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Interviews & Artikel

GO FASTER NUNS

Nach zwei Singles haben THE GO FASTER NUNS mit "Teenage Love Beats" ein formidables Debüt-Album vorgelegt, welches die vier Jungs aus Bamberg und Kulmbach spielend auf einen der vorderen Plätze der deutschen Gitarrenpunkrock-Riege katapultiert. Was sie auf ihrer Platte entfachen, wird live zum Feuerwerk. Da das Ox bekannt dafür ist, dass die Rockstars von morgen schon heute bei uns auf der Interview-Couch sitzen, wurde es also höchste Zeit, den Sänger und Bandgründer D.D. Windisch auf einen kleinen Plausch zu mir nach Hause einzuladen. Zu kühlem Bier und frischgebackenen Brezeln wurden die folgenden Fragen serviert...

Mit eurer ersten Platte seid ihr bei Superrock Records, dem Sublabel des Weserlabels, gelandet. War nicht vorher sogar mal ein Majordeal mit Sony im Gespräch?


Ja, das ist eine lustige Geschichte. Durch unser Demo ist Anthony auf uns aufmerksam geworden, der damals das Label von TURBONEGRO machte. Als die sich allerdings aufgelöst haben, hatte er keinen Bock mehr das Label weiterzumachen, weil er so viel in den Aufbau von TURBONEGRO investiert und fast nichts herausgeholt hatte. Später ist er als A&R Manager zu Sony/Columbia gegangen und hatte uns wohl noch im Hinterkopf. In irgend so einer Konferenz hat er denen auch unser Demo vorgespielt und wir wurden ins Sony-Hauptquartier eingeladen. Das war schon strange. Überall Security und wir durften nur mit Ausweisen, die wir am Eingang bekommen hatten, in die einzelnen Etagen. An den Wänden hingen lauter Gold- und Platinscheiben und dann wurden wir sogar dem Boss von Columbia vorgestellt. Aber wir hatten uns damals gedacht, dass wir einfach noch nicht so weit sind. Wir waren zu diesem Zeitpunkt völlig auf uns alleingestellt, hatten keinen Manager und praktisch kaum Erfahrung. Wir waren dann auf deren Kosten noch ein paar Mal essen, aber als die geschäftlichen Gespräche anfingen, stellte sich sehr schnell heraus, dass die unseren Stil ändern wollten. Die wollten uns nicht als die Band, die wir zu diesem Zeitpunkt waren, sondern auch Einfluss auf unser Songwriting nehmen. Die haben uns gefragt, ob wir uns auch vorstellen könnten, mit elektronischen Beats zu arbeiten und solche Scherze. Wir haben dann den Kontakt jedenfalls relativ schnell abgebrochen, denn das war einfach nicht unser Ding und auch alles viel zu früh. Wahrscheinlich wären wir dann als Band heute auch überhaupt nicht mehr zusammen.

Musikalisch seid ihr ja gar nicht mal so leicht einzuordnen. Vom skandinavischen Rock beeinflusst, aber ohne den Hardrock-Einschlag, Garage, aber ohne 60er-Referenzen. Eher vielleicht schneller Gitarrenpunk, aber auch mit diesem melancholischen Touch wie man ihn von Bands wie DINOSAUR JR. oder diversen frühen City Slang-Bands kennt. Wie siehst du das?

Im Prinzip ist das schon korrekt. Den Skandinavien-Einfluss würde ich aber nicht so sehen. Wir sind halt eher von alten Punkbands beeinflusst: MISFITS, RAMONES, BLACK FLAG. Das ganze Skandinavien-Zeug ist mir eigentlich erst vor zwei oder drei Jahren aufgefallen. Ich finde die meisten Bands schon gut, aber würde sie nicht als Einfluss bezeichnen, DINOSAUR JR. hingegen schon. Das war eine der ersten Bands, die ich damals gehört hatte und auch total gut fand. MOTÖRHEAD würde ich auf jeden Fall auch noch mit einbeziehen. Grundsätzlich hört aber jeder von uns verschiedene Musikrichtungen. Grob gesagt, hören wir zwar alle Punkrock, aber eben differenzierten Punkrock, und T. van Guzyfer hört auch Jazz-Sachen. Und durch diese unterschiedlichen Einflüsse entsteht eben unser Sound, der halt auch mal poppig oder melancholisch ist.

Dabei fällt mir auch auf, dass ihr euch textlich ebenfalls nicht unbedingt mit typischen Rock´n´Roll-Themen beschäftigt, sondern oftmals in die eher verzweifelte und traurige Kiste greift, gebrochene Herzen, etc. Wie kommt man als Punkrocker zu so etwas?

Schwierige Frage. Die Texte schreibe ich alleine, aber das stimmt. Besonders bei dieser Platte stehen die melancholischen Texte über Liebe usw. schon stark im Vordergrund. Das war ganz einfach eine Zeit, zu der ich mich nicht besonders gut gefühlt habe. Die Texte habe ich dann so runtergeschrieben, dabei aber nicht unbedingt daran gedacht, dass damit ein Plattendeal zustande kommt und die Sachen veröffentlicht werden. Dieses Thema ist mittlerweile eigentlich abgehakt, denn eine ganze Platte voller "Teenage Love Beats" reicht. Auf der nächsten Platte wird das alles ein bisschen anders.

Letzten Herbst hattet ihr ja eure erste richtige Tour. Wie war es denn, zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum zusammen zu touren?

Das war schon klasse, eine ganz neue Erfahrung. Man ist halt jeden Tag zusammen und kann fast nichts alleine machen. Das hat ziemlich den Zusammenhalt bei uns gefördert. Jeder von uns Vieren musste ein wenig seine Ego-Trips einschränken, aber das hat gut funktioniert. Es hätten zwar ab und zu etwas mehr Leute kommen können, aber es ist halt schwer für uns, als recht unbekannte Band zu touren. Aber das hatten wir im Vorfeld bereits gewusst. Um sich sein Publikum zu erspielen, braucht man halt Jahre. Das schafft man nicht mit ein oder zwei Touren. Zweimal hat uns die Polizei angehalten, dass heißt von Betty Pregnant und Mr. Spaceboy sind jetzt die Führerscheine weg.

Privat bist du ja eher ein ruhiger, zurückhaltender Mensch, auf der Bühne aber das krasse Gegenteil. Ein klassischer Fall von Schizophrenie?

Es scheint so. Das haben mir schon mehrere Leute gesagt und das macht mir mit der Zeit auch ziemlich viel Angst. Es ist halt so. Wenn ich die Band nicht hätte, müsste ich wohl zum Psychiater gehen, so rette ich das immer durch die Live-Shows. Dort kann ich ausrasten und machen, was ich will, aber es nimmt schon ganz komische Züge an. Ich hoffe, es wird nicht schlimmer, denn ich habe es ganz gut unter Kontrolle.

Trägst du deshalb immer eine Maske auf der Bühne?

Nein, die Maske, die war irgendwann mal da und ist geblieben. Ich fand es schon immer interessant, wenn Bands, die gute Musik machen, auch optisch etwas zu bieten haben. In der heutigen Zeit, wo so viele Bands unterwegs sind, muss man eben etwas haben, womit man aus der Masse heraussticht. Da ist ja nicht nur meine Maske, sondern T. van Guzyfer hat seine Zöpfchen und seinen Mini-Rock, Mr. Spaceboy seinen Anzug und Betty Pregnant spielt meistens nur im Slip. Es hat also nichts damit zu tun, dass ich mich hinter der Maske verstecken will oder so etwas. Es würde genauso auch ohne gehen.

Generell muss ich euch das Kompliment machen, dass ihr eine ausgezeichnete Liveband seid und besonders auf der Bühne eine ungemeine Energie und Druck erzeugt. Kann man so etwas planen oder ergibt sich das während des Auftritts?

Das ergibt sich auf jeden Fall während des Auftritts. Es passieren auch immer wieder so ganz spontane Sachen. Wenn ich jetzt ins Publikum springe, dann ist das nicht geplant, sondern entsteht ganz einfach aus der ganzen Emotion heraus. Wenn das Publikum abgeht und wir auf der Bühne auch, dann ist da auf einmal so viel Energie, die irgendwie raus muß. Auch die Sache mit dem Zertrümmern von Mikroständern oder Mr. Spaceboy, der seinen einzigen Bass, den er hatte, zwei Tage, bevor wir auf Tour gegangen sind, kaputtgehauen hat. So etwas ist nicht geplant. Das würde auch das Publikum merken, wenn es nicht echt wäre, sondern nur Show. Dieser Druck muss bei uns einfach raus und nach dem Auftritt ist die ganze Band dann auch meistens total k.o. Wir brauchen immer mindestens eine halbe Stunde, um überhaupt wieder einigermaßen runterzukommen. Ich kann z.B. nach einem Konzert nicht direkt mit Betty Pregnant sprechen. Der würde mir wahrscheinlich eine reinhauen, obwohl wir gute Freunde sind.

Aber das mit dem Mikroständer zertrümmern machst du doch fast bei jeder Show?

Nein, mittlerweile passiert das nicht mehr bei jeder Show. Das wäre auf Dauer auch viel zu teuer, so viel Geld habe ich gar nicht. Aber manchmal ist es eben der perfekte Abschluss einer Show und dann muss das Ding eben zertrümmert werden.

Gab es eigentlich schon einmal Verletzungen auf der Bühne während einem eurer Auftritte?

Oh ja! Eine schwere Verletzung von Betty Pregnant. Da ist Mr. Spaceboy am Ende des Gigs total ausgerastet. Nicht vor Wut, sondern eher vor Freude. Da hat er seinen Bass in Richtung Schlagzeug geworfen. Betty wollte sich gerade umdrehen, weil die Show eigentlich zu Ende war und der Bass hat ihn genau am Hinterkopf getroffen und eine riesige, klaffende Wunde verursacht. Betty war unter Schock, die ganzen Leute wussten überhaupt nicht, was los war, und wir mussten dann halt ins Krankenhaus und die Wunde nähen lassen. Ansonsten gab es bisher aber nur so kleinere Sachen, wie dass ich mir nach irgendwelchen Sprüngen die Füße verdreht habe. Vielleicht haben wir einen besonderen Schutzengel, aber es ist noch nie etwas wirklich Schlimmes passiert.

Ihr habt ja auch schon unzählige Support-Shows mit teils recht namhaften Bands hinter euch. Was waren denn dabei die beeindruckendsten?

Für mich persönlich die NEW BOMB TURKS. Ich hatte die vorher noch nicht live gesehen, nur davon gehört, dass sie eine verdammt gute Liveband sein sollen. Und das war auch wirklich so. Der Sänger ist der absolute Wahnsinn und so viel Energie habe ich noch bei keiner anderen Band gesehen. Vom menschlichen her waren SNUFF oder auch die TURBO A.C.´s total nett.

Hat es dabei auch mal Reaktionen im Sinne von Lob oder Tadel von den anderen Bands auf eure Musik gegeben?

Ja, der Sänger von LEATHERFACE kam nach unserem Auftritt als Support zu uns und meinte: Hey Guys, if you ever stop playing Rock´n´Roll, I´ll kill you! Da dachte ich, ich bin im siebenten Himmel.

Ihr seid ja alle aus Franken. Welche Bands aus der Region findet Ihr denn besonders empfehlenswert?

Wir haben jetzt des öfteren mit den ABANDONED SOULS gespielt. Das ist eine noch sehr junge Band aus Bamberg, alle erst so 18 Jahre alt, spielen aber sehr guten Old-School-Hardcore. BACKSTREET NOISE aus Coburg sind auch supernett. Dann natürlich noch die NEW WAVE HOOKERS, deren Bassist ja auch zusammen mit Mr. Spaceboy den Plattenladen Rex Melodica betreibt. Außerdem die CRAZY CANDYDATES und die SUBZERO TOPDOGS. Ach ja, und aus Nürnberg 16 HELLVENTILER, die im Frühjahr eine Single bei einer großen Firma veröffentlichen. Die sollte man auch auf jeden Fall antesten.

Herr Windisch, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Thomas Hähnel

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #46 (März/April/Mai 2002)

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