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Interviews & Artikel

ULF

Einfach machen

Die Hamburger Punkband ULF hat sich fast komplett am Telefon versammelt, um mit uns über ihr Debüt „Es ist gut“ zu sprechen. Nur Arne aka Aku musste sich entschuldigen, weil er sicher wieder an irgendeiner Grafik arbeiten musste.

Wie kam es zu ULF?

Claudius:
Wir sind irgendwie alle musikalisch gestrandet, hatten keine Bands mehr und ich habe dann Matze kennen gelernt, der plante, nach Hamburg zu kommen. Es war klar, dass wir dann zusammen Musik machen. Dann haben wir uns alle ziemlich schnell zusammengefunden. Jörn und Arne kannten sich noch nicht, hatten eine komplett unterschiedliche Art, Gitarre zu spielen, und kamen musikalisch auch erst nicht miteinander klar. Aber irgendwie lief es menschlich gleich gut und genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Da ich bisher Schlagzeug oder Bass gespielt habe, war die Frage, was ich nun eigentlich in der Band machen soll. Also habe ich mal leise angefragt, ob ich eventuell singen könnte, so hat es sich dann ergeben.

Dein Gesang klingt aber routiniert und akzentuiert: Ich dachte, du wärst ein erfahrener Lyricboy?

Claudius:
Haha. Damit habe ich echt erst bei ULF angefangen und ich bin auch keiner von diesen Leuten, die ständig schreiben und noch 45 Texte in der Schublade haben oder ständig krasse Ideen. Ich breche mir immer einen ab und habe hohe Ansprüche an mich, die ich auch noch nicht annähernd erfüllt habe.

Einige Texte enthalten sehr gute Beobachtungen, wie „Deine Hand liegt gut auf meinem Bein“ in dem Song „2 Tage“. Solche Details zu beschreiben, gehört das zu deinen Ansprüchen?

Claudius:
Ich will keine Texte schreiben, die so kryptisch sind, dass man sich 30.000 Sachen dazu denken kann. Bei anderen ist das ganz schön, aber ich hatte Bock auf klare Aussagen und deshalb ist es etwas schlagermäßig. Viele trauen sich das nicht, weil sie eben befürchten, kitschig zu sein. Aber bei vielen coolen Songs ist das eben so. Da werden Sachen ganz klar benannt. Interessante Metaphern oder Umschreibungen finde ich aber auch gut.

Hast du ein Vorbild?

Claudius:
Neulich habe ich viel Klaus Lage gehört, ich mag den Gesang und seine Texte. Ein Song von ihm heißt „Schweißperlen“, der ist super und da habe ich im Nachhinein Ähnlichkeiten entdeckt. Ich höre auch viel amerikanischen Country, das ist auch schon sehr kitschig. Für mich ist dieser Ausdruck aber nicht negativ belastet.

„Bei den Alten“ und „Schreibmaschine“ sind für mich die heftigsten Songs auf dem Album, worum geht es da genau?

Claudius:
Ich dachte daran, dass ich in ein Alter komme, in dem man merkt, dass die Zeit rennt und Dinge einfach nicht so bleiben, wie sie sind. Alles geht weiter und ist irgendwann zu Ende. Wenn man die Eltern besucht, bemerkt man immer mehr, dass sich etwas verändert, auch man selbst. Dieses unangenehme Gefühl, darum geht es. Der Refrain soll beruhigend wirken, auch wenn man sich natürlich etwas vormacht. Es bringt ja aber auch nichts, sich jeden Tag zu sagen, dass die Lieben irgendwann tot sind und man selbst auch. Diese unangenehme Sache wird einem wohl erst klar, wenn man älter wird, und auch, dass die Natur da gnadenlos ist. „Schreibmaschine“ ist ein sehr persönlicher Song, da kann ich gar nicht soviel darüber sagen. Es hat mit einer Person zu tun, die bestimmte Eigenarten hat, und das habe ich versucht, in dem Text zu verarbeiten.

Ich denke, dass ihr über die gleichen Themen mit Mitte zwanzig ganz anders gesungen hättet. Wie wären die Songs dann wohl ausgefallen?

Dave:
Die wären dann gar nicht ausgefallen, weil wir alle viel zu verkopft waren. Ich wäre viel zu unsicher gewesen, was ich machen möchte und wie ich das machen könnte. Es wäre sicher schneller und rockiger geworden, aber trotzdem ins Nichts gelaufen.

Matze: Wenn ich an die Musik denke, die ich damals in Münster gemacht habe, die war um Längen schneller und viel aggressiver. Bei ULF sind wir schon bedacht und haben mehr Pop-Appeal, das gab es früher nicht. Uns wird ja in Bezug auf die Texte ein charmanter Kitsch unterstellt, der von Claudius auch gewollt ist. Aber so was hätte es bei meinen alten Bands gar nicht gegeben.

„Eule“ ist wohl euer eingängigster Song, sehr soft, aber nicht kitschig. Gab es innerhalb der Band Diskussionen oder wurde der einfach durchgewunken?

Jörn:
Bei uns hört jeder andere Musik. Als ich bewusst angefangen habe, Gitarre zu spielen, habe ich Emo gehört und später Post-Rock. Ich kann nicht viel an der Gitarre, aber das so ein bisschen. Da ist unsere Schnittmenge, mit der Zeit hat sich alles so entwickelt. Auch die Texte von Claudius, die ich anfangs etwas amüsant fand. Man merkte da noch seine Unsicherheit. Mittlerweile bin ich großer Fan davon, was er so schreibt, weil es mich wirklich berührt. Und auch in der Musik trauen wir uns immer mehr.

Claudius: Wir fragen uns immer am Ende, ob das ULF ist, und manche Songs sind da auch schon durchgefallen. Ich habe Bock, poppige und auch kitschige Sachen zu machen, manchmal passt das gut zu den Gitarren von Jörn.

Bei „2 Tage“ geht es darum, sich einfach mal auszuklinken. Was ist das Verrückteste, das ihr zuletzt gemacht habt?

Jörn:
Ich komme gerade vom Roadburn Festival, weil da drei Bands gespielt haben, die mich interessiert haben. Da habe ich dann auch wieder gemerkt, dass ich Festivals eigentlich nicht mag. Dann bin ich weiter nach Brügge, weil eine von den Bands da noch mal gespielt hat, habe Bier getrunken und harte Musik gehört. Ich war dann noch in einem VHS-Laden. Der gehört einem Typen, der von verschiedenen Videotheken in ganz Deutschland alles aufgekauft hat. So was finde ich geil, da stehe ich drauf. Eigentlich hat der Typ einen Bettenladen und man muss dann erst durch den Bettenladen gehen, um in den VHS-Raum zu kommen. Zwischendrin geht er dann raus und verkauft Matratzen.

Im Song „Heilige Handgranate“ heißt es „in Häusern wie diesen, soll man sich das Leben nehmen“. Wie gestaltet ihr euer Umfeld, eben um nicht zu denken, dass man sich das Leben nehmen muss?

Matze:
Wir ziehen wieder aufs Land, haha. Das ist, glaube ich, so der Klassiker, wir sind Landeier und über kurz oder lang werde ich wieder da leben. Ich muss jeden Tag für meinen Job eine halbe Stunde mit der U-Bahn aus Hamburg rausfahren und das kotzt mich so an. Wenn man das kennt, auf dem Land aufgewachsen ist, dann will man da irgendwann wieder hin.

Dave: Ich komme aus einem Ort, in dem wohnen 800 Leute, das war die Hölle. Wenn man die Engstirnigkeit auf dem Land erkennt, dann ist das einfach schlimm. Aber jetzt nach zwanzig Jahren in der Stadt, reicht das auch irgendwie.

War das Haus im Video „Bei den Alten“ tatsächlich ein Elternhaus von einem von euch? Woher kam die Idee für das Video?

Jörn:
Es gab kein richtiges Drehbuch, das hat ein Freund von uns gemacht, der auch Clips für Spiegel-Online macht. Das war das Haus der Schwester unseres Labelbosses, die hat uns das zur Verfügung gestellt und es passte perfekt, auch mit der Nähe zum Deich.

Claudius: Aber es ist dem Haus meiner Mutter sehr ähnlich, das sie leider vor einem Jahr verkauft hat.

Die Promo für ULF lässt vermuten, dass ihr in den Neunzigern oder in den Achtzigern hängengeblieben seid.

Dave:
Ich nicht! Ich hasse die Achtziger und die Neunziger fand ich auch nicht geil, das war so beschissen.

Jörn: Ich fand, die Achtziger waren die beste Zeit überhaupt!

Matze: Da sind wir alle aufgewachsen mit „Miami Vice“, „Airwolf“, „Knight Rider“ ...

Claudius: Wir sind alle Fernsehkinder, auch unsere Musik beschäftigt sich mit unserer Jugend. Wir hingen alle viel vor der Glotze herum, weil vielleicht zu Hause auch einiges nicht stimmte oder man sich als Jugendlicher schon zurückgezogen hatte.

Woher kommt eigentlich euer Name ULF?

Jörn:
Er kommt tatsächlich von Alf.

Dave: Wir waren bei Freunden beim Frühstück, haben lange nach einem Namen gesucht und da kam das dann auf. Irgendwie ist das ein Statement gegen die Musikindustrie, weil da alle immer pathetisch sind und so viel ausdrücken wollen. Ich bin wirklich überrascht, was für Leute da arbeiten. 90% von denen haben selbst noch nie in einer Band gespielt und machen das Booking, ohne zu wissen, wie das ist, und ohne selbst mal auf dem Boden gepennt zu haben.

Claudius: Ich mag es, dass wir uns selbst nicht so ernst nehmen. Es ist nicht schön anzusehen, wenn Bands sich total verkrampfen. Wenn sie versuchen, alles richtig zu machen, und darauf achten, dass sie bloß genug posten auf Instagram oder sonst wo. Es war klar, dass wir das nicht machen, sondern nur das, worauf wir Bock haben.

Nadine Schmidt

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #144 (Juni/Juli 2019)

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