Interviews & Artikel : PORK PIE :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

PORK PIE

30 Jahre immer nur Ska

Das Berliner Ska-Label unseres Vertrauens hat es tatsächlich zu seinem dreißigjährigen Jubiläum gebracht. Unter dem Namen Vielklang ging es damals los, wo 1984 auf dem Sublabel Schnick-Schnack-Tonträger die allererste Single von DIE ÄRZTE veröffentlicht wurde: „Zu schön, um wahr zu sein!“ Wie können wir nun unseren Beitrag zur Geburtstagsparty leisten? Ich starte den ambitionierten Versuch, 15 prägende Scheiben auszuwählen, um sie mit Pork Pie-Boss Matzge zu besprechen. Bei über 150 Veröffentlichungen müssen tolle Label-Bands wie THE VALKYRIANS, DISTEMPER, MASONS ARMS, YELLOW UMBRELLA oder El Bosso, der den ersten deutschsprachigen Ska-Song „Immer nur Ska“ schrieb, leider unberücksichtigt bleiben.

SKAOS „Back To Live“ (CD, 1989)

Diese Live-CD inklusive eines mitgelieferten Studioalbums wurde im Berliner Loft seinerzeit vom SFB, dem heutigen RBB, produziert. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie verlief der Konzertabend?


Jetzt hast du es schon gleich bei der ersten Platte geschafft, mich ins Grübeln zu bringen. „Back To Live“ 1989?! Da hatten wir doch gerade mit „Catch This Beat“ von SKAOS das erste One-Artist-Album rausgebracht. Wozu dann dieser Release? Des Rätsels Lösung: Die Jahresangabe auf dem Cover ist falsch, die CD kam erst 1995 raus, nachdem SKAOS sich nach einer längeren Auszeit, in der ein Teil der Band unter dem Namen FUN REPUBLIC weitergemacht hatten, wieder zurückmeldeten. Wie es nun zur Zusammenarbeit mit dem SFB kam, weiß ich ehrlich nicht mehr – möglicherweise im Rahmen eines Berliner Musikfestivals oder einer Messe. Und wir hatten als Firma Vielklang ja auch seit den frühen Achtzigern immer sehr gute Kontakte zum SFB und bis heute auch immer noch zum RBB und zu Radio Eins. Mit dem Loft verbindet mich allerdings bis heute noch sehr viel, da ich dort von Anfang an viele Jahre als Haus-Soundmann gearbeitet habe. Das Konzert muss wohl gut gewesen sein, sonst hätten wir’s bestimmt nicht veröffentlicht.

Laurel Aitken „Everybody Ska“ (12“, 1990)

Wie kam der Kontakt zu dieser Legende zustande und wie hast du ihn persönlich erlebt?


Wer sich an die Achtziger erinnern kann, war nicht dabei. Aber ich denke mal, ich habe ihn in London kennen gelernt, auf dem International Ska-Festival. Er war ja auch damals oft auf Tour hier in Deutschland und hatte dann mit THE BUSTERS und NO SPORTS auch oftmals deutsche Backing-Bands. 1990 war ja die Zeit des großen Ska is Back- und Skacid-Hypes aus England und so hatte auch Laurel mit „Everybody Ska“ den damaligen „hot shit“ am Start. Wir haben dann anlässlich der Funkausstellung den „Berlin Dance Mix“ gemacht. Rückwirkend alles sehr lustig: produziert von Leuten wie Ralf Goldkind von LUCILECTRIC und Jon Langford von MEKONS. Live wurde das dann auf der Funkausstellung als Playback mit den BUSTERS als Backing-Band performt. Leider lief das etwas aus dem Ruder, denn keiner wusste, dass Laurel noch nie zuvor Halbplayback gemacht hatte. Ich habe Laurel immer als sehr angenehmen Menschen empfunden, der auch grundsätzlich offen für Neues war.

V.A. „Ska ... Ska ... Skandal! No. 3“ (LP, 1992)

Kurze Statements bitte zu MESSER BANZANI, THE BUTLERS und NO SPORTS, beziehungsweise zum Oberhit von FUN REPUBLIC „Racist world“. Waren die Neunziger Jahre nicht doch noch vielschichtiger von den Styles der Bands her?


MESSER BANZANI waren ja neben MICHELE BARESI eine der wenigen Bands aus der ehemaligen DDR, die damals schon unter anderem Ska machten. Leander Topp ist bis heute erfolgreicher Produzent mit seinem Germaican Label und er hat uns ein sehr interessantes Interview in unserem „Ska im Transit“-Buch gegeben. THE BUTLERS gehören neben BLECHREIZ zu den Aushängeschildern des Berliner Ska, damals ja mit Wanja als Sänger, der auch die Coverzeichnungen der „Ska ... Ska ... Skandal!“-Serie gemacht hat. NO SPORTS gehören natürlich neben SKAOS und THE BUTLERS zu den prägendsten Bands des Ska aus Deutschland. FUN REPUBLIC war ein Projekt von SKAOS-Musikern, das die SKAOS-freie Zeit ziemlich erträglich machte.

DR. RING-DING & THE SENIOR ALLSTARS „Dandimite!“ (CD, 1995)

Für mich der absolute Klassiker im Pork Pie-Programm. Ein Co-Release mit Grover Records, mit denen du offenbar recht gut auskommst.


Mit Ossi von MOSKITO bin ich ja schon seit EL BOSSO & DIE PING PONGS immer wieder im Kontakt gewesen. Damals hatte er ja das Label noch nicht, war aber bereits der Booker vieler Ska-Bands. So gab es immer wieder Gelegenheiten zur Zusammenarbeit, neben Dr. Ring Ding auch beispielsweise bei THE TOASTERS und Derrick Morgan.

THE TOASTERS „History Book 1987-1996“ (CD, 1996)

Die Könige der dritten Ska-Welle, wenn man es so deutlich sagen darf. Die New Yorker skankten uns etwas vor, nach dem 2Tone-Sound wurde nun wieder kräftig in die Blechblasinstrumente gepustet. Wie wichtig waren sie speziell und die dritte Welle als solche für dein Geschäft?


Bucket von den TOASTERS hatte ja mit Moon Records, später Moon Ska, das eigentliche 3rd Wave Label überhaupt und hat so gut wie alle US-Ska-Bands mal unter Vertrag gehabt. Ska war in den Neunzigern richtig groß in den USA und wir hatten eine Zeit lang neben den TOASTERS-Alben, die ja zum Teil auch bei uns im Studio produziert wurden, das komplette Moon Ska-Programm im Vertrieb.

V.A. „The Spirit Of Ska – 10 Years Jubilee Edition“ (CD, 1999)

Schöner Jubiläums-Sampler mit zweimal Derrick Morgan und Laurel Aitken singt „Muaß i denn ...“ auf Deutsch. Wie fand er die Idee?


„Muaß I denn“ wurde ja extra produziert für eine Compilation, die als kleiner Pisstake auf deutsche Volksmusik über Metronome veröffentlicht wurde. Dabei waren alle möglichen Bands von FAITH NO MORE über TERRORGRUPPE bis Stefan Raab, und weil das ja über die Pork Pie-Mutterfirma Vielklang erschien, wollte ich natürlich auch ein bisschen Ska dabeihaben. So haben wir das Playback mit NO SPORTS gemacht und Laurel hat tapfer gesungen. Er kannte den Song ja schon von Elvis und er war eigentlich offen dafür, aber es fiel ihm trotzdem nicht leicht.

THE BUSTERS „Live“ (CD, 2002)

Die Wieslocher Legende räumt immer noch ab. Ist das für dich auch eine Art Meilenstein im Katalog?


Mit den BUSTERS bin ich ja auch schon von Anfang an sehr gut befreundet und deshalb war es für mich ein besondere Freude, dann auch mal Album-mäßig mit denen zusammenzuarbeiten. Bis heute freue ich mich immer sehr, die Jungs zu treffen und bei dem einen oder anderen Sampler dabei zu haben.

DALLAX „Core-Color“ (CD, 2007)

Ska aus dem fernen Japan. Enorm punkig, eine totale Leidenschaft steckt in deren Musik. Skapunk gehört an sich ja weniger zu deinen Favoriten, oder?


DALLAX habe ich ja tatsächlich während eines Besuchs im BUSTERS-Ländle in Heidelberg erstmals gesehen. Der frühere BUSTERS-Sänger hat die Tour gebucht und ich war total begeistert. Generell bin ich eigentlich offen für die ja doch extreme Bandbreite, die man musikalisch in Sachen Ska ausreizen kann. Wenn es richtig gut gemacht ist, gefällt mir deshalb selbstverständlich auch Skapunk. Ich versuche ja immer mal wieder, neue Wege zu beschreiten oder krasse Sachen rauszubringen, die man nach Ansicht mancher Fans nicht machen darf.

BABYLOVE AND THE VAN DANGOS „Let It Come, Let It Go“ (CD, 2012)

Rocksteady-Sound aus Dänemark, recht ungewöhnliche Scheibe für euch, aber sie spielten ja jetzt auch wieder auf eurem Rosslauer Ska-Festival.


Diese Band wird nach wie vor extrem unterschätzt. Erstklassiges Songwriting, eine tolle Stimme und Musiker auf Weltniveau. Wie gesagt, ich habe keine Scheuklappen und arbeite sehr gerne weiter für die Jungs. Besonders gefreut habe ich mich auch, dass sie extra einen neuen Song aufgenommen haben für meine 30-Jahre-Jubilee Compilation.

MR. REVIEW „XXV“ (CD, 2013)

Eigentlich ist diese Kultband auf Grover erschienen, mit ihrer Jubiläumsscheibe landete sie dann bei euch. War es dir wichtig, mit denen einmal zusammengearbeitet zu haben? MR. REVIEW 1997 live im SO36, das war echt eines meiner besten Konzerte, 800 tanzende Kahlköpfe ...


MR. REVIEW hatten „XXV“ bereits ohne Label selbst rausgebracht. Bei einem Gig im Dessauer Beatclub konnte ich die Jungs dann zum Glück überzeugen, das Album über Pork Pie rauszubringen. Ich kannte die Jungs ja auch schon mindestens seit dem „United Colors Of Ska“-Sampler.

YELLOW CAP „Pleasure“ (LP, 2014)

Die neun Männer aus Görlitz kurz vor der polnischen Grenze liefern extrem guten Ska und Rocksteady. Songs wie „Hätte hätte“, „Breakdown“ oder „Take a cap“ sprechen für sich. Was ist für dich das Besondere an ihnen?


Spaßeshalber sage ich ja manchmal: „Also wenn die BUSTERS mal in Rente gehen, sollten ...“ Wovon selbige allerdings nach wie vor sehr weit entfernt sind! Auch bei YELLOW CAP ist mir wichtig, dass das Songwriting stimmt und die Band gut ist. Beides ist der Fall und Dr. Ring Ding hat ja auch das vorige Album „Like It Or Not“ produziert. Toll finde ich auch, dass die Band sehr gute Kontakte nach Brasilien hat und dort fast jährlich auf Tour geht.

THE FRITS „The Greatest Frits“ (Best-Of-CD, 2016)

Die Bochumer Legenden gelten als „die SPECIALS aus Deutschland“ und sie sind seit mehr als dreißig Jahren ein Team. Stimmt das Gerücht, dass sie sich nun auflösen? Und mit etwas Wehmut gefragt: Hätten sie nicht auch so groß werden können wie THE BUSTERS oder war das gar nicht deren Absicht?


Von den FRITS gibt es ja sensationelle Neuigkeiten. Das Gerücht war richtig, aber es stimmt nicht mehr. Die Jungs haben wieder richtig Bock und zu meiner Überraschung auch eben mal schnell einen Song für meinen 30-Jahre-Jubiläums-Sampler eingespielt. Ich hoffe ja, dass die Jungs aus Wattenscheid bei der Pork Pie Jubilee Party im Berliner SO36 auch mit am Start sind. Zu deiner Frage: Also im Pott sind THE FRITS bis heute richtig groß. Beim Jubiläumsgig in Wattenscheid haben die Leute ein Spiel Schalke gegen Bayern München sausen lassen. Anderswo war’s leider nicht ganz so. Aber was nicht ist ...

JOHNNY REGGAE RUB FOUNDATION „This Is Ska“ (7“, 2018)

Die 7“ erschien zum Festival in Rosslau. Das in Köln ansässige Trio mit der blonden Skin-Lady Chrissy bringt offenbar Erotik und Sex in die Musik – vor allem textlich, oder? Und der Trend zum Reggae-Sound nimmt dieser Tage anscheinend auch wieder zu?


Erotik, Sex und vor allem auch Geschmack, Stil und Expertise. Wir sind hier schon mega gespannt auf das neue Album, das im Herbst erscheinen soll. In der Tat gibt es aber wirklich zur Zeit einen kleinen Reggae-Trend. Vor allem Köln scheint hier ein Hotspot zu sein. Da kommen ja auch MASONS ARMS her, die ihren Punky-Boss-Reggae mit deutschen Texten verbinden.

NAPOLEON SOLO „Open Chanel D“ (CD, 2018)

Und abermals das kleine, feine Band aus Dänemark mit herrlichem Coolness-Faktor. Die Kopenhagener nennen ihre Stadt „Openhagen“ und „Copenhell“ und beschreiben sie als Ort „Where porn was born and morals fell“. Hast du Einblicke in die dortige Ska-Szene?


Unglaublich, was sich in Kopenhagen so an Talent versammelt hat. Da sind ja gleich drei großartige Bands von Pork Pie zu Hause. Neben NAPOLEON SOLO kommen ja LEO & THE LINEUP und die BABYLOVES von dort. 1989 hatte ich ja schon „Shot!“ von NAPOLEON SOLO veröffentlicht, umso überraschter war ich, dass nach all den Jahren wieder so ein tolles Album kommt.

V.A. „The Spirit Of Ska – 30 Jahre“ (CD, 2019)

Dr. Ring Ding himself hat die zum Teil, wie bei euren Samplern immer üblich, bislang unveröffentlichen Songs zusammengestellt, ist ja auch eine Kunst. BLUEKILLA singen hier auf Bayerisch, eine Band, die dir immer treu blieb. Einfach weil Ska-Bands an sich sehr treu und bodenständig sind?


Ich freue mich immer, wenn der Herr Doktor mir die für mich als Labelmann manchmal etwas heikle Aufgabe abnimmt, die Reihenfolge der Songs auf dem Sampler festzulegen. Das hat ja eigentlich auch was von DJ-Kunst und dafür hat Richie wirklich ein hervorragendes Händchen. Die Jubiläums-CDs waren bislang ja mehr so reine Best-Of-Zusammenstellungen der jeweils letzten fünf Jahre. Dieses Mal haben mir aber fünf meiner Bands zum Jubiläum einen neuen Song kredenzt, neben den erwähnten BABYLOVE und den FRITS sind das auch SKAOS, DISTEMPER und JOHNNY REGGAE RUB FOUNDATION. Live wird es dieses Mal sieben Bands vom Sampler auf dem Rosslauer Ska-Festival zu sehen geben und am 14.09.2019 gibt es die riesige Sause im Berliner SO36 mit einem unfassbaren Line-up. Dabei sind BLECHREIZ, DR. RING DING & BAND, SKAOS FEAT. BUSTER von BAD MANNERS und weitere hochkarätige Überraschungsgäste aus den bewegten drei Jahrzehnten Pork Pie.

Markus Franz

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)

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