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Interviews & Artikel

GOTOBEDS

Große Kunst braucht Provokation

Musikerkollegen und -freunde, Pittsburgher Szenegrößen, vom Produzenten über Label- und Plattenladenbetreiber sowie Lyriker, die GOTOBEDS verknüpfen alles, was ihnen lieb und teuer ist, zu einem fuzzigen Post-Punk-Noise-Puzzle. Was es mit dem Titel ihres vierten Albums „Debt Begins At 30“ auf sich hat, verrät GOTOBEDS-Frontmann Eli Kasan.

Ihr hattet eine Menge Gastmusiker auf dem neuen Album, an jedem Track hat mindestens eine zusätzliche Person mitgewirkt. Welche Bedeutung hat soziale Interaktion für euch in diesem Zusammenhang?


Musik ist ja eigentlich nur eine Form des Ausdrucks und wir haben als Band schon sehr lange zusammengespielt. Jemand anderen mit einzubeziehen, bricht das ganze Gefüge ein wenig auf und hilft dabei, die Dinge auch mal anders zu denken. Es geht also absolut um diese kleinen Dialoge, die dabei entstehen, wenn Leute etwas beisteuern. Wenn du die richtigen Leute beisammen hast, haben sie Einfälle, die die eigentliche Ausgangsidee auf eine ganz neue Ebene hieven. Wir hatten viele Dinge, an denen wir schon eine Weile gewerkelt haben, aber auch solche, bei denen wir uns nicht ganz sicher waren, ob sie spannend genug sind oder irgendwie bei anderen andocken können. Also haben wir angefangen, bestimmten Gästen bestimmte Songs vorzustellen, und uns ihre Reaktion und das, was sie gerne dazu beisteuern würden, angehört. Und sie haben uns das Gefühl gegeben, dass wir schon irgendwie was richtig machen, haha. Sie waren auch Feuer und Flamme, daran mitzuarbeiten. So wurden die Songs aufregender und haben eigentlich erst richtig an Leben gewonnen. Und sich besser angehört, haha.

Nicht nur beim Songwriting geht ihr euren eigenen Weg, auch in Sachen Instrumente arbeitet ihr jenseits gängiger Endorsement-Schubladen. In dem Clip zu „Twin cities“ spielst du eine alte Gibson Melody Maker, Gavin einen Rickenbacker-Bass und TFP eine Silvertone Harmony, wenn ich das richtig gesehen habe. Ist das eine Art Statement?

Witzig, stimmt. Der Bass ist allerdings ein Fake-Rickenbacker von Ibanez. Aber unglaublich, du bist die erste Person, die alle drei erkannt hat, ich bin sehr beeindruckt, haha. Aber ja, es ist sehr einfach, so was zu sagen wie: „Wir sind eine Country-Band, spielen Telecaster und tragen Cowboyhüte“ oder „Wir sind jetzt eine Punkband, wir müssen uns eine SG und einen Halfstack anschaffen und eine Lederjacke tragen.“ Diese Dinge werden dann einfach zu einer Art Uniform. Und wenn du eine Uniform trägst, unterwirfst du dich mehr oder weniger unterschwelligen Normen. Für uns ist es einfach natürlicher, uns ein wenig in Richtung von etwas verdrehteren Sachen zu bewegen. Nichts, das man noch nie gesehen hat, aber das schon eher ungewöhnlich ist.

Würdest du euch in Bezug auf eure Instrumente als Sammler bezeichnen?

Unser Gitarrist sammelt Harmonys. Keine Ahnung, wie es dazu kam, aber er hat einige in verschiedenen Farben. Was mich angeht, ich habe angefangen, Melody Maker zu sammeln. Und wenn ich sammeln sage, dann meine ich damit: Ich habe zwei, haha. Meine Sammlung ist also sehr klein. Ich sammle zwar gerne, aber man muss die Sachen auch zu schätzen wissen, die man hat. Ich benutze in der Regel nur zwei Gitarren im Wechsel, wenn ich mehr habe, wird das zu einer Art Museum und ich verscherble eine. Ich versuche die Sachen, die ich habe, auch zu genießen und nicht einfach nur sinnlos anzuhäufen.

Wie sieht es mit Pedalen und Amps aus?

Wir halten es da recht einfach. TFP benutzt einen Marshall JCM 800 Combo-Amp aus den Achtzigern. Gavin spielt einen echt miesen Bass-Amp, und das mit Absicht. Wenn du jemals getourt hast, weißt du warum, haha. Ich spiele eine Vintage Marshall VMP-Combo und ich liebe es. Ich habe viel Geld in die Hand genommen, um dieses eine Ding zu bekommen, wollte es unbedingt haben und werde es hoffentlich für immer behalten. Was Pedale angeht, die scheint TFP, der auf jeden Fall viel fixer an der Gitarre als ich ist und auch verschiedene andere Instrumente spielen kann, nicht so sehr zu mögen. Er hat nur eine Art Boost, um den Klang ein wenig mehr zu übersteuern. Ich habe ein paar: einen Boost für mehr Verzerrung, ein Fuzz-Pedal, ein Univox Superfuzz-Klon namens Reuss Goo Goo Fuzz, kommt, glaube ich, aus Dänemark, und einen Vintage Phaser.

„Anarchy In The US“, „Blood // Sugar // Secs // Traffic“ und zuletzt sogar „Definitely Not A Redd Kross EP“, was habt ihr dieses Mal in Sachen Anspielungen im Albumtitel und Untertitel zu bieten?

Es gibt da einen Pittsburgh-Film aus den Achtzigern namens „Debt Begins At 20“, der ein paar der obskureren Punk-, DIY- und New-Wave-Bands dieser Zeit versammelt. Der ist einfach klasse, er sieht gut aus, deckt eine wirklich sehr unterschiedliche und musikalisch vielfältige Szene ab und als Kunstprojekt ist er einfach nur superhübsch. Dieser Film war ein Rieseneinfluss. Die Anspielung hat uns deshalb schon sehr gereizt. Und wörtlich genommen denkt man bei Schulden zwar zunächst eher an finanzielle Dinge, aber du kannst ja Leuten, die eine Rolle in deinem Leben spielen, auch etwas in persönlicher Hinsicht schulden. Weil wir so viele Freunde auf dem Album am Start hatten, machte das natürlich auch unter diesem Aspekt Sinn. Sie halfen uns dabei, erfolgreich zu sein, und wir stehen jetzt tief in ihrer Schuld, haha.

Was spielt neben Schuld noch eine Rolle in eurem Banddasein?

Glück. Wir haben einfach in den richtigen Momenten die richtigen Leute getroffen. Wir sind schon ein wenig älter und haben alle davor lange genug in Bands gespielt, die keinen Erfolg hatten. Und unter Erfolg verstehe ich, dass Leute sich dafür interessieren. Es juckt mich nicht wirklich, wie viele Platten ich verkaufe. Die Leute müssen sich damit identifizieren können. Es gibt so viele Bands da draußen, die auf die eine oder andere Weise talentierter sind als wir. Wir hatten einfach extrem viel Glück.

Eure Live-Auftritte dürften da aber auch ihren Teil zu beigetragen haben.

Die sind so chaotisch, dass das wohl schon auffällt oder hängenbleibt. Ein betrunkener Rausch voller unwiederholbarer Energie, haha. Wir waren ein paarmal mit PROTOMARTYR unterwegs und das ist eine Band, die jeden Abend eine sehr ähnliche Setlist spielt, eine gut geölte Musikmaschine, nicht zu stoppen. Wir hingegen können das noch nicht einmal annähernd. Bei uns artet das immer in totales Chaos aus, alles fällt auseinander, irgendjemand ist zu betrunken. Aber irgendwie entwickelt sich daraus auf magische Weise auch etwas sehr Energiegeladenes, aber es ist eine ganz eigene Art von Energie.

Das könnte man auch als Provokation verstehen.

Jede große Kunst braucht Provokation. Wenn jemand einfach nur ein Arschloch sein will, ist das eine Sache, wenn er damit auf etwas Bestimmtes aufmerksam machen will, eine ganz andere. Ich balanciere da ganz gerne auf der Grenze.

Waren die GOTOBEDS früher provokanter als heute?

Gute Frage, habe ich mir auch schon gestellt. Mein Bauchgefühl sagt nein. Als die erste Single und das Album herauskamen, war ich vielleicht wütenderer, das hat ein wenig andere Züge angenommen, aber dieser Aspekt wird die GOTOBEDS nie komplett verlassen. Unsere Heimatstadt Pittsburgh ist ja eine alte Industriestadt, hat den Wandel recht gut geschafft und ist mittlerweile ein wenig arty, bringt aber eine gewisse offensive geistige Grundhaltung mit. In Sachen Provokation sind wir daher vielleicht auch nur ein Produkt unserer Umgebung.

Wenn ich an die typische amerikanische Industriestadt denke, fällt mir natürlich sofort Detroit ein. Inwiefern unterscheidet sich Pittsburgh von Detroit?

PROTOMARTYR kommen ja aus Detroit, wir konnten wahrscheinlich auf Anhieb so gut miteinander, weil wir eine ähnliche Grundhaltung mitbringen. Der Unterschied liegt darin, dass der Verfall in Detroit größer war. Als die Autoindustrie Detroit nach und nach verlassen hat und die Leute anfingen wegzuziehen, hat Detroit einen Großteil seiner Einwohner verloren und damit auch Infrastruktur und Geld. Pittsburgh war in den Siebzigern eine Stahlstadt und als diese Industrie komplett verschwand, gab es in Pittsburgh schon früh ein politisches Programm, das gegensteuerte. Es wurde an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit investiert und der Wandel gelang. Pittsburgh ist jetzt, mir fällt gerade kein besseres Wort ein, recht bourgeois. Aber diese Midwestern-Grundhaltung ist in beiden Städten gleich.

Anke Kalau

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)

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