AUTOGRAMM

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Jäger des verlorenen Synth-Sounds

Als „Mash-Up aus New Wave mit Powerpop“ wurde das AUTOGRAMM-Album „What RU Waiting 4?“ in Ox #143 beschrieben, THE NILS und EPOXIES als Vergleich genannt. Nicht genannt wurden SPITFIRES und DYSNEA BOYS – bei der einen Band spielte C.C. von AUTOGRAMM seinerzeit in Vancouver, bei DYSNEA BOYS in seinen Berliner Jahren. Ich befragte C.C. und Jiffy Marx dazu.

C.C., du bist aus Vancouver, du warst bei den SPITFIRES, dann hast du in Berlin gelebt, hast bei DYSNEA BOYS gespielt ...

C.C.:
Ja, das stimmt. Ich habe eine Vergangenheit in Deutschland. Ich komme aus einer deutschen Familie und habe 2005 in Köln gelebt. Ich verbrachte viel Zeit im Sonic Ballroom und habe in der dortigen Musikszene eine Reihe großartiger Freunde gefunden. THE SPITFIRES veröffentlichten um diese Zeit auch ein Album auf Stereo Drive/Green Hell in Deutschland. Im Jahr 2010 wurde mir ein Job an einer internationalen Schule in Berlin angeboten, also habe ich die Gelegenheit zum Umzug genutzt. Dort begegnete ich einem anderen Vancouveriten namens Chris Frey und zusammen mit Jason Honea von SOCIAL UNREST und meinem Freund Tom Fanore fingen wir an ein bisschen zu jammen. Wir wurden schließlich zu DYSNEA BOYS. Ich habe sieben Jahre in Berlin verbracht und habe es geliebt!

Jetzt bist du schon eine Weile in Vancouver. Warum bist du zurück nach Kanada und wie ist das mit AUTOGRAMM passiert?

C.C.:
Ich bin seit 2017 wieder hier. Ich war deutlich unterbezahlt in meinem Job und der Berliner Senat ließ mich jahrelang um Anerkennung kämpfen, bis meine Frau Ingrid und ich es einfach satt hatten, uns nicht wertgeschätzt zu fühlen, und wir gegangen sind. Es war die richtige Entscheidung, aber wir vermissen unsere Freunde in Berlin sehr. AUTOGRAMM beruhen auf einer Idee, die Jiffy und ich hatten, als er mich in Berlin besuchte. Silo und er hatten bereits ein paar Songs fertig, und ich hatte ein paar, die ich geschrieben hatte mit Rich Jones, den kennst du von BLACK HALOS und der Band von Michael Monroe, also hatten wir sofort eine Basis, als ich wieder in Vancouver war.

Warum der deutsche Name AUTOGRAMM? Versteht das jemand da drüben?

Silo:
Nicht wirklich! Alle wirken recht überrascht, wenn wir ihn erklären.

Jiffy Marx: Niemand versteht es und ich kann mich nicht einmal erinnern, warum wir uns mal so genannt haben. Haben wir uns gar bewusst ein deutsches Wort ausgesucht, als eine Art Referenz an die Pop-Metal-Band AUTOGRAPH aus den Achtzigern möglicherweise ...? Kann sein, aber ehrlich gesagt, keine Ahnung!

Wer sind die Bandkollegen, was habt ihr vorher musikalisch gemacht?

Jiffy Marx:
Ich spiele noch in der Punkband JIFFY MARKER, wir haben eine Split-Single mit den DYSNEA BOYS veröffentlicht, als C.C. noch da spielte. Ich war auch mal bei BLOOD MERIDIAN, zusammen mit The Silo, und in vielen anderen Bands, von denen du noch nie gehört hast.

Silo: Ich bin The Silo, ich spiele Schlagzeug und ein wenig Synthie und kümmere mich ums Aufnehmen. Ich war in den letzten Jahren in einer ganzen Reihe von Bands, zum Beispiel RADIO BERLIN, EX DEAD TEENAGER, SUR UNE PLAGE, PEBBLE oder CEILING.

Wenn man sich die Liste eurer Ex-Bands ansieht, ist der Musikstil, den ihr für AUTOGRAMM gewählt habt, meiner Meinung nach nicht so offensichtlich. Warum also dieser stark Achtziger-beeinflusste Sound?

Silo:
Ich bin, seit ich zwölf war, besessen von THE CURE, und seither jage ich diesem Synth-Rock-Sound hinterher!

Jiffy Marx: Wir wollten nur etwas Spaß haben und ich denke, es sollte etwas mit Synths sein. Wir haben ein bisschen mit den Ideen herumgespielt. Wie wär’s mit einer Kreuzung aus Pete Shelley und CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL oder THE RAMONES treffen RUSH? Und das kam dabei heraus.

C.C.: Das ist die Musik, die früher im Radio lief, und mit der wir aufgewachsen sind. Ich denke, diese Nostalgie lässt einen nie ganz los. Der Sound der Achtziger Jahre gibt mir einfach ein gutes Gefühl, und es macht Spaß, das miteinander und den Fans zusammen zu feiern.

Ihr erwähnt in euren Presseinfos Bands wie THE CARS, 20/20, THE GO GO’S, Gary Numan und DEVO. Was haben die, das ihr ins Jahr 2019 transportieren wollt?

Silo:
Es ist der Sound einer instinktiven Rock-Einheit mit diesem völlig ursprünglichen Synth-Sound – schmutzig, beißend und menschlicher, als er sein sollte. Laute, chaotische Musik, die dich dazu bringt zu tanzen und deine angestauten Frustrationen loszuwerden!

Jiffy Marx: Yup, wie Punk-Songs, zu denen man tanzen kann. Und Neon.

C.C.: Wozu du definitiv mit den Fingern schnippst, während du tanzt, darum ging es uns.

Kann mir jeder von euch ein Album nennen, das wir kennen sollten, um AUTOGRAMM zu verstehen?

Jiffy Marx:[/b] Abgesehen von den offensichtlichen, die du bereits erwähnt hast, sind es Pete Shelleys Soloalben „Homosapien“ und „XL1“. Oh, und die erste Platte von 20/20 mit „Yellow pills“, dieser Song rockt. Den und „Don’t talk“ von GG Allin habe ich C.C. einmal vorgespielt, als ich ihn in Berlin besuchte, und er meinte: „Wenn ich wieder in Kanada bin, sollten wir genau so eine Band gründen.“ Und dann taten wir es!

Silo: Bei mir ist es kein Album, sondern eine Single: Kim Wildes „Kids in America“. Ein Killer-Song und super produziert, so gut war sie wohl nie wieder. Mir gefällt daran, dass er wie ein schräger Kampfruf wirkt, für eine unzufriedene Jugend in dieser trostlosen westlichen Kultur der Achtziger. Es hat diesen Beat und geht nach vorne, wie wir es lieben; es packt dich einfach und zwingt dich, die Arme hochzureißen und wild um dich zu dreschen!

C.C.: Oh Mann, du kannst unsere tausend Einflüsse einer Playlist auf unserem Spotify-Account entnehmen, aber bei mir sind es aktuell, schätze ich, THE POLICE. Ich würde sagen, die „Ghost In The Machine“-LP, aber nur, weil ich gerade versucht habe, einen Song zu schreiben, der exakt nach dieser Phase der Band klingt. Ich liebe auch THE BEAT, CHEAP TRICK, THE PROFESSIONALS ... Ich kann nicht nur eine nennen!

Im Juli werdet ihr in Deutschland touren. Für wen werdet ihr spielen, für die Punks oder ein paar blasse Gothics, die sonst nie rausgehen, wenn die Sonne scheint?

Jiffy Marx:
Beides, hoffe ich! Punks scheinen für uns ansprechbarer zu sein, aber heimlich sehnen wir uns ja danach, auch von den bleichen Goths akzeptiert zu werden!

Silo: Wir würden gerne für alle spielen, auch für diese affigen Strandbar-Partygänger.