KEN STRINGFELLOW

Soft Commands CD

Der Mann ist ein Musikbesessener: Mit den von ihm zusammen mit Jon Auer in Seattle gegründeten POSIES wurde er zu Beginn der Neunziger erstmals bekannt, und als die sich dann Ende der Neunziger auflösten (mittlerweile gibt es sie ja wieder, ein neues Album steht für 2005 an), gründete er SALTINE, die aber auch schon längst wieder Geschichte sind.

Langweilig wurde es ihm trotzdem nicht: Noch zu POSIES-Zeiten berief ihn Alex Chilton in die reformierten BIG STAR, und wer hätte da widerstehen können und wollen? Und auch zu einem Angebot als Tourmusiker bei R.E.M.

sagt man nicht nein. Und dann, so als kleinen Kontrast und damit man am Boden bleibt, spielt man noch bei WHITE FLAG, geht mit denen auf Europatour, so geschehen vor zwei Jahren und jetzt im Dezember 2004.

Plus noch zig andere Aktivitäten. Und zwischendurch, wenn hier und da mal etwas Zeit ist in einem Studio, nimmt man auch noch ein Solo-Album auf. "Soft Commands" heißt das, und es ist ein wunderbar spleeniges Spezialisten-Album - nicht weil es auch nur eine Sekunde überfordern würde, sondern weil Menschen wie Stringfellow wie so viele Genies es kaum mal schaffen, wirklich massenkompatibel zu sein.

Und wenn, dann interessiert es den Mainstream-Hörer ja doch nicht. Obwohl: Wenn es ein Paul Weller anno 2004 doch mal wieder in die Charts schafft, könnte das einem Stringfellow mit dem souligen, beatlesquen "Let me do" etwa durchaus auch gelingen.

"Soft Commands" ist eine herausfordernde, nahezu perfekte Platte mit vielen Facetten, sehr elaboriert, doch nie glatt oder überproduziert, sondern das Werk eines Mannes, der in vielen Welten, von Punk bis Pop, zuhause ist und es doch schafft, alle stimmig unter eine Hut zu bekommen.

Jetzt warten wir einfach auf die neue POSIES-Scheibe. (52:11) (08/10)