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Interviews & Artikel

Dafür / dagegen: Geld fürs Klo

In nicht wenigen Clubs sind sie zu finden: Klomänner und -frauen, die Wache schieben, damit an Pissrinne und Porzellanthron nicht randaliert wird und zwischendurch mal gefeudelt wird. Neben ihnen steht ein Tellerchen, auf das doch bitte 50 Cent oder mehr gelegt werden sollten – tut man es nicht, fühlt mancher sich schäbig. Aus gutem Grund?

Dafür


Eine angemessene Würdigung und Entlohnung für die Klomänner und -frauen, die (nicht nur in Musikclubs) ihren Dienst tun, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Leider baut die neoliberale Arbeitgeberseite hier oft auf die Soziale Empathie der Nutz*innen in Form von Trinkgeld oder auch Tellergeld (aus Mitleid). Klar mögen jetzt vielleicht einige helle Köpfe einwenden, „der Chef soll die Klofrau doch vernünftig bezahlen, das ist nicht unsere Aufgabe“, aber hier klingt für mich eher rechtes Sprachgut à la „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt“ durch. Was aber tun, wenn Darm, Blase oder Magen, möglicherweise gleichzeitig, zur Entleerung rufen? Statt in versifften, dunklen Höhlen, eventuell sogar ohne Türen, auf der Suche nach dem richtigen Becken, umherzuirren, nutzen wir doch lieber helle, saubere, funktionsfähige und mit allen notwendigen Accessoires (Toilettenpapier, Seife, Handtuch) ausgestattete Räumlichkeiten – und freuen uns, wenn hinterher unsere Nutzungsspuren dezent und unauffällig beseitigt werden. Menschen, die diese Örtlichkeiten in einem tadellosen Zustand halten (und das ist nicht immer einfach – ich erinnere hier nur an den Rückspritzfaktor von Metalpinkelrinnen), gehört meine Achtung, die ich auch gerne mit einem Trinkgeld ausdrücke. Jenseits dieser zweckgebundenen Nutzung werden solche Orte natürlich auch für andere Handlungen genutzt, von unverfänglichen Konversationen und Aufhübschen geht das bis hin zu „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“. Auch hier ist es gut, wenn Menschen mit einem wachen Geist und Rat und Tat dabei sind, um die schlimmsten Umtriebe zu unterbinden. Ob ich Tellergeld nun aus Mitleid oder Respekt gebe, das ist übrigens keine Frage des Geldbeutels, sondern eine Frage der Haltung. Wenn ich mir ein Bier für 3,20 Euro leisten kann, sollten auch 50 Cent Tellergeld drin sein – andernfalls bleibe ich Zuhause.

Kay Werner

Dagegen

Ich mag es nicht, moralisch unter Druck gesetzt zu werden. Sich am Klopersonal vorbeizuschleichen, ohne etwas Kleingeld auf das Tellerchen zu legen, finde ich unangenehm, gerade auch dann, wenn die Menschen dort – aus Eigennutz und vom Dienstleistungsgedanken beseelt – freundlich grüßen. Nein, der Toilettengang ist bereits bezahlt, mit dem Bier oder Anti-Alk, den man sich für drei, vier, fünf Euro pro Becher an der Theke geholt hat. Der Sinn von Personal auf dem Klo erschließt sich mir, so wird da weniger Scheiße gebaut, aber so wie die Türsteher, die Leute an Kasse und Theke und das technische Personal hat der Club gefälligst auch die Klomänner und -frauen ordentlich zu bezahlen und aus dem Abort nicht noch ein neoliberales, womöglich sogar verpachtetes Profit-Center zu machen. Ich finde das schäbig und geldgeil, jenseits dessen, ob einem die 50 Cent am Abend weh tun oder nicht. Aber in einem Tausender-Club sind 50 Cent von jedem zweiten Gast auch schon 250 Euro pro Abend – erzähle mir keiner, das Personal dürfe das Geld komplett behalten, dann wäre das ein legendär gut bezahlter Job. Eher schon wird da Mindestlohn bezahlt und irgendwer steckt die Kohle der Wohlmeinenden ein. Von daher: Ich gestehe, ich schleiche meist mit einem aufgezwungenen schlechten Gewissen an der Urinalmautstelle vorbei und ärgere mich über den Clubbetreiber, der dieses Geschäftsmodell betreibt. Saubere, sichere Umsonst-Toiletten, die von ordentlich bezahltem Personal gepflegt werden, haben eine Selbstverständlichkeit zu sein. Was übrigens auch für die maßlos überteuerten Autobahnraststätten gilt, wo die Sanifair-Mafia schon lange die Scheißhäuser zu Goldeseln gemacht hat. Und dann haben wir noch nicht über die Pay-WCs in den Bahnhöfen gesprochen ... Und über Wildpinkler. Und über die Unfähigkeit von gefühlt 90% der Menschen, öffentlich so zu urinieren und koten, als wären sie zu Hause.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)

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