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Interviews & Artikel

DANKO JONES

All that jazz

Rock’n’Roll ist mitunter pures Klischee. Und DANKO JONES, Rock’n’Roller durch und durch, gehören zu den Meistern der Klischeereiterei. Ihre Riffs haben ungefähr die Variationsdichte von AC/DC oder MOTÖRHEAD. Und die Texte drehen sich zumeist um Feiern und die Freude an der Akkord-Arbeit auf der Gitarre. Manche mögen das stinklangweilig finden. Aber DANKO JONES und ihrem gleichnamigen Frontmann ist das völlig schnuppe. Warum, erklärt er im Gespräch zum neuen Album, das „A Rock Supreme“ heißt.

Danko, vor zwei Jahren trafen wir uns zum Interview im Berliner Gibson-Store und waren umgeben vor Gitarren. Heute telefonieren wir. Sitzt du wieder zwischen Instrumenten?


Nein. Kein Vergleich. Wir sind im Büro der Promotion-Firma. Immerhin: Zwei Gitarren sehe ich hier auch.

Wie viele Gitarren hast du bei dir zuhause?

Eine. Alle meine Gitarren sind im Studio.

Dann kommen wir mal zu eurem neuen Album. Es heißt „A Rock Supreme“. Das klingt stark nach dem Jazzklassiker von John Coltrane „A Love Supreme“.

Ganz genau. Das ist die Referenz, da haben wir den Titel her.

Was ist deine persönliche Beziehung zu John Coltrane?

Nun, wir in der Band sind alle Fans von ihm. Ich denke, du kannst kein Musiker sein, ohne John Coltrane zu mögen. Aber gut: Wir spielen Rock’n’Roll, nicht Jazz. Ich weiß nicht, ob es die beste Jazzplatte aller Zeiten ist – du könnest auch „A Kind Of Blue“ oder „Bitches Brew“ von Miles Davis nehmen. Aber Fakt ist: Wir sind seit jeher auch von Jazz angetan – und wir sind damit ja nicht die einzigen. Schau’ dir THE REFUSED an. Die haben auf ihrem wundervollen Album „The Shape Of Punk To Come“ auch Jazz verwendet und die Platte nach „The Shape Of Jazz To Come“ von Ornette Coleman benannt. Und wir haben ja schon mal so eine Referenz gesetzt. Mehr noch: Unsere Platte „Fire Music“ war vom Titel her ja komplett bei Archie Shepp geklaut.

Habt ihr Coltranes Platte zuletzt besonders häufig gehört?

Nein. Wir sind alle tatsächlich Jazzfans. Und diese Platte haben wir immer schon im Blick gehabt. Seit vielen Jahren schon. Sie ist ja nun auch keine sonderlich abgefahrene Jazzscheibe. Eher eine klassische. Und: Wir haben einfach einen Albumtitel gebraucht. Es wurde spät und immer später, die Veröffentlichung rückte immer näher. Und wir mussten zusehen, dass wir etwas finden. Also haben wir uns noch mal zusammengesetzt. Und irgendwann fiel der Satz „Wie wäre es mit „A Rock Supreme“? – Ja, warum nicht?“

Es gibt Leute, die durchaus ihre Probleme mit Jazz haben.

Natürlich. Wenn du aus der Welt des Hardrocks kommst, dann findest du da nicht so ohne weiteres rein. Da brauchst du schon die richtigen Platten, die dich in diese Musik hineinführt. So wie „A Love Supreme“. Coltrane, Charles Mingus, Miles Davis, Chico Hamilton. Das sind dann die richtigen Künstler für dich. Wenn du mit Free Jazz von Coleman anfängst, dann hast du keine Chance, haha. Dann würdest du Jazz niemals für dich entdecken. Aber soll ich dir etwas sagen: Ich mag es eigentlich gar nicht so, über Jazz zu sprechen. Denn wir sind eine Rockband. Und unsere Fans hören Rock. Ich glaube, die würden gar keine Lust haben, Jazz zu hören. Abgesehen davon, dass ich es auch nicht mögen würde, wenn ein Jazzer über Rock spricht, haha.

Dann lass mich mal so fragen: Was kann der Rock, was Jazz nicht kann?

Hmmm, das ist sehr suggestiv. Verschiedene Musikarten können bei verschiedenen Menschen durchaus die gleichen Reaktionen hervorrufen. Jazzer würden vielleicht sagen: „Mach diesen Krach aus!“, wenn sie Rock hören – und umgekehrt. Andere würden genau das über Polka-Musik denken, während wiederum andere dieses Genre lieben. Ein Rock’n’Roller würde niemals Polka hören, haha.

Ich behaupte: Keine Musik ist physischer als Rock, den nichts kann einen so mitreißen wie ein großartiges Gitarrenriff.

Ja, für dich mag das stimmen. Aber jemand, der Rap mag, würde dies vielleicht auch über Breakbeat sagen.

Ihr macht seit Jahren eigentlich nichts anderes als ein Album nach dem anderen rauszubringen und auf Tour zu gehen. Ohne große Pause. Wie hält man diese Routine aus?

Nun, es ist nicht schwer. Es ist eben immer so. Wir machen nichts anderes. Ich weiß: Wenn du in einer Band bist, dann erwartet man von dir, dass du spontan bist. Aber ich sage dir: Ich liebe diese Routine aus Songs schreiben, Songs aufnehmen, Platte rausbringen, touren – bis es wieder Zeit ist, neue Songs schreiben. Warum sollten wir das ändern? Wir machen Rock. Die älteste Form der Popmusik. Das wurde schon immer so gemacht. Es ist unser Ding. Also machen wir es.

Der erste Song des neuen Albums heißt „I’m in a band“. Ein herrliches Ding. Es hört sich an nach einem Teenager, der gerade seine erste Band gegründet hat, unfassbar stolz darauf ist und sich sagt: „Die Welt kann mich gerade mal kreuzweise. Das hier ist der real stuff!“

Haha, es ist sehr schön, dass du das so siehst, denn genau das war definitiv eine Idee hinter dem Song.

Der Rock’n’Roll als Jungbrunnen?

Ja. Und: Rock’n’Roll ist für alle da. Ein Genre für alle Generationen. Wir sind seit 22 Jahren eine Band. Und dieser Song ist nun endlich meine persönliche Hymne. Wir haben immer schon versucht, Rock-Hymnen zu schreiben – zumindest sagen uns das die Leute nach, haha. Aber „I’m in a band“ – Junge! Das ist meine Hymne. Mein persönlicher Song. Du müsstest ihn eigentlich ständig spielen, wenn ich über die Straße gehe. Wenn ich einen Raum betrete. Überall und immer, haha.

Wenn man sich die Namen der Songs auf „A Rock Supreme“ anschaut, dann sieht man unter anderem „That girl“, „Burn in hell“, „Dance dance dance“, „Lipstick city“, „Party“, „Fists up high“. Das sind jede Menge Klischees. Warum geht es nicht ohne sie im Rock?

Natürlich sind das Klischees. Und vieles Klischees wie in „That girl“ oder „Born in hell“ hat man natürlich schon zigmal irgendwo gehört. Aber erstens kannst du das ja auch für andere Genres sagen. Es gibt überall klischeehafte Reim- und Textschemata. Zweitens: Wichtig ist die Musik. Sie zählt. Und drittens: Wir sind eine Rock’n’Roll-Band und spielen nun einmal diese alte Art von Popmusik. Und Klischees haben darin immer funktioniert. Aber auch wenn in einem Song wie beispielsweise „Burn in hell“ textlich viele Klischees stecken, so ist er doch kein klischeehafter Song an sich. Das ist ein Unterschied. Denn wir mischen verschiedene Genres miteinander und bringen zahlreiche Einflüsse in unseren Stücken unter: Zitate aus der Popkultur an sich. Punk, Garage, Metal, Hard Rock – ja sogar Jazz, haha.

Man könnte also sagen: Diese Platte steckt voller DANKO-JONES-Klischees?

Ja, das kann man sagen. Damit komme ich klar. Diese Songs sind musterhaft für uns. Weißt du: Es gibt immer Leute, die einem sagen: „Macht mal was anderes! Lasst mal diese Klischees weg“ Aber nein, warum? Wir sind, wer wir sind. Und wir machen es wie SLAYER, die RAMONES oder MOTÖRHEAD oder AC/DC. Unsere neue Platte wird sich immer so anhören wie die Platten davor und die Platte danach. Genau das ist die Band. Ich finde es sehr, sehr arrogant von Bands, ihr Publikum durch eine experimentelle Phase durchzuziehen, ihnen irgendetwas Neues als Weiterentwicklung zu verkaufen, ihnen ein Symphonieorchester vorzusetzen, ihnen einen neuen Sound vorzusetzen oder was weiß ich. Das geht nicht.

Du hast mal gesagt, dass du schon morgens aufstehen und an Rock’n’Roll denken würdest. Das klingt nach einer Obsession.

Ja, es ist schon eine Obsession. Aber es ist noch mehr: Eine Obsession, die unsere Karriere wurde. Sie hat sich ausgezahlt, haha.

Der Song „You can’t keep us down“ auf der neuen Platte hört sich beinahe an wie der erste politische Song von DANKO JONES.

Ja, aber das nur sehr vage. Ich persönlich mag es lieber, wenn Musik zeitlos ist. Und das sind politische Songs nur sehr selten. Ich will Songs schreiben, die zu jeder Zeit und in jedem Alter ihre Berechtigung haben. Wenn ich aber heute über Donald Trump sänge, dann würde dieser Song auch in ein paar Jahren, wenn Trump überhaupt nicht mehr in der Öffentlichkeit steht und niemanden mehr interessiert, noch immer mit ihm in Verbindung gebracht werden. Und das will ich nicht. „You can’t keep us down“ ist ein Song, der sich sehr vage um die Atmosphäre dreht, die heute vorherrscht auf der Welt. Da kann man manchmal schon verzweifeln. Also ist ein bisschen Hoffnung machen angesagt. Aber die kann man immer gebrauchen. Sie ist zeitlos.

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #143 (April/Mai 2019)

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