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Interviews & Artikel

TURBOSTAAT

Eine Widmung

Gerade erschien das TURBOSTAAT-Live-Album „Nachtbrot“ und das nahm Jörkk Mechenbier, einerseits Sänger von LOVE A, andererseits altgedienter Ox-Schreiber, zum Anlass, der Band zu huldigen.

Hallo, ich bin Jörkk Mechenbier. Meine Tochter malt Einhörner, in Hamburg Ottensen.“ Dieses leicht abgeänderte TURBOSTAAT-Zitat zum Anfang, damit sich all die großartigen, liebenswerten Fans „out there“ (also du) auch gleich von Beginn dieses Traktates an wohlfühlen. Kleiner Nachtrag: Besagte Tochter schreibt neben ihre gemalten Einhörner auch schon mal „Unicorns against Racism“ oder auch „FCKNZS“. Braves Kind! So viel Zeit muss sein, wenn der stolze Papa sie hier schon erwähnt.

Apropos: Wahrscheinlich fragt ihr euch, warum meine Tochter an dieser Stelle Erwähnung findet. Das kann ich euch erklären: Töchter, also Kinder im Allgemeinen, sind neben vielen weiteren Dingen ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Leben vorangeschritten ist und sich verändert hat. Ein anderes sind alte Fotos. Als mir ein gewisser Jan Windmeier neulich ein fast zwanzig Jahre altes Bild mit zwei Tüpen drauf schickte, hätte ich bei deren Anblick nicht spontan sagen können, welche der beiden abgebildeten Eierfeilen ich früher auf dem Schulhof wohl als Ersten verkloppt hätte, bis mir auffiel, dass es sich hier um Marten Ebsen himself sowie um meine Wenigkeit handelt. Da musste ich schon kurz schlucken. Zwanzig Jahre kennen wir uns schon?! Ist das denn zu fassen ... Eigentlich nicht. Aber irgendwie dann doch. Und: Wie schön ist es, wenn etwas so lange Bestand hat, in dieser Welt, in der das meiste nicht mal mehr darauf ausgelegt ist, Bestand zu haben. Und das geht schließlich jedem Einzelnen von uns so, auch wenn die Beispiele sich unterscheiden, und eben auch den Bands, die wir mögen, supporten, abfeiern, begleiten – ja sogar lieben – so wie ihr (und ich) unsere TURBOSTAAT-Jungs und das, was sie uns geben, lieben.

Wir gehen mit diesen Bands über weite Strecken gemeinsam durch unser Leben und verändern uns gemeinsam mit ihnen, oder erleben zumindest oft, wenn auch hier und da ein wenig zeitversetzt, die gleichen Veränderungen. Manchmal sind diese gemeinsamen Wegstrecken so wichtig und intensiv für uns, dass sich die gegenseitige Wahrnehmung dabei verändert. Die der Fans gegenüber der Band, aber auch die der Band gegenüber den Fans. Das sind dann plötzlich keine anonymen Unterhaltungsdienstleister mehr, die da auf der Bühne rausschreien und ausschwitzen (in meinem Falle), was wir alle denken, was unsere Träume beflügelt, unsere Hoffnungen nährt und uns einen Moment lang behutsam über alle Sorgen des Alltags hebt, damit wir mal wieder gelassen von oben, aus sicherer Distanz mit bestem Ausblick, auf die Schönheit blicken können, die so ein Leben ohne Zweifel doch auch immer wieder für uns bereithält. Im Gegenteil! Das ist nicht einfach nur „die Band des Abends“. Das sind unser Rotze, unser Peter, unser Tobert, unser Jan und unser Marten! Und der geile Sound, das Getöse und das Leuchten und Blitzen, das uns dabei umgibt, das sind unser Hauke und unser Chris! Und ganz da hinten, am Merchstand, wo wir uns verschwitzt und strahlend vor Glück nach dem Konzert einfinden, um ein Shirt oder eine Platte zu kaufen, also um einen kleinen Fetzen Erinnerung an diesen unvergesslichen Abend von Freunden für Freunde mit Freunden mitzunehmen, das ist unsere bärtige Tante Rock’n’Roll Emma! Unser Friese! Und nicht zu vergessen der, der immer aufmerksam und meistens auch lächelnd im Hintergrund dafür sorgt, dass alles – und ich meine alles – funktioniert und dass die versoffenen Band- und Crew- und Support-Heinis alle was zu essen, zu trinken und einen Platz zum schlafen haben: Don Humberto!

Und die Fans sind auch auf einmal nicht mehr nur noch willige Erfüllungsgehilfen, die der Bewältigung kommerzieller Sachzwänge des Tagesgeschäfts dienen. Nein! Das seid ihr! Ihr selbst und eure Leidenschaft, die da vor der Bühne stehen und dieses „TURBOSTAAT-Ding“ da seit nun zwanzig Jahren überhaupt erst möglich machen. Was Monsieur Windmeier, wie ihr sicher alle wisst, übrigens bis heute nicht ein einziges Mal unerwähnt gelassen hat bei seiner Schlussansage: „Danke euch, dass wir das hier machen dürfen.“ Tja. So ist er eben. So sind sie eben. So ist das eben. So ist das bei TURBOSTAAT. Denn je länger man sich gemeinsam all die seltsam verschlungenen Pfade des Lebens entlang hangelt, desto inniger wird das Verhältnis zwischen Band und Fan. Desto besser kennt man sich, desto dankbarer ist man sich und desto fester ist das Band, das Band und Fan verbindet.

Im Rausch der Leidenschaft beim Verfassen dieses Textes hätte ich jetzt beinahe etwas von „untrennbarer, symbiotischer Verbindung“ geschrieben. Beinahe? Nein, denn das habe ich ja. Und ja! Doch! Na klar! Genau das ist es auch, was man bei einem der TURBOSTAAT-Konzerte wie sonst selten im Kulturbetrieb dieser Tage vorfindet. Es ist zum Glück noch kein Einzelfall geworden, dennoch sind TURBOSTAAT-Konzerte eines der leuchtendsten Beispiele dafür, derer ich in meinem bisherigen Leben Zeuge – und obertollster Weise auch manchmal Mitwirkender – werden durfte. Nahezu „needless to say“, dass dieses „Agieren auf Augenhöhe“ ein Stück unserer Definition von „Punk“ ist – und ich glaube, dass ich hier im Namen vieler Mitmusiker im Punkrock und aller Mitglieder von TURBOSTAAT spreche. Also das vorherrschende Gefühl, dass die, die auf der Bühne etwas aufführen, sich nicht als die Stars, als etwas Besseres verstehen, sondern dass das einfach welche von uns sind, die ihren Teil zu unser aller gelebten Gegenkultur beitragen – mit dem kleinen Unterschied, dass sie die Instrumente festhalten. Und dass das Bier für sie kostenlos ist. Aber lasst uns das einfach gnädig als kleinen, fairen Lohn für ihre Mühen betrachten.

Es sind eben diese Konzerte, wie neulich in Leipzig, diesem Feierstadtjuwel im Osten Deutschlands, wo auf dem Gelände des wundervollen Kulturzentrums Conne Island im Stadtteil Connewitz ein paar Live-Shows von TURBOSTAAT stattfanden (bei denen das neue von Moses Schneider aufgenommene Live-Album entstanden ist), die all mein gefühlt etwas überromantisiertes, vorangestelltes Geschwafel heiligen und ihm am Ende doch recht geben.

Zwanzig Jahre TURBOSTAAT also – und kein Scheiß: Ihr macht euch ja kein Bild von dem Ausmaß der Freude, die ich verspürte, als man ESEL & ANWALT, also meinen Anwalt Lasse Paulus und mich, fragte, ob wir an diesem Wochenende mit von der Partie sein möchten, um das Vorprogramm zu bestreiten. Und kaum auf dem Gelände angekommen, trat all das ein, von dem ich euch im oberen Teil dieses Textes berichtete. Man traf Freunde und man war erfüllt von dem Gefühl, hier richtig zu sein, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und einfach generell gerade das Richtige zu tun. Sich einmal mehr in eine Oase begeben zu haben, die einem Kraft gibt, um dem nicht immer mit Zucker überzogenen Alltag, der unvermeidlich auf solche Wochenenden folgt, wieder mal mit etwas mehr Kraft und Zuversicht entgegentreten zu können als andere. Und ich meine mit „Freunde“ nicht nur TURBOSTAAT und all seine hübschen Gesichter. Ich meine alte Weggefährten, oder auch all die „Ultras“, die so gut wie keine Show der Jungs auslassen und die man mittlerweile auch kennen lernen durfte und liebgewonnen hat, Veranstalter aus anderen Städten, Mitglieder anderer, befreundeter Bands, alle Sorten von guten Menschen aus nah und fern und derart verschiedenen Alters, wie es normalerweise nur Gesellschaftsspielen („Von 9 bis 99“) vorbehalten ist. Fuck ey, sogar mein Zahnarzt war da!

Ich empfinde es als nahezu unmöglich zu vermitteln, wie sich das angefühlt hat. Als kleines Beispiel vielleicht der Moment, als ich nach unserem Konzert letztendlich verschwitzt und happy mit Lasse am Merchstand auf diesen wundervollen Abend angestoßen habe und unser gemeinsamer Freund Marius mir dann einen Kumpel vorstellte. Ein Mitglied der Band DELLWO. Einen weiteren solchen „Freund aus der TURBOSTAAT-Welt“ – und als die Band dann wenige Augenblicke später ein Lied eben dieser Band, nämlich „Kriechkotze“ coverte und sich bei ihm, stellvertretend für den Rest der Band, für eben dieses Gemeinsame-Zeit-Ding bedankte. Gänsehaut pur. Wahnsinnig schön.

Es ist und bleibt und wird immer sein mit TURBOSTAAT: etwas nahezu Unbeschreibliches und stets ganz Besonderes. Echter Herzensscheiß. Mit echten Goldstücken. In bester Gesellschaft. Und in schönstem Klang. Und deswegen sage auch ich an dieser Stelle von ganzem Herzen: Danke, TURBOSTAAT. Danke, dass wir alle das mit euch gemeinsam schon seit zwanzig Jahren machen dürfen. Ich trinke. Nahezu immer. Aber heute, heute trinke ich auf euch!

In Demut,

Jörkk Mechenbier

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #142 (Februar/März 2019)

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