AM ANFANG WAR DAS FEUER

In seiner gut 40-jährigen Karriere hat der Franzose Jean-Jacques Annaud „nur“ 13 Spielfilme gedreht, was sicherlich auch daran liegt, dass er ansonsten seine Brötchen in der Werbebranche verdient hat.

Kinofilme waren für Annaud echte Herzensangelegenheiten, denen er sich auf fast besessene Weise widmete, was man auch in dem hochinteressanten Interview deutlich vermittelt bekommt, das auf dieser neu erschienenen, qualitativ sehr guten Blu-ray im Bonusmaterial enthalten ist, neben einem älteren Making-Of.

Das steigert eigentlich noch die Wertschätzung, die Annauds außergewöhnlicher Film „Am Anfang war das Feuer“ auch so schon verdient, seine damals erst dritte Regiearbeit. Für deutsche Verleiher war „Am Anfang war das Feuer“ natürlich ein Traum, denn man konnte sich eine teure Synchronisation sparen, da die Sprache der hier im Mittelpunkt stehenden Steinzeitmenschen völlig unverständliches Gebrabbel war (das hatte sich übrigens „Uhrwerk Orange“-Autor Anthony Burgess ausgedacht).

Gleichzeitig war es auch ein kommerzielles Wagnis, dem Publikum einen Film ohne Dialoge vorzusetzen, der nur durch die Bilder und die Mimik und Gestik der Darsteller erzählt wird. Auch wenn Polanski-Mitstreiter Gérard Brach, der das Drehbuch schrieb, und Annaud dabei kein wirklich akkurates Bild der frühen Menschheitsgeschichte liefern, zeigen sie dennoch auf teils amüsante Weise, wie wenig sich unsere Spezies weiterentwickelt hat, die sich immer noch mit Vorliebe gegenseitig den Schädel einschlägt.

Humorvolle Situationskomik und krasse Grausamkeiten liegen bei dieser dramatischen Suche einiger Neandertaler (darunter der spätere Hellboy Ron Perlman in seiner ersten Rolle, neben Everett McGill aus „Twin Peaks“) nach dem Feuer erstaunlich nah beieinander, die dabei auch die Liebe und die ersten Formen von Zivilisation entdecken.