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Interviews & Artikel

DOGS

Alle Jahre wieder

Als „The Dogs (12)“ listet Discogs die norwegische Garage-Rock-Band aus Oslo – ein klarer Hinweis darauf, dass es kreativere Namen gibt und schon ein paar andere Formationen in der langen Geschichte der Rockmusik auf die Idee gekommen waren, sich einfach nur „Die Hunde“ zu nennen. 2011 gründete sich die Band, bestehend aus Kristopher Schau, Mads Martinsen, Roar Nilsen, Kenneth Simonsen, Henrik Odde Gustavsen und Stefan Höglin, erste Releases waren ein paar 7“s. Im Herbst 2013 erschien das erste Album, „Set Yourself On Fire And Follow The Smoke“, wie die vier folgenden auf Astma Records, mit denen die Band zudem ihr Konzept umsetzte, jedes Jahr Anfang Januar ein neues Album zu veröffentlichen. Das hat der Sechser tatsächlich bis heute durchgezogen, „Before Brutality“, erschienen am 05.01.19, ist der achte Longplayer, und zu diesem beantwortete Kristopher, Gründer und Sänger, alle meine Fragen.

Zuerst die Basics bitte: Wer und warum und wann und wo?


THE DOGS sind sechs Männer im besten Alter, die das spielen, was wir ursprünglich für Garage-Rock im Stil der Sechziger Jahre hielten. Aber Kritiker und Publikum haben es Punk genannt, also schätze ich, dass wir eine Punkrock-Band sind ... Wir alle leben in Oslo und sind seit etwa seit acht Jahren dabei. Alles begann, als ich zwei Songs herumliegen hatte, die nicht wirklich zu einer meiner anderen Bands zu dieser Zeit passten, also kontaktierte ich ein paar Freunde von mir, die auch alle in Bands spielten. Um etwas Energie hineinzubekommen, habe ich sie dazu gebracht, Instrumente zu spielen, die sie normalerweise nicht spielen. Wir hatten einen Gitarristen, der am Schlagzeug saß, einen Sänger, der die Farfisa spielte, und so weiter. Für die erste Single trafen wir uns an einem Dienstag, damit ich ihnen die Songs vorstellen konnte. Dann nahmen wir die Songs nach der Arbeit am Freitag auf und verschickten sie zum Pressen am Samstag. Wir haben alles live aufgenommen und uns nicht mit Mastering oder ähnlichem herumgeschlagen – eigentlich haben wir noch nie etwas gemastert –, es ist also alles ganz easy gelaufen. Ameise ist dieses ziemlich coole kleine Presswerk, über das man nur eine kleine Anzahl von Kopien herstellen kann, also haben wir 100 7“s gemacht, die Cover selbst gemacht und in einem lokalen Plattenladen hier in Oslo verkauft. Wie zu erwarten eskalierte das und wir haben vier weitere dieser Singles gemacht und das reichte dann aus, um alle zehn Songs zu bündeln und es Album zu nennen. Danach begannen wir, mehr und mehr Shows zu spielen, und jetzt sind wir hier, nach all den Jahren. Nach sieben Alben und einigen Änderungen in der Besetzung mit Leuten, die tatsächlich wissen, was sie tun.

Um ehrlich zu sein, habe ich erst mit dem neuen Album von euch erfahren, und ich habe ein wenig herumgefragt, aber bekam Reaktionen wie: THE DOGS? Noch nie von denen gehört ... Habe ich etwas verpasst oder war Deutschland bisher nicht eure Priorität? Wir alle wissen ja seit GLUECIFER und TURBONEGRO, dass Deutsche norwegischen Rock’n’Roll lieben.

Wir sind sechs Jungs in der Band, das bedeutet acht Leute auf der Straße. Allein aus Oslo rauszukommen kostet uns ein Vermögen, geschweige denn ins Ausland zu fahren, das ist wahrscheinlich der Grund. Wir wollen aber! Tatsächlich werden wir in diesem Sommer beim Summer Breeze spielen und im Herbst ein wenig mit THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY touren. Beides in Deutschland, damit du dann auch deine Chance bekommst. Letzten Herbst haben wir in Hamburg gespielt ... ich kann mich aber nicht erinnern, wie das hieß. Eine Art riesiges Festival, bei dem es für eine Woche Shows in der ganzen Stadt gab. Wir spielten im Keller vom Molotow an der Reeperbahn, was schon ziemlich cool war. Der Ort ist eine Todesfalle, aber auf mysteriöse Weise ist niemand gestorben.

Bei Discogs seid ihr als „The Dogs (12)“ aufgelistet – es gibt einzigartigere Namen da draußen, also warum THE DOGS?

Haha, ich weiß. Es war so, dass mir ein Freund sagte, dass er eine neue Band gründen würde und er sie THE DOGS nennen wollte. Und ich meinte zu ihm, das sei die schlechteste Idee aller Zeiten. Auf keinen Fall wäre dieser Name verfügbar. Aber er bestand darauf, dass es keine andere Band mit diesem Namen da draußen geben würde. Er kam nie dazu, diese Band zu gründen, aber als es bei uns so langsam anfing, rief ich ihn an und sagte zu ihm: „Da du den Namen nicht brauchst, nehme ich ihn.“ Nun, es stellte sich heraus, dass der Typ ein Idiot war, denn es gibt hunderte THE DOGS da draußen. Jetzt ist aber zu spät, um das noch zu ändern. Hoffentlich sind wir diejenigen mit den meisten Alben, damit die anderen verdrängt werden.

Euer 2018er Album „The Grief Manual“ war offiziell Norwegens meist verkauftes Vinylalbum in diesem Jahr. Norwegen und Schweden sind Vorreiter in Sachen Musik-Streaming, also wie viele Exemplare waren das: 300, 400, 500 ...?

Du hast recht, es waren wirklich nicht viele. Ich weiß die genaue Zahl nicht, aber ich schätze um die 1.000. Um als Band in Skandinavien zu überleben, muss man touren. Sehr viel! Aber wir lieben es zu touren, also ist das für uns in Ordnung.

Warum interessierst du dich immer noch für Vinyl? Und wo in Oslo kauft man es?

Weil ich alt bin. Mein Sehvermögen wird von Minute zu Minute beschissener, so dass ich ein großes 12-Zoll-Bild brauche, das ich anstarren kann, um herauszufinden, welche Art von Band ich überhaupt höre. Ich mag aber auch das ganze Drumherum, wenn es darum geht, zehn Songs zusammenzustellen, die als Album funktionieren. Es gibt fünf Lieder auf jeder Seite, also muss Nummer sechs was Schmissiges sein, da es das erste auf der B-Seite ist, und so weiter. Und aus irgendeinem lustigen Grund ist das Label in der Mitte des Vinyls für mich wirklich wichtig. Ich liebe einfach dieses kleine runde Stück Papier. Ein schönes Label ist mir wahrscheinlich wichtiger als das Cover selbst. Es gibt in Oslo eine ganze Reihe von Plattenläden, aber die besten sind Big Dipper und Tiger.

Eure Strategie ist es, jedes Jahr Anfang Januar ein neues Album zu veröffentlichen. Was steckt hinter dieser Idee, ist es stressig, sie zu verwirklichen, wie bekommt man das hin – und warum interessiert man sich überhaupt für das Albumformat, wenn die ganze Popwelt in diesen Tagen in Singles zu denken scheint?

Das Gute daran, fast fünfzig zu sein, so wie ich es bin, ist, dass es dir mittlerweile Vieles scheißegal ist. Du tust, was immer du willst, und ich will Alben machen. Zehn neue Songs pro Jahr bedeuten zehn weitere Songs, aus denen man für die nächste Tour auswählen kann, so dass jede Tour besser wird als die letzte, da man alle Nummern, die nicht live funktionieren, aussortieren kann. Es bedeutet auch, dass man nicht müde wird aufzutreten, denn es gibt immer etwas Neues zu spielen. Was die Idee betrifft, am ersten Montag eines jeden Jahres eine Platte zu veröffentlichen, so hat das alles mit meiner eigenen Fan-Perspektive gegenüber anderen Bands zu tun. Wenn es eine Band gibt, in die ich wirklich, wirklich verliebt bin, hasse ich es, nicht zu wissen, wann sie neue Sachen veröffentlichen werden. Ich möchte etwas haben, worauf ich mich freuen kann. Ich möchte genau wissen, wann ich in den Plattenladen gehen und ein paar neue Songs in die Finger bekommen kann. Aber ich kann mich nicht über andere Bands beschweren, wenn ich nicht das mache, was ich predige, und so hat das alles angefangen. Und es ist nicht stressig – überhaupt nicht. Und es ist definitiv keine neue Idee. Früher haben Bands wie verrückt aufgenommen. Es sind erst die Entwicklungen der letzten dreißig Jahre, die den Musikern Angst gemacht haben, ins Studio zu gehen. Ich habe keine Ahnung warum. Uns zumindest gibt es ein Gefühl von größerer Freiheit, es so zu machen. Wenn die Leute unsere neueste Platte nicht mögen, na und? In zwölf Monaten kommt die nächste. Und es ist nicht so, als gäbe es einen Mangel an Songs. Eigentlich hätten wir drei Wochen nach „Before Brutality“ wieder ein Album veröffentlichen müssen. Auf „Rid Me Of Knives“ sind zehn Songs, die es nicht auf die anderen Platten geschafft haben, nicht weil sie schlechter waren, einfach nur weil sie nicht in das Gesamtkonzept der Alben passten. Wir verkaufen die Platte aber nur auf unseren Shows, also musst du da auftauchen, um sie zu bekommen. Wie ich schon sagte, ich nähere mich der Fünfzig. Ich könnte morgen sterben, und niemand würde auch nur mit der Augenbraue zucken. All diese Songs, die nur in meinem Kopf existieren, müssen also raus, bevor es zu spät ist.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #143 (April/Mai 2019)

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