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Interviews & Artikel

DIE STIMME DER VERNUNFT

Konzertsuperhelden III

Was? Noch mehr von diesen angeblichen Superhelden? Selbstverständlich, schließlich wollen wir am Ende doch ein vollständiges Quartettspiel haben.

Wenn es blöd läuft, kommt am Ende sogar noch ein Sonderdeck dazu, das als teure, letztendlich aber doch lahme Erweiterung verkauft wird. Manchmal frage ich mich tatsächlich, warum ich trotz fehlender Sonderbegabungen noch auf Konzerte gehe. Andererseits, wenn fast alle anderen über Superkräfte verfügen, ist man dann nicht automatisch Lois Lane oder sogar Gwen Stacy? Diesmal legen wir den Schwerpunkt auf die vorwiegend nonverbalen Vertreter, von denen jeder Einzelne bei einer schlechten Dosierung Augenkrebs oder mindestens Blindheit verursachen kann.

H-Bomb

Kräfte/Fähigkeiten: Eine Ein-Mann/Frau-Armee, die genau genommen das exakte Gegenteil eines Ninjas ist und aus einer Zeit stammt, als am Bahnhof Zoo noch Kinder lebten. Randvoll mit psychischen Problemen, allerhand längst abgelaufener pharmazeutischer Erzeugnisse, Alkohol als Brandbeschleuniger und weiterer „lustiger“ Substanzen, bewegt sich die H-Bomb in einem anderen Raum-Zeit-Gefüge, in dem sie wirklich jedem ins Auge fällt, der ein Konzert nicht wegen Durchfall komplett auf der Toilette absitzt. Die Palette der Fähigkeiten umfasst in der Regel Ausdruckstanz, Nahtodzusammenbrüche direkt vor der Bühne, stiere Blicke, Bedienung beim Bandbier, Stürze auf die Bühnenkante oder Griffe nach dem Mikrofon, um wirre Botschaften zu verbreiten. Löst oft Helferinstinkte aus, bereitet aber letztendlich nichts als Ärger. H-Bomb besitzt in der Regel eine geringe Halbwertszeit, wird nach Ableben oder Einweisung aber umgehend durch einen adäquaten Klon ersetzt, schließlich müssen Drogendealer ja auch von irgendetwas leben

Schwächen: Lieferschwierigkeiten des Dealers ihres Vertrauens, falsche Pillen, Hausverbote

Natürliche Feinde: Captain Security, Superdrug (der sie mit noch härterem Zeug versorgt), YOT-Man

Präsenzquotient: Schwindend, es fehlt oft an geeignetem Nachwuchs

Nervfaktor: 6,5 (Mittelwert, denn zwischen supernervig, belustigend bis tragisch ist alles dabei, je nachdem ob man vor oder auf der Bühne steht)

Professor Singalong

Kräfte/Fähigkeiten: Übertönt die außergewöhnliche Stimme des Sängers mit seiner eigenen völlig ungewöhnlichen, trifft dabei zielsicher so gut wie keinen Ton und kann sich zu allem Überfluss auch keine Texte mit mehr als drei Zeilen fehlerfrei merken. Mangelndes Talent kompensiert er mit voller Überzeugung, trällert, was er für richtig hält, und macht, mit zahlreichen Artgenossen unmittelbar vor der Bühne gestapelt, aus einem Abend, der einer herausragenden Kehle gehören sollte, einen Gotthilf-Fischer-Gedächtnis-Brei. Verbrüdert sich euphorisch mit der Plum-Gang und allen Anwesenden, die er für Brüder im Geiste hält, also jedem, der ihn auch nur kurz anlächelt

Schwächen: Instrumentalbands, Soloeinlagen, Dronesounds und alles, was zu langsam ist, um in Ekstase zu verfallen

Natürliche Feinde: Das Phon

Präsenzquotient: Omnipräsent bei Bro-, Kult- und Parolen-Bands, je melodischer oder kumpelhafter, desto häufiger

Nervfaktor: 6 (wenn man selber „mitsingt“, nahe null)

Ballonmützen-Girl

Kräfte/Fähigkeiten: Kann stundenlang völlig sinnfreie Grundsatzdiskussionen vom Zaun brechen, die auch durch größten Lärmpegel nicht überdeckt werden, weil sich ihre Kommunikation im hochfrequenten Bereich bewegt. Unzugänglich für vernünftige Argumente und die Schönheit der Musik, dafür ausdauernd im repetitiven Ausführen der eigenen Befindlichkeiten, die sich am Fehlen einer Safe-Zone mitten im Moshpit, Nichtvorhandensein eines Wickeltisches im Darkroom, Beziehungsprobleme oder freie Oberkörper bei einem EBM-Rave entzünden. Wo andere aus einer Mücke einen Elefanten machen können, zaubert Ballonmützen-Girl mindestens ein Problem in der Größe eines Blauwals. Das einzige Lebewesen, das man auch im Weltraum noch diskutieren hören würde

Schwächen: Noise-Bands mit hochfrequentem Sound, verliebte Stechmücken

Natürliche Feinde: Die Plum-Gang, Hunde, Ballonmützen-Girl II mit anderen Ansichten, altersschwerhörige Menschen, die ihren Frequenzbereich nicht mehr wahrnehmen

Präsenzquotient: Macht sich rar, wird oft aber noch in universitätsnahen Läden gesichtet

Nervfaktor: 11

Plum-Gang

Kräfte/Fähigkeiten: Tanzen auch in ungeheizten Hallen oder Fußballstadien bei drei Grad Minus mit bleichem Puddingbauch, behaarten Biertitten oder akutem Hühnerbrüstchen bereits beim zweiten Takt mit nacktem Oberkörper durch den Saal. Was das Auge nicht beleidigt, wird mittels Transpiration als Waffe eingenässt und vollgeschwitzt, sofern man sich nicht bereits beim Soundcheck in vermeintlich sichere und trockenere Bereiche abgesetzt hat. Verbünden sich gerne mit den Kumpel-Boys und Professor Singalong, um eine Allianz der Brüderlichkeit zu bilden, die durch Körperfett, Ausdünstungen und zahlreiche Arme zu einem glibbrigen Moloch geformt wird. Ein Leckerbissen für alle, die auf untrainierte Körper stehen, Warnung für alle, die die Katze nicht gerne im Sack kaufen. Je nach Standpunkt kann das hilfreich oder leicht ekelerregend sein. Im schlimmsten Fall bekommt man vom bloßen Anblick leichte Kotzgefühle, die einen von der Band ablenken, aber da muss man dann eben durch

Schwächen: Zugige Räumlichkeiten, Grippewellen, Ausziehverbote, einsame Beat-Downer

Natürliche Feinde: Andere Rudel, die ihren Platz vor der Bühne oder auf der Tanzfläche nicht freiwillig aufgeben

Präsenzquotient: Oi!, Streetpunk, D-Rock – je bierseliger der Grundtenor, desto wahrscheinlicher die Ansammlung der Plum-Gang

Nervfaktor: 5

Admiral Taktlos

Kräfte/Fähigkeiten: Sticht durch zielsicheres Verfehlen des richtigen Taktes heraus, der sich in ausdruckslosem Tanz als Quintessenz der dissonanten Bewegung manifestiert. WTF? Sprich: Für ihn wurde in Waldorfschulen eigens der Begriff des „legasthenischen Tanzes“ entwickelt. Der Admiral ist ein Stimmungskiller, sofern er direkt vor der Bühne zu finden ist, wo er mit hängenden Armen und leerem Blick selbstverloren am Grönemeyer-Dancecontest teilnimmt. Kann bei widrigen Umständen eine komplette Band aus dem Takt bringen, wenn sie sich einmal auf ihn eingeschossen hat. Im Publikum setzt er vereinzelt Denkprozesse frei, die den bis dahin homogenen Bewegungsablauf durcheinanderbringen und letztendlich zu partiellem Stillstand im unmittelbaren Umfeld führen können. Selbst einfache Tanzschritte wie die Pogo-Urform des Auf-und-ab-Hüpfens stellen für ihn eine unüberwindbare Hürde dar. Wären Balztänze für die Fortpflanzung von Bedeutung, wäre Admiral Taktlos seit Jahrhunderten ausgestorben

Schwächen: 3/4, 4/4, Tango, Pogo, Foxtrott, Jive, Rumba, Bug, rhythmische Bewegungen jedweder Art

Natürliche Feinde: John Travolta und so gut wie jeder, der noch bei drei Promille mitschunkeln kann

Präsenzquotient: Die Wahrscheinlichkeit, ihn anzutreffen, liegt bei knapp 100%, er hat X Klone, die sich aber in zurückhaltender Selbsteinschätzung zumeist im Hintergrund halten.

Nervfaktor: 3 (was einzig und alleine seiner Zurückhaltung geschuldet ist)

Mr. Extatic

Kräfte/Fähigkeiten: Hemmungsloses verbales Abfeiern absolut jeder Band. Tanzt unter Jauchzlauten und „Geeeeeeieeel“-Rufen auch zu Pausenjingles und versehentlich eingespielter Fahrstuhlmusik. Würde kaum auffallen, wäre seine Passion eine nonverbale, was sie leider nicht ist. Besonders nervig während der Umbaupausen, in denen er mit seinem eingeschränkten Sprachschatz die Qualität der eben noch auf der Bühne befindlichen Band preist, bis die nächste Gruppe zu spielen beginnt, was ihn zu erneuter Verzückung treibt. Der Name der ersten Band wird mit Instant-Alzheimer in genau diesem Moment gelöscht

Schwächen: Kann wirklich gute Musik nicht von Müll unterscheiden, was sich in der Qualität seiner Streamingliste bemerkbar macht

Natürliche Feinde: Eigentlich jeder, dem er bei seinem Herumgezappel versehentlich auf die Füße tritt. Besitzt kaum eigene Abwehrkräfte und geht beim ersten Kinnhaken meist direkt zu Boden

Präsenzquotient: Randomartig, immer auf der Suche nach dem vermeintlich heißen Scheiß, über den er bei Spiegel Online, im Rolling Stone oder in der TV-Spielfilm-Musikrubrik gerade etwas gelesen hat.

Nervfaktor: 7,5

Das Lebende Smartphone

Kräfte/Fähigkeiten: Vermeintlich „stille“ Zeitgenossen, deren Aufmerksamkeitsspanne kaum für ein Lied reicht, ohne dass sie auf ihren Social-Media-Kanälen nach neuen Likes suchen, die sie mit ihrem verwackelten, zehnsekündigen Hochkantvideo bei ihren Followern möglicherweise eben eingefahren haben. Twitter, Instagram, Facebook, Snapchat wird regelmäßig gecheckt, schließlich hat man als Influencer eine Mission, von der man mit etwas Glück Mitte 25 entweder entsorgt wird oder an einem Herzkasper verreckt. Redet zwar nicht, versaut aber auch bei der übelsten Black-Metal-Band komplett das Stimmungsbild, wenn sich das Lebende Smartphone inmitten der feierlichen Ziegenopferung direkt vor der Bühne mit dem Rücken zur Band dreht, um ein Duckface-Selfie zu schießen, das hoffentlich viral geht. Auch beliebt: Live-Videos mit Kommentar aus der 23. Reihe, selbstverständlich alle hochkant gefilmt, wie sich das gehört, wenn man hip und/oder doof ist. Klettern in freier Wildbahn gerne auf Hochhausblitzableiter oder in Bärenhöhlen, nur für das eine finale Bildchen

Schwächen: Räumlichkeiten ohne Empfang, strikte Künstler, die die Bühne verlassen, sobald ein Smartphone gezückt wird, und beim Abgang, sichtbar für alle Übrigen, den Übeltäter benennen. Rückkehr nicht ausgeschlossen, sofern das Individuum vor der Halle an die Türe genagelt wurde. Abnehmende Followerzahlen

Natürliche Feinde: Alle anderen Beeinflusser, der DSGVO-Abmahner

Präsenzquotient: 70%, bei bestimmten Teeniebands wurden allerdings auch schon 125% gemessen (zwei Endgeräte, Dual-Sims, mittels derer man seine eigenen Klicks pushen kann)

Nervfaktor: 8

Kalle Stille

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #143 (April/Mai 2019)

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