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Interviews & Artikel

ADRENALIN O.D.

Nicht Hardcore genug fürs Hardcore-Publikum

ADRENALIN O.D. sind eine der Punkbands aus den USA, die während der Achtziger Jahre recht bekannt waren und viele Konzerte spielten. A.O.D. begeisterten durch schnellen Hardcore im Stile der frühen Washingtoner Hardcore-Bands, der um metallische Gitarren und witzige Texte ergänzt wurde. Das Outfit der Herren aus New Jersey hatte einen relativ psychedelisch anmutenden Look, während die Musik durch Geschwindigkeit und Humor geprägt war. Die Debüt-EP „Let’s Barbeque“ von 1983 wurde zum diesjährigen Record Store Day als edle 12“ im Gatefold-Format auf Beer City Records wiederveröffentlicht, aufwändig remastert und um bisher unveröffentlichten Bonustracks ergänzt. Weitere A.O.D.-Platten werden in Kürze folgen, was ich zum Anlass nahm, Gitarrist Bruce Wingate zu interviewen, mit dem mich eine mittlerweile 35-jährige Freundschaft verbindet.

Bruce, Beer City Records veröffentlichen einige alte ADRENALIN O.D.-Platten neu. Welche Titel sind wieder erhältlich?


Beer City bringt „Let’s Barbeque“, „The Wacky Hi-Jinks Of ...“, „Humungousfungusamongus“ und „Cruising With Elvis In Bigfoot’s U.F.O.“ neu heraus. Wir sind ziemlich aufgeregt deswegen, zumal es von „Fungus“ und „Cruising“ noch keine richtige Vinyl-Neuauflagen gab. Von „Fungus“ gab es lediglich mal ein CD-Rerelease auf Relapse Records. Und wie man Mike von Beer City kennt, fügt er gerne zu jeder der Wiederveröffentlichungen viele Extras hinzu, seien es Bonustracks oder haufenweise Fotos. Die Verpackung wird toll aussehen und das Remastering klingt fantastisch!

Über welchen Zeitraum hat Beer City vor, eure alten Sachen wiederzuveröffentlichen? Plant ihr auf irgendeine Art und Weise eine Reunion-Show zur Record-Release-Party zu spielen?

Wir sind ziemlich schnell dabei, alles zusammenzustellen. Aktuell ist „Let’s Barbeque“ bereits fertig, wird aber erst in ein paar Wochen herauskommen. Wir kümmern uns bereits um das gesamte Material für „Wacky Hi-Jinks“ ... Also denke ich, dass alles im Laufe eines Jahres veröffentlicht wird. Ob wir live spielen werden, steht leider in den Sternen. Unser Drummer Dave hatte vor einiger Zeit einen Autounfall und hat sich übel am Halswirbel verletzt. Sein Arzt sagte ihm unmissverständlich, er solle kein Schlagzeug spielen. Also müssen wir zumindest warten, bis er wieder gesund ist.

Wann habt ihr eigentlich eure letzten Shows gespielt? Ich erinnere mich daran, dass ihr Anfang dieses Jahrzehnts immer mal wieder ein paar Auftritte hattet.

Für eine Weile schien es, als würden wir durchschnittlich alle fünf Jahre zwei Reunion-Shows spielen. Meistens eine in New Jersey und eine in New York. Das letzte Mal haben wir das im Jahr 2015 gemacht. Wir bekommen immer noch gelegentlich Angebote für verschiedene Konzerte. Offensichtlich gibt es ein Interesse daran, dass wir diese Lieder noch live spielen. Auf jeden Fall ist sich die Band einig darüber, dass wir auf Tour nach Europa kommen wollen. Wir wären fast schon mal in den späten Achtzigern rübergekommen, aber in letzter Minute ist das Ganze dann doch ins Wasser gefallen. Ich hatte immer den Verdacht, dass sich der damalige Tourbooker das Geld für unsere Flüge als Koks durch die Nase gejagt hat. Ich kann mir vorstellen, dass eine Europatour eine gute Gelegenheit wäre, die Live-Karriere von A.O.D. zu beenden. Es wäre passend, Europa war für uns immer wirklich großartig.

Ursprünglich kommt ihr aus New Jersey, aber jetzt wohnst du in Florida. Stehst du in regelmäßigem Kontakt mit den anderen von A.O.D.? Was machen sie heute?

Ich wohne hier in Florida etwa eine Autostunde von Dave entfernt, also hängen wir gelegentlich zusammen ab. Wenn in Orlando eine coole Band spielt, gehen wir zusammen hin. Ich kann dann meinen Gin trinken und auf seiner Couch schlafen. Mit den anderen beiden A.O.D.-Jungs bin ich auch noch in Verbindung. Sie spielen immer noch in New Jersey in verschiedenen Bands. Ich glaube, dass keiner von uns ohne Band leben könnte. Das macht einfach zu viel Spaß.

Hast du nicht auch eine Radioshow zusammen mit Dave?

Wir haben einen Podcast namens „This Show Sucks!“ gemacht, den man sich immer noch bei iTunes oder auf Soundcloud anhören kann. Wir haben eine Handvoll Episoden aufgenommen. Es gab eine, in der wir vorgetäuscht haben, dass wir auf live dem roten Teppich beim MISFITS-Treffen in New Jersey waren ... Diese Folge war absolut großartig, da einige Leute tatsächlich dachten, wir würden live senden. Ich bitte dich ... direkt vom „roten Teppich“ bei einer MISFITS-Show? Haha. Diese Episode war nicht mehr zu toppen, also haben wir anschließend erst mal eine lange Pause eingelegt.

Kommen wir auf eure Bandgeschichte zurück. Wann habt ihr ADRENALIN O.D. gegründet? Wie habt ihr euch kennen gelernt und wie sah damals die Punk-Szene in New Jersey aus? Ich weiß nur, dass die MISFITS und andere Bands wie MOURNING NOISE aus der Gegend kamen.

Ich lernte Jack, unseren Bassisten, kennen, als ich 15 war. Er wurde als „der neue Junge“ in der Schule vorgestellt, und ich rief von hinten: „Du kannst hier hinten bei den coolen Kids sitzen“, was er dann auch tat. Ich habe in ihm sofort einen Gleichgesinnten erkannt. Wie sich dann herausstellte, wohnte er direkt bei mir um die Ecke. Das alles geschah in der Zeit, als wir Punkrock für uns entdeckt haben. „Rocket To Russia“ von RAMONES, „Never Mind The Bollocks“ von SEX PISTOLS, „Young Loud And Snotty“ von DEAD BOYS oder auch THE CLASH oder „The Incredible Shrinking Dickies“ von den DICKIES – alles ging von diesen Platten aus. Innerhalb weniger Wochen hatte ich Jack überzeugt, sein „Hemispheres“-T-Shirt von RUSH wegzuwerfen. Ich war bereits in einer Band namens THE EXECUTIVES. Dann gründeten Jack und ich ein paar Bands, wobei wir bei einem unserer Auftritte Dave trafen. Dave hat damals noch nicht Schlagzeug gespielt, aber er bot uns an, unser Manager zu werden. Da war er erst 14 Jahre alt! Danach gründeten wir eine Band namens THE EAST PATERSON BOYS CHOIR, mit mir als Sänger, Jack am Bass, Tommy, der später bei MOURNING NOISE und BEDLAM war, an der Gitarre und einem weiteren Schulfreund namens Nick am Schlagzeug. Wir haben in einer lokalen Musikzeitung eine Anzeige geschaltet, dass wir einen Gitarristen suchen, im Stile von Johnny Thunders, NEW YORK DOLLS, SEX PISTOLS, worüber wir Paul kennenlernten. Mittlerweile war Dave Teil unserer Crew und er buchte uns ein paar Shows ... und fing an, sich hinter das Schlagzeug zu schleichen, wenn wir Zigarettenpausen machten. Er und Paul waren wirklich die Ersten, die anfingen, sich mit dem frühen Hardcore-Kram zu beschäftigen. So hielt diese Band den größten Teil meines letzten Jahres an der Highschool durch, das war 1981. Ein paar Monate später zog ich nach Waco, Texas, wo mein Bruder lebte. Ich war kaum neun oder zehn Monate dort, aber in dieser Zeit gründeten Paul, Dave, Jack und Jim Foster ADRENALIN O.D. Als ich 1982 zurückkam, hatten alle aufgehört, Johnny Thunders zu hören. Stattdessen hörten alle die BAD BRAINS. Die erste A.O.D. -7“ „Let’s Barbeque“ erschien 1983, wobei Jim im Vorfeld der Aufnahme die Band verlassen hatte. Also ergab es sich fast von allein, dass ich wieder bei ihnen einstieg und Gitarre bei A.O.D. spielte.

Wie war die Szene in New Jersey damals mit der in New York verbunden?

Nun, man muss bedenken, dass wir nur etwa zehn Meilen von New York City entfernt aufgewachsen sind. Noch bevor sich der Hardcore wirklich durchsetzte, hatten wir dort Konzerte gesehen, Freunde gefunden und kannten die Plattenläden der Stadt. Es gab also viele Leute mit Wurzeln an beiden Orten. Mit der Connecticut-Szene sah es genau so aus. Deshalb haben wir uns sofort mit allen Leuten im The Anthrax, einem Club in Stamford, Connecticut, angefreundet.

Eure Platten sind damals auf Buy Our Records erschienen. Wer hat dieses Label aus New Jersey eigentlich betrieben?

Buy Our Records wurde ursprünglich gegründet, um „Let’s Barbeque“ zu veröffentlichen. Aber dann wollten unsere Freunde von BEDLAM ein Label gründen und boten an, weitere Veröffentlichungen zu finanzieren, beginnend mit ihrem eigenen Album. Und von da an war es irgendwie ein Selbstläufer. Eine lustige Tatsache ist, dass viele der frühen Buy Our Records-Veröffentlichungen durch den Verkauf von Pot bezahlt wurden.

Während eures Bestehens habt ihr eine unglaubliche Anzahl von Shows gespielt. Seid ihr damals oft auf Tour gewesen?

Wir waren insgesamt vier Mal auf Tour quer durch die USA, aber unser Wohnort im Nordosten machte es uns leicht, an den Wochenenden oft auch in den Nachbarstaaten zu spielen. Wir konnten in D.C., Baltimore, Massachusetts, Ohio und sogar Kanada auftreten, und trotzdem am Montagmorgen zur Arbeit gehen. Wir haben unterwegs viele Freundschaften geschlossen, die bis heute bestehen, was mich immer noch freut. Aber die ersten beiden Touren waren die aufregendsten, das war 1984 und 1985. Alles war neu und frisch, wir hatten wirklich das Gefühl, dass wir wie eine Armee sind, die alles erobert! Wir marschierten in eine Stadt ein, bombten die lokale Band von der Bühne, sammelten unser Benzingeld ein und stiegen wieder in den Van!

Wegen eurer Texte, eures durchgedrehten Verhaltens und wegen des schlechten Klamottengeschmacks wurdet ihr damals als Fun-Punk-Band bezeichnet. Dennoch besitzen eure Songs eine große Portion Aggression, was euch unverwechselbar machte. Wie würdest du deine Band rückblickend beschreiben?

Worauf ich sehr stolz bin, ist die Tatsache, dass wir Fans der verschiedensten Subgenres ansprechen konnten, Leute, die auf schnellen Hardcore oder auf Thrash, Crossover oder Pop-Punk und Skatecore stehen. Selbst die Straight-Edge-Kids mochten uns. Vielleicht lässt sich das darauf zurückführen, dass wir den Ruf hatten, eine spaßige Band zu sein. Vielleicht lag es auch daran, dass wir viele der Hardcore-Stereotypen erkannt haben und wir uns darüber lustig machten. Oder was meinst du, warum unser erstes Album ein rosafarbenes Cover hatte und das zweite ein lustiges Blumenmuster auf der Rückseite? Hahaha!

Was hat damals letztendlich zur Trennung geführt?

Das hatte damit zu tun, wie Hardcore sich in dieser Zeit entwickelt hatte. Wir hatten unseren Zenit überschritten. Hardcore war langweilig geworden. Wir haben uns Bands wie CHEAP TRICK angehört. Wir hatten einen beschissenen Manager. Wir waren zu punkig für das Nicht-Punk-Publikum und nicht Hardcore genug für das Hardcore-Publikum.

Habt ihr in der Zeit danach in anderen Bands gespielt? Sind die noch aktiv?

Alle A.O.D.-Mitglieder haben irgendwie weiter Musik gemacht. Jack und Paul waren bei THE KOWALSKIS, SUX und MENTAL DECAY. Dave spielte bei THE RONDOS, THE EXPLOSIVES und einer Reihe anderer Bands aus Orlando, Florida. Seitdem ich nach Florida gezogen bin, um mich um meine Mutter zu kümmern, bin ich zum ersten Mal seit Jahren ohne Band. Aber ich habe in einer Menge Bands gespielt, als ich noch in Connecticut gelebt habe: THE NEW REAGANS, BRUNCH MUMMIES, TXT PSTLZ, THE EARLS OF SANDWICH, TOTAL DICK und DIZTRICT ALLSTARZ. In vielen dieser Bands spielte ich zusammen mit meinem guten Kumpel Todd von 76% UNCERTAIN.

Und wie geht es deiner Mutter? Auf Facebook bin ich ein ständiger Follower deiner „Mom Updates“!

Haha! Danke der Nachfrage! Mama geht es gut, sie ist 83 Jahre alt und bei bester Gesundheit. Sie und ihre Katze, das sind zwei Damen, die mich fest im Griff haben!

Helge Schreiber

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #144 (Juni/Juli 2019)

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