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THRICE

Palms

Mit „Palms“ gelingt es THRICE ein weiteres Mal, sich selbst zu übertreffen. Und dieses Mal brauchten sie dafür nur knapp zwei Jahre. Dabei hat es nach „To Be Everywhere Is To Be Nowhere“ noch danach ausgesehen, als hätte die Band um Sänger Dustin Kensrue ihre ganz eigene Version von Rockmusik gefunden.

Bei der Entwicklung vom Post/Hardcore mit gehörigem Metal-Einschlag über rein elektronische Songs hin zu „erwachsener“ Gitarrenmusik – eigentlich hätte es keinen Grund dafür gegeben, ein weiteres Rock-Album der Band nicht gut zu finden.

Diesem Gedanken kommen sie nun mit „Palms“ zuvor. Ja, der Großteil der Platte wird von der Kombination aus Gitarre, Gesang und Beat getragen. Und ja, auch dieses Album klagt, im fast schon gewohnten THRICE-Stil, unter anderem auch unseren Umgang miteinander an.

Aber dieses Mal fühlt es sich anders an – vielleicht frischer. Wohlmöglich ist es aber auch das Überraschungsmoment, dass die Amerikaner wieder so ziemlich alle Erwartungen links liegen lassen und sich schlussendlich auf sich selbst konzentrieren.

Ohne Frage wird es Leute geben, die „Palms“ wahrscheinlich nur als eine mittelmäßige Platte einordnen, weil ihnen die Hits fehlen, die einen direkt anspringen. Dabei haben es sich THRICE verdient, mehr als nur oberflächlich und für ein paar Sekunden aufmerksam gehört zu werden.

Schon das atmosphärische Intro des Openers „Only us“ ist ungemein spannend. Was darauf folgt, ist vielleicht sogar der Prototyp des perfekten Albums. Nicht nur das starke „Everything belongs“ sondern vor allem das, mit Fan-Unterstützung entstandene „The dark“ sind zwei von zehn Ausnahmesongs, die vor allem dann richtig gut funktionieren, wenn man „Palms“ als eigenständiges Album hört.

Dustin Kensrue liefert hier textlich sein vielleicht bestes Werk ab, während vor allem das Geschwisterpaar Eddy und Riley Breckenridge extrem vielseitig klingt. „Palms“ sei die Antwort auf den aktuell grassierenden Hass und Fanatismus, erklärt der Sänger die Stimmung der Platte.

Dass diese von fragilen Harmonien und gleichzeitig auch brachialem Sound getragen wird, verdeutlicht die Unruhe und Wut, welche die Amerikaner während der Produktion dieser Platte umtrieben haben muss.

Deutlich wird das unter anderem, wenn in „Only us“ auf einmal aus „uns“, „die anderen“ wird. „Palms“ setzt ein Zeichen, das es ohne die momentane politische Entwicklung sicher nicht gegeben hätte.

So beschissen die Zeiten im Moment auch sein mögen, umso wichtiger ist es, dass so viele Musiker beschreiben, wie sie damit umgehen und vor allem wie es in ihrem Inneren aussieht. Denn wenn es auch unbegreiflich scheint, so wissen wir immerhin, dass wir mit unseren Gedanken nicht allein sind.

Wenn jetzt jemand die Augen vor der Realität verschließt, dann hoffentlich nur um „Palms“ die Aufmerksamkeit zu geben, die diese Platte absolut verdient.