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Interviews & Artikel

KIND KAPUTT

Zwischen Angst und Aktzeptanz

Es winkt eine neue Band am deutschen Post-Hardcore-Horizont: KIND KAPUTT brachten am 22. März ihr Debütalbum „Zerfall“ raus. Johannes (voc, gt) und Fabian (visuals) geben uns Einblicke in ihren Anspruch an Unabhängigkeit, die aufstrebende deutschsprachige Musik und die Gefühlswelt der Generation Y, die sie laut in die Welt tragen.

Johannes, deutschsprachige Musik scheint wieder stark im Kommen zu sein. Wo besonders Deutschrock früher als proletenhaft galt, besticht das Genre heute durch Meinungsstärke, Politisierung und Aufforderung. Was sind deine Ansichten zu dieser Entwicklung?


Johannes:[/b] Ich beobachte das auch seit einer Weile und das stimmt mich positiv für die Zukunft des Genres. Besonders dass junge Bands der fragwürdigen Entwicklung deutscher Texte von Bourani, Giesinger, Forster und Co. etwas entgegensetzen. Ich höre leider immer noch von vielen, dass sie deutsche Texte nicht mögen, zuweilen kitschig finden. Dabei glaube ich, dass gute Texte Muttersprachler emotional auf einer ganz anderen Ebene erreichen können. Außerdem schätze ich Texte, die mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten – und somit zum Nachdenken anregen. Das bildet für mich den Mehrwert von Kunst, und eben Musik. Die von dir angesprochene Welle neuer Bands zeichnet genau das aus und das feiere ich total!

Euer Label Uncle M hat unter einem eurer Videos kommentiert: „Verschenke Winterklamotten an FJØRT, HEISSKALT und 8KIDS, die sich jetzt warm anziehen dürfen!“ Und tatsächlich komme auch ich nicht umhin, klare Parallelen zu diesen Bands zu erkennen. Nun möchtet ihr ja sicher nicht als Kopie abgestempelt werden. Also was macht KIND KAPUTT zu dem, was sie sind? Welche Aspekte betreffend können sich diese Bands „warm anziehen“, wenn man so will?

Johannes:
Dieser Kommentar war natürlich ein Witz, wenn auch ein provokanter. Wir stellen uns über keine andere Band, das wäre auch konträr zu unserer Sicht auf Musik und unserer Vorstellung von der Szene, nämlich als frei von Konkurrenzgedanken. Für uns haben vor allem HEISSKALT eine Tür in eine völlig neue Welt der deutschsprachigen Rock- und Punkmusik aufgestoßen, und wir versuchen, neue Wege in den dahinterliegenden Räumen zu erschließen und weiterzuentwickeln.

Fabian: Ich finde es total erfrischend, wie viele junge deutschsprachige Bands gerade aus dem Boden sprießen, und beobachte, wie sich unter ihnen ein Wir-Gefühl entwickelt. Leider fehlt mir auf Seiten der Presse dafür manchmal die Liebe – stattdessen werden aufstrebende Künstler kritisiert und als Kopie einer bereits etablierten Band dargestellt. Dass das vermeintliche „Original“ in der Regel auch nur eine Weiterentwicklung bestimmter davor existierender Einflüsse darstellt, wird meist komplett außer Acht gelassen. Und das ist Gift für das Fortbestehen und die Weiterentwicklung der Szene. Die deutschsprachige Rock/Punk-Szene steht für mich aktuell für extrem hohe Qualität und für eine Vielzahl von Themen, die behandelt werden. Quasi ein kompletter Gegenentwurf zum vorherrschenden Deutschrap-Hype, der sich immer nur Tag für Tag an inhaltslosem Einheitsbrei weiter überbietet. Aus dieser Situation heraus sollten wir alle mehr Zusammenhalt beweisen, um die Szene langfristig zu stärken.

In nur drei Jahren habt ihr eine EP und kürzlich euer Debütalbum rausgebracht, eure Social-Media-Auftritte glühen, vor dem Album-Release ging’s mit den Merch-Vorbereitungen los und ab Mai seid ihr auf Tour – ihr schreit der Welt ein lautes „Hallo, wir sind jetzt hier!“ entgegen, und seid alles professionell auf hohem Niveau angegangen. Ihr habt an der Mannheimer Popakademie studiert – inwiefern habt ihr davon profitiert?

Johannes:
Die Popakademie hat uns vor allem das nötige Verständnis und Wissen über die Abläufe im Musikgeschäft vermittelt – und das hat uns wiederum geholfen, zu merken, worauf wir gar keinen Bock haben. Wir haben für uns den Schluss gezogen, den klassischen Weg mit Plattenvertrag, Vorschuss und Rechteabtretung zu meiden und stattdessen nach Alternativen gesucht. Wir möchten so viel wie möglich selber machen und dabei alle Entscheidung eigenständig treffen. Für die Aufgaben, die wir nicht selbst übernehmen können, weil uns das Wissen oder die Kontakte fehlen, haben wir uns Partner gesucht. Der Großteil von dem, was daraus entstanden ist, kommt von Fabi – und der war nicht auf der Popakademie.

Fabian: Ich bin schon viele Jahre als Foto- und Videokünstler unterwegs und habe mit etlichen DIY-Bands zusammengearbeitet. Vorher habe ich dreieinhalb Jahre in einem Berliner Start-up als Projektmanager gearbeitet und habe – ähnlich wie die anderen Jungs – zwar viel Handwerkszeug gelernt, allerdings auch deutlich aufgezeigt bekommen, in welche Richtung ich mein Leben nicht lenken möchte. Umso schöner, dass wir vier vor drei Jahren zusammengefunden haben. Aber es ist interessant, dass du das ansprichst. Wir sehen uns leider häufiger mit Vorurteilen konfrontiert, weil drei von uns an der Popakademie waren und wir deswegen nicht „real“ seien oder so was. Es scheint, als glauben viele Leute, dass es Bands von der Popakademie einfacher haben, weil sie direkt Kontakte zu Big Playern im Musikgeschäft bekommen und ihnen allgemein alles einfach so zufällt – was nicht stimmt. Wir haben in den letzten Jahren zwei Touren selbst gebucht, auf Fußböden von AJZs geschlafen und alles aus eigener Tasche finanziert. Und jedes Erlebnis der letzten Jahre war notwendig, um an den Punkt zu kommen, wo wir heute stehen.

Bei der Produktion von „Zerfall“ seid ihr vermutlich nicht von Leistungsdruck, Selbstkritik, Frustration und dem Drang nach Perfektionismus verschont geblieben. Diese Gefühle greift das Album ja auch auf. Wie habt ihr diese Phase erlebt?

Johannes:
Als wir für die Aufnahmen ins Studio gegangen sind, waren die Songs so gut wie fertig und wir konnten uns auf Sound und Feeling konzentrieren – aber die Monate des Schreibens davor waren hart. Die von dir beschriebenen Gefühle waren schon immer ein großes Thema für uns und vor allem für mich als Verfasser war es immer wieder ein zermürbender Blick in den Spiegel. Ich schreibe Texte nicht, weil es mir Spaß macht, sondern weil mich etwas so sehr beschäftigt, dass es mich fertig macht. Für das Album bin ich deshalb immer wieder tief in mich hinein gekrochen, um zu verstehen, wo diese Ängste herkommen.

Fabian: Da ich den kompletten Produktionsprozess von den ersten Skizzen an bis zum letzten Tag im Studio gefilmt habe, hatte ich sowohl als Freund als auch objektiver Beobachter immer wieder tiefe Einblicke in den Entstehungsprozess. Es ist rückblickend eigentlich sehr erstaunlich, dass wir während der Zeit im Studio nur einmal an einen Punkt geraten sind, wo gefühlt echt die Luft raus war. Wir haben uns dann mit Jan Kerscher, unserem Produzenten, in einen freien Studioraum verzogen und gemeinsam meditiert. Danach ging’s wieder. Ich fand es krass beeindruckend von den Jungs, wie sie diese rohe Energie des dreiwöchigen Aufnahmeprozesses in das Album gepresst haben.

„Zerfall“ ist ein Konzeptalbum, das die Entwicklung einer Person ins Erwachsensein begleitet. Das letzte Lied heißt „Akzeptieren“. Warum ist Akzeptanz letzten Endes der einzig glücksbringende Weg, mit diesem inneren Krieg umzugehen? Und ist das nicht irgendwie auch der schwierigste?

Johannes:
Ob Akzeptanz am Ende wirklich zu mehr Glück führt, muss ich für mich noch herausfinden. Aber ich glaube, es ist der erste Schritt dazu, mit der Welt klarzukommen. Viele der Ängste und Gefühle auf dem Album resultieren aus dem eigenen Weltbild einer Person – es ist also eine Art selbsterfüllende Prophezeiung: Wenn man davon ausgeht, dass sich irgendwann ein Gefühl des Ankommens und der Zufriedenheit einstellt, wird man immer von einem Punkt zum Nächsten rennen. Man hat die Erwartung, irgendwann alles geschafft zu haben und glücklich zu sein. Wenn man aber akzeptiert, dass man dieses utopische Ziel gar nicht erreichen kann, sondern immerwährend auf dem Weg ist, dann hilft das dabei, zufriedener mit sich selbst zu sein.

Fabian: Wir sind mit dieser Thematik auch noch nicht komplett im Reinen. Die Albumproduktion hat uns aber dabei geholfen, mit diesen Gefühlen besser umzugehen. Und wenn das Album irgendjemandem außerhalb zu einer ähnlichen Erkenntnis verhilft, dann hat sich für uns alles gelohnt.

Andrea Ungvari

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #143 (April/Mai 2019)

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