PETER GABRIEL

Hit 2CD

Auch wenn manche so tun, als hätten sie schon seit der Entwöhnung von Schnuller und Fläschchen Punkrock gehört, so gebe ich gerne zu, dass das bei mir nicht so war. Und so hörte ich in den ersten Jahren meiner Musikfankarriere und stolzer Besitzer eines Stereo-Kassettenrecorders eben das, was man allgemein als Popmusik bezeichnete - von NDW zu Hardrock und zurück.

Was gefiel, wanderte aus dem Radio auf eine der vielen Mixkassetten, wobei die Bandnamen und Songtitel oftmals eher lautmalerisch erfasst wurden und meine freien Interpretation mir heute noch Schamesröte ins Gesicht treiben.

Drei der Songs, denen ich damals hinterher jagte - man stelle sich vor, man geht nur eben aus dem Zimmer, kommt zurück und der Song hat schon angefangen, da kann man es vergessen, die Aufnahmetaste zu drücken und muss womöglich Wochen auf die nächste Gelegenheit warten - waren jedenfalls "Solsbury hill", "Biko" (Mann, war ich damals wütend auf die rassistischen Schweine in Südafrika!) und "Games without frontiers" (das kannte ich in der deutschen Version "Spiel ohne Grenzen" und dachte, das hätte was mit der gleichnamigen Fernsehsendung zu tun, tstststs) von Peter Gabriel.

Und auch wenn ich dann später lernen musste, dass GENESIS (bei denen Gabriel ja bis 1975 war) und Co. die Rock-Dinosaurier waren, gegen die sich Punk wandte, so blieben und bleiben die Songs von Peter Gabriel - alte wie neue - in Zeiten unfassbaren Mülls in Radio wie Musik-TV doch kleine und auch große Höhepunkte, ein Grund, das Radio auch mal lauter zu drehen.

Doch so vertraut ich mit den Hits von Gabriel auch in 25 Jahren Popmusikkonsums auch geworden bin, so besitze ich bis heute doch nicht eine Platte von ihm. Komisch eigentlich. Umso schöner, dass sich das nun geändert hat, denn für Menschen wie mich gibt's Best Of-Platten und eine solche ist diese Doppel-CD hier: 30 Songs aus 27 Jahren, mit allen Hits, die sich wiederum auf der ersten CD konzentrieren (neben den oben genannten auch "Sledgehammer", "Big time", "Shock the monkey") plus der unveröffentlichte Track "Burn you up, burn you down".

Die zweite CD trägt den Titel "Miss" und ist eher eine Obskuritätensammlung, unter anderem mit "No self control" und "San Jacinto" sowie ganz neuen Aufnahmen. Ein sehr schönes Packaging, wenn auch ohne Linernotes oder Diskographie, rundet den positiven Gesamteindruck ab.

Wenn doch nur Phil Collins halb so fähig wäre wie sein früherer Bandkollege Gabriel, dann wäre uns von dieser Seite her viel richtig schlimmer Popmüll erspart geblieben ... (08/10)