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Interviews & Artikel

BRIEFS

Veni, vidi, vici

Sie kamen nach Deutschland, sahen, dass die Leute auf sie gewartet hatten, und gewannen mit ihren mitreißenden Konzerten: die BRIEFS aus Seattle. Ihr letztjähriges Album Hit After Hit, erschienen auf dem Ausnahme-Label Dirtnap, ist genau das: eine Platte mit dreizehn kurzen, mitreißenden Punkrock-Hits, die allerdings bereits 1999 eingespielt wurden. Nach ihrem Konzert in Düsseldorf nahmen Tom und ich die BRIEFS beiseite, um ihnen ein paar Fragen zu stellen. Die BRIEFS, das sind Chris Brief (drums), Lance Romance (bass), Steve E. Nix (guitar) und Daniel J. Travanti (guitar) singen tun sie alle.


Was ist euer Problem mit Bob Seeger und Gary Glitter? In Silver Bullet fordert ihr Kill Bob Seeger right now, und ein anderer Song heißt (Looking Through) Gary Glitters Eyes.

Daniel:
Wo sollen wir anfangen? Also um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, wo das Problem mit Bob Seeger ist. Vermutlich ist er ja ein netter Typ. Aber er hat meiner Mutter mal was angetan, was mich ziemlich aufgeregt hat, und deshalb gibts diesen Song.

Und was ist mit Gary Glitter?

Steve:
Den hasse ich nicht, er hat großartige Musik gemacht. Aber ich finde es lustig, was diese ganzen Celebrities so anstellen.
Daniel: Gary zum Beispiel mag eben gerne Kinder, und wir mögen Kinder auch. Also haben wir schon was gemeinsam, hehe.

Was hat es mit diesem Song Americans are dumb auf sich, den ihr vorhin gespielt habt?

Daniel:
Den haben wir im August 2001 geschrieben, schon vor dieser ganzen Terrorsache.
Steve: Wir alle sind rein zufällig in den USA geboren, wir haben mit nationalistischen Ideen nichts am Hut. Amerika ist ein cooles Land mit coolen Leuten, aber leider ist die Politik völlig fürn Arsch, die Regierung ein Haufen Scheiße, und die Unternehmen sind unglaublich gierig und sagen an, was geht.

Pop-Punk-Bands sind ja generell textlich eher auf der Spaß-Schiene unterwegs, politische Statements eine Ausnahme. Wie ist das bei euch?

Daniel:
Also persönlich sind wir auf jeden Fall alle extrem politisch, doch wenn wir zusammen Musik machen, geht es uns darum, eine Stunde Spaß zu haben. Und so sind unsere Texte zwar lustig, aber an sich schon eher schwarzer Humor. Also die sind nicht joy, joy, sondern eher kill, die, stabb.
Steve: Das Ding ist, es gibt eine Menge guter Punkbands mit klarer politischer Aussage und klugen Texten, und ich mag die auch. Aber wir sind eben eine andere Band, und jeder muss das machen, was ihm am besten liegt.

Ihr seid jetzt das erste Mal in Deutschland, und es läuft gut für euch. Wie waren eure Erwartungen, wie gefällt es euch?

Steve:
Wir hatten von Freunden, die hier auf Tour waren, nur Gutes gehört, und jetzt sind wir selbst hier und es ist großartig. Die Leute sind alle supernett zu uns und schätzen, was wir tun. Schon allein, dass man hier in Deutschland in einen Club kommt, was zu Essen bekommt und hinterher einen Platz zum Schlafen das ist mehr, als wir aus den USA gewohnt sind.
Daniel: Es ist sogar besser, als ich gedacht hatte. Ich hatte eine eher kleine Szene erwartet, aber stattdessen ist die Szene recht groß und vor allem scheint Punk nicht nur so eine Phase zu sein für die Leute, sondern sie bleiben dem Punk treu. Ich treffe Leute, die 11 sind und andere sind 50. In den USA ist Punk oft ein reines Jugend-Ding, dem die Leute treu bleiben, bis sie einen richtigen Job haben. Dann vergessen sie, dass sie jemals Punk waren und sind wieder ganz normal. Hier scheint das echt anders zu sein, da treffen wir viele Leute, die Punk absolut leben. Ich finde das echt großartig!

Wie man so hört, habt ihr seit dieser Tour eine neue Lieblingsband...

Daniel:
Ja, die SHOCKS sind großartig! Die sind echt meine neue Lieblingsband weltweit, nicht nur aus Deutschland.

Eine andere Lieblingsband scheint DEVO zu sein...

Daniel:
Warum? Weil ich mich manchmal so komisch auf der Bühne bewege? Ja ja, macht euch nur lustig über mich...

Na ja, auch von der Optik her kann man zu diesem Schluss kommen.
Daniel:
Also gut, ich gebe es zu, ich liebe DEVO.

Steve: In Seattle war es bis vor einer Weile so, dass jede Band sich die Haare schwarz färbte und versuchte, wie die MURDER CITY DEVILS auszusehen. Wir dagegen haben die Band gegründet und uns gesagt Fuck, wir blondieren unsere Haare!. Das war anfangs nur als Scherz gedacht, und Musik wollten wir machen wie die DICKIES oder so. Weißt du, scheinbar steht jeder auf diese alten Bands, aber keiner spielt ihre Musik. Das war unser Ansatz. Wir haben uns zusammen in eine Garage gestellt, ein paar Songs ausgedacht, zehn Minuten auf einer Party gespielt, und so ging das los.
Daniel: Unsere Band war anfangs eher als Reaktion auf diese ganzen Rock- und RocknRoll-Bands gedacht, diese toughe Zeug mit Teufelshörnchen und so weiter.
Steve: Diese ganze Cock-Rock-Scheiße!
Daniel: Fick diesen ganzen Scheiß, ich hasse das! Wir wollen nur Punkrock machen, und die Typen, die jetzt in diesen Rockbands spielen, das sind die Typen, die uns skatenden Punk-Kids damals das Leben zur Hölle gemacht haben.

Euer neues Album wird beim Major-Label Interscope erscheinen. Denkt ihr, der Plattendeal hat auch was damit zu tun, weil die glauben, da würde sich ein neuer Trend abzeichnen?

Daniel:
Auf jeden Fall glauben sie wohl, mit uns Geld verdienen zu können. Diese großen Labels haben eben eine Menge Geld, das müssen sie irgendwie investieren, und jetzt haben sie eben in uns investiert. Keine Ahnung, was passieren wird, und vielleicht brauchen sie uns ja auch nur, um mal wieder einen Verlust steuerlich geltend machen zu können. Aber das kann uns derzeit ja egal sein, denn wir haben das Geld erstmal bekommen und es hat uns ermöglicht, in den USA richtig ausgiebig zu touren. 2002 waren wir fast acht Monate unterwegs.

Wie kams zu diesem Deal?

Daniel:
Das kam ziemlich überraschend und ging ganz schnell. Nachdem wir das Album auf Dirtnap raus hatten und allmählich mehr Leute auf uns aufmerksam wurden, haben wir mal wieder ein Konzert in Kalifornien gespielt. Gerade in Südkalifornien hatten wir da schon recht viele Fans, und da sitzen eben auch die ganzen Labels. Und so haben die uns live gesehen und kamen noch nach dem Konzert auf uns zu und baten uns, doch am nächsten Tag mal zu ihnen ins Büro zu kommen. Wir meinten nur Wovon redet ihr überhaupt?!. Wir gingen dann am nächsten Tag da ins Büro, und es war echt seltsam.
Steve: Das war echt komisch, ja, denn was für einen Grund sollte ein Majorlabel haben, eine Band wie unsere zu signen? Wir sind ja ganz offensichtlich nicht die neuen BLINK 182, und wir werden es auch nicht sein. Wir sind echt. Was ihr da auf der Bühne seht, das sind wir auch. Bisher läuft es für uns auch ganz gut. Die Platte ist noch nicht raus, aber wenn wir sie nach Geld fragen, um auf Tour gehen zu können, geben sie uns welches.

Habt ihr auch irgendwie Angst vor dem, was kommt? Ich meine, am Ende müsst ihr die nächste Europatour im Vorprogramm von PAPA ROACH absolvieren oder so.

Daniel:
Klar, ein bisschen Angst haben wir schon. Aber die könnten uns nicht zwingen, so was zu machen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass sie uns all das, was sie uns gegeben haben, wieder wegnehmen. Aber das wäre auch nicht so schlimm.
Steve: Wir versuchen mit der normalen Welt in Kontakt zu bleiben. Wir machen ständig neue Singles auf den verschiedensten Labels und so, und irgendwie wären wir schon lieber bei einem Indie, denn da sind die Leute cooler, das ist alles natürlicher. Aber wenn dir jemand Geld anbietet, mit dem du so richtig auf Tour gehen kannst und du dir ausnahmsweise mal keine Sorgen machen musst, wie du Zuhause deine Miete bezahlst, dann nimmst du das in Kauf.
Daniel: Das war schon eine harte Entscheidung, aber ich hasse eben auch Arbeit. Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet, und ich hasse es. Wenn dir dann jemand die Chance gibt, den Job zu kündigen und nur Musik zu machen, dann fällt es verdammt schwer, dazu nein zu sagen. Wir hoffen jetzt einfach, dass es die richtige Entscheidung war.

Wie alt seid ihr eigentlich, und was habt ihr früher so gemacht?

Daniel:
Ich habe als Anstreicher gearbeitet, Chris als Siebdrucker, Lance und Steve als Tellerwäscher, Verkäufer und so weiter. Was immer es uns ermöglicht hat, zwischendurch auf Tour zu gehen. Ich bin 32, Chris ist 26, Lance und Steve sind auch über dreißig.

Ich bin erstaunt: ich hatte erwartet, eine richtig junge Band vor mir zu haben. Und auf den Fotos seht ihr auch ziemlich jung aus.

Steve:
Das war auch der Plan, haha. Und zumindest als Band sind wir ja ziemlich jung. Ich finde ja, es ist ein Vorteil schon etwas älter zu sein, denn so hat man einfach einen besseren Geschmack. Die ganzen Kid-Punkbands in den USA versuchen immer nur wie NO FX und BLINK 182 zu klingen, und das muss ja nicht sein, oder?
Daniel: Die klingen oft viel zu wenig eigenständig, die halten sich an die Vorgaben durch andere Bands. Ich habe damals neue Bands dadurch kennengelernt, dass mir Freunde Cassetten aufgenommen haben, oder auch mal durchs Radio. Heute dagegen hast du all diese Bands auf MTV, die angeblich Punk spielen. Und diese Bands bezeichnen sich dann selbst als Punk-Band, haben aber keine Ahnung, was das überhaupt bedeuten soll.

Wie habt ihr euch dann getroffen?

Lance:
Dan und ich haben schon seit ein paar Jahren zusammen Platten aufgelegt, unter anderem in der Love Lounge in Seattle, und Dan kennt Steve auch schon seit Jahren. Und Chris kam dann vor einer Weile aus New Mexico nach Seattle. Dan und ich hatten dann also diese Idee, eine Band zu gründen, Steve und ich waren schnell gefunden, aber wir hätten keinen Sänger. Und so sangen wir eben alle. Mit den ersten drei Songs haben wir dann auf einer Party zusammen mit den SPITS gespielt, die uns sowieso schwer inspiriert haben. Und THE BRIEFS heißen wir übrigens, weil unsere Songs so kurz sind. Sowieso ist das für uns eine ganz neue Erfahrung, wenn wir hier in Europa eine Stunde spielen sollen: in den USA spielen wir höchstens eine halbe Stunde und sind dann wieder weg.

Was können wir von eurer nächsten Platte erwarten? Wird die irgendwie anders sein als Hit After Hit? Hat euch der Majordeal beeinflusst?

Steve:
Die Platte ist schon seit Monaten im Kasten und wird wohl im Februar erscheinen. Und es wäre gelogen, würde ich behaupten, der neue Deal hätte uns nicht beeinflusst. Aber ich denke, der Einfluss war nicht sehr groß. Ich meine, wir sind die BRIEFS, wir schreiben unsere typischen BRIEFS-Songs. Das Label hat natürlich gewisse Erwartungen, also haben sie von uns verlangt, mit einem großen Produzenten zu arbeiten.
Daniel: Wir haben uns dann einen ausgesucht, auf den wir Lust hatten, nämlich Marc Waterman, der unter anderem das erste ELASTICA-Album gemacht hat.
Steve: Das erste ELASTICA-Album finde ich großartig, es wurde im Radio gespielt, und was bei denen funktioniert hat, könnte ja auch bei uns funktionieren.
Daniel: Außerdem stehen wir auf verrückte Engländer, und Waterman ist einer, hehe. Aber ein netter. Der sieht aus wie ein Austin Powers, der drei Wochen nicht geschlafen hat. Wir haben in Seattle aufgenommen, das war besser für uns.

Und was steht für euch 2003 sonst noch so an?

Steve:
Erstmal das zweite Album rausbringen, und dann noch das dritte. Denn wir haben das Interscope-Album schon vor so langer Zeit aufgenommen, dass wir ungeduldig geworden sind und haben einfach noch eine Platte eingespielt, die wieder auf Dirtnap erscheinen wird. Und hoffentlich verwirren wir damit so viele Leute wie möglich, hehe. Außerdem wollen wir bald wieder in Deutschland auf Tour kommen.

Jungs, danke für das Interview.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #50 (März/April/Mai 2003)

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