Interviews & Artikel : CELLOPHANE SUCKERS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

CELLOPHANE SUCKERS

Ihr erinnert euch: in der letzten Ox-Ausgabe riefen wir euch dazu auf, uns eure Fragen an die CELLOPHANE SUCKERS zukommen zu lassen. Das habt ihr reichlich getan: hunderte Zuschriften erreichten die Redaktion, wir wählten die spannendsten Fragen aus und konfrontierten Mattes und Hauke von der wohl derzeit arschtretendsten und erfolgreichsten deutschen PunkROCKband damit. Hier das Ergebnis:

Was habt ihr empfunden, als ihr das erste Mal einen Song von euch im Radio bzw. ein Video von euch im TV gesehen habt?

Hauke: Also ich habe noch nie einen Song von uns im Radio gehört. Ich höre wohl die falschen Sender.

Mattes: Ich war mal beim Campusradio der Uni Bochum für eine Sendung im Studio, aber das war´s auch schon. Und da lief natürlich Musik von uns.

Hauke: Da fällt mir ein, dass wir mal in Frankreich gespielt haben und da dann im Radio ein Song von uns lief. Das fand ich geil.

Und was ist mit diesem Snowboard-Video, das überall lief?

Hauke: Ach das meinst du! Das war ´ne klasse Sache. Wir waren da gerade mit den GUANO APES auf Tour und haben vorher noch kurz diesen Clip abgedreht, das war super.

Habt ihr denn auch einen Ausrüstervertrag mit einer angesagten Klamottenfirma?

Hauke: Naja, also mit Power Wheels, deshalb auch dieser Aufnäher auf meiner Wrangler-Jeansjacke. Das ist ein Hersteller von Spielzeugautos für Kinder. Und dann natürlich mit Converse, Vans, Calvin Klein...

Mattes: Die Socken kommen von dieser Firma mit dem Huhn...

Du meinst Lacoste?

Mattes: Nee, das war Engima oder Enigma, ach, nee, die heissen Trigema.

Schluss mit dem Quatsch, wir haben hier ernsthafte Fragen unserer Leserinnen und Leser! Weiter geht´s: Glaubt ihr, dass, ihr durch euren Erfolg im Ausland Wegbereiter für deutsche Bands sein könnt?

Mattes: Klar!

Hauke: Schwer zu sagen, aber ich denke, wir sind sicher keine Trendsetter.

Stimmt! Ist ja auch schwer möglich, wenn man wie ihr zwanzig, dreissig Jahre alte musikalische Kamellen aufwärmt.

Hauke: Genau, du sagst es!

Eben. Nächste Frage: Versteht ihr euch als moderne Crossoverband?

Hauke: Darauf antworte ich mit einem klaren Ja.

Ja, aber Crossover zwischen was denn?

Mattes: Trinken, Feiern und live spielen.

Hauke: ...und Heavy Metal.

Mattes: ...und Fussball.

Steht ihr mit dem nächsten Album unter Erfolgsdruck? Wie viel Einfluss hat die Plattenfirma auf die Produktion?

Hauke: Die kontrolliert alles. Wir sind bekanntlich beim Major Radio Blast Recordings, unser Labelboss kommt zweimal täglich im Studio vorbei, wenn wir aufnehmen, und generell muss ich deutlich sagen: Geld diktiert unseren Geschmack, das ist eine ganz klare Sache.

Kann ich das so verstehen, dass ihr eben als Band macht, was am meisten Geld verspricht?

Hauke: Ja klar! Wofür macht man den Scheiss denn sonst? Das ist doch bei dir nicht anders, oder?

Auf keinen Fall! Ich nehme euch ja nicht ins Heft, weil ich euch nett finde oder die Musik mag, sondern weil die Leser auf euch stehen und so eine Story die Auflage nach oben bringt. Das gebe ich offen zu.

Hauke: Aber jetzt mal ernsthaft: unser einziger Erfolgsdruck ist überhaupt mal neue Sachen zu schreiben. Wir kommen aus Köln, unser Sänger studiert in Berlin, und ab morgen ist der erstmal ein paar Wochen in der Türkei auf Studienreise und sammelt Pflanzen und Blätter.

Schade... Aber weiter: Im Internet habe ich gelesen, dass eure Platte jetzt auch in den USA veröffentlicht werden soll. Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr dort ähnlich erfolgreich werdet wie RAMMSTEIN?

Hauke: Sogar noch erfolgreicher! Wir sind ja Amerikaner, können aber ziemlich gut deutsch. Wir kommen aus L.A...

Ich dachte aus Seattle!

Hauke: Jaa, doch, auch.

Mattes: Schau mal, mein Flanellhemd.

Habt ihr euch schon mal überlegt auf Deutsch zu singen?

Mattes: Nö, nie. Ich habe den Deutsch-Leistungskurs mit ´ner Fünf abgeschlossen.

Hauke: Kommt nicht in Frage. Ich kenne keine Band, die mir gefällt, die auf Deutsch singt. Ich höre mir sowas grundsätzlich nicht an, ich bin eben ein intoleranter Sack. Ausserdem sind wir ja Amis, und ich finde, man sollte immer in seiner Muttersprache singen.

So, jetzt kommt eine etwas kritischere Leserfrage: Ihr spielt mittlerweile nur noch in grossen Hallen und auf Festivals. Wünscht ihr euch da nicht manchmal in die gemütlichen kleinen Clubs zurück?

Hauke: Ja, das waren noch Zeiten...

Mattes: Wenn in diesen Clubs das Essen besser wäre würden wir das schon wieder machen.

Hauke: Ausserdem stinkt´s da immer nach Pisse, die Leute kommen einem so nahe und wollen mit einem reden... uäh! Nee, ich finde die grossen Hallen schon o.k., da hat man ´ne ordentliche Security, die vorne den Graben freihält.

Ich persönlich muss ja sagen, dass ich die grossen Hallen deshalb bevorzuge, weil da die Presse besser behandelt wird: separater Eingang, ein VIP-Bereich, gutes Essen, viel zu trinken... Wenn man das mit einem kleinen Club wie dem "Kotten" vergleicht - wir sitzen gerade in der Ox-Stretch-Limousine vor dem Eingang des "Kotten", wo nachher ELECTRIC FRANKENSTEIN spielen werden -, das ist halt unter aller Sau.

Hauke: Ein guter Draht zu unseren Freunden von der Presse - gerade ihr vom Ox unterstützt uns ja seit Jahren - ist uns sehr wichtig, und da achten wir schon darauf, dass da immer ein vernünftiges Büffet aufgebaut ist. Mal ehrlich, seid ihr von uns jemals schlecht behandelt worden?

Ja. Damals, in den kleinen Clubs.

Mattes: Dafür schämen wir uns noch heute. Tut uns echt leid.

Wie steht es um euer politisches Engagement? Und ist es schon mal vorgekommen, dass versucht wurde, euch für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Mattes: In der Tat! Wir sollten auf so einem Veganer-Open-Air spielen, aber wir haben da abgesagt, weil Markus darauf besteht Fleisch zu essen.

Ihr würdet euch also nicht explizit als Polit-Punkband verstehen?

Hauke: Doch, klar, wir sind eine Anarcho-Crustband. Schon immer gewesen.

Ist jemand von euch Vegetarier?

Hauke: Nö, nicht mehr: Unser Sänger war Vegetarier, aber der isst jetzt wieder Fleisch.

Mattes: Weil McDonald es nicht schafft vernünftige vegetarische Burger anzubieten.

Ich habe einige Interviews gelesen, in denen Mattes sagte, dass er Lust hätte, sich für Nacktfotos auszuziehen. Könntest du dir vorstellen, sowas auch für eine Tierschutzorganisation wie P.E.T.A. zu machen, so wie THUMB und Thomas D. das bereits gemacht haben?

Hauke: Du meinst so wie meine Freundin Naomi Campbell? Ich finde das gut, wenn Mattes sich auszieht. Ich seh´ das immer wieder gern.

Ja, aber nervt das die anderen in der Band nicht, wenn Mattes in den Medien meist im Vordergrund steht? Und wie empfindet er das selbst?

Mattes: Also ich finde das absolut gerechtfertigt. Ich bin eben DER Frontmann in der Band, der Singer & Songwriter, der Checker, Macher und Motivator.

Hauke: He´s our man, verstehst du?

Habt ihr euch schon überlegt, was ihr nach den CELLOPHANE SUCKERS so machen werdet?

Hauke: Irgendwann eine Reunion. Aber ich mache wohl erstmal wieder Blues, wie damals, als ich jung war im Mississippi-Delta. Waren harte Zeiten damals, auf den Baumwollfeldern.

Jaja, damals, bei Onkel Tom in der Hütte...

Hauke: Jaja, früher, als wir noch schwarz waren...

Kommt ihr euch manchmal blöd vor, wenn ihr euch mit den BACKSTREET BOYS oder BLÜMCHEN die Bühne teilt?

Hauke: Nee, das sind ja alles gute Freunde. BLÜMCHEN speziell ist echt ´ne geile Sau.

Interessant! Sie hat neulich nämlich das gleiche über euch gesagt.

Mattes: Wir werden demnächst zusammen eine Split-Platte machen. Das ist unser aktuelles Projekt.

Wie sah für euch ein typischer Tag vor zwei Jahren aus, wie heute, und was hat sich verändert?

Hauke: Wenn man wie wir im Rock´n´Roll-Business ist, dann verändert sich ´ne Menge. Vor zwei Jahren waren drei-, vierhundert Leute auf den Konzerten, heute sind es riesige Hallen. Jeden Tag Berge von Koks, halbnackte Frauen im Backstageraum - ihr kennt das ja, Rock´n´Roll halt.

Mattes: Vor zwei Jahren musste ich noch jeden Tag ´ne Stunde Gitarre üben, jetzt habe ich jemanden, der das für mich macht, das ist der Unterschied. Da musste ich sogar noch mein Saiten selber aufziehen!

Und heute werden andere Saiten aufgezogen... Aber beschreibt mal euren Tagesablauf heute?

Hauke: Wir stehen so zwischen elf und zwölf auf, dann gibt es ein Sekt/Koks-Frühstück...

Mattes: ...die Zeitung wird ans Bett gebracht...

Welche?

Mattes: Natürlich die Fernsehzeitung!

Hauke: Unbedingt TV Spielfilm, die haben immer so geile Titelbilder. Irgendwann holt uns dann unsere Stretchlimo ab, so eine wie ihr auch habt übrigens, und dann kommt im Studio unser Labelboss Tom vorbei und nervt rum, aber du kennst ihn ja. Der taucht immer mit so Schlägertypen auf, Koffer voller Geld wechseln den Besitzer, naja, Business eben.

Erstaunlich! Man sieht ja von Bands immer nur diese Hochglanzbilder, alles nett und glatt und poliert, aber was da im Hintergrund abgeht, dass da richtig Arbeit dahintersteckt, das sieht keiner.

Hauke: Ganz genau! Die andere Seite der Medaille kennt da draussen kein Mensch, das ist ein richtiger Sumpf.

Mattes: So gegen fünf holt uns dann der Heli ab, wir fliegen eben zu einem Konzert oder zum Abendessen, und so geht das jeden Tag. Ein harter Job.

Seht ihr eure alten Freunde noch oft?

Mattes: Nee, wir haben jetzt neue. Leute wie dich.

Wenn wir schon beim Persönlichen sind: Wie verkraften es eure Partner, dass ihr so viel unterwegs seid und ständig im Mittelpunkt steht?

Hauke: Welche Partner? Nein, über solche Dinge will ich jetzt echt nicht reden.

Mal was ganz anderes: Ihr geltet ja als sehr sportliche Band, andererseits sieht es im Video nicht gerade so aus, als ob ihr wirklich snowboarden könntet.

Hauke: Hm, ein heikles Thema. Drücken wir es so aus: unser Ding sind eher die Sportarten, die besser zu unserer sozialen Stellung passen, also etwa Squash, Tennis, Polo oder Golf.

Golf finde ich gut. Ich hatte mal so ´nen Golf I, Baujahr ´83. Der hatte 220.000 Kilometer, als ich ihn noch für 500 Mark verkauft habe. Danach hatte ich dann ´nen Polo, der war auch nicht übel. Aber klar, kein Vergleich zu dem Cadillac hier.

Mattes: Ich habe übrigens ein neues Auto, ´nen BMW: breite Reifen, tiefer, dunkle Scheiben, der geht ziemlich ab.

Hauke: Bevor wir vom Thema abkommen: wir sind schon alle ziemliche Sportlertypen.

Mattes: Markus und ich haben ein Dauer-Abo im Fitness-Studio. Und es kommt da schon mal vor, dass wir eine ganze Woche auf der Sonnenbank liegen. Naja, mann muss eben was dafür tun, jugendlich und fit auszusehen.

Hauke: Wobei ich ja weniger aktiv Sport treibe als vielmehr die PlayStation-Variante bevorzuge. Das kann man nämlich auch vom Bett aus spielen.

Danke, das war´s. Ich möchte mich ganz herzlich bei euch bedanken, dass ihr so bereitwillig Auskunft gegeben habt.

Hauke: Danke. Und du weisst ja: wir machen das nicht für jeden.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #36 (III 1999)

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