JOHNNY MARR

Call The Comet

Das dritte Soloalbum von Johnny Marr kommt mit all seinen treibenden Basslines dunkler und energetischer daher als die Vorgänger. Im Gegensatz zu seinem ehemaligen Bandkollegen Morrissey, der sich zunehmend in inakzeptablen plakativen Diskursposen in der Welt der Verschwörungstheorie ergeht, ist die Kritik von Marr an der Gesamtkonditionierung der Welt (Trump, Brexit, Terroranschläge) verklausulierter und er vermeidet es, den politischen Prediger zu geben.

Auf keinen Fall möchte er es als Konzeptalbum verstanden wissen. Es scheint, dass er in den Songs eher seine emotionale Gemütslage bedient, aber auch nach alternativen Gesellschaftsmodellen sucht.

„The tracers“ besticht mit „Woo-hoo“-Chören, wie man sie vom ROLLING STONES-Klassiker „Sympathy for the devil“ kennt, aber musikalisch huldigt er ein wenig THE CHARLATANS. Überhaupt lässt er des Öfteren den Madchaster-Sound der Hacienda aufleben.

„My eternal“ ist fast eine Achtziger-Jahre-Synthie-Wave-Nummer mit einer griffigen Hookline, die man sich im Vorprogramm von NEW ORDER vorstellen kann. „A different gun“, geschrieben unmittelbar nach den Anschlägen in Nizza und Manchester, ist dem Thema folgend eine ruhigere und tragende Nummer.

Im Song „Bug“ drückt er sein Unbehagen gegenüber dem rechten Populismus aus. Während der Aufnahmen im Studio projizierte die Band diverse Newsfeeds von Al Jazeera, Fox oder BBC an die Wand.

Es ist offensichtlich, dass ungeachtet der inhaltlichen Position, die vertreten wird, sein Umgang mit diesen Themen nicht konträrer zu dem von Morrissey sein könnte. Johnny Marr hat hier die besten Songs seit den frühen Tagen der THE SMITHS geschrieben.