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ENTITY

Der inzwischen 85-jährige kanadische Regieveteran Sidney J. Furie, der seit den Fünfzigern im Filmgeschäft aktiv ist, stand bisher nicht auf meiner Liste von Lieblingsregisseuren. Sicherlich bedingt dadurch, dass es Furies Filmen aus den Achtzigern und Neunzigern an Qualität mangelte.

Wobei der Mann durchaus sein Handwerk beherrscht, was man an seiner hervorragenden Len Deighton-Adaption „Ipcress – Streng geheim“ von 1965 sehen kann. Um seinen Film „Entity“ hatte ich bisher immer einen großen Bogen gemacht, nicht zuletzt wegen des billigen, exploitativen Coverartworks.

Das Cover der aktuellen Neuauflage auf DVD und – zum ersten Mal – auf Blu-ray (mit neuen Hintergrund-Features) sieht allerdings auch nicht wesentlich einladender aus. Im selben Jahr wie „Entity“ entstand auch Tobe Hoopers „Poltergeist“ (an dem Steven Spielberg nicht unerheblich Anteil hatte), in dem eine amerikanische Vorstadtfamilie Opfer paranormaler Phänomene wird.

Der große Erfolg des Films rief auch Nachahmer auf den Plan, wie eben Furies „Entity“, der den komischen Untertitel „Es gibt kein Entrinnen vor dem Unsichtbaren das uns verfolgt“ trägt, da sich „Entity“ offenbar nicht befriedigend übersetzen lässt.

Ein etwas plakativerer Alternativtitel lautete „Entity – Der Schänder aus dem Jenseits“. Furies Film stützte sich dabei auf den wahren Fall der Amerikanerin Doris Bither aus den Siebzigern, die behauptete, sie wäre von den Geistern von drei Männern vergewaltigt worden.

Diese Geschichte wirkt in „Entity“ nicht unbedingt glaubwürdiger. Aber während „Poltergeist“ nur ein harmloser Fantasy-Schmarrn war, besitzen gerade die Vergewaltigungsszenen von Furies Film eine wirklich furchterregende und verstörende Dimension, und die der exzellenten Hauptdarstellerin Barbara Hershey in ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter Carla Moran offenbar einiges abverlangten.