Interviews & Artikel : HAWAIIANS :: ox-fanzine.de

Das aktuelle Ox

Unsere Aboprämie

Wer das Ox bis zum 01.05.2019 neu abonniert, erhält auf Wunsch einen Satz (mind. 5 Stück) limitierte Flexi-Discs von Pirates Press als Prämie.U.a. von TERRITORIES, THIS MEANS WAR!, THE FILAMENTS, BAR STOOL PREACHERS oder DEE CRACKS. (Solange Vorrat reicht.) (Bitte im Feld "Nachricht" angeben + Namen des Prämienempfängers)

 

Abo gegen Tasche!

Wer das Ox neu abonniert, wer ein Abo verschenkt oder als Ox-Abonnent einen neuen Abonnenten wirbt, der bekommt von uns die Ox-Tasche (fair gehandelte Bio-Qualität) geschenkt!

 

California über alles

"California über alles - Dead Kennedys Wie alles begann" ist das erste umfassende Buch über die DEAD KENNEDYS. Es konzentriert sich auf die Gründungs­phase der Band in der Szene von San Francisco bis zum Erscheinen des ersten Albums "Fresh Fruit For Rotting Vegetables". Autor Alex Ogg sprach dafür mit vielen Zeitzeugen.

 

Kochen ohne Knochen

Das Ox-Kochbuch 5 & Kochen Ohne Knochen #23

Kochen ohne Knochen - Das Ox-Kochbuch 5: Über 200 rein pflanzliche Rezepte für Beginner und Könner, für Veganer, Vegetarier und Allesesser, von simpel bis anspruchsvoll. Von Punks, nicht nur für Punks.
Dazu jede Menge Merchandise rund ums Kochbuch: Küchenmesser, Profimesser, Hand- und Geschirrtuch, Küchenschürze, Stofftasche, Sparschäler, Frühstücksbrettchen, Pfannenwender, Buttons, ...

Kochen ohne Knochen #23: Die neue Ausgabe des veganen Magazins ist jetzt im Handel und bei uns erhältlich.

 

Interviews & Artikel

HAWAIIANS

Lange, verdammt lange ist es her, dass meine Phonoanlage so strapaziert wurde! Mittlerweile ist es vielmehr oft sehr still in meinem Studierzimmer geworden, das mir zugleich als Ruhe- und Entspannungsraum dient.

Zugegeben, zur Weihnachtszeit habe ich natürlich schon die eine oder andere Langspielplatte mit festlicher Musik aufgelegt, und auch während des Jahres stimme ich mich Sonntagmorgens gern mit beschwingten Rhythmen eines Bert Kaempfert oder auch eines Herb Alpert auf das Spazierengehen ein.

Meistens jedoch habe ich es einfach gerne ruhig, starre an die kahle Wand und warte auf die nächste Mahlzeit.

Das war früher anders. Ich war noch jung, die Welt war noch aufregend, hatte ihre Geheimnisse noch nicht preisgegeben und ich habe den ganzen Tag wie ein Blöder Punkrock gehört. RAMONES, NEW BOMB TURKS und später dann die QUEERS mit ihrem epochalen Bubblegum-Meilenstein "Lovesongs for the Retarded". Ich hatte die Platte zwar gar nicht, aber ich hab´ sie mir einfach immer ausgeliehen, vom Frank. Der wohnt jetzt nebenan und hört immer noch den ganzen Tag Musik.

Es ist ja nicht so, als ob ich in der zurückliegenden Zeit nicht versucht hätte, mich für verschiedene neue Platten wieder so richtig zu begeistern. Immer wieder habe ich es versucht, auch gerade was den Pop-Punk angeht. Eine Platte aber, die ich wie die QUEERS-Scheiben, die erste CHIXDIGGIT, die "World Contact Day" der GHOULIES und ein paar andere so richtig kurz und klein gehört hätte, war jedoch einfach nicht dabei. Kleine Glanzlichter waren zwar in den letzten zwei, drei Jahren für mich die erste WANNA BE´S-Single und auch die der spanischen BUDWEISERS, aber das waren halt nur Singles.

Und nach all dem Warten auf so ein Ding, das man auch zehnmal hintereinander hören kann, kommt es tatsächlich angeflogen! Und zwar nicht aus Amerika, sondern aus einer Richtung, in die nie einer freiwillig guckt: die nordwestdeutsche Provinz!!! Mich traf es nicht gar so überraschend, da ich die HAWAIIANS – um die Verursacher dieses Hypes hier endlich mal zu nennen – bereits zuvor mal live gesehen habe und auch ihre ersten Aufnahmen kannte. Das, was mir als unscheinbare Kassette nun aber kürzlich in die Hände fiel und nichts anderes als das offizielle zweite Demo der HAWAIIANS ist, übertraf sogar noch meine hochgesteckten Erwartungen. Die Jungens – gleich mehr zu denen – haben alles richtig gemacht! 17 Songs haben sie auf ihr Demo gepackt, und wenn ich daran denke, dass das hier nur ein Demo ist und es mit dem ganzen Durchschnittsschrott vergleiche, der Tag für Tag vieltausendfach auf CD geschweißt und in die Läden gestellt wird, dann kommen mir die Tränen.

Es gibt im Moment gerade auch in Europa ja so einige Bands im Pop-Punk-Sektor, die verdammt aktiv und auch ganz okay sind. Aber, hey!, die hier, die können auch singen!!! Die haben nicht nur astreine Songs, nein, die singen die auch vernünftig! Damit wir uns hier richtig verstehen, die HAWAIIANS haben weder das Schießpulver noch den Pop-Punk neu erfunden. Im Gegenteil, sie sind sogar alles andere als irgendwie originell, sondern kupfern gnadenlos bei den QUEERS und den GHOULIES ab, dass die Schwarte nur so scheppert! Aber – verdammt noch mal! – es hört sich einfach super an! Lange habe ich nicht mehr einen so simplen und doch genialen Tralala-Pop-Punk gehört – wahrscheinlich genau so lange nicht mehr, wie ich die schon erwähnte "Love Songs for the Retarded" nicht mehr aufgelegt habe. Das brauche ich jetzt aber auch nicht mehr, denn das "Why Every Teenager Loves R´n´R" betitelte Demo der HAWAIIANS ist noch besser, da es zu den QUEERS noch das Beste von den GROOVIE GHOULIES packt. Wer jetzt empört den Kopf schüttelt und meint, ich übertreibe, der hat natürlich Recht.

Wenn "Be true to your girl", "Love Love Love", "Judys on the stars" und wie sie alle heißen, nicht allerallerbester Teenager-Bubblegum ist, dann will ich nicht mehr der sein, der ich mal war. Dieses Demo muss einfach die Pop-Punk-Platte des kommenden Sommers werden. Sie soll auf einem gescheiten Label erscheinen, natürlich auch auf anständigem Vinyl und mit einem schönen knallbunten Cover! Wenn es dagegen tatsächlich passieren sollte, dass mal wieder alle Label-Spacken zu beschmiert sind, die Größe dieser Songs zu erkennen und sie tatsächlich nicht veröffentlicht werden, dann bring ich die Platte halt in 20 Jahren, wenn ich mal richtig Geld habe, selbst heraus, stell mir eine ins Regal, lass die anderen 999 im Keller vollstauben und warte noch mal 20 Jahre, bis irgendein verrückter Plattensammler der Zukunft sie mir alle abkauft und ich als alter Sack noch mal in die Zeitung komme, als großer, missverstandener Pop-Punk-Visionär. Die HAWAIIANS selbst wollen damit dann natürlich nichts mehr zu tun haben, wollen sie wahrscheinlich schon in einem Jahr nicht mehr, wenn sie sich wie alle jungen "Musiker" weiterentwickelt haben und irgendeinen Mist fabrizieren. Das ist einfach so! Ist ein Naturgesetz. Oder doch nicht? Ich kann sie ja mal fragen!

Entwickelt ihr euch demnächst auch weiter und macht scheiß Musik? Emo, oder so?

Nee, auf gar keinen Fall!! Außerdem müssten dann Beppo und Juke mehr Akkorde lernen als die fünf, die sie schon können, und die sie sind ja sowat von doof: dat kriegen die nie auf die Reihe. Nee, mal im Ernst, wir sind nur drei und wollen das auch bleiben, und was soll man da schon machen außer Punk´n´Roll?! Was wir vielleicht mal machen wollen, ist Volksmusik oder Death-Hardcore-Speed-Metal und das alles auf einer CD und rückwärts und ohne Strom, auf Kassette und mit Kopfhörer und vom Dreier am Strand inner Badewanne, die von einem Hochhaus fällt und mit Tina Turner...

Erzähl doch mal die Bandgeschichte! Aber nicht so´n ausgedachten Scheiß für´s Bandinfo, sondern so langweilig, wie´s wirklich war.

Ganz kackenernst und kurz gesagt, dass auch ihr Ruhrpottkanacken das versteht, war es so, dass Beppo gehört hat, dass ich, der Paul, einen Proberaum habe, in dem ein PC steht mit einem Studio-Programm drauf. Er fragte mich, ob er mit einem Freund was aufnehmen könne und kam dann auch am nächsten Wochenende vorbei. Wer allerdings nicht da war, war sein Freund, und so musste ich, der bereits in einer anderen Band Schlachzeuch gespielt hatte, die Lieder mit ihm aufnehmen. Die Lieder quälten mich daraufhin die nächsten drei Tage und Nächte, weil sie mir überhaupt nicht mehr aus dem Kopf gehen wollten. Ich beschloss also, den Beppo anzurufen und ihn zu fragen, ob er nicht auf den Freund scheissen und mit mir die HAWAIIANS gründen wolle. Weil ihn diese Sache auch schon tagelang beschäftigt hatte, stimmte er sofort zu. Den Bass-Part übernahm dann mein einziger Freund Juke, der das auch schon in meiner vorherigen Band gemacht hatte und super kann. So gründeten sich im Dezember 2000 die HAWAIIANS.

Ihr seid ja noch ziemlich jung. Stimmt es, wie man so sagt, dass junge Leute wie ihr den ganzen Tag nur an´s Wichsen denken?

Also der Beppo ist der älteste und darf deshalb auch am meisten singen, außerdem hat er die Gitarre mit den meisten Saiten. Er ist 21 und auch schon seit zwei Jahren verheiratet. Apropos wichsen: Ja dat stimmt schon. Der Beppo, der Juke und ich, wir sind die wichsichsten Menschen auf der ganzen Welt. Wir machen den ganzen Tag lang super lustige Wichse, über die außer uns keiner lacht. Ich, der Paul, bin mit 20 der zweitälteste und darf deshalb am zweitmeisten singen und Schlachzeuch spielen. Ich hab´ auch ´ne Freundin, mit der ich schon eineinhalb Jahre lang zusammen wohne. Bleibt noch der Juke. Der ist 19 und hat im Moment keine Else. Was der so den ganzen Tag macht, weiß ich nicht. Außerdem sagt er immer, der Muskelkater käme vom Bass spielen, weil die beiden anderen Sachen ja schon besetzt waren.

Habt ihr einen schönen Proberaum?

Jau, den haben wir wohl. Und das nur wegen den super-toleranten Eltern meiner Freundin, die, seitdem ich mit ihrer Tochter zusammen bin – vier Jahre–, echt oft Krach zu hören kriegen, da Schlachzeuch ja nicht gerade zu den leisesten Instrumenten zählt. Trotzdem haben sie es immer ausgehalten, und wir dürfen hier – im Wohnzimmer der Eltern – immer noch proben. An dieser Stelle ein riesen Dankeschön. Doch so schön der Raum auch ist, so alt ist auch unser Zeug, daher sieht es hier noch rock´n´rolliger aus als bei den Rolling Stones.

Ihr kupfert ja mächtig bei den QUEERS ab. Ist das eure Lieblingsband?

Nee, das ist ein Irrtum. Die gucken ja bei uns ab, genau wie die RAMONES. Ich sach dir eins, wenn ich den Sänger von denen zu fassen kriege, dann haue ich den tot. Nein, die QUEERS sind eine unserer Lieblingsbands, weil die echt supergeil sind. Und wenn man so viel Musik hört wie wir, dann entwickelt man automatisch ein Gefühl, wann einem ein Lied gefällt und wann nicht. Irgendwie gleichen sich die Stile der Bands dann halt an. Ist doch auch egal, Hauptsache hört sich gut an.

Genau das, was ich immer sage! Ihr mischt ja mittlerweile ein gutes Schippchen R´n´R in euren Pop-Punk.

Ja, auf jeden Fall!!! Wir glauben, das ist gerade das, was vielen an uns am besten gefällt, denn wir kriegen immer wieder zu hören: Ja eigentlich höre ich solche Musik ja nicht, aber euch finde ich total gut! Und solange unsere Eltern unsere Musik genauso mögen, wie die Kids dazu abgehen, ist doch alles super.

Wer´s glaubt, wird selig! Seid ihr eigentlich ELVIS-Fans?

Ja klar, wir spielen auch bei jedem Konzert einen seiner Songs! Unser Lieblingsfilm sowie -album ist natürlich "Aloha from Hawaii".

Euer Hawaiihemden-Outfit ist ja nicht besonders originell. Ist das nicht von den SENTIMENTS geklaut?

Ich wüsste nicht, zu wem das besser passen würde als zu einer Band mit dem Namen HAWAIIANS. Dass die SENTIMENTS auch Hawaiihemden tragen, liegt an ihrem Gründer und alleinigem Songschreiber, und das ist – du wirst es nicht glauben – unser Beppo, denn der hatte die Idee, damit anzufangen.

Apropos Sentiments: Wie steht ihr zu den anderen Emsländer Bands?

Erst einmal kommen wir gar nicht aus dem vollgekackten Emsland. Wir kommen aus Westerkappeln, und das liegt nicht im Emsland. Und die SENTIMENTS kommen auch nicht aus dem Emsland.

Apropos Emsland: Kommt ihr eigentlich aus dem Emsland?

Nein, verdammte Scheisse noch mal!

Mein Lieblingslied von eurem Demo ist "Be true to your girl". Wie findet ihr das?

Das Lied finden wir natürlich gut, hätten wir ja sonst nicht aufgenommen. Ich hätte allerdings bei dir eher darauf getippt, dass du eines der rock´n´rolligeren Lieder wie "Hubble Bubble", "Do the Rat", "Baby let us rock tonight" oder "Hully Gully" gut findest. "Be true to your girl" zählt ja eher zu den traurigeren Liedern wie "Love Love Love" und "Judy´s on the stars". Die anderen Lieder von unserer neuen CD sind ja mehr so GROOVIE GHOULIES-mäßig und handeln von "2-headed girlfriends" und "Mad Robots" und wie sie alle heißen...

Wer ist euer Lieblings-Ramone?

Beppo: Johnny!
Paul: Joey.
Juke: Dee Dee.

Stefan Moutty

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #46 (März/April/Mai 2002)

Verwandte Links

Interviews

 

Reviews

Suche

Ox präsentiert

NO FUN AT ALL

NO FUN AT ALL, gegründet 1991 in Schweden, sind wieder im Auftrag des schnellen, melodischen Hardcore/ Punk unterwegs. Neben MILLENCOLIN und SATANIC Surfers zählen sie zu den größten Acts der schwedischen Skatepunk- und Melodycore-Szene. Im April ... mehr