GÜNTER SCHICKERT

Nachtfalter

Günter Schickert, der in diesem Jahr seinen siebzigsten Geburtstag feiert, wird wohl in diesem Leben nicht mehr über den Status des ewigen Geheimtipps für Krautrock-Liebhaber hinauskommen. Dabei zeigt er eigentlich immer wieder, wie zuletzt bei seinem langjährigen Projekt ZIGURI, dass er Rock auf sehr zeitgemäße Art neu interpretieren kann, ohne in irgendwelche Stereotype zu verfallen.

Ende 2018 erschien mit „Labyrinth“ ein weiteres Soloalbum von ihm, eine Mischung aus altem und neuem Material, jetzt folgt mit „Nachtfalter“ ein „echtes“ neues Album, dessen Titel Erinnerungen an Schickerts Debüt „Samtvogel“ von 1975 weckt.

Aber auch musikalisch lässt sich „Nachtfalter“ auf Schickerts Anfänge zurückführen, denn die Basis dafür liefern wie schon in der Vergangenheit sich überlagernde Gitarrenspuren, um eine möglichst hypnotische Wirkung zu erzielen.

An Schickerts grundsätzlichen songwriterischen Intentionen mag sich seit den Siebzigern nichts geändert haben, „Nachtfalter“ ist dennoch kein rein retrospektives oder altbackenes Album, sondern befindet sich auf Augenhöhe mit aktuellen Vertretern von Drone/Ambient – wenn es diese nicht sogar hinsichtlich seiner innovativen Ansätze, aggressiven Schärfe und musikalischer Komplexität hinter sich lässt –, zumal der Berliner ja auch einer der Väter dieses Sounds ist.