Interviews & Artikel : CASH SAVAGE & THE LAST DRINKS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

CASH SAVAGE & THE LAST DRINKS

Auf Bildungsreise

Melbourne spuckt mehr gute Bands aus als manch andere größere Metropole anderswo. Zudem finden diese lokalen Künstler immer schneller und häufiger den Weg nach Europa, und das auch ohne großartige Unterstützung von Plattenfirmen, Agenten und andere im Orbit der Industrie befindlichen Zieh- und-Fliehkräfte. Da rauscht eine großartige Band schnell mal unter dem Radar durch, wenn sie plötzlich hierzulande auftaucht. Die erste Tour von CASH SAVAGE & THE LAST DRINKS ging glatt an mir vorbei und nur durch einen Zufall landen sie beim nächsten Trip direkt vor meiner Nase. So sind auch andere Profikonsumenten von Musik überrascht, dass diese Band ihrer Aufmerksamkeit entging. Dabei existiert die Band schon seit 2009 und hat drei Platten veröffentlicht, die in ihrer Heimat alle mit großer Begeisterung aufgenommen wurden.

Getragen werden die Songs von Cashs markanter Stimme und getrieben von einer Band, deren Musik sofort Assoziationen in alle Richtungen freisetzt: Nick Cave, GUN CLUB, 16 HORSEPOWER, Patti Smith, SIOUXSIE & THE BANSHEES, CRIME & THE CITY SOLUTION ... die Liste könnte noch länger sein, trifft es aber trotzdem nur unzureichend. Im letzten Jahr erschien das neue Album „Good Citizens“, das eine neue Note in Cashs sehr persönlichen Texte bringt und den Lebensumständen in einer immer noch zutiefst männlichen Macho-Kultur Down Under geschuldet ist. Cash ist wütend, das hört man, wütend, dass Minderheiten behandelt werden als seien sie weniger wert als andere, wütend, dass die LGBTIQ+-Community nach wie vor allen Arten sprachlicher, körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt ist und die Gesellschaften noch immer kein Interesse zeigen, daran etwas substantiell zu ändern. Das Leben in Melbourne scheint auch nicht schöner zu sein als anderswo. Die eigene Identität ständig rechtfertigen und verteidigen zu müssen lässt nicht nur den Glauben an Menschlichkeit verdorren, sondern reißt Narben. Cash, übrigens eine Nichte von Conway Savage, dem kürzlich verstorbenen BAD SEEDS-Keyboarder, weiß, wovon sie singt.

Cash, das aktuelle letztjährige Album „Good Citizens“ ist deutlich politischer als die Platten davor. Was hat diese Entwicklung beeinflusst?

Ich habe nie gedacht, durch meine Musik eine politische Stimme zu haben. Ich habe eine Menge zu sagen um zwei Uhr morgens im Pub, aber ich habe mich vorher und auch jetzt nicht wohl damit gefühlt, politische Inhalte öffentlich anzusprechen. 2017 gab es in Australien eine Volksabstimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Das war ein intensives Jahr für mich. Meine Partnerin war schwanger und es war frustrierend, Teil dieser Debatte zu sein. Ich habe nicht versucht, ein politisches Album zu schreiben, es ist einfach passiert.

Ein Song wie „Collapse“ dreht sich mehr um universelle politische Themen. Gibt es auch typisch australische?

Ich dachte am Anfang, die politischen Themen auf dem Album, besonders die Volksabstimmung, wären typisch australisch. Der Song „Better than that“ ist eine direkte Antwort auf die Abstimmung, und im Song „Good citizens“ versuche ich, ein bestimmtes Element der australischen Psyche einzufangen. Aber je mehr wir mit dem Album touren, desto mehr erkenne ich, dass die Themen der Songs ziemlich universell sind. Sie drehen sich um die Unterdrückung von Minderheiten und das ist gerade ziemlich universell. Der Song „Pack animals“ handelt von meinen eigenen Erfahrungen, aber die sind auch ziemlich universell und nicht unbedingt typisch australisch. In meiner ganzen musikalischen Laufbahn habe ich männliche Zuschauer gehabt, die mir erzählen, wie ich meine Show verbessern kann. Das passiert nicht bei jedem Konzert und ich habe das nicht weiter beachtet, bis mir auffiel, dass es den Jungs in der Band nie passiert. Niemand würde zu unserem Gitarristen Joe oder unserem Drummer Rene gehen und ihnen erzählen, was sie besser machen müssen. Aber als Frau bin ich diesem Scheiß regelmäßig ausgesetzt. Das Gespräch startet dann meist so: „Tolle Show, aber kann ich dir ein paar Tipps geben?“ Das kommt gar nicht gut bei mir an, wenn mir jemand erzählen will, wie ich meinen Job machen soll, jemand, der selbst keine Ahnung hat. Einmal meinte jemand, wir sollen mehr Walzer ins Programm nehmen. Ein Manager einer anderen Band schickte mir eine Nachricht, nachdem er meine bereits veröffentlichten Songs im Radio gehört hatte und meinte, er hätte tolle Ideen, wie er den Mix verbessern könnte. Das mögen vielleicht alles Kleinigkeiten sein, aber so geht das ständig.

Wie sollte die Musikindustrie mit dieser Art von Männlichkeit umgehen, die du in dem Song „Pack animals“ ansprichst?

Das ist eine weitreichende Frage. So viele Frauen und nicht-binäre Menschen wie möglich in der Musikindustrie zu haben, nicht nur als Musiker sondern auch als Bühnen-, Licht-, Soundtechniker wäre hilfreich. Es gibt in den ganzen Bereichen immer noch viele Teile, die männlich dominiert sind und wir können einen zahlenmäßigen Ausgleich gut vertragen. Aber er ist nicht unsere Aufgabe dies zu ändern, die Last sollte bei den Unterdrückern liegen, nicht bei den Unterdrückten.

Was sind die Unterschiede zwischen Touren in Europa und Australien?

Ich kann wenig Unterschiede beim Publikum finden, das zu unseren Shows kommt. Der größte Unterschied ist die Entfernung. In Australien ist es schwer, so viele Shows hintereinander zu buchen wie in Europa. Auch die Entfernung von zu Hause verändert, wie es sich anfühlt, und der eigene Anspruch steigt – wenn ich schon so weit weg bin, dann will ich die verdammt beste Leistung abliefern. Jeder in der Band versucht sich an anderen Sprachen, so dass wir unterwegs nicht wie völlig ignorante Australier daherkommen. Ich probiere es gerade mit Tschechisch, weil wir dort so oft spielen. Die Touren in Europa werden so zu Bildungsreisen. Ausserdem werden wir hier wesentlich besser versorgt als zu Hause und alles ist preiswerter. Wenn wir hier touren, werden wir fett und sparen Geld.

Melbourne hat eine unfassbar große Musikszene, welche lokalen Bands sind deine Favoriten? Gibt es Überschneidungen mit den LAST DRINKS?

EATEN BY DOGS, deren Sänger unser früherer Bassist war, EAST BRUNSWICK ALL GIRLS CHOIR, CABLE TIES und PEEP TEMPLE, die aber gerade aufgehört haben. Auch MOD CON, die wohl demnächst in Europa unterwegs sind. Die Melbourner Musikszene ist ziemlich eng vernetzt und es freut mich, dass ein paar unserer Bekannten ziemlich erfolgreich sind, Künstler wie Courtney Barnett oder KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD. Es ist großartig, sie in der Old Bar vor 20 Leuten gesehen zu haben, und jetzt spielen sie in großen Hallen. Die andere Band unseres Gitarristen Joe – ROLLING BLACKOUTS COSTAL FEVER – ist viel in Europa und den Staaten unterwegs, er muss ständig zwischen den Bands hin und her springen und verbringt sein Leben auf der Bühne und mit Jetlag.

Wie sieht es mit neuem Material aus? Pläne für die Zukunft?

Ja und nein. Ich will mich beim Schreiben nicht unter Druck setzen aber gerade läuft es und ich kann mir vorstellen, dass wir später im Jahr ins Studio gehen. Ich habe eine neue Gitarre und finde, dass eine neue Gitarre immer irgendwo ein oder zwei neue Songs versteckt hat. Es ist immer eine Freude, mit der Band aufzunehmen. Beim letzten Album sind Roshan am Klavier, oder was auch immer Tasten hat, und Jess an der Gitarre neu dazugekommen und es wird spannend werden, diese neue Dynamik im Studio auszuloten. Sie sind nicht nur gute Musiker, alle in der Band sind auch befreundet und verstehen sich sehr gut, was auch im Studio sehr hilft.

Martin Rabitz

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #144 (Juni/Juli 2019)

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