Interviews & Artikel : ROGERS vs. MARATHONMANN :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

ROGERS vs. MARATHONMANN

Blind Date

Im Rahmen der „Mittelfinger für immer“-Tour trafen wir Chri von ROGERS und Michi von MARATHONMANN im Tourbus der ROGERS zu einem Blind Date.

BEATSTEAKS „48/49“

Chri:
Boah, kenn ich, BEATSTEAKS! Guter Song, erste Platte war das doch, oder?

Michi: Ja, „48/49“.

Chri: Guter Song. Muss ich immer an meinen Freund Max Becker denken, der hat mir das in unserer WG vorgespielt, und ich hätte damals ganz bestimmt nicht die BEATSTEAKS rausgehört.

Textlich?

Chri:
Gut, auf jeden Fall! Beschreibt auch genau das, was jede Band am Anfang durchgemacht hat.

Krass, wie die Band sich entwickelt hat.

Chri:
Ja, aber auch krass, wie gut die sich da schon angehört haben. Wir klangen in dem Stadium nicht so gut, haha.

Michi: Ich habe mit der „Launched“ angefangen, damals mit dem Epitaph-Video, und auf der Warped Tour. Als dann „Smack Smash“ kam, war ich etwas enttäuscht, weil ich das hier eigentlich viel geiler finde.

Chri: Das ist eher so MILLENCOLIN, man hört das Skateboard rollen.

Michi: In unserem Proberaum hängt ein altes Plakat von 1998 und da steht drauf: „Beatsteaks, Berlins neue Hardcorehoffnung“.

SCHRAPPMESSER „Auf alles reimt sich saufen“

Michi:
Musst du wissen, Chri.

Chri: Sind das DONOTS?

Michi: Ja, aber die andere Band ... ach, mit dem Cover von RANCID. Scheiße, wie heißt das?

Den Refrain sollte man schon kennen.

Michi:
Ich komme nicht auf den Namen, habe daheim die rote Platte, die ist mittlerweile ausverkauft.

SCHRAPPMESSER, Punk mit plattdüütschen Texten mit Ingo und Guido Donot und Phil von WATERDOWN. Das ist einer der wenigen Songs in verständlichem Deutsch.

Chri:
Textlich höchste Klasse auf jeden Fall. Witzig.

Michi: Wie peinlich, habe die Platte und kenne den Namen der Band nicht.

ARCHITECTS „Red hypergiant“

(ROGERS-Bassist Artur stöhnt sofort wissend auf und grinst.)

Chri:
Ist das aus „Das Boot“? MUSE?

Michi: BIFFY CLYRO? TOOL?

Ihr werdet es an den Gitarren erkennen.

Chri und Michi:
ARCHITECTS!

Michi: Boah, krass, wie man es echt an den Gitarren erkennt.

Chri: Die fahren auch ein fieses Lichtkonzept mittlerweile.

Michi: Ich höre solche Musik selbst gar nicht, aber meine Bandkollegen, deshalb muss ich mich damit befassen. Wir haben sogar, darf ich eigentlich gar nicht sagen, eine Inspiration von ARCHITECTS auf unserer neuen Platte drauf. Oh, oh, wenn Leo das jetzt hört.

Chri: So Metalcore höre ich auch nicht ...

Michi: WHILE SHE SLEEPS, PARKWAY DRIVE, BRING ME THE HORIZON und wie die alle heißen.

Chri: Ja, alles, was so lange Bandnamen hat, höre ich nicht, haha.

CAPTAIN ANGST & THE DEADLY DIVERS „Monstersquad“

Michi:
CAPTAIN ANGST! Oh Shit.

Chri: Wer?

Michi: Da spiele ich mit, das ist meine Geheimband.

Meiner Meinung nach ja, aber du sagst ja immer nein.

Michi:
Verdammt, jetzt habe ich es verraten. Ja, das bin ich.

Chri: Klingt tatsächlich so wie du, aber du hast mich jetzt auch gerade geledert, oder?

Michi: Na klar.

Passt, weil du Filmfan bist und das im Zusammenhang mit „Sharknado“ stand.

Michi:
Wir sollten für Oliver Kalkofe für zwölf Filme je einen Song schreiben. Robin und ich haben das dann gemacht, schön am Computer. Da ist auf der Platte echt alles drauf ... HipHop und Ska. „Kein Parkplatz vor Aldi“ heißt die und kam bei Century Media raus. Krass, oh Gott, haha.

KOTZREIZ „Pfandflaschenmessi“

Michi:
TERRORGRUPPE?

Chri: Nee, Dings ... KOTZREIZ. Schön. Gibt es die eigentlich noch? „Bauarbeiter stuerb“ ist mein Lieblingssong.

Michi: Klar gibt es die noch. Und ich finde es gut, dass es solche Bands weiterhin gibt.

Solche Bands?

Michi:
Ja, solche, die einfach so schönen schnellen, trashigen Punk machen, bei dem man nicht so viel nachdenken muss. Chri oder ich denken eher mal nach, ob man die oder die Zeile so schreiben kann oder ob das dann nicht doch zu platt wirkt. Die machen es einfach, leben es so.

Chri: Das sind einfach noch Punker. Die haben den Spagat geschafft mit der Ironie in ihren Texten und musikalischem Gefühl. Es hört sich ja auch alles noch gut an. Manche alte Punk-CDs skippe ich nach drei Songs weg, weil es heute nicht mehr gut klingt.

Falco „Der Kommissar“

Chri:
Falco, guter Mann. Das beste Interview von ihm war – das hat mir mal mein Bruder gezeigt –, als er mit einer Redakteurin in einem Café saß und dann zu ihr meinte: „Das Interview langweilt mich sehr. Wollen Sie nicht mit auf mein Zimmer kommen?“

Was hat sie gesagt?

Chri:
Wahrscheinlich ja. Also ich wäre mitgegangen.

Vor kurzem habe ich mit Marco Pogo von TURBOBIER über das Thema „Kunstfigur“ gesprochen. Er zieht es ja auch komplett durch. Wie findet ihr das, auch gerade in Bezug auf Falco?

Michi:
Ich finde so was total gut, wenn jemand das durchziehen kann und das bis ins Details plant.

Chri: Es ist ja auch schon ein großer Grad an Authentizität dabei, so was durchzuziehen, Karl Lagerfeld hat wohl auch mit der Sonnenbrille geschlafen. Die Frage ist eher, wer man ist, wenn man dann zu Hause ist und nicht mehr in der Öffentlichkeit steht. Ich bin dann so, wie ich jetzt hier bin. Manchmal kann es auch kritisch werden, wenn man zu sehr in seine Rolle reinwächst so wie Falco.

Punk und Marketing, schließt sich das aus?

Chri:
Sollen wir jetzt anfangen, darüber zu reden? Wir sitzen gerade in einem Nightliner, haha. Das hätte ich mir auch nie erträumt. Letztendlich kommt es darauf an, dass man sein Ding durchgezogen hat. Ich habe Punk für mich immer genau so verstanden.

HANS-A-PLAST „Lederhosentyp“

Michi:
„Grease“? Oh nee, jetzt nicht mehr ...

Chri: Könnten auch die DIE ÄRZTE sein, mit einem Feature.

Michi: IDEAL?

HANS-A-PLAST, der Song ist vierzig Jahre alt. Könnte aber von gestern sein, oder?

Chri:
Ja, finde ich richtig geil. Das war zwar damals eine sehr konsumgesteuerte Sache, aber die Mucke gefällt mir.

Michi: Wir haben auch im Bus zwei „Formel Eins“-DVDs, da sind echt krasse Songs drauf, gerade von den Bands, die man eben nicht so kannte.

Chri: Richtig gut geschrammelte Gitarren hatten die damals, auch sehr punkig. Distortion-Pedal davor und fertig ist das Ding.

Michi: Der Style war komisch, aber die haben auch irgendwie ihr Ding durchgezogen. Das fand ich schon cool, da waren mehr Freaks und mehr schräge Typen im TV zu sehen.

Chri: Der Letzte, der das im Punk gemacht hat, war doch der Sänger von THE BATES, nur mit Unterhose und geschminkt auf der Bühne und so ...

Michi: Zimbl war das.

FJØRT „Schnaiserkitt“

Michi:
FJØRT. Die müssen immer dabei sein. Das sind doch FJØRT, oder?

Chri: Ich hätte gedacht, das wären ADAM ANGST. Deren Sänger war früher bei FRAU POTZ, die hängen doch irgendwie alle zusammen.

Ja, und David von FJØRT spielt auch bei ADAM ANGST Bass.

Michi:
Die erste Platte von denen fand ich gut. Aber ich weiß nicht, in welcher Stimmung man sein muss, um das zu hören. Ich kriege da kein richtiges Gefühl mehr. Das ist aber die einzige deutsche Band, die in den letzten Jahren ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen hat. Bands klingen jetzt wie FJØRT und nicht umgekehrt. Das finde ich krass.

Chri: Ich werfe das immer fälschlicherweise alles in einen Topf. CAPTAIN PLANET haben mich mal sehr geflasht.

Michi: Auf „Inselwissen“ von denen war ich total drauf, habe die Platte sicher ein Jahr lang täglich gehört. Dann hat es mich auch irgendwie nicht mehr gekriegt, obwohl ich die noch gut finde.

Chri: Musik braucht seine Zeit. Letzten Sommer habe ich die ganze Zeit Techno gehört, weil ich keinen Bock auf Gitarren oder Lyrics hatte.

Michi: Irgendwie ist das auch dumm, wenn man sagt: Band XY ist meine Lieblingsband. Dann kommt das neue Album raus, ist scheiße und nun? Muss man es trotzdem hören? MILLENCOLIN waren eine meiner Lieblingsbands. Die letzten drei Alben fand ich aber Mist, dann höre ich das auch nicht mehr, auch wenn ich die vorher super fand.

Chri: Die neue Platte finde ich aber ganz gut.

Michi: Habe ich mich noch nicht getraut. Aber wie du gesagt hast, dann hört man eben Techno oder HipHop, um wieder zu diesem Gefühl zurückzufinden.

ZEAL & ARDOR „Row, row (Live in London)“

(Booker Nico weiß sofort Bescheid.)

Chri:
Ja, Booker müsste man sein. Dann hätte man Ahnung von Musik, haha.

Michi: Boah, jetzt geht er aber mit der Stimme runter. Krass, die Stimme ist echt krass gut.

Chri: Uiuiui, jetzt hat er aber richtig schlechte Laune. Ich habe keine Ahnung.

ZEAL & ARDOR aus der Schweiz, die Band entstand eher durch Zufall. Der Sänger hat immer Mash-ups gemacht und im Internet hochgeladen, irgendwann mischte er Gospel mit Black Metal und das gab die Initialzündung für die Band. Aktuell sehr beliebt und ein wirklich einzigartiger Sound.

Michi:
Die Stimme ist geil, habe ich vom Namen her schon mal gehört. Ist aber nix für mich.

Chri: Ja, die Stimme ist geil. Aber ansonsten ... nee.

Nadine Schmidt

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #144 (Juni/Juli 2019)

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