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Interviews & Artikel

JOHNNY MOPED

Es ist noch nicht vorbei

Irgendwann hat sich 1977 als Geburtsjahr für Punk-Rock durchgesetzt. Verstanden habe ich das nie so ganz. Die naheliegendste Erklärung dafür dürfte die Veröffentlichung der SEX PISTOLS-LP „Never Mind The Bollocks“ gewesen sein. Freilich gab es die schon 1975 und vorher schon THE STOOGES oder, um noch weiter zurückzugehen, THE SONICS. Punk als Einstellung hat es vermutlich schon immer gegeben, musikalisch kam dann in England 1974 mit der Gründung von JOHNNY MOPED & THE 5 ARROGANT SUPERSTARS der Stein so richtig ins Rollen.

Was wohl passiert wäre, wenn deren Debüt „Cycledelic“ 1977 statt 1978 veröffentlicht worden wäre, kann man nur mutmaßen. Vermutlich wäre der Band dennoch ein frühes Ende beschert gewesen, welches sie kurz darauf erfuhr, da sich Paul Halford aka Johnny Moped für die Liebe statt für die Bühne entschied. Als 2015, ein Jahr nach dem Dokufilm „Basically, Johnny Moped“, eine neue Single erschien, war es für die Fans wie ein Donnerknall, die noch als nette Idee zum Film verstanden worden sein mag. Im Gegensatz zu vielen anderen Altherren-Reunions verließen sie sich nicht darauf, live nur den alten Kram runterzurasseln, sondern legten 2016 ein komplettes Album nach: „It’s A Real Cool Baby“. JOHNNY MOPED waren wieder da und sie beweisen 2019 mit „Lurrigate Your Mind“, dass die Welt auf diese Reunion gewartet hatte – eventuell ohne es zu wissen. Bei ihrem Auftritt im April in Köln hatte ich die Gelegenheit, die Band live zu sehen. Dieses Interview mit Johnny Moped und Robert Brook aka Rock’n’Roll Robot führten wir aber später per Mail.

Vor drei Jahren wurdest du das erste Mal fürs Ox interviewt. Damals sagtest du auf die Frage, ob du aufgeregt seist, wie das neue Album ankommen werde: „Erst mal sehen, was passiert und dann ein Schritt nach dem anderen. Ich komme ja gerade erst so langsam über den Tod meiner Frau hinweg und muss mich noch daran gewöhnen, alleine hier in der Wohnung zu sein. Kann sein, dass ich umziehen werde, und dann sehen wir mal, was mit meinem Leben passiert, dass es besser wird. Und natürlich wollen wir viele Konzerte spielen.“ Wie hast du die Zeit danach erlebt?

Johnny:
Es hat ein gutes Jahr gedauert, bis ich einigermaßen über den Tod von Bren hinweggekommen bin. Hier bei mir am Ende der Straße gibt es einen Pub, der hat glücklicherweise sehr dazu beigetragen, dass es mir irgendwann besser ging. Außerdem wohnt Robot ebenfalls in der gleichen Straße, also sehe ich ihn und seine Frau ziemlich oft. Und natürlich die Band. Das sind Dinge, die mir geholfen haben, die mir immer noch helfen, mit diesen Sachen und meinen Erinnerungen klarzukommen. Die neue Platte aufzunehmen hat eine Menge Spaß gemacht. Natürlich hoffen wir, dass sie den Leuten gefallen wird und bei unseren Fans gut ankommt.

Vor Jahren traf ich Joe Strummer für ein Interview, nachdem er mit den MESCALEROS eine neue Band hatte. Joe sagte damals, er wäre musikalisch gesehen nahezu weg vom Fenster gewesen, bis er Tim Armstrong von RANCID traf, der ihm einen neuen Plattenvertrag gab. Das hätte ihm seinen Arsch gerettet, weil ihn sonst niemand mehr wollte. Hattest du ähnliche Erlebnisse vor eurem Comeback?

Johnny:
Nein, nicht wirklich. Als Brenda noch gelebt hat, war es okay, nur hin und wieder mal einen Gig zu haben. Die Band ist ja immer mal wieder aufgetreten, wenn es eine Anfrage gab und es gepasst hat. Aber darüber hinaus hatte ich keine Ambitionen mehr, auch nicht den Drang, irgendwann noch mal eine Platte aufzunehmen. Erst als Damaged Goods diese Bootleg-Tapes von uns offiziell veröffentlichte, kam es zu einem Comeback, weil sie uns vorschlugen, eine neue Single aufzunehmen. Dave Berk schrieb daraufhin den Song „Rock’n’roll rookie“ und so kam alles erneut ins Laufen. Seitdem geht es immer weiter.

Deine eigenen musikalischen Wurzeln liegen im frühen Pubrock, in der Prä-Punk-Ära. Außerdem bist du selbst großer Hardrock- und früher Heavy-Metal-Fan. Wie kam es, dass du damals Sänger in einer der ersten Punkrock-Bands wurdest, einer Bewegung, die ja eigentlich diese ganzen Rockklischees begraben wollte?

Johnny:
Im Grunde war alles reiner Zufall. Die Jungs und ich hatten immer wieder irgendwelche Jam-Sessions, meistens bei Captain Sensible im Haus. Schließlich haben Dave und Captain beschlossen, die Band zu gründen, und ich war dabei. Ich bin einfach, was ich bin. Irgendwie kommt eben nur Punkrock aus meinem Mund, wenn ich ihn öffne.

Vor zwei Jahren hast du auf „Learning English, Lesson 2“ von DIE TOTEN HOSEN mitgesungen. Auf deren Debüt von 1983 gibt es das Stück „Mit wehenden Fahnen“, in dem die Band ihre eigenen Einflüsse ins Mikro schreit, darunter auch JOHNNY MOPED. Wie ist deine Verbindung zu den Hosen und wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Johnny:
Die haben mich damals einfach angerufen und gefragt, ob ich das machen möchte. Sie sind rübergekommen und wir haben „Darling, let’s have another baby“ zusammen aufgenommen. Das war in Wood Green, North London. Es hat wirklich Spaß gemacht, wir hatten eine gute Zeit. Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen, aber sie sind ein Haufen netter Jungs.

Auf dem Frontcover von „It’s A Real Cool Baby“ sahst du ziemlich fertig aus, wie jemand, der eigentlich komplett resigniert hat. Bei dem neuen Album ist es das genaue Gegenteil. Du wirkst offensiv, wie jemand, der nach vorne will und noch Großes vorhat. Oder ist das nur meine Interpretation?

Johnny:
Ja, ich sah da ziemlich abgefuckt aus, aber das lag vor allem an den äußeren Umständen, unter denen das Bild entstanden ist. Es war an diesem Tag verdammt kalt und ich fror ziemlich in meiner Kutte, die ich da anhabe. Was das jetzige Coverfoto angeht – ich versuche auf jeden Fall, mich fit zu halten. Ich weiß, dass ich kein junges Hühnchen mehr bin, aber ich habe das Gefühl, dass es noch nicht vorbei ist und ich noch einiges geben kann.

Es gab bei der neuen Platte eine Umbesetzung. Dave Berk, euer Schlagzeuger und, wie du eben sagtest, mit dem Captain Bandgründer, ist nicht mehr dabei. Stattdessen spielt jetzt Marty Love Schlagzeug.

Johnny:
Ja, Dave hat die Band verlassen. Er hatte es mittlerweile einfach satt, wegen verschiedener Sachen. Marty hatte Dave zuvor schon einige Male vertreten, so war klar, dass er schließlich seinen Platz einnehmen würde.

Robot: Marty und ich sind Freunde seit unserer Schulzeit. Bevor ich bei JOHNNY MOPED eingestiegen bin, hatten wir auch schon eine Band zusammen namens CASE.

Das neue Album „Lurrigate Your Mind“ finde ich absolut großartig. Es ist genau das, was ich von so genanntem 77er-Punkrock erwarte. Seid ihr mit eurem neuen Baby zufrieden?

Johnny:
Oh ja, wir sind sehr glücklich damit. Ich wollte einen wirklich kraftvollen Sound. Etwas mit viel Fleisch am Knochen. Ich finde, es ist eine gute Mischung an Songs herausgekommen. Ein paar davon kreisen schon seit langem herum, wie zum Beispiel „Catatonic“ ...

Robot: ... den Song habe ich geschrieben, als ich 15 Jahre alt war und noch zur Schule ging. Wahrscheinlich hört er sich deswegen nach 1977 an, haha. Die Songs, die Johnny und Jacko geschrieben haben, sind dafür neu.

Johnny: Slimey Toad hat „Black witch climax blues band genetic breakdown“ geschrieben. Ein neuer Song, aber über die alten Tage. Wir konnten Captain gewinnen, Gitarre zu spielen und mitzusingen. Ich glaube, als wir im letzten Jahr zusammen mit THE DAMNED auf Tour waren, hat sich der neuere Sound dieses Songs entwickelt.

Weil du Slimey Toad erwähnst: Die meisten wissen ja, woher Johnny seinen Spitznamen hat, aber woher kommen solche Namen wie Rock’n’Roll Robot oder eben Slimey Toad?

Robot:
Toad hat mir den Namen gegeben, Robert fand er wohl zu langweilig ...

Johnny: ... und Toad war immer schon eine schleimige Kreatur.

Jeder von euch schreibt Songs für die Band, ihr wirkt außerdem auf der Bühne sehr homogen. Gab es eigentlich irgendwann mal ein Problem damit, dass ihr Johnnys Spitznamen als Bandnamen habt?

Robot:
Nein, überhaupt nicht. Das ist so, wie es ist. Wir kennen uns alle schon so lange und verstehen uns gut.

Zum Schluss muss ich natürlich noch die eine Frage stellen: Fährt einer aus der Band ein Moped oder hat einer von euch noch ein altes Moped in der Garage?

Robot:
Nur der Bruder von Dave Berk hatte eines. Den Sound von seinem Moped haben wir mal aufgenommen.

Johnny: Ken, unser Tourmanager, hat noch eine alte Puch in seiner Garage. Ich glaube, ich werde sie mir eines Tages mal ausleihen ... it’s a real slow baby.

Claus Wittwer

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)

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