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Interviews & Artikel

SMOKE OR FIRE

Zurück im Geschäft

Vor fast sechs Jahren zog Joe McMahon, Sänger und Gitarrist von SMOKE OR FIRE, der Liebe wegen von Richmond, Virginia, nach Münster, Westfalen. Damit war die Band natürlich auf Eis gelegt. Jetzt kehren SMOKE OR FIRE zurück, um auf Festivals in Europa und Kanada zu spielen. Wie es dazu kam, erklärte mir Joe in seiner Münsteraner Stammkneipe.

Joe, bei deinen Soloshows erklärst du dem Publikum immer, dass der Umzug nach Münster die beste Entscheidung deines Lebens gewesen sei. Für SMOKE OR FIRE war das aber keine gute Entscheidung, oder?


Das könnte man meinen, ist aber nicht so. Denn mit der Band hatte das gar nichts zu tun. 2013 spielten wir unsere letzte Tour in Europa und kehrten dann mit großen Plänen nach Amerika zurück, die sich aber alle mehr oder weniger in Luft auflösten. Die Band hörte quasi auf zu existieren. Da ich aber unbedingt weiter Konzerte geben wollte, zog ich nach Europa, um mein eigenes Ding durchzuziehen. Die Leute denken immer, SMOKE OR FIRE hätten sich wegen mir aufgelöst. Es war aber das genaue Gegenteil der Fall.

Dabei wart ihr eigentlich gut etabliert, oder?

Die Geschichte, die ich dir jetzt erzähle, klingt ziemlich unglaublich, hat sich aber genau so zugetragen. 2008 tourten SMOKE OR FIRE zehn Monate am Stück und traten überall auf: in den USA mit zwei Tourneen, in Kanada, in Australien und Neuseeland, in Japan, einfach überall. Dann kamen wir nach Europa und wurden dort von einer großen Booking-Agentur betreut, die es aber versäumt hatte, ausreichend Konzerte für uns zu buchen. Wir hatten einen Tourvan und eine Anlage von einer tschechischen Firma gemietet, die, wie sich dann herausstellte, eng mit der Mafia verbunden war, und die von uns 10.000 Euro für Auto und Anlage forderte. Das Geld hatten wir natürlich nicht. Uns wurde unmissverständlich mitgeteilt, dass sie jeden Einzelnen von uns umbringen, sollten wir uns noch einmal in Europa blicken lassen. Entsprechend geschockt kehrten wir nach Amerika zurück und lösten uns auf, obwohl wir zu dem Zeitpunkt ziemlich angesagt waren. Darauf zogen ein paar Jahre ins Land, bis ich mich bei Jeremy, unserem Gitarristen, meldete und ihm vorschlug, ein neues Album aufzunehmen und die 10.000 Euro an die Mafia zu zahlen. Wir nahmen also „The Speakeasy“ auf und gingen wieder in Europa auf Tour. Ich hatte vorher die Tschechen kontaktiert und ihnen von unserem Vorhaben berichtet. Sie waren einverstanden. Beim letzten Auftritt der siebenwöchigen Tour tauchte also dieser Typ von Schrank auf, nahm die 10.000 Euro in Empfang und sagte, dass man nun nicht mehr beabsichtige, uns umzubringen. Wir kehrten nach Amerika zurück, wieder voller Pläne, die sich aber erneut als Luftschlösser erwiesen. Unser Drummer Ryan stieg daraufhin bei IRON REAGAN ein und SMOKE OR FIRE fielen auseinander. Wir waren eben immer zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.

Wer wird bei der Neuauflage von SMOKE OR FIRE dabei sein?

In den letzten fünf Jahren hatten wir zahlreiche Angebote, die ich aber alle ausschlug, weil ich es ohne Jeremy nicht machen wollte. Jeremy ist mein bester Freund. Wir kennen uns seit Kindheitstagen und wuchsen zusammen auf. Deshalb habe ich immer Konzerte ohne Jeremy abgelehnt. Als dann vor einiger Zeit die Anfrage für das Pouzza Festival in Montreal reinkam, sagte er mir, dass er mit SMOKE OR FIRE abgeschlossen habe, er aber wisse, dass ich Interesse habe und ich es ohne ihn machen solle. Und er hatte recht. Ich vermisse es, diese Songs zu spielen und wieder aufzutreten. Deshalb werden die übrigen drei Mitglieder von den DOCKINEERS kommen, meiner Soloband. Wir werden neun Festivals spielen: in Kanada, Deutschland, Belgien, Holland, Serbien, Russland, Slovenien und Österreich.

Wie waren bisher die Reaktionen auf die bevorstehenden Auftritte?

SMOKE OR FIRE ist eine in gewisser Hinsicht merkwürdige Band. Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder hat man noch nie von uns gehört oder man kennt uns und liebt uns von ganzem Herzen. Auch weil die Texte sehr persönlich sind. Die, die uns kennen, können es kaum abwarten. Ich bekomme jeden Tag Nachrichten von Fans, die mir schreiben, wieviel es ihnen bedeutet, dass sie uns bald sehen können. Und mir geht es ähnlich. Ich liebe SMOKE OR FIRE und bin sehr stolz auf die Band, und kann es ebenfalls kaum abwarten.

Was macht eigentlich mehr Spaß, lauten Punkrock in einer Band zu spielen oder akustische Soloshows zu geben?

Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Soloauftritte haben für mich etwas Therapeutisches, das ich nicht missen möchte und auch brauche, damit ich nicht vor einen Zug springe, haha. Bei SMOKE OR FIRE geht es für mich um das Teilen, um die Gemeinschaft. In der Band, aber auch mit den Fans.

Was ging dir so durch den Kopf bei dem Gedanken an eine Neuauflage?

Ich habe vier Wochen gebraucht, um zu einer Entscheidung zu kommen, ob ich SMOKE OR FIRE reaktivieren soll oder nicht. Reunions können manchmal nach hinten losgehen und einen faden Beigeschmack haben. In den letzten fünf Jahren habe ich 800 Solo-Konzerte gegeben und vier Jahre lang keine elektronische Gitarre in den Händen gehalten. Ich habe dann meine alte Gitarre rausgeholt und drauflos geschrammelt, und das alte Feeling war sofort wieder da. Außerdem bin ich in der Zwischenzeit zu einem besseren Sänger geworden. Die Songs für unser erstes Album schrieb ich im Alter von 19 Jahren. Ich werde jetzt 40 und frage mich manchmal, was das für ein Typ war, der diese Songs geschrieben hat mit 19 oder dann mit 25. Dennoch finde die Lieder großartig und stehe voll hinter ihnen, und kann jetzt, als besserer Musiker, noch mehr aus ihnen herausholen.

Wieso gebt ihr keine Konzerte in deiner alten Heimat, den USA?

Unser Schlagzeuger Mike ist mit einem zehnjährigen Einreiseverbot für die USA belegt. Mit DEECRACKS, seiner anderen Band aus Österreich, reiste er vor einiger Zeit illegal in die USA ein, um dort Shows zu spielen, und wurde erwischt und verknackt. Das ist natürlich sehr schade, denn wir haben viele Angebote aus Amerika.

Dafür werdet ihr die DESCENDENTS in Deutschland supporten.

Stimmt. In Wiesbaden und an zwei Abenden in Köln. Das ist natürlich unglaublich. Vor wenigen Tagen erst sah ich ein Poster ihrer allerersten Show vor sage und schreibe 40 Jahren. Ich werde jetzt 40. Die Jungs starteten ihre Band, als ich noch gar nicht geboren war. Und jetzt treten wir gemeinsam auf. Die DESCENDENTS waren immer meine Lieblingsband neben FUGAZI, AVAIL, RANCID und HOT WATER MUSIC. Als ich mit 15 meine erste Gitarre bekam, spielte ich den ganzen Tag „Hope“ und „Bikeage“ nach. Und jetzt rufen diese Typen an und wollen, dass wir sie supporten. Ziemlich cool.

Kürzlich hat mir jemand erzählt, dass du seit einiger Zeit regelmäßig ins Fitnessstudio gehst, um in Form für die Tour zu sein. Stimmt das?

Haha! Stimmt. In Amerika hatte ich keine Krankenversicherung und ging deshalb nie zum Arzt, hier schon. Ich habe erst kürzlich einen kompletten Check-up machen lassen. Denn wenn ich auf Tour bin, trinke ich viel. Wieder zuhause dann gar nicht, zudem ernähre ich mich gesund. Ich kam also von dieser vierwöchigen Tour wieder, machte die Untersuchungen und war laut meines Arztes für einen fast Vierzigjährigen erstaunlich gesund. Nur die Leberwerte waren nicht so gut. Ich verzichtete daraufhin wie immer auf Alkohol, ging dreimal die Woche ins Fitnessstudio und hatte einen Monat später wieder reguläre Leberwerte. Das ist halt der Lebenswandel eines Musikers. Als Nächstes werde ich versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören. Man wird ja nicht jünger.

Wenn die Tour gut läuft, könnte es dann ein neues Album von SMOKE OR FIRE geben?

Ja. Die Hälfte der Songs habe ich bereits geschrieben und bin mit Fat Wreck im Gespräch, wo ja auch unsere damaligen Platten erschienen, die übrigens demnächst nachgepresst werden. Die Leute von Fat Wreck sind sehr interessiert, bestehen aber darauf, dass wir regelmäßig spielen, was wir ohnehin wollen. Für einen Songschreiber wie mich sind diese Zeiten ideal, um großartige Punkrocksongs zu schreiben. Die Welt ist politisch betrachtet völlig durchgeknallt. Überall dieser üble Nationalismus. Es ist nur sehr bedauerlich, dass mir Jeremy und die anderen Jungs fehlen. Seit wir 15 waren, haben Jeremy und ich alle Lieder zusammen geschrieben. Dafür erhalte ich viel Unterstützung von unseren Fans, die mir mitteilen, dass die Welt ein neues SMOKE OR FIRE-Album braucht. Genau das wird passieren.

Achim Lüken

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #143 (April/Mai 2019)

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