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Interviews & Artikel

IDIOTS

Freaks, Punks und Freidenker

Mit ihrem neuen Album „Schweineköter“ hat die Dortmunder Punkband nun ihre abwechslungsreichste Scheibe vorgelegt. Die Songs haben alle ihren eigenen Charme, straight nach vorne, dann wieder vertrackt, manchmal an die späten Achtziger erinnernd, dann wieder irgendwie doch in Richtung der ersten IDIOTS-LP und dann wieder komplett neu – aber immer IDIOTS. Und trotz der Härte entwickelt das Album auch eine gewisse Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Im Gespräch mit Hannes, Sänger und Urgestein, ging es neben dem neuen Album unter anderem auch um „Helden“ und die Vorzüge einer klassischen Gesangsausbildung. Die IDIOTS komplettieren Anselm Tripptrapp (gt), Richie Gorilla (dr) und Volker Körner (bs).

Das Album „Gott sei Punk“, welches ihr 2014 veröffentlicht habt, enthielt neben drei neuen Songs ausschließlich Neuaufnahmen alter Stücke aus den Achtzigern von euren LPs „They Call Us: The Idiots“ und „Cries Of The Insane“. Warum habt ihr die Songs noch mal neu eingespielt? Und warum fehlen Songs von der „Stations Of Life“?


Da unsere alten Platten zu Höchstpreisen verkauft werden, haben wir die alten Songs noch mal im neuen Gewand, aber mit dem Spirit von früher aufgenommen, zum Beispiel „Bayrischer Wald“ mit neuen Textzeilen „Uli Hoeneß Saubermann / Steuersünder Ackermann / Sie soll’n wissen, dass wir pissen auf das ganze verlogene Pack“. Jeder soll die Möglichkeit haben, unsere Songs zu fairen Preisen kaufen und hören zu können. Bei „Stations Of Life“ waren IDIOTS in einer starken Metalphase. Wir wollten aber die alten Punk- und Hardcore-Klassiker aufnehmen.

Warum hat es immerhin fünf Jahre gedauert, bis ihr ein neues Album vorgelegt habt?

Das ist ganz klar! Man muss sehr viel Zeit und Herzblut investieren, um ein Album zu schreiben, welches charismatisch, fesselnd, zeitlos und von den Songs her unvergesslich wird. Wir haben auch einige Stücke wieder rausgenommen und uns für die zwölf Songs für „Schweineköter“ entschieden.

Das neue Album trägt den Titel „Schweineköter“, das Cover ist dementsprechend gestaltet, eine Mischung aus Hund und Schwein, das deine Uniformmütze trägt. Wen oder was meint ihr genau damit?

Wir, die Freaks, Punks oder Freidenker, werden immer von korrupten Machthabern als Schweineköter betitelt, dabei sind sie es selber. „Schweineköter nennt ihr mich / Schau mal in den Spiegel, dann siehst du dich!“ Ich trage schon seit den frühen IDIOTS-Zeiten Hüte und Mützen. Damals Anfang der Achtziger trug ich eine englische Polizeimütze, mit der ich auch auf der ersten IDIOTS-Single als Schwein gemalt bin. Dieses Schwein ziert seitdem meinen Rücken. Die Mütze kaufte ich mir damals in London, als ich dort eine Zeit lang lebte. Ich habe auch eine komplette deutsche Polizeiuniform, mit der ich den Bürgersteig vor meinem Plattenladen Idiots Records fege. Es ist für mich meine Art zu provozieren und in Kommunikation zu treten.

Ihr habt dieses Mal wieder mehr englische Texte. Warum ist das so?

Wenn ich einen Song komponiere und ich die Melodie im Kopf kreiere, fallen mir meistens auch gleich die entscheidenden Textzeilen ein. Das passiert dann automatisch, ob die Texte je nach Song passend auf Englisch oder Deutsch aus meinem Bauch und Kopf dazukommen.

Das Album ist musikalisch sehr abwechslungsreich, es geht von Punkrock, Metal bis hin zu Offbeat und HipHop-Anleihen, teilweise in einem Song. Wie entsteht ein IDIOT-Stück?

Vor unserem Album habe ich oft die neue BODY COUNT-Platte, den Dauerbrenner „Best Off“ von David Bowie, „Basement Apes“ von GLUECIFER und noch mehr ATOMIC THRILL gehört oder alte Klassiker wie „Never Mind The Bollocks“ von den SEX PISTOLS, STRANGLERS, Ian Dury, SHAM 69 und andere. Wenn ich Songs komponiert habe, arrangiere ich diese zunächst mit unserem Gitarristen Anselm Tripptrap und danach im Proberaum mit der ganzen Band. Die musikalische Vielseitigkeit und mein Fantasiereichtum gehören sicher zu meinen besonderen, einzigartigen Talenten.

In dem Song „Dead heroes“ besingt ihr verstorbene Rockstars von David Bowie über Michael Jackson, Johnny Cash bis zu Lemmy. Sind das eure Helden? Und wie verträgt sich das mit „No more heroes“? Und warum fehlt zum Beispiel Joe Strummer?

Ohne Helden hätte es nie Musikrevolutionen gegeben, ob bei den Freaks in Woodstock oder vorher mit Elvis und dann mit den DOORS, den BEATLES, die ganze Bewegungen und gesellschaftliche Veränderungen losgetreten und inszeniert haben. Es fehlt mein größtes Idol Charlie Chaplin, aber auch Jim Morrison, Chuck Berry, Frank Zappa oder Joe Strummer. Mein Gefühl sagte mir, dass es für „Dead heroes“ im Moment der Entstehung und für unser Album genau die Heroes, die dort genannt werden, sein mussten. Im Alter von neun bis zwölf Jahren geben dir solche Helden Kraft und ermutigen dich, deinen individuellen Weg und deine Lebensideologie zu finden. Auch als Punkrocker!

In „Devil is god“ zitiert ihr Iggy Pops Song „Passenger“. Auf eurem ersten Album „They Call Us: The Idiots“ und auf „Amok“ habt ihr THE STOOGES gecovert. Einige Songs erinnern mit an frühe STOOGES-Stücke. Was verbindet ihr mit Iggy?

„Devil ist god“ erinnert vom Beat her stark an „Passenger“, ist aber trotzdem ein völlig eigenständiger, anderer Song. THE STOOGES habe ich geliebt, das Rauhe, den dirty Rock’n’Roll, sie haben mich mit vielen anderen in meiner Jugend inspiriert und mir zu meinem eigenen musikalischen Ich verholfen.

Bei „Fake News“ habe ich spontan „Punk is dead“ gesungen, weil mich der Refrain „Trump is dead“ an den CRASS-Song erinnert. Ist das Zufall? Und wie bewertet ihr selbst die Bedeutung von Fake News, auch angesichts des zunehmenden Rechtsrucks?

Wir sehen die ganze gesellschaftliche und weltliche Entwicklung als absoluten Horror an. Brot und Spiele, menschenverachtende Diktaturen, Korruption, digitaler Holocaust sind ganz klar durch Fake News unterstützt. Mir ist erst später aufgefallen, von CRASS gab es „Punk ist dead“, aber sonst hat „Trump is dead“ nichts mit CRASS zu tun. Das passiert aber manchmal, dass es Parallelen gibt bei den Millionen von Songs, die existieren. Das findest du überall. Aber im Nachhinein ist das gar nicht schlecht, da hoffentlich das Kapitel Trump bald erledigt ist und für mich Punk nie sterben wird und so wichtig ist wie eh und je!

Nach dem Trailer zur neuen LP, plant ihr auch ein neues Video?

Wir wollen ein Video zu „Dead heroes“ in Berlin drehen, wo ja auch Bowie gelebt hat.

Du stellst erneut eine Stimmgewalt und Variationsbreite unter Beweis, die im Punk-Bereich doch schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal ist. Was ist die Voraussetzung dafür? Wie viel Training ist notwendig?

Das kommt darauf an, was man ausdrücken möchte. Ich liebe auch die alten Platten von GG Allin. Da ist der Gesang dreckig, rotzig, kotzig. Wir hatten bei den IDIOTS auch immer solche Songs – und das auch nach vierzig Jahren noch immer. Trotzdem hatten wir ja schon auf unserer ersten Single „Mädchen mit den roten Haaren“ Songs, bei denen ich schon mehr gesungen habe und die schon damals Ohrwurmqualität hatten. Übrigens habe ich damals das „R“ gerollt, da ich als kleiner Junge immer Zarah Leander gehört habe. Ende der Achtziger habe ich gemerkt, dass ich mich stimmlich noch weiterbilden möchte und habe dann später eine fünfjährige klassische Gesangsausbildung bei einer genialen Opernsängerin in Essen absolviert. Die Vielseitigkeit erlernst du da nicht, die muss aus dir selber kommen, aber du lernst, deine Stimme zu trainieren. Wenn man einen hohen Anspruch an seinen Gesang hat, muss man das täglich mehrere Stunden machen.

Was ist als Nächstes geplant?

Wir werden jetzt erst mal 2019 und 2020 ohne Ende touren und Konzerte spielen, aber auch im nächsten Jahr anfangen, an neuen Songs zu arbeiten. Außerdem sammeln wir seit Jahren Film- und Bildmaterial für unsere IDIOTS-Schwarzweiß-Doku.

Letzte Worte?

Tiere sind die besseren Menschen!

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)

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