Interviews & Artikel : Cover-Ikonen: BAUHAUS - Press The Eject And Give Me The Tape (LP, Beggars Banquet, 1982) :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

Cover-Ikonen: BAUHAUS - Press The Eject And Give Me The Tape (LP, Beggars Banquet, 1982)

Ja, über Sinn und Unsinn von Live-Alben lässt sich streiten. Eigentlich war „Press The Eject ...“ auch gar nicht als für sich stehendes Album geplant, sondern ursprünglich lediglich die Zugabe zu einer limitierten Auflage des dritten BAUHAUS-Studioalbums „The Sky’s Gone Out“. Die Aufnahmen stammen von Konzerten im Old Vic, im London Royal Court Theatre und im Liverpool Hammersmith Palais und wurden zwischen Oktober 1981 und Februar 1982 aufgezeichnet. Erst nach dem Charterfolg ihres Bowie-Covers „Ziggy Stardust“ im Oktober 1982 wurde die Platte pünktlich zum Weihnachtsgeschäft Anfang Dezember 1982 als eigene LP veröffentlicht, eine kleine Auflage davon inklusive einer Postercollage und der zusätzlichen 7“ „Satori In Paris“ mit den zwei 1981 im Le Rose Bonbon, Paris aufgenommenen Tracks „Double dare“ und „Hair of the dog“. Zum klassischen Live-Album mit schlechten Performances und was sonst noch so dazu gehört wurde „Press The Eject ...“ allerdings erst mit den sechs Bonustracks des Reissues aus dem Jahr 1988, besonders hervorzuheben in diesem Zusammenhang das gurkige VELVET UNDERGROUND-Cover „Waiting for the man“ inklusive Nico-Gastauftritt.

Ohne diesen „Bonus“ ist das Album eine Art live performtes BAUHAUS-Best-Of, alle Versionen selbstredend leicht abgewandelt und hier und da um Neues ergänzt. Mit an Bord ist etwa „Bela Lugosi’s dead“ in voller Länge. Die visuell-theatralische Dimension eines BAUHAUS-Gigs ging dabei aber natürlich verloren. Lediglich Eugene Merinovs Fotografie auf dem Frontcover lässt erahnen, was auf einem BAUHAUS-Konzert alles passieren konnte: Frontmann Peter Murphy blickt oberkörperfrei und abgemagert, das Mikrofon noch in der Hand haltend durch das Mittelloch eines Zildjian-Beckens, das er seinem Schlagzeuger Kevin Haskins zuvor irgendwie entwendet haben muss. Der russisch-stämmige, in Bayern geborene Merinov, zwischen 1977 und 1981 neben Roberta Bayley, George DuBose, David Godlis und Ebet Roberts einer der Hof-Fotografen der New Yorker Punk- und Post-Punk-Szene, war schon zuvor mit der Band in Kontakt getreten, wie sich Bassist David John Haskins in einem Interview erinnert, die Band wusste, dass sie fotografiert wird, und dürfte sich hinsichtlich fototauglicher Posen – während sonst eher eine ausgefeilte Lightshow im Mittelpunkt stand – entsprechend ins Zeug gelegt haben. Gut nur, dass die Wahl auf gerade dieses zeitlose Foto gefallen ist, andere Optionen wären einige im negativen Sinne zeitgeisttriefende Kandidaten gewesen, darunter Gitarrist Daniel Ash mit Dauerwelle und Perlenkette und diverse typische Achtziger-Jahre-Pierrot-Derivate. Und, ironische Abwandlung hin oder her, diese Bilder würde man nicht unbedingt gerne im eigenen Plattenschrank ausstellen ... Geschossen wurde die Session während eines Auftritts im New Yorker Club Tier 3 Ende 1980.

Wie bei der Mehrheit aller BAUHAUS-Veröffentlichungen übernahmen die einstigen Kunststudenten aus Northampton die Gesamtaufmachung des Artworks unter Federführung von David J und Daniel Ash selbst, wählten dieses Bild aus den von Merinov vorgelegten Schwarzweiß-Fotografien aus und versahen es mit dezentem Lettering in den Ecken. David J kommentierte das im März 2018 so: „Ich mochte die Idee hinter den Fotos, die wir benutzten. Sie sind auf gewisse Weise düster und mysteriös. BAUHAUS waren eine optisch großartige Band. Sehr fotogen. Und diese Fotos auszusuchen, die ein wenig verwischt, unfokussiert und irgendwie hässlich waren, reizte uns. Diese Art der Bildsprache zu verwenden und gleichzeitig Musik zu machen, die ziemlich schräg und avantgardistisch war und dabei so auszusehen wie wir damals, das ist schon sehr pervers. Wir waren Schelme des Perversen.“

Einen kleinen Kalauer können die Schelme sich neben all den modisch-pervertierten Anspielungen in der eigenen Optik auch im Albumtitel nicht verkneifen. Der lässt sich aus den Untiefen der Feedbackausläufer des letzten Tracks „Dark entries“ herleiten: Ein Sicherheitsmensch fordert einen Bootlegger auf, seine frisch während des Konzerts gemachte Kassettenaufnahme herauszurücken: „Press The Eject and Give Me The Tape ...“

Anke Kalau

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)