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Interviews & Artikel

BOYSETSFIRE

Political consciousness with a passion for musical art

Nach „After The Eulogy“ sind BOY SETS FIRE mit dem neuen Album „Tomorrow Come Today“ zu den neuen Hardcore-Helden avanciert und haben sich mit ihrer unermüdlichen Tour-Präsenz weltweit eine feste Fangemeinde gesichert. Auch labeltechnisch hat sich das US-Quintett der neuen Situation angepasst und ist nun bei Wind Up gelandet, hierzulande über Sony vertrieben. Da fragt man sich, wie das alles weitergehen soll, besser gesagt, fragte ich Chad Istvan (Guitar), Josh Latshaw (Guitar) und Matt Krupanski (Drums), was sie sich von der Zukunft versprechen.


Hattet ihr jemals daran geglaubt, dass ihr so erfolgreich sein würdet, als ihr 1994 BOY SETS FIRE gegründet habt?

Josh:
Natürlich, das war von Anfang an unser Plan! Nein im Ernst, keiner von uns hat daran gedacht, als wir anfingen. Es ist aber auch so, dass wir ständig auf Tour gewesen sind, Platten rausgebracht haben usw. und nicht über Nacht zum Erfolg gekommen sind.

Was waren die Beweggründe, BOY SETS FIRE zu gründen?

Chad:
Josh und ich wollten damals eine Band gründen, die musikalisch und inhaltlich was zu sagen hat, und wir wollten halt einfach gute Musik machen.

Hat sich viel verändert, seit ihr von Victory Records zu Wind Up gewechselt seid, also vom Indie zum Major-Label?

Chad:
Wind Up ist kein Major-Label. Es ist zwar sehr groß für ein Independent-Label, aber wir verstehen uns sehr gut mit den Leuten dort und wir könnten jetzt auch mit dem Boss von Wind Up telefonieren und ihm sagen, was uns nicht passt.
Matt: Gleichzeitig haben wir einfach mehr Zeit, unsere LP vorzubereiten, wir haben einen guten Vertrieb und können sehr gute Aufnahmen im Studio machen. Wir haben bis jetzt auch keine Kritik gehört, und wir wissen, dass man es nicht allen Recht machen kann.
Josh: Für manche bist du ja schon kommerziell, wenn du mehr als 1.000 Platten verkaufst. Hier in Europa steht Sony auf dem Cover, aber wir haben unseren Vertrag mit Wind Up gemacht und haben die volle Kontrolle über unsere Musik. Es wird uns auch nicht vorgeschrieben, wie wir Dinge zu tun haben, so etwas wie ‚Ihr geht jetzt mit der Band auf Tour’ oder ‚Ihr spielt jetzt da und da’, das machen wir nicht mit.

Euer neues Album „Tomorrow Come Today“ ist ja schon komplett eingespielt, warum erscheint es dann erst im April?

Chad:
Das ist der einzige Punkt, wo Wind Up sich eingeschaltet hat, Sony wollten das Album nicht im Herbst letzten Jahres rausbringen, damit wir nicht zum gleichen Zeitpunkt mit der neuen Platte von Celine Dion oder anderen Stars auf den Markt kommen. Wir hätten natürlich gerne unsere Platte sofort veröffentlicht, aber wir haben dann halt die ‚Live for Today’-EP rausgebracht, um zu zeigen, dass wir noch da sind.

Hört sich ziemlich schräg an, dass euer Label euch im Wettbewerb zu Celine Dion sieht, oder?

Josh:
Natürlich, kein Fan wird im Plattenladen stehen und sich fragen, ob er jetzt nun die neue Celine Dion oder BOY SETS FIRE kauft. Aber Wind Up wollte zur richtigen Zeit die Platte veröffentlichen, um BOY SETS FIRE die besten Vorraussetzungen zu geben, und letztlich wollen wir ja auch, dass das Album erfolgreich ist.

Ihr habt gesagt, das „Tomorrow Come Today“ keine Ansammlung von Songs, sondern ein komplettes Album sein soll. Wie war das gemeint?

Josh:
Nun, wir wollten nicht einfach ein paar gute Songs mit irgendwelchem ‚Füllmaterial’ auf Platte packen, sondern ein Album machen, das als Ganzes gesehen wird. So kommt es dann auch, dass die Songs ineinander laufen.

Ihr setzt euch immer wieder mit politischen Themen auseinander, wie seht ihr denn die jetzige Situation zwischen den USA und Europa, und könnt ihr verstehen, dass der Hass gegen Amerika weltweit wächst?

Chad:
Es ist schon erschreckend, wie einfach die USA einen Krieg antreiben können, um ihre Öl-Ressourcen zu sichern. Dabei scheren sie sich einen Dreck um die UN und vereinbarte Verträge, sie sagen ‚Fuck it‘, wir machen das was wir wollen, mit oder ohne euch’. Es ist der Bush-Regierung auch egal, ob sie tausende Soldaten in den nächsten ‚Desert Storm’ schicken, es geht ihnen nur um ihre Interessen.
Josh: Und dass z.B. ein palästinensischer Jugendlicher, der seinen Vater verloren hat, weil der von israelischen Soldaten erschossen wurde, die USA hasst, die auch dafür verantwortlich ist, dass sein Land von Fremden besetzt wird, das kann ich sehr gut verstehen. Das Problem ist sicherlich auch die allgemeine Arroganz der Amerikaner, die meinen, sie könnten auf andere Staaten oder Kulturen mit dem Finger zeigen.

Gibt es so etwas wie ein Bewusstsein der Menschen in den USA, dass es eine grundlegende Veränderung der amerikanischen Gesellschaft geben muss oder soll?

Chad:
Also, es gibt nicht so etwas wie eine revolutionäre Massenbewegung oder so, dazu hängen Amerikaner viel zu sehr an ihrem materiellen Wohlstand und ihrem Lebensstandard. Aber viele Leute haben schon begriffen, dass ihre Persönlichkeitsrechte beschnitten werden, Grundrechte, auf die man so stolz war, einfach unter den Tisch fallen und Privatsphäre so gut wie nicht mehr existiert. Das sehen viele mit Unbehagen.
Matt: Nach dem 11. September 2001 war es schon eine andere Situation, alle waren freundlich zueinander und die Leute grüßten sich, obwohl sie sich nicht kannten, man ging nicht mehr so hart miteinander um wie zuvor und es gab so eine Art Zusammenhalt, da gab es auch so etwas wie eine selbstkritische Haltung. Neun Monate später war alles wieder beim alten und die Leute ließen sich vom neuen Britney Spears-Video einlullen.

Meint ihr, dass eure Fans in politischer Hinsicht von euren Lyrics geprägt werden?

Josh:
Es ist ein schöner Gedanke, dass man vielleicht Menschen in politischer Hinsicht durch seine eigene Musik beeinflusst, das war bei mir selbst mit THE CLASH so, aber letztendlich kann man dem Publikum höchstens einen kleinen Anstoß geben, einige Dinge genauer zu betrachten, die eigenen Schlüsse daraus ziehen, muss aber jeder selber. Es ist nur ein Teil der Fans die sich auch inhaltlich mit der Musik auseinandersetzen, der andere möchte halt nur gute Musik hören und Spaß haben.

Zurück zu BOY SETS FIRE und eurem immensen Tourpensum. Wird man nicht müde ständig unterwegs zu sein, Konzerte zu geben, Interviews zu machen etc.?

Matt:
Ja, schon, das ist wirklich schwierig. Du musst immer die Balance zwischen der Musik und deinem Privatleben halten können, um in dieser Hinsicht ausgeglichen zu sein. Aber andererseits ist es für uns nicht besonders schwer, da wir eigentlich wie eine Familie sind. Wenn wir nicht irgendwo im Tourbus zusammen rumhängen, dann sind wir zuhause und da hängen wir meistens ebenfalls zusammen rum. Es ist bei uns nicht so, dass nach dem Interview jeder in sein Zimmer verschwindet und für sich sein will. Nein, es ist wirklich sehr familiär, fast wie eine Ehe. Wenn du mit einer Frau verheiratet bist, lebst du ja auch jeden Tag mit ihr zusammen. So ist das auch mit der Band.

Glaubt ihr, dass demnächst vielleicht auch ein völlig anderes Publikum auf euren Konzerten auftaucht, wenn ihr auf großen Festivals wie Rock am Ring spielt?

Josh:
Warum nicht? Du kannst doch niemanden verbieten, dein Konzert zu besuchen oder eine bestimmte Musik zu hören. Ich finde es gut, wenn auch Leute ohne Punk/Hardcore-Background zu unseren Konzerten gehen und vielleicht Gefallen an der Musik und den politischen Statements finden, die sie da hören. Es ist ja auch eine Chance, mal anderes Publikum als bei den Club-Gigs zu haben.

Na, ja es wäre schon komisch, wenn der Celine Dion-Fan Club in der ersten Reihe vor der Bühne stehen würde!

Josh:
Haha, ja stimmt schon. Wenn das passiert, werde ich an dich denken und mir sagen ‚Er hatte Recht!’

Danke für das Interview.

Randy Flame

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #51 (Juni/Juli/August 2003)

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