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Interviews & Artikel

ALEC EMPIRE

Da lag ich ja mal dezent daneben. Sieht man ALEC EMPIRE auf der Bühne oder hört man seine Platten (solo oder zusammen mit ATARI TEENAGE RIOT) drängt sich der Verdacht auf, dass der Mann natürlich eine sehr nach vorn gehende, treibende, aufpeitschende Person ist. Riot sounds from riot people! Da gibt es Interviews, in denen er davon spricht, dass er doch ein Art „soziale Maske“ trägt, die sein aggressives Inneres verbirgt. Aber komisch, da sitzt mir in einem Berliner Cafe jetzt aber ein entspannt wirkender, freundlicher Endzwanziger gegenüber, der während des Interviews mehrmals zum bereits geleerten Weinglas greift (Unsicherheit? Langeweile?). Mit meiner Ausgangseinstellung, er sei doch eh gegen alles und ziemlich aggro drauf, liege ich ziemlich daneben. Die Art des düsteren Aufpeitschers, in der er sich selbst inszeniert, entspricht eben nicht seinem alltäglichen Auftreten. Meine Naivität treibt mir ein wenig die Schamesröte ins Gesicht und ich stelle andererseits fest: Gut zu wissen! Nach mehreren Soloplatten (auf DHR und Mille Plateaux) und natürlich den Platten von ATARI TEENAGE RIOT (auf DHR) ist gerade sein schwer hörenswertes, neues Soloalbum erschienen. Die Apokalypse auf zwei CDs. Grund genug, da mal nachzufragen

Wie kam es, dass du die Platte gemacht hast, direkt nachdem ihr mit ATR von der letzten Tour zurückgekommen seid? Die Pause wäre doch eigentlich nötig gewesen – die Liveplatte von der Show in der Brixton Academy legt das ja nahe.


Das stimmt, deswegen haben wir auch eine Pause gemacht mit ATR, weil wir körperlich einfach nicht in der Lage waren, weiter zu touren. Außerdem hatte ich sowieso den Plan, mein Album zu machen. Nach der Tour 2000 mit den NINE INCH NAILS wäre eigentlich unsere eigene Amerika-Tour gekommen und danach noch Japan. Wir mussten uns aber eingestehen, dass es so nicht weitergehen kann. Ich habe dann der Band gesagt, dass ich meine Platte danach machen will, mit Tour und einer Band, die zusammengestellt werden muss, dem Allem. Wir wollten uns erstmal um unsere Wunden kümmern und etwas Distanz bekommen und für ATR peilen wir das nächste Album für 2003 an.

Was ist der Unterschied für dich, außer, dass du es alleine machst, ohne ATR Musik zu machen? Man könnte ja durchaus sagen, dass sich die erste CD sehr ähnlich anhört...

Das ist ein riesiger Unterschied... Da sind natürlich Elemente drin, die ich in ATR reingebracht habe – Heavy Metal, Punkrock –, was nicht heißen soll, dass, wenn man mich da wieder rausnimmt, plötzlich Rockballaden rauskommen, haha. Aber viele Stücke wären bei ATR so nicht möglich gewesen – musikalisch, aber auch textlich. Die zweite CD sowieso nicht. Bei der ersten CD ist es so, dass ich da richtige Rockinstrumente mit elektronischen Sachen zusammenbringe, was wir in der Form nie gemacht haben und auch wohl nie machen werden. Wenn ich an meine Solosachen denke, dann findet man bei mir auch nie die Aufforderungen wie bei den ATR-Platten, das ist eine andere Sprache, mehr meine persönliche Perspektive, was aber nicht heißt, dass es weniger politisch ist. Ich kann mein persönliches Leben nicht von Politik trennen. Ich habe so einfach die Freiheit, andere Sachen zu sagen.
Man kriegt, glaube ich, mehr einen Eindruck von meinem eigentlichen Hintergrund. Es gibt einfach andere Themen, über die ich Songs machen kann und muss nicht dem strikten ATR-Konzept entsprechen, was doch sehr stark festgelegt ist. Bei ATR will ich einfach die Leute überzeugen und mitreißen, das ist bei der neuen Platte egal. Ich gehe meinen Weg, und wenn Leute mitkommen wollen, können sie gerne mitkommen, ich will aber nicht ihr Scheißleben verändern. Aber das ist nicht zynisch gemeint. Ich mache mir gerade nicht die Mühe, zu etwas aufzurufen, dem die Leute vorher immer blind gegenüber gestanden haben.

Sind denn da bis jetzt viele Leute „mitgegangen“?


Ja, viele! Musiker, viele politische Leute...
Die schreiben uns auch, dass sie so mit 18, oder auch schon früher, überhaupt erst durch ATARI TEENAGE RIOT angefangen haben, sich für andere Sachen zu interessieren, außer für ihre Playstation und MTV, und dass sie sich informieren müssen und jetzt politisch mehr verstehen. Wir bekommen andauernd solche E-Mails. Das hat eine sehr positive Wirkung, was manche Journalisten scheinbar ignorieren, weil sie denken, dass wir alles negativ sehen, was nicht stimmt. Ich reflektiere die Realität, jedenfalls das, was ich davon wahrnehme, und sage meine Meinung dazu. Das setze ich zum Beispiel um in eine Vision der Apokalypse der Welt. Als Warnung, als Hoffnung zur Veränderung. Wir stehen gerade an einem Punkt, wo wir einerseits weiter machen können wie bisher, aber das wird nicht gut enden. Das ist sicher Schwarzmalerei, die ich aber als Chance sehe, das es besser werden kann.

Was wäre für dich ein konkreter Schritt in die richtige Richtung?

Also, dass wir zum Beispiel versuchen, aus dieser Gewaltspirale rauszukommen, in der Krieg ein Werkzeug geworden ist, um die eigene Wirtschaft wieder in Gang zu kriegen...

Sympathisierst du mit sogenannten Globalisierungsgegnern?

Da gibt es sehr viele verschiedene Gruppen, aber klar, mit einigen stimme ich da überein. Globalisierung bedeutet, dass alles konform ist, dass die Rechte der Arbeiter immer mehr eingeschränkt werden. Da bin ich total dagegen.

Die erste ATR-Platte ist ja mit der programmatischen Punkrockattitüde „So einfach ist es, die Musik zu machen!“ entstanden, schon durch den Aufbau der Geräte – Atari, Sampler, Drumcomputer...

Das gehörte dazu, um auch DIY-Gedanken beim Hörer auszulösen. Das ist bei der neuen Platte nicht so. Da habe ich es auf die Spitze getrieben, das ist gar nicht mehr LoFi, im Gegenteil, das ist ziemlich fett produziert. Bei ATR hatten wir acht Spuren, hier hatte ich 120. Ich habe fünf Mischpulte aneinandergekabelt und auch alle Kanäle gebraucht. Darauf steh ich halt, das ist der nächste Kick. Was danach kommt, muss ich nochmal sehen, haha. Manchmal reicht es auch, wenn man 24 Spuren hat, aber mit den ganzen Instrumenten und den elektronischen Sachen hat sich das ganz schön addiert.

Digital Hardcore als Bezugspunkt ist in Deutschland ja nie wirklich groß geworden.

Ja, mit der neuen Platte will ich hier aber mehr machen. Die Leute im Ausland hatten immer schon viel mehr Interesse an uns und deshalb waren wir da auch viel mehr auf Tour. Es hat gar keinen Sinn mehr gemacht, hier zu spielen. Mit der neuen Platte soll sich das ändern. Das eine Konzert neulich in Berlin war noch mehr zur Promotion, das habe ich eher zähneknirschend gemacht. Vor zwei Jahren hätte ich das nicht gemacht. Aber ich lasse es nicht auf mir sitzen, dass die Leute das hier nicht gut finden wollen. Deutschland hinkt einfach England oder Amerika hinterher. Ich bin schließlich hier geboren, deswegen boxe ich das Ding jetzt auch hier durch...

Du wolltest aber auch in die USA ziehen...

Das werde ich wahrscheinlich am Ende des Jahres machen, vielleicht auch nur für ein paar Monate. Wir sind da so lange auf Tour, dass ich da genauso gut gleich hin ziehen kann. Bis jetzt ist das so geplant.

Was ist ansonsten dein Antrieb, überhaupt Musik zu machen?

Die Musik gibt mir einen Kick, Energie... Es gibt ja sonst nichts in der Musikszene, was so einen Kick hat.

Und wie passt da die Bibel rein? Neulich lief ein Interview mit dir im Fernsehen, wo du gesagt hast, dass du vor jedem Auftritt in der Bibel liest.

Das Statement hätte man ungeschnitten zeigen müssen. Ich habe gesagt, dass ich vor jedem Auftritt in der Bibel lese, was auch stimmt. Und ich habe gesagt, dass ich die Apokalypse einfach für gut geschrieben halte. Das wurde natürlich dann weggelassen. Danach haben mich jetzt schon mehrere Leute gefragt. Meine Eltern haben sogar bei mir angerufen und gefragt, ob ich irgendwie krank sei, haha.

Nicht vorher schon?

Nee, das nicht, haha. Die Pointe hat einfach gefehlt. Das Bild, dass die Bibel Kraft spendet, bleibt da natürlich hängen, aber ich kann da nur korrigieren. Jeder, der mich kennt, kriegt da einen Lachkrampf.

Nervt es dich nicht, dass du als Teil der kapitalistischen Musikindustrie auch nur eine Nische zugewiesen bekommst, in der man dich mit deiner Kritik am System vor sich hin schmoren lässt?

Nö, ich mache halt Musik und ich will sicher gehen, dass ich meinen Teil bekomme. Das soll nicht heißen, dass ich das ganze System nicht kritisieren darf. Ich will bloß sicher gehen, dass ich als Musiker und die Musiker, die auf unserem Label sind, ihren Anteil kriegen und auch die nötige, kreative Freiheit. Ich bin nicht so ein Boykott-Typ, der nur noch selbst kopierte Tapes rausbringt. Es macht im Musikgeschäft einen große Unterschied, wenn du dein eigenes Label hast. RAGE AGAINST THE MACHINE müssen bei jeder Platte mit der Firma diskutieren: Darf das Cover so aussehen? Darf man das Video so machen? Wir müssen auch diskutieren, können aber auch Sachen machen, wenn sie nicht kommerziell sind. Das ist ein Risiko, aber die ersten Wochen zeigen uns, dass es gut läuft.

Wundert es dich, dass nicht mehr Leute auf die Idee kommen, die Regler mal aufzudrehen, wenn sie elektronische Musik machen?

Nicht wirklich. Mit elektronischem Equipment ist das nicht so leicht umzusetzen. Wenn ich eine Gitarre in die Hand nehme, was ich ja auch auf der neuen CD mache, dann habe ich direkten Zugriff auf die Energie.
Bei elektronischer Musik geht das eigentlich nur mit Noise. Wenn man jetzt richtig Songs schreibt, kann man darauf allerdings nicht so aufbauen. Es ist schon gut, das zuerst mit einer Gitarre und echtem Schlagzeug umzusetzen und dann die Elektronik dazu zu nehmen. Das ist auch das Problem bei der elektronischen Musik, da die Leute diesen Extraschritt nicht gehen, weil sie kein Instrument gelernt haben. Und das ist wichtig, weil man dann weiß, wie man etwas gefühlsmäßig umsetzt. Das ist sehr scheuklappenmäßig, was ich schade finde. Hätte man mich vor zehn Jahren gefragt, wer offener ist, dann hätte ich gesagt, die Elektronikleute. Und heute ist es eigentlich genau umgekehrt.

Hast du das Gefühl, dabei zwischen den Stühlen zu sitzen?


Ich glaube nicht, dass ich dazwischen sitze, ich stehe eher... Ich bin vielleicht sogar der Einzige, der läuft, haha.

Christian Maiwald

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #48 (September/Oktober/November 2002)

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