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Interviews & Artikel

OIRO

Ordnung? Welche Ordnung? In meinem Schrank?!

OIRO aus Düsseldorf haben letztes Jahr mit ihrer ersten 7“ „OI! Spießer, gib mal Feuer damit ich dich anzünden kann“ bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Mitreißender, intelligenter und mit allen Wassern gewaschener Punk, den ich so aus Deutschland gar nicht kannte. Also lag nichts näher als OIRO für ein Konzert im Flic Flac in Neuss zu buchen, wo sie dann letzten Dezember mit HAMMERHEAD und BRATSETH ihr Bühnendebüt gaben. Neulich krallte ich mir OIRO-Sänger Carsten Johannisbauer alias Jonny Bauer

Jonny, wie kommt man nach 15 Jahren als Fanziner, Veranstalter, etc. dazu, sich hinter ein Mikro zu klemmen und so unverschämt gute Musik zu machen?


Wir machen keine Musik, wir machen Punk. Wie fühlt es sich eigentlich an, nach 15 Jahren als Labelboss und Veranstalter jetzt Vater zu sein, Guntram?

Bin ich ja jetzt auch bald schon 13 Jahre lang. Geht also Hand in Hand.

Ach so! Also, OIRO funktioniert so wie ich es früher bei Bands wie INTRICATE kennen gelernt habe. Fünf Freunde machen was zusammen. Ob wir Mitte 30 sind, oder 16, da hat sich von der Einstellung her nicht viel geändert. Wir lehnen immer noch Professionalität ab, gehen so wenig Kompromisse ein wie möglich, haben unseren Spaß und machen jetzt halt ’ne Band. Ob Fanzine oder Band, beides sind Formen sich persönlich zu artikulieren und einer kleinen, intimen, Öffentlichkeit zu sagen, was man liebt und was man hasst. ‚Immer nur zweiter will ich sein’ ist ein Song von uns, der trifft das gut. Ich will kein Gewinner sein. Glücklich sein, klar, aber ein Gewinner in einem schwachsinnigen System, für schwachsinnige Medien, denen ein Haufen Schwachsinniger glaubt, da sagen wir Nein, das ist nichts für uns.

Was hat es denn mit dem genial-dämlichen Bandnamen auf sich? Auf solch einen Namen muss man ja erst mal kommen.


Der Name ist scheiße, war er schon immer, aber ... Eigentlich kann das so stehen bleiben. Ein dummer Witz eben. Oi-Punk oder so was habe ich noch nie verstanden. Was soll das sein? Unpolitisch sein? Gerade unpolitisch sein ist äußerst politisch. Ich sehe die Äußerung unpolitisch zu sein als dumm an. Dumm, da bequem, keine Auseinandersetzung, gleichgeschaltet. Das passt gut in die heutige Zeit, in der Regierungsgebäude in mediterranen Glasbauten versteckt sind. Genial ist der Name nur in Bezug darauf, dass es schon vorgekommen sein soll, dass Oi-Glatzen die Platte freudig gekauft haben und nachher unglaublich enttäuscht waren.

Saddam ist ja jetzt auch nicht mehr in der Gang. Warum musste er dem Andi folgen?

Andi ist mit dem Mofa nach Italien. Du kennst Andi ja ein bisschen, der ist ein verrückter Typ. Hat sich wirklich ein altes Flori-3-Gang-Mofa klargemacht und gesagt ‚Raus aus der Gesellschaft, rauf aufs Mofa’, und ist abgehauen. Ihn hat das ganze Leben hier in Deutschland schon lange angekotzt. Er hat hier viele verschiedene Lebens- und Wohnformen durchprobiert. Er hat in Kommunen gelebt, war mit Männern zärtlich, hat eigentlich alles mitgemacht. Der hat mal im Hafen gearbeitet, im Bauwagen gewohnt usw. Aber er hat über die Jahre erkannt, dass alles nur eine Lüge in einer Lüge ist. Da muss man raus, einfach weg. Das sagt dir jeder und das sangen die BOXHAMSTERS vor Jahren schon. Und wo sind sie jetzt? In Giessen – weit gekommen. OIRO singen das auch, machen es auch nicht. Kein Mut, zuviel Liebe hier, doch einer hat es getan und dafür liebe ich ihn noch mehr. Andi ist nicht mehr in der Gang, bedeutet, er braucht keine Gang mehr, denn er hat sich, er ist die Gang.

Irgendwo habe ich gelesen, dass ihr mit OIRO eine 7“-Trilogie geplant habt – stimmt das? Und was kommt danach? Eine Doppel-DVD-Trilogie?

Wir gehen Mitte Juni wieder ins Wildwood Studio in Düsseldorf und nehmen bei Max vier neue Songs auf für die letzte Single der Trilogie, die dann so im September bei Flight 13 rauskommen wird. Danach gibt eine CD mit allen drei Singles drauf, sowie wohl einigen Remixen, von Bekannten, die wir gefragt haben. KREIDLER aus Düsseldorf haben z.B. einen Track gemacht, der schön düster ist. Punk und Elektronische Musik passen gut zusammen, wie ich finde.

Oft spielt ihr ja nicht gerade live. Warum?


OIRO ist als Band nur eine von vielen Sachen, die wir machen. OIRO hat nicht für alle den höchsten Stellenwert. Für den einen ist es das wichtigste Ding, für andere aber nur ein Teil von einem Gesamtkonzept, Lebensentwurf oder Spaßprojekt. Wir haben also nicht soviel Zeit zu spielen. Drei von uns spielen noch in mindestens zwei anderen Bands, machen ein Label, ein Fanzine, Konzerte, Läden usw. Wir waren neulich ein Wochenende im Norden, Hamburg und Bremen, das war super, wir hatten viel Spaß. Für uns ist live spielen immer so was wie Freunde besuchen. Nach den ganzen Jahren kennen wir überall irgendwen, wo wir uns freuen, sie oder ihn mal wiederzusehen und feiern zu gehen.

Auf der Releaseparty mit Bernadette La Hengst hast du gesagt, dass diese zwar musikalisch nicht zu euch passt, aber ihr verfolgt die gleichen politischen Ziele. Welche wären das?

Musikalisch passen wir nicht zu Bernadette, da sie wirklich tolle elektronische Musik macht, welche die Gitarre nicht vergessen hat. Wir kennen Bernadette noch nicht so lange, haben sie vor anderthalb Jahren bei einem Straßenfest, welches wir organisiert haben, kennen gelernt. Ihre Solo-Platte war für mich die Platte des letzten Sommers, schön tanzbar, sonnig, groovy, dazu Punk als Aussage. OIRO und Bernadette sind beide gegen den Hamburger Senat! Tolle Aussage, was? Wäre ja auch komisch, wenn nicht. Wir haben politisch die gleiche Grundhaltung. Wir sind kritisch, denken nach und merken auch schon mal, wenn die Wahrheit nicht die unsere ist. Ich glaube, wir machen alle viel Kulturpolitisches. Das heißt, wir sind keine Theoretiker, sondern veranstalten und organisieren eher was. Aus dieser Ecke kommen wir. Doch beide Teile sind gleich wichtig, die Denker und Theoretiker im Hintergrund und die Aktivisten.

Deutschpunk ist ...?

... eine nationalsozialistische Tendenz in einer unmodernen Musikform.

Warum haftet vielen deutsch singenden Punkbands solch ein Karnevalsimage an? Ich finde 99% dieser Bands nur scheiße!

Ich kann mit dir nicht über Deutschpunk reden, das interessiert mich nicht. Die meisten dieser Bands sind nach meiner Definition kein Punk und wenn sie Punk sind, ist es mir egal, weil sie zu doof, zu engstirnig und zu verbohrt sind oder zu schlechte Rockmusik machen. DÖDELHAIE sind kein Punk. Es gab und gibt in Deutschland gute Bands, die für mich Deutschpunk sind: BLUMFELD, Bernadette, OMA HANS, EA 80, FEHLFARBEN, SLIME und viele alten Sachen, Z.K. und so was ...

Warum habt ihr aufgehört im GSH in Neuss Konzerte zu machen?

Die Konzerte wurden über vier Jahre von Blurr Concerts veranstaltet, was aus dem Blurr Fanzine hervorgegangen ist. Nach ca. 100 Konzerten, unglaublichen Abenden und zwei wahnsinnigen Fanzine-Treffen ging es einfach nicht mehr. Wir mussten immer mehr Kompromisse eingehen, die irgendwann nicht mehr tragbar waren. Vor allem in Bezug auf Öffnungszeiten, Lautstärke oder Pennplätze für Bands. Wir wollten auch was neues machen. Wir haben danach die Gruppe Celluloid Suckers gegründet, die seit nunmehr vier Jahren in Düsseldorf Underground-Filmnächte veranstaltet, einmal im Monat in den beiden schönsten Düsseldorfer Programmkinos. Das war irgendwie was neues. Da haben wir Filme gezeigt, Schauspieler wie Ralf Richter waren da, die passenden Bands spielten dazu, wie Rocko Schamoni. Wir wollten, was immer unser Ziel war, einen Treffpunkt für Gleichgesinnte schaffen und dazu noch uns selber und unsere Freunde unterhalten. In letzter Zeit ging es auch immer mehr in Richtung Entertainment. Wir haben z.B. eine Quiz-Show-Nacht gemacht, eine Hommage an die 70er-Shows wie ‚Dalli Dalli’ oder ‚Der Große Preis’. Wir haben eine eigene Show aufgebaut, mit Wabenwand, Live Gästen wie Toni Lampo, ein Adriano Celentano-Imitator, großartig. Moderiert wurde das Ganze von Jenz Bumper. Am 31.05. veranstalten wir den Goldenen Goldfisch, so einen Band-Video-Preis für Düsseldorf, das wird auch sehr lustig, wenn ich an einige eingereichte Videos denke.

Welches Label bringt OIRO denn nun raus – Flight 13 oder Kindspech?


Flight 13 ist unser Label. Tom hat so ein großes Herz, so wie Goldfische aus Gold sind. Oh, das würde ja heißen gar keins ... Also, Tom findet OIRO gut und ist Blurr-Fan, und Tomo 01, unser Schlagzeuger, ist Plattenfreak und der finanziert Toms Leben durch seine Plattenkäufe, also das ist eine Zweck-WG, aber mit Kuschelsex. Kindspech sind Rosi und Peet. Peet kenne ich schon lange und wir haben schon immer gerne zusammen gefeiert. Die haben kein Geld und so eine Single kostet ja doppelt so viel wie eine CD.

Guntram Pintgen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #51 (Juni/Juli/August 2003)

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