter Geiern“ und „Schmutzigrot“, von vornherein Frauengesang mit eingeplant und die Songs darauf ausgelegt. Wir wurden auch schon gefragt, ob der hohe Frauenanteil ein politisches Statement gewesen sei. Aber hey, es ist 2019 und ich hoffe, man braucht keine Frauenquote mehr, um weiblichen Gesang im Punkrock unterzubringen. Daher: Nein, es war keine politische Entscheidung und es ging rein um die Songs und die Tatsache, dass die Beteiligung der Frauen die Stücke besser machen würde.

Vorhin habt ihr beide euer Badezimmer erwähnt: Alex spielt da Gitarre, du liegst in der Badewanne und hörst zu. Das Badezimmer als Rückzugsort und Komfortzone?

Alex:
Ich habe fast alle Songs geschrieben und die sind alle im Badezimmer entstanden. Also die ganze Musik, aber nicht alle Texte. Warum? Im Badezimmer ist es meistens schön warm, und da habe ich total meine Ruhe. Ich hatte immer schon meine Gitarre im Bad stehen, wobei ich Aufnahmen an meinem Computer mache und der steht nicht im Badezimmer. Aber ich kann ja auch über eine Handy-App aufnehmen und seitdem läuft auch das im Bad. Wenn ich also etwas Ruhe brauche, gehe ich ins Bad, da weiß ich, da stört mich keiner. Wenn das Telefon klingelt, höre ich das nicht mal.

Ollo: Ich habe da gerade dieses legendäre Foto von Frank Zappa auf der Kloschüssel vor mir ...

Diese Frage stelle ich mir auch gerade, Alex: Gitarrespielen mit Deckel auf und Hose runter?

Alex:[/b] Nein, ich stehe dabei vor dem Waschbecken.

Vor dem Spiegel! Du übst Rock-Posen?

Alex:
Meistens drehe ich mich vom Spiegel weg, weil ich mich nicht beim Komponieren sehen möchte. Ich stehe einfach total auf diese Badatmosphäre.

Ollo: Badezimmerpunk!

Ollo, du bist eher so der Connaisseur und liegst gemütlich in der Wanne und hörst dir übers Telefon an, was Alex gerade macht?

Ollo:
Das Badezimmer ist auch mein Rückzugsort, gerade mit zwei Kiddies ist es wichtig, sich mal zurückziehen zu können. Und dann lege ich mich eben in die Badewanne, lese, denke nach. Und manchmal kommt dann eine WhatsApp-Nachricht und die Frage „Hör mal, wie findste?“ Wahrscheinlich ist das mit dem Badezimmer eine Erziehungssache, haha.

Lese ich den Albumtitel, denke ich an den Filmtitel „Im Bann des Jade Skorpions“ und den Songtitel „Jaded“ von AEROSMITH. Jade ist ein Mineral, „Jaded“ heißt abgestumpft ... Was hat es mit Jade auf sich?

Alex:
Zuerst gab es den Song „Jade“, noch bevor es der Albumtitel wurde. Als wir im Studio waren, hatten wir schon die Coverentwürfe, und zu diesem Zeitpunkt war bandintern nur klar, dass es nach all den langen Titeln diesmal ein kurzer werden sollte. Ich finde, Jade ist ein sehr schönes Wort. Es ist ein Wort für etwas Schönes, Wertiges, das aber nicht so „drüber“ ist wie etwa Diamant. Zudem ist Jade auch ein Mädchenname und das passt, weil Gwen ja auf dem Cover ist. Das passt einfach alles zusammen: ein Song, der so heißt und in dem es um Musik geht, ein schönes Wort, und die Verbindung zu einem Mädchen. Und dann auch noch dieses Corpsepaint-Cover. Der Titel stand aber lange auf der Kippe, weil Ollo das J von Jade nicht gut findet. Der findet den Buchstaben einfach nicht schön, auch wenn andere darüber nur den Kopf schütteln können.

Ollo: Ich finde die Buchstabenkombination J-A einfach ästhetisch nicht sehr ansprechend, Jade ist geschrieben einfach kein schönes Wort. Aber man hat mich überstimmt. Und vielleicht ist das ja nur eine psychische Störung meinerseits.

Alex: Jetzt stell dir mal vor, wie bei uns bisweilen Entscheidungen getroffen werden, es ist manchmal eine Qual. Wir diskutierten sogar darüber, Yade statt Jade zu schreiben. Furchtbar ...

Wenn das Heft erscheint, habt ihr gerade eure Release-Show gespielt in Neunkirchen im Saarland, in einer ausverkauften Halle vor 1.600 Leuten. Wie konnte das passieren?

Alex:
Im Saarland haben wir uns immer rargemacht mit Konzerten, und das wissen die Leute auch. Deshalb gehen sie alle hin. Und dazu kommen viele Leute aus ganz Deutschland, aus Hamburg, aus Berlin, aus Leipzig, aus dem Süden, denn Neunkirchen ist keine Stadt, die man noch mit einem Besuch verbindet. Ich glaube, viele Leute freuen sich, dass es nach „Lost Heimweh“ weitergeht, und wollen dabei sein.

Ollo: Die anderen kannten die Halle gar nicht, ich hatte die durch meinen Beruf als Konzertveranstalter auf dem Schirm, und als ich dann mit der Idee ankam, war die erste Frage: „Kann man die auch kleiner machen?“ Ja, kann man, denn obwohl ich bei so was immer recht mutig bin, war ich mir auch nicht sicher, ob das klappt. Dass wir die Halle dann zweieinhalb Monate vorher vollgemacht haben, das war schon super. Nach drei Tagen waren 900 Tickets verkauft. Manchmal wird einem der Mut gedankt, manchmal nicht. Diesmal war es eben die richtige Entscheidung. Übrigens war unsere letzte Clubshow im Saarland vor neun Jahren – im JUZ in Neunkirchen. Da schließt sich ein Kreis, wie wir im Nachhinein festgestellt haben.

Eure Tour im Frühjahr läuft ebenfalls gut, ist teilweise schon ausverkauft, und auch bei dem Festival zum 30. Ox-Geburtstag am 9.3. in Essen waren die Tickets in drei Tagen weg. PASCOW 3.0, auf zu neuen Höhen?

Ollo:
Ich denke, das hat was damit zu tun, dass wir nicht so eine Überpräsenz haben. Wir spielen 2019 etwas über zwanzig Konzerte, das ist für uns ein langjähriges Maximum. Und wir haben die Leute über die Jahre mitgenommen. Bei unserem ersten Konzert in Hamburg im Sputnik in Altona waren dreißig, vierzig Leute. Über das Störtebeker und Hafenklang kamen wir dann ins Knust, und in Köln ist mittlerweile das Gebäude 9 zu klein, da gehen wir jetzt in größere Clubs. Wir haben uns über die Jahre den Arsch abgespielt, hatten und haben immer faire Preise, so 18, 19 Euro plus Gebühren. Warum die Leute zu unseren Konzerten kommen ...? So ganz scheiße scheinen wir live nicht zu sein. Wir gehen, das überrascht mich bei uns selbst, jeden Abend auf die Bühne, als sei es das letzte Konzert. Wir sind uns bewusst, dass das, was wir da haben mit der Band, nicht in Stein gemeißelt ist. Dass das mit unseren Alltagsjobs und Familien auf recht sandigem Boden steht. Wir haben das Bewusstsein, dass das morgen vorbei sein kann, und freuen uns deshalb umso mehr, solange wir das machen können. Deshalb feiern wir, deshalb geben wir Höchstleistung, solange wir können. Dieses Bewusstsein schleppen wir gerade live schon lange mit uns mit, und wir sind ja auch keine großartigen Musiker. Wenn du als Punkband aus Gimbweiler nach Hamburg oder Berlin kommst, kannst du dich nicht groß hinstellen und damit angeben, da klatscht keiner. Kommt eine Punkband aus Hamburg nach Saarbrücken, gibt es alleine dafür schon Bewunderung und Komplimente. Nein, als Band aus Gimbweiler musst du so spielen, dass die Leute diese 45 Minuten so schnell nicht wieder vergessen. Das war für uns schon immer die Maßgabe.

Alex: Ich erlebe, dass die Leute sich überall darüber freuen, dass wir wieder spielen. Die sind nahe dran an der Band, die sehen sich als Teil davon. Neider gibt es natürlich auch, aber das sind bei uns recht wenige. Den Erfolg jetzt nimmt uns keiner krumm, auch im Saarland nicht. Wir haben nie Brücken hinter uns abgebrochen, wir haben die Leute immer eingeladen mitzukommen – ohne uns anzubiedern. Wir werden immer die kleine Band aus Gimbweiler bleiben, das nimmt man uns ab, und deshalb sind im Laufe der Jahre auch nur wenige Leute abgesprungen.

Unsere Überlegungen mögen auf manche vielleicht schon viel zu analytisch wirken, dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass euer aktueller Erfolg nicht isoliert zu betrachten ist. Denn bei allen musikalischen und inhaltlichen Unterschieden, Punk mit deutschen Texten feiert derzeit riesige Erfolge: FEINE SAHNE FISCHFILET in ausverkauften Hallen, MASSENDEFEKT, DONOTS, BROILERS, ROGERS, TURBOSTAAT ... Vor zehn Jahren gab es das nicht, und alte Helden wie SLIME haben vor 30, 35 Jahren bei weitem nicht so große Konzerte gespielt. Was ist da passiert?

Ollo:
Deutschsprachige Musik erfährt, nicht nur im Mainstream, schon seit einer ganzen Weile eine wachsende Wertschätzung. Schau dir nur mal an, was im Deutschpop-Bereich so geht. Oder nimm eine Band wie die DONOTS, die jahrelang auf Englisch gesungen haben und jetzt mit deutschen Texten erfolgreicher sind als je zuvor. Ich denke, für all diese Bands hat die Wahrnehmung über die Verbindung DIE ÄRZTE und DIE TOTEN HOSEN eine Rolle gespielt, und natürlich muss man die Frage stellen, was ist Punk und wie viel Punk sind all diese Bands noch. Dass das alles aber jetzt so groß geworden ist, das hat sicher was mit der gewachsenen Akzeptanz deutschsprachiger Musik zu tun. Deutsche Texte haben sich in der Masse ja auch verbessert, glaube ich. Früher war Fat Wreck als Label ein Qualitätsmerkmal, deshalb gingen die Leute hin, heute ist das vielleicht nicht mehr so. Und die deutschen Bands unterstützen sich gegenseitig, da nehmen die größeren die kleineren mit auf Tour. Auch dadurch wächst die Wahrnehmung solcher Bands. Und natürlich spielt bei einer Band wie FEINE SAHNE FISCHFILET auch die Medienpräsenz eine Rolle, ihnen wird eine bestimmte Attitüde nachgesagt, sie werden als linksextrem bezeichnet. Und vielleicht steigert das dann noch die Attraktivität – die Eltern finden so eine Band nicht gut, die Kinder lieben sie. Dass all diese Bands heute so erfolgreich sind, hat also eine lange Geschichte. Ich weiß noch, wie TURBOSTAAT und wir um die Jahrtausendwende im AZ Homburg vor 27 zahlenden Besuchern gespielt haben. Hat ja dann nur zwanzig Jahre gedauert bis zum Erfolg! Ich erinnere mich auch noch, wie wir vor einigen Jahren ein paar Shows auf den gleichen Festivals wie die noch unbekannten KRAFTKLUB spielten und ich mir da schon dachte, dass die eines Tages, ohne zu winken, an uns vorbeiziehen werden. Deutschsprachige alternative Musik ist absolut gesellschaftsfähig geworden.

Alex, ich bin jedesmal beeindruckt, wenn ein Paket von euch, von Tante Guerilla kommt. Sogar eure Promo-Platten verpackt ihr wie Geschenke. Warum dieser Aufwand? Eure Strategie gegen Amazon?

Alex:
Absolut. Wir als Label und Band wollen ganz klar zeigen, dass etwas, das wir veröffentlichen, auch eine Wertigkeit hat. Und das soll jeder, der so ein Produkt, so eine Platte bei uns bestellt, auch sehen und fühlen. Und natürlich wollen wir uns dadurch von Amazon und Co. abheben. Das machen wir mit einem leichten, schnellen Bestellvorgang und dadurch, dass wir keine Versandkosten berechnen. Und die Leute sollen angenehm überrascht sein, wenn sie das Paket dann auspacken. Was nun die Bemusterung betrifft, so ist eine gut gemachte Website okay, aber wenn wir an ein Magazin was schicken, wollen wir zeigen, dass uns diese Band, diese Veröffentlichung etwas wert ist. Und wir erwarten im Gegenzug vom Empfänger, dass der sich entsprechend damit auseinandersetzt und auch auseinandersetzen kann, weshalb wir selten vorab etwas schicken, sondern am liebsten das fertige Vinyl. Ich verlange ja nicht, dass jeder das abfeiert, aber zumindest sollte man sich ernsthaft mit einer Band auseinandersetzen – auch ein „cooler“ Verriss hat was. Zudem schicken wir nicht hunderte solcher Pakete raus, sondern vielleicht dreißig bis fünfzig – mehr gute Magazine und Websites gibt es ja gar nicht. Übrigens haben wir da ein halbes Jahr lang herumgerechnet und ausprobiert, was und ob sich das lohnt, also alle Bestellungen so schön zu verpacken: Was kostet die Verpackung, wie lange braucht man zum Verpacken, und so weiter. Man will ja nicht, dass man am Ende des Monats merkt, dass man für umsonst gearbeitet hat. Solche Kalkulationen mussten wir auch erst lernen, wir machen das jetzt seit eineinhalb Jahren, und bekommen viel positives Feedback. Es lohnt sich also. Genauso wie wir der Meinung sind, dass sich auch in Zeiten von Streaming eine schöne, hochwertige Vinylplatte lohnt. Dann verkauft man die auch. Klar kann man eine LP auch für 9 Euro anbieten, wenn man überall das Billigste nimmt, aber meine Erfahrung ist, dass sich so was nicht besser verkauft. Dann lieber auf die Kacke hauen, sich was Besonderes ausdenken und für 15 Euro verkaufen.

Jetzt haben wir schon wieder über „Business“ geredet. Ist es heute unabdingbar für eine Band, sich über all so was Gedanken zu machen, um bestehen zu können?

Ollo:
Ich finde, man freut sich doch auch selbst, wenn man etwas in so schöner Form geliefert bekommt. Und so, wie wir gerne bedient werden, so gehen wir auch mit anderen um. Klar spielen da auch Business-Überlegungen eine Rolle, aber wenn ich mir unsere Kalkulation im Merchandise-Bereich rein betriebswirtschaftlich anschaue, muss ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber wir müssen ja auch nicht reich werden am T-Shirt-Verkauf. Und es gibt auch Konzerte, die letztlich Nullnummern sind, denn wir haben Kosten, wir beschäftigen Leute, etwa für Ton und Licht, denn die leben von dem, was sie tun. Wir leben nicht von der Band, sondern von dem, was wir acht oder zehn Stunden am Tag machen, machen all das im Bandkontext letztlich umsonst. Du bist eben gezwungen, so was wie eine Band auch mit einem Blick auf das Wirtschaftliche anzugehen, denn sonst fährst du die Karre irgendwann an die Wand. Wir können ja nicht von Rookie Records oder unserer Booking-Agentur KKT verlangen, dass sie unsere Rechnungen bezahlen. Die können nur mit dem arbeiten, was sie von uns bekommen, und leben davon, was sie durch die Band erwirtschaften. Dem ist man ab einer gewissen Größenordnung einfach ausgesetzt. Das ist aber auch nichts Dramatisches, man muss es nur hinbekommen, das so gut zu machen, dass man sich da so eine Wohlfühloase schafft und jeden Morgen in den Spiegel schauen kann. Dann hat man schon eine Menge erreicht in seinem Leben. Weshalb wir als Band gemeinsam hinter allem stehen können müssen, was wir machen: hinter den Liedern und Texten, hinter den Veröffentlichungen, hinter dem Label, hinter allem. Die Band ist so ein Familiending, das auf Vertrauen und Verlässlichkeit basiert – ohne das würden wir es nicht weitermachen.

Alex: Was dieses Business-Ding betrifft, so wollte ich das anfangs nie machen, wollte mich davon fern halten. Viele Jahre fand ich das gut und richtig, aber merkte irgendwann, dass das eben auch sehr leicht ist, dieses Punk-Ding nur nebenberuflich zu machen, ohne jede Konsequenz, also im Sinne von Risiko. Es ist leicht, einen gut bezahlten Nine-to-five-Job zu haben und sich dann in der Freizeit über die Punk-Szene herzumachen, über Leute zu urteilen, die das hauptberuflich machen. Als ich dann angefangen hatte, das selbst hauptberuflich zu machen, sah ich das mit ganz anderen Augen. Wer so was zu seinem Beruf gemacht hat, der geht wirklich ein existenzielles Risiko ein, ob das nun eine Band, ein Label oder eine Booking-Agentur ist. Deshalb finde ich, man muss es jedem hoch anrechnen, der sich dafür entscheidet, seine Brötchen mit und in dieser Szene zu verdienen. Und wenn man sich das mal genauer anschaut, sieht man schnell, dass die allerwenigsten davon wirklich reich geworden sind. Die meisten kommen irgendwie über die Runden und das klappt gut, solange man aktiv ist. Es gibt da eigentlich keinen, der es sich nach zehn, zwanzig Jahren leisten kann, nicht mehr zu arbeiten. Da haben wir in all den Jahren gerade mal ein, zwei Personen getroffen.

Wenn man sich typische Angestelltengehälter anschaut, dann wird einem schnell klar, dass man 40.000 Euro im Jahr durch das Verkaufen von Platten nicht so einfach verdienen kann.

Ollo:
Genau. Und viele Leute glauben ja auch, wir würden die Band hauptberuflich machen – das würde niemals funktionieren. Mit achtzig Konzerten im Jahr vielleicht ... Aber dann bist du wieder so vielen Zwängen unterworfen, dass du nicht mehr frei entscheiden kannst, was und wo du spielst – nur um die vier Leute zu ernähren.

Alex: Und das würde uns den großen Spaß nehmen, Angebote für Konzerte abzulehnen, auf die wir keinen Bock haben, für die wir aber viel Geld kriegen würden. Für mich ist es eine der größten Freuden, auch auf die dritte Nachfrage immer noch mit nein antworten zu können. So viel Punk bin ich, dass man mich allein mit Geld nicht kriegt!

 


Mehr über PASCOW lesen? In Ox #141 erläutern PASCOW die Hintergründe zu all ihren Plattencovern und erklären im Detail, was es mit dem Corpsepaint-Cover von Jade auf sich hat.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #142 (Februar/März 2019)

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