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Interviews & Artikel

LIARS

Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit

Man hat ja beinahe wieder Angst, einem neuen Hype aufzusitzen: da kommen plötzlich aus New York City bzw. dem seit einigen Jahren bei jungen Kreativen beliebten Stadtteil Brooklyn reihenweise Bands, bei denen man sich fragt, warum sie gerade hier in dieser Konzentration zu finden sind. Die LIARS sind eine dieser Bands, deren Album “They Threw Us All In A Trench And Stuck A Monument On Top” auf Mute Records schon im Sommer letzten Jahres erschienen ist und die im November erneut auf Tour waren. Gegründet Ende 2000 von den beiden früheren LA-Kunststudenten Aaron Hemphill und Angus Andrew, ergänzt durch Pat Noecker und Ron Albertson aus Nebraska, die über eine Anzeige in einem Plattenladen dazu stießen, spielen die LIARS noisigen Punkrock mit fordender Rhythmik, durchsetzt mit schrägen Elektronik-Sounds, in etwa vergleichbar mit Bands wie A CERTAIN RATIO oder GANG OF FOUR Ende der 70er/Anfang der 80er. Ich traf die Band nach ihrem Auftritt im Vorprogramm von SUICIDE in Berlin.


Ich habe gestern noch in einem Konzertbericht von einer eurer Shows gelesen, ihr würdet seltsame Instrumente verwenden. Wo sind die, denn ich habe vorhin keine gesehen?

Pat:
Haha, es gibt auch keine. Wir versuchen allerdings, unsere Instrumente etwas anders zu verwenden, als sonst üblich. Und so klingt bei uns ein Bass wie eine Gitarre, die Gitarre wie ein Piano, und so weiter, denn eine Gitarre immer nur wie eine Gitarre zu spielen, ist auf Dauer langweilig, wir wollen da etwas kreativer sein. Das seltsame Instrument, das dieser Schreiber aber wohl meint, kann eigentlich nur mein Sampler sein, so ein Ding zum Umhängen. Das ist eigentlich ein ‚Spielzeug’ für Kinder mit Kommunikationsproblemen. Na ja, das ist eben das optimale Instrument für mich, haha.

Du willst dich also mit mir über den therapeutischen Nutzen von Musik unterhalten.

Pat:
Soll ich? Also wenn Musik den Nutzen hat, dass du an rein gar nichts denkst, dann ist es für mich gute Musik. Wenn Musik deinen Geist in einen leeren Raum versetzt, das ist großartig. So ging es mir eben bei PANSONIC, mein Kopf war völlig leer, ich habe mich allein auf die Musik konzentriert.
Angus: Sobald du irgendwas machst, hat das einen gewissen therapeutischen Nutzen, denke ich. Ob du nun Musik machst oder sonst was, egal.
Pat: Und was das Konsumieren von Musik als Therapie anbelangt, kann sie die gleiche Wirkung haben wie Drogen.

Wenn ihr von Leere sprecht, die Musik erzeugen soll, dann gehe ich davon aus, dass eure Musik keine explizite Message hat.

Angus:
Sagen wir es mal so: Wir legen höchstens die Saat, aus der du später deine eigene Message keimen lassen kannst. Aber ganz klar, wir predigen nicht, wir geben keine Antworten, und deine Interpretation einer Aussage ist besser als unsere.

Was für ein Gefühl ist es, von Paul Smith, dem Boss des legendären Labels Blast First, aus spontaner Begeisterung heraus gesignt zu werden und damit zu Labelmates von SONIC YOUTH, BIG BLACK oder BUTTHOLE SURFERS zu werden?

Angus:
Es ist ein gutes Gefühl! Wenn da jemand damals an diese Bands geglaubt hat und heute an uns glaubt, kann das nicht ganz falsch sein. All diese Bands haben ihre Integrität gewahrt, das ist schön, und eine Band wie SONIC YOUTH zeigt, wie man über all die Jahre seine Ideale wahren kann. Ich kann mir nicht vorstellen, auf einem anderen Label zu sein.
Pat: Als Paul uns angesprochen hat, hatten wir einen Anwalt, der versuchte daraus einen ‚bidding war’ zu starten, also möglichst viele Labels heiß zu machen, um einen möglichst guten Deal zu bekommen. Aber da hatten wir überhaupt keine Lust drauf, wir wollten den Deal mit Blast First.

Aber wie kamt ihr als noch junge Band an so einen Anwalt?

Pat:
Über unsere Freunde von LES SAVY FAV. Die hatten Kontakt zu diesem Typ, der auch der Anwalt von SONIC YOUTH ist, und wir dachten, das wäre ganz okay. Er entpuppte sich dann als Arsch.

Was denkt ihr unterscheidet euch von all den anderen Bands da draußen und begeisterte Paul Smith so sehr, dass er euch signte?

Angus:
Keine Ahnung! Als wir mitbekamen, dass Paul so von uns begeistert ist, haben wir uns diese Frage auch gestellt. Und ich dachte mir, ob dieser Typ da aus London wohl all die andere Bands in New York nicht gehört und gesehen hat. Hätte ja sein können, dass wir so eine Zufallsentdeckung für ihn waren und er hinterher all die anderen Bands sieht und die viel besser findet. Ich hatte echt Schiss, hahaha. Mittlerweile ist einige Zeit vergangen, Paul hat auch die anderen Bands gehört und mag uns immer noch.
Pat: Paul sah uns damals in Jerry’s Garage in Brooklyn, und ich sprach nach dem Konzert mit ihm. Da hat er gezittert vor Aufregung und Begeisterung, das war unglaublich.
Angus: Er hatte damals drei Jahre lang keine neue Band gesignt und war eigentlich nur in New York, um eine Art-Show von Alan Vega zu besuchen. Er war rein zufällig bei unserem Konzert.
Pat: Das war die letzte Show einer dreimonatigen Tour, wir waren gerade nach New York zurück gekommen, hatten kein Geld, keinen Job und keine Ahnung, was wir tun sollten. Ich hatte gerade eine Gitarre verkauft, um mit den 150 Dollar die nächsten Tage über die Runden zu kommen.

Da muss es eine seltsame Erfahrung sein, knapp ein Jahr später in Berlin in einem altehrwürdigen Theater in der Garderobe zu sitzen und eben mit SUICIDE ein Konzert gespielt zu haben.

Pat:
Das ist völlig surreal, ja. Wenn ich daran denke, wo wir als Band vor zwei Jahren und vor einem Jahr standen, so ist das schon erstaunlich. Man kommt aber erst dazu darüber nachzudenken, wenn man wieder Zuhause ist und etwas Ruhe hat.
Angus: Das Seltsamste an diesem Blast First-Deal ist jedenfalls, dass wir all diese ganzen legendären Bands kennen lernen, ob das nun SUICIDE, SONIC YOUTH oder WIRE sind. Das ist ja alles irgendwie eine Familie von Leuten, die alle schon etwas älter sind, und wir gehören plötzlich dazu. Wenn man dann daran denkt, was die alles gemacht haben, ist das schon ein seltsames Gefühl, und dabei respektieren die dich immer als Musiker.
Pat: Ja, und dabei sind das die Leute, die uns musikalisch geprägt und beeinflusst haben.

Und im Detail sind das welche Bands?

Pat:
Also, da wird es jetzt schwierig, denn wir haben natürlich jeder ganz eigene Vorbilder. Ich bin mit den Platten meines großen Bruders aufgewachsen, all diesen seltsamen New Wave-Bands, aber auch ROLLING STONES und BEATLES. Aber es waren für mich auch andere Einflüsse wichtig, etwa aus der Kleinstadt nach New York zu kommen. Und der Wunsch, etwas mit deinem Leben zu machen – das ist der größte Punkrock-Einfluss bei mir.
Angus: Ich kann nicht viel Aufregendes erzählen. Ich bin in Australien aufgewachsen und habe so Anfang der Neunziger die ganze kommerzielle Musik gehört, auch viel Techno, Technotronic, Black Box, so Zeug halt. Erst als ich dann später unseren Gitarristen Aaron traf, erkannte und entdeckte ich die anderen Möglichkeiten, die es in der Musik noch gibt. Und ich denke, es macht unsere Band aus, dass wir all diese unterschiedlichen Einflüsse haben, dass unsere Musik auch irgendwie diesen kommerziellen Dance-Touch hat und wir uns dem nicht verweigern. Andererseits steckt in uns auch der Drive und die Leidenschaft der toughen L.A.-Thrashbands, in denen Aaron spielte. VIRAL INDEX hieß die eine.

In was für einer Szene, vor was für einem Background bewegt ihr euch in New York?

Angus:
New York ist einfach eine ungeheuer inspirierende Stadt, und ich kann sehen, dass Berlin da ganz ähnlich ist. Als ich nach New York zog, hatte ich dieser Stadt nur ganz knapp den Vorzug gegenüber Berlin gegeben. Und die Musikszene von New York ist derzeit einfach großartig: wenn wir nicht auf Tour sind, kann ich jeden Abend irgendwo ein Konzert sehen. Es ist jeden Abend anders und neu, keiner macht das Gleiche, jede Band geht in eine andere Richtung.
Pat: Ja, und alle unterstützen sich gegenseitig. Dabei ist es im Gegensatz zu anderen Szenen – nimm etwa die Seattle-Szene damals – nicht so, dass alle Bands den gleichen Sound spielen. New York aber fördert die Kreativität und Individualität ungemein, da klingt keine Band wie die andere.
Angus: Das ist der Vorteil der Anonymität dieses Stadt, da kann jeder machen, was er will. Und vor allem ist New York eben keine typisch amerikanische Stadt, und jeder kommt von woanders, ob nun aus anderen US-Städten oder dem Ausland. Das ist es, was alle coolen Städte ausmacht: sie ziehen die interessantesten Menschen aus aller Welt an.
Pat: Als wir alle nach New York zogen, hatten wir auch keinen Plan im Kopf, eben nur, dass wir nach New York wollten. Und dann triffst du dort die unterschiedlichsten Leute und filterst die heraus, auf die du am meisten Lust hast. Aus dieser Vielfältigkeit heraus entsteht dann die Kreativität, die diese Energie hervorbringt, die viele der Bands aus New York aufweisen.

Und wohin wird euch der Weg führen, den ihr eingeschlagen habt?

Angus:
Eine interessante Frage, und ich weiß auch, warum die du stellst, aber sie ist natürlich nur sehr schwer zu beantworten. Und weißt du, wir hatten als Band einen Traum, und der ist bereits in Erfüllung gegangen: jetzt hier in Berlin zu sein, Interviews geben zu können, mit SUICIDE und PAN SONIC zu spielen – was soll noch viel besser werden für uns?

Jungs, danke für das Interview.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #50 (März/April/Mai 2003)

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