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Interviews & Artikel

JOSEPH BOYS

Mit eingebauter Pathosbremse

Nach zwei sehr guten Mini-LPs auf dem bandeigenen Label Fette Ziegenbutter Produkt erschien im April das „Rochus“ betitelte Magnum Opus der fünf Düsseldorfer auf Flight 13 Records und die JOSEPH BOYS halten auch auf Albumlänge locker das, was sie mit den Mini-LPs bereits versprochen hatten. Sänger Andi Artelt, Bassist Fränkie Disco und Gitarrist Andi Simon stehen uns Rede und Antwort.

Die dringlichste Frage zuerst: Was hat Andi im Video zu „Freizeitstätte Garath“ im Gesicht?

Andi A.:
Unser Namensgeber hatte bei der Aktion „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ das Gesicht mit Blattgold und Honig bedeckt. Er ließ das Publikum bei einer Ausstellung drei Stunden lang vor der verschlossenen Tür stehen und ging mit einem toten Hasen auf dem Arm durch die Ausstellung. Da all unser Blattgold schon für die Produktion unseres selbstgemachten „Danziger Goldwassers“ benötigt wurde, mussten wir auf, ja was denn jetzt eigentlich, zurückgreifen ...

Was verbindet euch mit Garath beziehungsweise der dortigen Freizeitstätte? Für die Nichtdüsseldorfer: Garath ist für Düsseldorfer so etwas wie Neukölln für Berliner.

Fränkie:
Oder Chorweiler für Köln. In der ganzen BRD findest du diese Lostgebiete. Wir sind eher die Beobachter, den Pathos überlassen wir lieber den BROILERS. Nach Friedrich Tamms sollte die Wohnstadt so werden, dass sie auch nach dreißig Jahren noch modern und vorbildlich ist. Am Arsch! Eine Integration des Stadtteils in die Gesamtstadt – sowohl strukturell als auch entwicklungsbezogen – fand bisher nicht statt. Überalterung im Beton-Brutalismus in Ost und West, die Blüte von Garath, gegossen mit Tristesse und Resignation.

„Geisterbahn Königsallee“ hat ja auch lokalen Bezug, und wer gerade im Sommer schon einmal diese Straße entlang geschlendert ist, versteht euren Text sofort. Ist es immer noch so übel dort?

Andi A.:
Was heißt denn hier übel? Die Kö und ihre Besucher sind Inspirationsquelle, Fotomotiv und Spiegel der Gesellschaft zugleich. Wie jeder weiß, ist unser Proberaum direkt unter dem Kögraben. Zentral gelegen, so haben wir die Möglichkeit, ein Auge auf unsere Schäfchen zu haben. Börsenkurs, Pfandanleihen und Staatsverschuldung werden zum Teil hinter den Mauern zahlreicher Gebäude auf der Königsallee diktiert. Das beobachten wir ganz genau, damit die Schweine nicht denken, sie könnten machen, was sie wollen. Zudem lassen wir uns in den hier ansässigen Schönheitspraxen immer das Fett absaugen. Nur nicht nachts, da angeln wir heimlich die dicken Karpfen aus dem Kögraben weg.

Im Zuge der Überlegungen, die Königsallee autofrei zu machen, gab es auch Stimmen, die sagten, dass viele Menschen doch gerade deshalb dorthin kommen, um die teuren Wagen der Reichen und Schönen begaffen zu dürfen.

Andi S.:
Und das absolut zu Recht. Wir machen das regelmäßig, Campingstühle und Bierchen dabei, in die Sonne am Straßenrand setzen und Automodelle raten. Fun Fact: die meisten Angeberkarren, die man da so sieht – meist mit Führerschein-Neulingen hinterm Lederlenkrad – haben Neusser Kennzeichen. Da gibt es eine beliebte Luxuskarrossen-Vermietung. Die mieten sich dann eine Corvette und blasen damit über die Kö in der Hoffnung auf Ahs und Ohs und gezückte Handys.

In D-Flingern wird ja ein Hotel gebaut, wo man den eigenen Wagen via Aufzug mit ins Zimmer nehmen kann. Ziemlich dekadent, oder?

Andi S.:
Wieso dekadent?! Hast du keinen Autoaufzug bei dir in der Bude, du armes Schwein?! Wir haben uns schon vor Jahren einen Schwerlastaufzug in unser Tageslicht-Proberaum-Loft einbauen lassen. Da können wir jetzt mit dem bandeigenen nagelneuen Sprinter direkt bis vors Schlagzeug fahren. Das ist schon sehr praktisch. Ich finde das stadtplanerisch ziemlich konsequent – weniger Blech auf den Straßen, mehr Platz für Fahrräder, Subkultur, spielende Kinder. Düsseldorf ist bis 2022 autofrei.

Kommt ihr in ein Alter, in dem man auch schon einmal wehmütig auf vertane Chancen im Leben zurückblickt? „Die Vernunft“ legt das irgendwie nahe.

Fränkie:
Auf unseren Konzerten stehen vor allem Männer Ende vierzig, Bier in der Hand, länger nicht rasiert, ehemalige Ein-bisschen-Punks, vom Leben ermattet, genervt von Politik und Alltag. Und sehen vor sich auf der Bühne: Fünf Männer Ende 40, Bier in der Hand, länger nicht rasiert, ehemalige Ein-bisschen-Punks, vom Leben ermattet, genervt von Politik und Alltag. Posterboys der grau gewordenen Generation (O)X.

Eure Texte kommen für eine deutsch singende Band völlig ohne den gerade im Punk leider üblichen Pathos aus. Gerade aus Düsseldorf fallen mir da spontan einige ganz große Namen ein, die sich gerne im Pathos suhlen. Ihr nicht. Feilt man da ewig daran herum oder läuft das einfach anders bei euch?

Andi A.:
Dafür haben wir eine eingebaute Pathosbremse. Da leuchten ganz schnell alle Warnlampen auf und die Notbremse tritt in Kraft. Wenn man sich schon die Fingernägel feilt, kann man sich auch die Zeit nehmen, an den Texten herumzufeilen. Das ist ein Prozess. Die Texte werden immer wieder angepasst und überarbeitet, wie sich das gehört. Im Proberaum finden wir dann ganz schnell raus, was geht und was nicht. Die Texte soll jeder für sich selbst interpretieren. Unsere sind eher konkret als abstrakt. Da muss nichts erklärt werden. Das, was verstanden werden soll, wird verstanden. Ironie, Gesellschaftskritik und Humor sind sicherlich die wichtigsten Zutaten. Das alles darf aber über die Ernsthaftigkeit der Themen nicht hinwegtäuschen.

Als Rezensent ist man immer auf der Suche nach einem treffenden Vergleich und bei eurer Musik muss ich immer an KRAFTKLUB denken, wobei eure Musik wesentlich kraftvoller klingt, aber dennoch immer sehr tanzbar ist. Habt ihr überhaupt musikalische Vorbilder, die sich auch in der Musik widerspiegeln?

Fränkie:
Die größten Vorbilder – zufällig auch aus Düsseldorf –, auf die sich bestimmt alle einigen könnten, sind AUTOBAHN, eine Band bestehend aus Nihilisten. Wir haben einen ähnlich laxen Arbeitsprozess beim Songschreiben. Bei KRAFTKLUB muss ich immer an das „Exponat Versorgungslösung Ketwurst“ denken.

Die beiden Mini-LPs habt ihr selbst veröffentlicht, „Rochus“ erscheint bei Flight 13. Welchen Vorteil bringt euch das?

Andi S.:
Tom ist mit Flight13 schon lange dabei, uns verbindet eine langjährige Freundschaft. BRATSETH, SONIC DOLLS, OIRO und so weiter, das ist ja alles dieselbe Ursuppe. Daher war klar, dass unser Premium-Produkt „Rochus“ auch beim Premium-Label Flight13 erscheinen wird. Wir sind bisher mit bandeigenen Veröffentlichungen gut zurechtgekommen, es ist aber schon geil, wenn man noch jemand mit an Bord hat, der mit dran zieht und hilft, die Platte unter die Leute zu bringen. Sprich: Vertrieb. Die Wahrnehmung ist einfach eine andere, sobald eine Platte bei einem bekannteren Label rauskommt. Trotzdem bleiben wir DIY, das ist uns auch wichtig.

Im letzten Interview sprachen wir auch über den Kulturverein Brause. Da gibt es jetzt nur Trauriges zu berichten, oder?

Andi S.:
Ja, die wurden endgültig rausgekehrt Ende Mai und suchen jetzt alternative Räume. Das ist mega traurig, die Off- und Subkulturlandschaft in Düsseldorf wird gerodet, alles Bauland, Immobilien-Rendite, Autoaufzüge. Aber das passiert ja in vielen Städten. Stadtviertel, in denen vorher keiner wohnen wollte, werden von Offkultur und Künstlern belebt, weil günstig, dann nennt man das irgendwann Trendviertel oder Szenekiez, dann kommen die Eigentumsbutzen und wenn der erste Frozen-Yoghurt-Laden aufmacht, war es das mit der Offkultur.

Dem Punkclub AK47 drohen mit dem geplanten Neubau eines Hotels und von „Mikroappartments“ direkt vor der Nase auch schwierige Zeiten. Da weiß man ja jetzt schon, dass es nach Bezug durch die neuen Nachbarn zu 100% Beschwerden geben wird. Droht in Düsseldorf ein Niedergang der Subkultur?

Andi S.:
Selbes Thema, anderes Stadtviertel. Der Niedergang der Subkultur ist in vollem Gange. Das AK47 und die Kiefernstraße werden sich aber hoffentlich noch eine ganze Weile halten. Die haben denen vor ein paar Jahren ja schon so einen Trash-Shopping-Tempel in den Vorgarten gebaut, aber das hat das AK47 und die Kiefern nicht wirklich verändert. Aber klar, die Stadtplanungsstrategen und Renditejäger haben solche Gebiete im Visier. Das muss man im Auge behalten und rechtzeitig den Autoaufzug installieren, bevor einem die Rabauken im Szeneviertel den SUV beschädigen.

Guntram Pintgen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #144 (Juni/Juli 2019)

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