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Interviews & Artikel

Jarii van Gohl (DŸSE)

My Little Drummer Boy Folge 51

Ja, es gibt sie noch. Diese Drummer, die anders sind als die anderen. Man muss nur genauer hinschauen, um sie zu entdecken. Sie sind nicht unbedingt beim ersten Hören einer Schallplatte auffällig, aber wenn du sie auf der Bühne siehst, weißt du, dass da gerade etwas Besonderes passiert. So ein Typ ist Jarii van Gohl, der jedes Konzert seiner Band DŸSE mit seiner überschäumenden Energie zu etwas Speziellem macht. Man weiß nie, was geschieht, aber es wird immer einen nachhaltigen Eindruck beim Publikum hinterlassen. Es war also dringend an der Zeit, Jarii beim Konzert in Magdeburg zum Interview zu bitten, um ausführlich über seinen Werdegang als Schlagzeuger zu sprechen.

Jarii, gibt es in deiner Familie irgendwelche uralten Geschichten, dass du schon als Kind auf den Töpfen deiner Eltern herumgeschlagen hast?


Nein, überhaupt nicht. Ich komme aus einer völlig unmusikalischen Familie und ich bin da so etwas wie das schwarze Schaf. Bei mir ging es wirklich erst mit 14 los, als der Punk in unsere Kleinstadt schwappte und ich mit einem Punkerfreund die Band DIE ABSTEHENDEN OHREN gegründet habe. Abgekürzt DAO, denn Abkürzungen waren damals ja ganz groß und in dieser Band habe ich dann auf Töpfen getrommelt und mein Kumpel hat dazu auf der Wandergitarre gespielt. So haben wir unsere erste Band auf die Beine gestellt, aber meine Familie konnte mir leider musikalisch nichts mit auf den Weg geben. Außer meinem Opa, denn der hatte mir schon zu DDR-Zeiten mein erstes Kassettendeck geschenkt, weil er wohl der Meinung war, dass Musik dem Jungen guttut. Ich fing also frühzeitig an, Kassetten aufzunehmen und zu tauschen, und so bin ich schon früh mit Musik in Berührung gekommen.

Welche Bands haben dich in der Kleinstadt musikalisch geprägt?

Alle Punkbands, die damals auf Tour bei uns vorbeikamen. Ich erinnere mich an SLIME, HASS oder die DIMPLE MINDS und dann später so Hardcore-Bands wie die RYKER’S und natürlich die SPERMBIRDS. Bands, die zwar nicht bei uns gespielt haben, aber durch die ich musikalisch sozialisiert wurde, waren GORILLA BISCUITS, YOUTH OF TODAY und BAD RELIGION.

Wie kam es, dass du nicht Sänger, sondern Schlagzeuger wurdest?

Ich bin ein echter Energiebolzen. Ein Terrier, der nicht stillhalten kann und immer auf irgendetwas losgehen will. Also brauchte ich ein Schlaginstrument, und auf dem Schlagzeug kann ich nicht nur herumschlagen, es bittet auch noch darum, geschlagen zu werden. Also war das für mich perfekt und ich dachte: Was für eine geile Symbiose, das muss ich machen. Da wir als Band ja auch nur zu zweit waren und so Bands wie die ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN cool fanden, dachten wir uns, Gitarre und Schlagzeug, das ist genug, und dass ich dann der Schlagzeuger sein würde, war schnell klar. Ich hatte zwar keine Ahnung vom Schlagzeugspielen, aber um überhaupt irgendetwas hinzubekommen, habe ich mit Kopfhörern zu „Knockin’ on heaven’s door“ von GUNS N’ ROSES geübt.

Wie kam es dann zu deinem ersten Schlagzeug?

Nachdem wir beim Zelten einen ganz komischen Punkertypen kennen gelernt hatten, der uns einen neuen Bandnamen vorschlug, haben wir uns in CIV beziehungsweise CAMEMBERT IN VERZUG umbenannt und irgendwann brauchte ich eben mal ein richtiges Schlagzeug. Bei uns in Neustadt an der Orla gab es ein besetztes Haus in der Brauhausgasse und meine absoluten Helden war die Band BG13A, deren Schlagzeuger mir sein erstes zusammengewürfeltes Schlagzeug dann für fünfzig Mark verkauft hat. Ich habe dafür in den Ferien auf dem Bau gearbeitet und das Schlagzeug dann mit dem Bollerwagen abgeholt, aber es fehlte die Snare und Beckenständer gab es auch keine. Also hingen die Becken bei uns im Übungsraum an Wäscheleinen von der Decke und ich musste beim Spielen immer hoffen, dass das Becken beim Hin- und Herschwingen zufällig gerade an der Stelle war, wo ich es brauchte.

Würdest du dich als Autodidakt bezeichnen oder hast du auch mal Unterricht gehabt?

Nein, ich bin schon Autodidakt und das Lustige ist wirklich, dass irgendwann einmal studierte Schlagzeuger zu mir kamen und mir ganz viele Fachbegriffe an den Kopf warfen, um mit mir über meine Ausbildung zu sprechen. Ich wusste aber gar nicht, wovon die sprachen, und als die dann hörten, dass ich nur ein kleines Punkerkind war, wollten die es kaum glauben. Das war lustig, und ich habe mir dann überlegt, dass es vielleicht gar nicht schlecht wäre, noch mal Schlagzeug zu studieren, damit man auch den ganzen theoretischen Background hat. Davon haben die Studierten mir dann aber dringend abgeraten, damit meine Kreativität nicht durch das in musikalische Schemata und in Noten gepresst werden verlorengeht. Also bleibe ich unstudiert, wie ich bin, und gebe trotzdem weiter Unterricht und mache Workshops und solche Dinge. Ich bin an einem Punkt, an dem ich immer alles hinbekomme, was ich gern spielen möchte, aber ein wirklicher Jazzdrummer wird nie aus mir werden.

Gab es in deiner Frühphase irgendwelche Drummer, denen du nachgeeifert hast?

Ich habe immer sehr genau hingehört, was andere Schlagzeuger so machen, und wenn da zum Beispiel mal eine offene Hi-Hat zu hören war, hat mich immer interessiert, wie das gespielt wird. Stewart Copeland von THE POLICE fand ich super oder Keith Moon von THE WHO, wo man dann regelmäßig ausgerastet ist. Ich habe mir viele Drummer als Inspiration angehört und dann versucht, deren Sachen irgendwie nachzuspielen. Das klang dann zwar immer ähnlich, aber wahrscheinlich doch nie gleich. Ein Knoten ist bei mir geplatzt, als ich die Platte „River Runs Red“ von LIFE OF AGONY gehört hatte. Da habe ich begriffen, dass man nicht immer nur gerade Rockrhythmen spielen muss, sondern die Snare auch gerne mal zwischen die Zählzeiten schlagen kann. Damals habe ich in der Schule Kopfhörer aufgehabt und unter dem Tisch die Beats nachgespielt. Das war der Beginn meiner kreativen Entwicklung, bei der mich auch NEUROSIS mit ihren von vielen Toms geprägten Rhythmen stark beeinflusst haben.

Hast du viel alleine oder eher mit der Band geprobt?

Nachdem ich bei meinen Eltern nach zwei Tagen Schlagzeugspielen herausgeflogen war, hatte ich das Glück, dass unser Schulleiter uns einen Übungsraum im Keller der Schule anbot. Der stand darauf, dass da ein paar seiner Schüler etwas Kreatives auf die Beine stellen wollten, und hat uns unterstützt. Aber ewig konnten wir da nicht bleiben, weil wir immer nur Nachmittags, bis die Schule geschlossen wurde, proben konnten. Dann hat uns der Opa unseres Gitarristen angeboten, wir könnten bei ihm proben – in der ältesten Seifensieder-Meisterei der Welt. Das war also ein alter feuchter Keller unter der mittelalterlichen Stadt, wo uns keiner gehört hat. Für uns war das perfekt, und ich wollte ja eigentlich immer nur mit Freunden zusammen Musik machen. Üben hat mich nicht wirklich interessiert, aber da wir alle auf einem musikalischen Niveau waren, war das kein Problem. Alleine proben ist einfach nicht mein Ding. Es gibt ja Drummer, die fünf Stunden am Tag üben, um millimetergenau auf das Metronom spielen zu können, aber ich improvisiere lieber und mache mein eigenes Ding.

Erinnerst du dich an die ersten Auftritte mit eurer Band?

Den allerersten Auftritt habe ich tatsächlich in unserer Schule machen müssen, weil unser Direktor der Meinung war, wenn wir schon in der Schule proben, müssen wir auch kulturell etwas beitragen. Wir haben dann ein großartiges Konzert in unserem Geschichtsraum gespielt und ich ärgere mich bis heute, dass es davon keine Kameraaufnahme gibt. Wir waren natürlich scheiße, aber wir waren laut und alle haben sich das Konzert angeschaut, weil das damals etwas Besonderes an unserer Schule war. Auf einem Stadtfest bei uns im Dorf durften wir auch mal spielen und da fanden wir natürlich so Sachen wie einen echten Soundcheck einfach sehr spannend. Egal, wie schlecht wir hinterher gespielt haben.

Du spielst ja auch heute noch ein sehr reduziertes Drumset.

Da bin ich praktisch veranlagt, denn man muss natürlich viel weniger aufbauen als bei einem richtig großen Schlagzeug, aber der eigentliche Grund ist der, dass ein kleines Schlagzeug mich viel mehr fordert, kreativ zu sein mit dem, was da ist. Je weniger Trommeln man zur Verfügung hat, desto mehr muss man sich anstrengen, entsprechend viel herauszuholen. Ich habe ja wirklich nur Hi-Hat, Crashbecken, Ridebecken, zwei Toms, Snare und Bassdrum und damit kann man unglaublich viel machen, und wer DŸSE kennt weiß, was da so geht. Ein Kumpel von mir hat aus seinen alten Musikertagen noch sein altes Schlagzeug im Keller stehen und das hat gefühlt hundert Toms, tausend Becken und zwei Bassdrums. Das ist wie ein großer Spielplatz und man fühlt sich wie im Disneyland, und manchmal tobe ich mich da für eine Stunde aus, weil es Spaß macht, aber dann ist es auch wieder gut. Eigentlich ist das ja nur Egogewichse und das braucht wirklich kein Mensch. Nein, mir genügt mein kleines Baby völlig, und da ich auch meistens mit geschlossenen Augen spiele, ist es von großem Vorteil, wenn ich jeden Millimeter meines Schlagzeuges genau kenne. Als ich früher meine NEUROSIS-Phase hatte, habe ich aber auch viel mit Doppelbass experimentiert, um diese ganzen Percussion-Sachen allein spielen zu können. Da gab es auch ein frühes Album von OBITUARY, auf dem die ganze Zeit die Doppelbass lief, und das wollte ich auch unbedingt können. Eine extra Bassdrum wäre mir aber zu viel zum Aufbauen gewesen und so habe ich mich auf ein Doppelpedal beschränkt. Mit zwei Pedalen wird man aber faul, und um kreativ zu bleiben, habe ich das Doppelpedal wieder abgeschafft.

Wie viel Spaß macht dir die Arbeit im Studio?

Die Arbeit im Studio macht mir total viel Spaß, aber dadurch, dass man immer zu wenig Zeit hat, gerät man natürlich auch leicht unter Druck. Ich produziere ja auch selber viel Musik und liebe diesen Prozess. Die Ideen und diese Kreativität, die man dort herauslassen kann, treiben mich an. Irgendwie ist das, wie ein Selfie aufzunehmen, was ja heute alle toll finden. Du nimmst einen Song auf, kannst ihn dir hinterher sofort anhören und denkst: Ja, wie geil ist das denn. Das macht Spaß, ist aber auch schwierig. Das Problem bei uns ist ja, dass man das, was DŸSE live machen, nicht auf ein Album pressen kann. Das kriegen wir einfach nicht hin. Wir haben es ein paar Mal probiert, aber wir bekommen es einfach nicht hin. Deshalb haben wir uns entschlossen, Alben zu produzieren, die wir selber gern hören würden, und dann gibt es eben auch Geigen, Bläser oder Chöre, die wir nie auf der Bühne reproduzieren können. Aber das ist uns dann egal, weil DŸSE live eben eine andere Qualität hat.

Bereitest du dich auf Studioaufnahmen immer besonders gut vor?

Ja, ich versuche immer extrem gut vorbereitet ins Studio zu gehen, weil ich leider sehr perfektionistisch veranlagt bin. Ich hasse diesen Frust, der sonst entstehen kann, wenn die rote Lampe leuchtet und es kommt dieser Stressmoment an dieser einen Stelle, an der man sich immer wieder verspielt. Dann denkt man sich: Hättest du den Song nicht beim lockeren Soundcheck aufnehmen können? Das hasse ich und daher versuche ich, mit Andre immer gut vorbereitet zu sein, so dass wir eine lässige Atmosphäre im Studio haben. Das wird aber von Mal zu Mal schwieriger, weil die Aufnahmen ja heute immer schneller fertig werden müssen. Alles kostet viel Geld und in zehn Tagen muss möglichst alles fertig sein, und das trägt natürlich nicht unbedingt zur Entspannung bei. Jetzt haben wir zum Glück ein Studio gefunden, das uns alle Freiräume einräumen möchte, die wir für ein gutes Album benötigen. Alexander Dietz von HEAVEN SHALL BURN ist ein guter Freund von uns, der gerne mal mit uns aufnehmen würde, und da ist es dann egal, ob die Aufnahmen zehn Tage oder ein halbes Jahr dauern, was natürlich erst einmal den ganzen Druck wegnimmt. Wichtig ist, dass es gut wird und wir ein geiles Album machen. Wir sind auch schon fleißig dabei, am neuen Album zu arbeiten und haben die ersten sechs Songs schon fertig geschrieben. Zehn sollen es am Ende werden, dann gehen wir ins Studio und irgendwann wird es euer neues Lieblingsalbum geben.

Wo siehst du die größten Unterschiede zu eurer Live-Performance?

Der größte Unterschied ist die Energie, die wir live freisetzen und dass wir vor allen Dingen frei spielen. Viele Bands spielen ja heutzutage zu Backingtracks und mit Klick im Ohr und auch wir wurden schon gefragt, warum wir auf die ganzen Add-ons – wie Bläser und dergleichen – auf der Bühne verzichten. Da habe ich aber überhaupt keinen Bock drauf, weil das dann nicht mehr ich wäre, sondern nur noch der Sklave von dem Metronom, das da im Hintergrund läuft, und ich will nun mal kein Sklave sein. Diese Freiheit, einfach mal spontan aufzuhören, Teile länger zu spielen oder andere Sachen zu singen, machen DŸSE live aus und da scheiße ich gern auf die Bläser vom Band. Musiker, mit denen wir gesprochen haben, sagen alles das Gleiche. Mit Klicktracks wird die Musik zum Fabrikjob, weil du jede verdammte Show gleich spielst und jeden Abend gleich klingst. Also, das will ich für mich nicht.

Gibt es bei den vielen Aufnahmen, auf denen du zu hören bist, ein Lieblingsalbum, mit dem du besonders zufrieden bist?

Nein, gibt es nicht, weil mir da wieder der verdammte Perfektionismus dazwischenkommt. Man hat irgendwie immer das Gefühl, man wird nicht fertig. Aber ich finde schön, dass man auf unseren Alben die Weiterentwicklung von uns als Band gut nachverfolgen kann. Ich bin mit allen unseren Platten super glücklich. Viel Spaß hat uns die Zusammenarbeit mit dem leider verstorbenen Guido Lucas bei „Lieder sind Brüder der Revolution“ gemacht und auch mit der „Bonzengulasch“-Platte, die wir komplett in Eigenregie aufgenommen haben, sind wir sehr zufrieden. Jetzt wollen wir noch mal einen Schritt weiter gehen, denn wir haben früher immer gesagt: Es soll mal klingen, wie eine richtige Kauf-CD. Das war immer so das Maß aller Dinge. Einmal klingen wie BAD RELIGION oder die RYKER’S, die früher einfach geil klangen. Jetzt sehen wir als Team mit Ali gute Chancen, unsere Soundideen auch verwirklichen zu können.

Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?

Ich setze mir keine Grenzen und versuche ständig neue Sachen auszuprobieren. Ich habe mir immer die Freiheit genommen, alles spielen zu können, was ich gerne möchte, um meine Kreativität voll ausleben zu können. Ob das für einen eigenen Stil reicht, weiß ich nicht, das müssen andere beurteilen. Ich bin darauf angesprochen worden, dass ich sehr oft meine linke Hand für die Hi-Hat nehme, um einen Kick extra zu betonen. Andere Drummer spielen ja ein Becken zum Abschlag mit der Kick-Drum, aber ich moshe da gern die Hi-Hat mit der linken Hand dazu, um dynamischer zu sein. Das scheinen wohl einige Leute jetzt übernommen zu haben, was ich cool finde. Live finde ich es immer spannend, wenn ich mal auf einem anderen Schlagzeug spielen kann. Mir kann man irgendein Schlagzeug hinstellen und ich spiele das dann. Es ist doch nichts cooler, als wenn DŸSE immer mal anders klingen, als man das gewohnt ist. Drumsets von anderen Leuten sind dann zwar nicht so aufgebaut, wie ich das gewohnt bin, und man verliert auch schon mal einen Stick aus der Hand, aber das ist mir egal. Davon lebt doch die Musik und bleibt sympathisch. Mir ist auch mal meine Snare kaputtgegangen und an diesem Abend spielten wir mit einer Elektroband. Die haben dann von oben einen Kochtopf geholt und mit einem Trigger den Snaresound elektronisch erzeugt. Da habe wirklich Kochtopf gespielt und vorne kam Snare heraus.

Hast du Abseits von DŸSE noch musikalische Pläne, die du gern verwirklichen möchtest?

Ich mache jetzt gerade ein Projekt unter dem Namen STRUCTURES, bei dem ich viel mit Computern und Field-Recording-Samples arbeite. Das ist nicht komplett elektronische Musik, weil ich auch Gitarre und Schlagzeug spiele, hat aber doch viel mit Computern zu tun. Da werden wir auch im Herbst auf Tour gehen und die Konzerte werden sehr spannend, weil sie diesen Jam-Charakter haben und jeden Abend anders sein werden. Da geht es viel um Samples und Soundästhetik, also altersgerechte Musik, bei der man sich schön zurücklehnen und fette Sounds hören kann. Das hat für mich viel mit Punkrock zu tun, weil ich Punkrock immer so interpretiere, dass man die Freiheit hat, alles zu tun, und es keine Grenzen gibt. Genau das mache ich da und es kann alles passieren. Von Noise bis zu schönen Pop-Arrangements ist alles möglich und es ist viel Improvisation dabei. Danach mache ein Projekt, das FERROPHONIA heißt und das ich schon Jahre auf dem Zettel habe. Dafür habe ich alle alten Bagger in Ferropolis – der Stadt aus Eisen in Sachsen-Anhalt – gesamplet und es wird die erste „sample-based electronic Opera“ geben, mit der ich auch auf Tour gehen will. Das wird aber sicherlich noch ein Jahr dauern, weil da noch viel Arbeit zu tun ist. Und dann ist da ja noch die Talkshow „Das Beste aus dem Sumpf“, die ich in Berlin gemacht habe, wo ich Farin Urlaub zu Gast hatte und in der auch Jodelmeisterin Doreen Kutzke aufgetreten ist. Das fand ich so unglaublich faszinierend, was man alles mit seiner Stimme machen kann, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht kein Punkrock ist. So entdeckt man die unterschiedlichsten Sounds und kommt auf immer neue Ideen.

Christoph Lampert

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)

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