FORSTELLA FORD

Schrei, Emo, schrei!

FORSTELLA FORD aus Milwaukee, Wisconsin ist eine Band, die für mich im Moment am Hardcore-Himmel ganz weit oben steht. Die Musik lässt sich dabei nur schwer in Worte fassen: zwischen übelsten Screamo-Ausbrüchen werden minutenlange, atmosphärische fast emomäßige Passagen eingebaut, die dann gleich wieder zerhackt werden. Der Gesang variiert ebenso zwischen Emo und Screamo, doch irgendwie wird das Ganze dann zu einem wunderbaren Gesamtwerk zusammengepuzzelt, dass ohne „Mr. Spock-Frisuren“ auskommt und absolut authentisch ist. Die neue Platte hingegen ist wesentlich ruhiger ausgefallen - noch ein Grund, mal ein Interview zu führen.

Ihr seid gerade von der Europatour zurück, wie hat es euch denn gefallen und habt ihr irgendwelche Geschichten zu erzählen?

Wir hatten eine erstaunliche Zeit, was uns richtig freut, weil wir am Anfang überhaupt nicht wussten, was uns erwartet. Alle waren ziemlich freundlich zu uns, und es war ein großer Unterschied zu einer US-Tour. Bei jeder Show wurde lecker für uns gekocht, was drüben nur total selten der Fall ist. Außerdem kamen insgesamt mehr Leute zu den Gigs. Besondere Geschichten habe ich eigentlich keine zu erzählen, wir hatten generell viele tolle Erlebnisse. In Frankreich hat unser Bus leider den Geist aufgegeben und wir mussten da drei Tage rumhängen und zwei Konzerte in Spanien absagen. Auf der anderen Seite haben wir dadurch sehr nette Leute kennen gelernt.

Sagt mal kurz was zu der Bandgeschichte und den Veröffentlichungen.

Wir haben 1996 unter dem Namen ONLY AIRPLANES COUNT angefangen und haben mehr so dieses Indie-Rock-Emo-Ding gemacht. Unter diesem Namen haben wir nur vier Sachen rausgebracht: Zwei Compilation-CDs, eine Split-7“ mit STILLWELL und eine eigene 7“. Nachdem ein Gitarrist die Band verließ und wir einige musikalische Veränderungen durchgemacht hatten, entschieden wir uns den Bandnamen zu ändern. So wurden wir 1998 zu FORSTELLA FORD. Danach waren wir viel auf Tour und haben auch mehr Platten gemacht. Von FORSTELLA FORD gibt es bis jetzt drei CDs bzw. LPs, eine 7“, eine Split 7“ mit THE ASSISTENT, eine Split-LP mit LIFE DETECTING COFFINS und eine CD/LP, die nur in Europa von Flowerviolence Records gepresst wird und überarbeiteten Versionen von den Singles und der Split-LP enthält.

Wie seid ihr denn zu Flowerviolence Records gekommen?

Unser Drummer Whitney wohnt mit einem Typen zusammen, der Dave heißt und bei der Band SEVEN DAYS OF SAMSARA mitspielt. Die wiederum haben mit Ralf von Flowerviolence wegen einer Europatour gesprochen und uns gefragt, ob wir nicht mitkommen wollen, was wir natürlich total cool fanden. Dann klappte das bei denen halt irgendwie nicht mit der Tour und deshalb fragten wir Ralf, ob er auch mit uns alleine die Tour machen würde, was er ja dann gemacht hat. Also haben wir die Kleinigkeiten ausgearbeitet und er sagte, dass er gerne eine Platte von uns herausbringen würde. Wir haben uns dann für eine Art Diskographie mit alten Sachen von uns entschieden, die es nicht mehr gibt oder die nur schwer zu bekommen sind. Außerdem sollte die Platte nur in Europa rauskommen, weil man die Split-7“ und die Split-LP in den Staaten noch bekommt.

Wie würdest du eure Musik bezeichnen? Seid ihr Teil der Screamo-Bewegung oder woher kommen die Einflüsse?

Jeder, der mehr als ein oder zwei Platten von uns gehört hat, weiß, dass wir immer stilistische Veränderungen in unseren Songs haben. Wir erweitern ständig unseren musikalischen Horizont und damit auch unseren Musikgeschmack, was sich natürlich in unserer Musik wiederspiegelt. Ich glaube, wir haben uns nie als Teil der Screamo-Szene gesehen. Wir sind auch deswegen ein bisschen genervt, weil die Plattenfirmen, wo wir Sachen rausgebracht haben, jede Menge Screamo-Zeug machen, aber wir haben nie dieses ‚Haare schwarz färben‘- und ‚55 Sekunden-Songs spielen‘-Ding mitgemacht. Die einzige Inspiration, die wir haben, ist Musik zu machen, die uns gefällt. Einige Leute finden das natürlich überhaupt nicht toll und haben dann kein Interesse mehr an uns, wenn wir die Musik etwas verändern. Auf der anderen Seite bekommen wir dadurch aber auch andere Hörer. Wir entwickeln uns halt weiter und manchmal entwickeln sich die Leute mit uns, manchmal aber auch nicht.

Gibt es eine sogenannte Screamoscene in den Staaten, oder war das nur ein Trend? Was ist im Moment „in“ und gibt es Unterschiede zu Europa?

Europa ist hinsichtlich Screamo ein wenig hinterher. Bei uns löste sich die Szene vor ein oder zwei Jahren auf. Ich habe das nie so genau verfolgt, aber ich weiß noch, dass, als wir die US-Tour im Sommer 2000 machten, jede Band genau wie ORCHID oder REVERSAL OF MAN geklungen hat, was sie jetzt halt nicht mehr tun. Im Moment hören viele von den Kids wieder aufgewärmte New-Wave-Musik wie THE FAINT oder elektronische Musik. Viele von den großen Screamo-Bands haben sich ja aufgelöst, und jetzt wissen die Kids halt nicht so genau, was gerade cool ist.

Ich glaube eure Website ist mit eine der aktuellsten. Wie steht ihr zu diesem neuen Medium?

Wir mögen das Internet total. Es hält die Punk/Hardcore-Szene zusammen und in Kontakt. Ohne E-Mail wäre es viel schwieriger, mit Freunden in anderen Ländern, oder sogar dem eigenen Land zu kommunizieren. Wir nutzen unsere Website dafür, mit Leuten, die wir getroffen haben, in Kontakt zu bleiben, Konzerte zu veranstalten und über Konzerte von uns zu berichten.